Zwischenseminar Teil 2 und das große Animatorentreffen

Als wir schließlich nach zweistündiger Busfahrt ankamen, fanden wir uns in einem sehr verschlafenen kleinen Ort wieder. Ohne die Beschreibung, die wir im Vorhinein per E-Mail erhalten hatten, hätten wir unsere Unterkunft aber dennoch höchstwahrscheinlich nicht gefunden. Von den wenigen vorhanden Einheimischen wurde unsere bunte Reisetruppe neugierig beäugt. Als wir eintrafen, waren neben den beiden Seminarleiterinnen Astrid und Ann-Kathrin schon eine Handvoll anderer andere Teilnehmer vor Ort. Das Wetter lud dazu ein, den großen Garten unseres Seminarhauses ausgiebig zu erkunden. Neben einem Spielplatz (auch für „große“ Kinder noch interessant) gab es einen kleinen Teich und viele gemütliche Plätzchen zum Entspannen. Als am Abend alle eingetroffen und die Zimmer verteilt waren, gab es eine große Kennenlernrunde. Im Gegensatz zu unseren anderen Don-Bosco-Freiwilligen in Afrika, Indien und Südamerika war es nicht rentabel, für uns wenige Osteuropäer ein eigenes Seminar abzuhalten. Deswegen waren wir mit Freiwilligen der Organisationen Jesuit Volunteers, Eirene-Friedensdienst und der Franziskanerinnen Salzkotten zusammengelegt worden. Ein wirklich toller Umstand, denn so ergab sich für uns die Möglichkeit, die Konzepte, Einsatzorte und natürlich die Volos der anderen Organisationen kennenzulernen. Zwar hatten wir so keine persönliche Betreuung durch Francesco und Niklas, aber Astrid und Ann-Kathrin waren ein hervorragender Ersatz! 🙂 Das Wochenprogramm wurde uns in diesem Zuge auch gleich präsentiert und wir stellten im Laufe der Tage schnell fest, dass das Verhältnis zwischen „Arbeits“- und Freizeit sehr entspannt war… 🙂 Es blieb also viel Zeit, sich gegenseitig auszutauschen, Erfahrungen zu teilen, zu reflektieren oder auch einfach nur zu spielen und zu lachen. Ich will gar nicht alle Programmpunkte einzeln aufzählen, sondern beschränke mich nur auf besonders interessante Eindrücke. Am ersten Tag machten wir ein sogenanntes Pecha Kucha. Jeder Freiwillige hatte eine kleine Auswahl an Bildern aus seinem Projekt zusammengestellt und hatte jeweils genau 10 Sekunden pro Bild Zeit, um zu beschreiben und zu erklären. Eine sehr interessante Möglichkeit, zu all den Erzählungen auch einen visuellen Eindruck der anderen Projekte zu erlangen, Anschließend tauschten wir uns über all die Erwartungen aus, die wir uns im Vorfeld gestellt hatten und die Erfüllungen/Enttäuschungen derselben.

Der nächsten zwei Tage standen ebenfalls wieder thematische Einheiten auf dem Programm; wir interviewten uns beispielsweise in Gruppen über unsere konkreten Aufgabenbereiche und Projekte innerhalb der Einrichtung und über unsere Erfahrungen in der anderen Kultur unserer Einsatzländer. Auch ein Sozialdrama über die Lebensweise einer Roma-Familie in Bosnien-Herzegowina haben wir uns angesehen. Wir persönlich haben im Projekt mit Roma nichts zu tun, gerade deswegen war es ein interessanter Einblick in die prekären Zustände im Herzen Europas.

Der folgende Tag war ein wahrlich ereignisreicher – ein Ausflug in die nahegelegene größere Stadt Subotica stand auf dem Programm! Nach dem Frühstück quetschten wir uns allein einen viel zu kleinen Bus und zuckelten gut eineinhalb Stunden durch die karge serbische Landschaft. Am Busbahnhof wurden wir bereits von unserem überaus kompetenten Führer empfangen, der uns in bestem Englisch mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt vertraut machte. Höhepunkt der Besichtigung war die prächtige Synagoge mit wunderbar verzierter Inneneinrichtung. Eine derart alte (Baujahr 1901-1903) im Jugendstil errichtete Synagoge ist in Deutschland ja leider kaum mehr zu finden… Das Gebäude ist mittlerweile profaniert, wird also nicht mehr aktiv für Zusammenkünfte benutzt und fungiert nun als eine Art Museum. Beim Gang durch die Stadt bekamen wir viele Informationen zum geschichtlichen Hintergrund der Stadt, die lange zu Österreich-Ungarn gehörte. An der Architektur und nicht zuletzt auch an der allgegenwärtigen ungarischen Sprache war das leicht zu erkennen. Nach unserer Führung hatten wir relativ viel Freizeit und aus einer spontanen Eingebung beschloss eine kleine Gruppe von uns, einen Kurzfilm zu drehen. Requisiten und Ausstattung waren relativ beschränkt, dennoch erdachten und verfilmten wir einen Kurzkrimi mit dem Titel „Der Dieb von Subotica“, der von einem flüchtigen Stirnbanddieb handelte. Unser Kameramann Gregor stand uns fachmännisch zur Seite und so entstand ein unterhaltsamer Minifilm, der jedermann erfreute!

Bisher hatten wir in unseren Gruppenarbeiten ja hauptsächlich unsere Erfahrungen reflektiert. Aber das Zwischenseminar ist ja nicht ausschließlich dazu da, das Vergangene zu reflektieren, sondern auch, um neue Inspirationen zu sammeln und voller Ideen an den Einsatzort zurückkehren zu können. Also erstellte jeder Volontär ein Plakat mit einer Aktivität, die er gerne im Laufe seines Freiwilligendienstes noch realisieren würde. Es waren sehr interessante Projekte, die davorgestellt wurden; von Blutspendeaktionen und LGTB-Sensibilisierungs-Workshops bis zu Umwelttagen oder Englischkursen waren alle erdenklichen Vorschläge dabei. Unser eigenes Projekt strukturierten wir nach speziellen Leitfragen wie beispielsweise: Was will ich mit meinem Projekt bewirken? Oder Welche Materialien benötige ich?. Später konnte jeder auf kleinen Zetteln spezifische Fragen an die anderen Volos stellen. Später am Nachmittag bereiteten wir alle gemeinsam unsere Abschiedsfeier vor, die wir mit Musik und Texten selbst gestalten konnten. Ein schönes Ritual führten wir draußen am Ofen durch: Jeder konnte seine Sorgen auf einen Zettel schreiben und anschließend verbrennen. Den Abend ließen wir nach einem bombastischen Buffet am Feuer ausklingen, bevor wir am nächsten Tag leider schon wieder die Heimreise antreten mussten. Nach einem emotionalen Abschied ging es mit dem Bus zurück nach Belgrad und von dort aus nach Timișoara. Dort hatten wir eine Übernachtung eingeplant, weil wir die doch äußerst lange Fahrt zurück nicht an einem Stück absolvieren wollten. Unser Hostel für eine Nacht war zwar sehr klein, aber durchaus fein und die perfekte Lage im Zentrum nutzten wir aus, um uns nochmals mit den anderen Volontären zu treffen, die in Timișoara wohnen. Am Tag darauf blieb uns nicht mehr viel Zeit für Sightseeing, denn um 14 Uhr fuhr unser Bus in die Heimat bereits ab. Im Gegensatz zur Hinfahrt hatten wir den Bus fast für uns alleine und somit viel Platz für die Nacht. „Platz“ ist für jemanden mit meiner Körpergröße natürlich immer relativ, aber jedenfalls kamen wir am nächsten Mittag einigermaßen ausgeruht mit zweieinhalb Stunden Verspätung wieder in Chișinău an. Zusammengefasst war das Zwischenseminar wirklich eine wunderbare Auszeit vom Alltag mit vielen neuen Leuten, tollen Seminarleiterinnen und einem tollen Haus mit wunderbarem Essen! Wir alle hätten gerne noch eine zweite Woche angehängt… 🙂

Das nächste große Ereignis nach dem Zwischenseminar war das Treffen aller Animatoren der drei Don Bosco-Zentren. Diese dreitägige Zusammenkunft findet jedes Jahr statt und der Veranstaltungsort „rotiert“immer zwischen den Zentren. Dieses Jahr war Constanța in Rumänien an der Reihe. Verglichen mit der Anzahl der Animatoren aus den beiden anderen Zentren waren wir „Chisinauer“ eher sparsam vertreten, aber mit immerhin 20 Personen haben wir uns freitagabends auf den langen Weg nach Constanța gemacht. Wir mussten uns auf unseren Kleinbus und die öffentlichen Linien aufteilen. Nach einer sehr langen Nacht kamen wir morgens als erste im Zentrum an und bekamen gleich eine kleine Führung durch die Gemüsegärten. Den gesamten restlichen Tag bekamen wir zur freien Verfügung und nutzten die Zeit für einen ausgiebigen Streifzug durch die Stadt. Constanța liegt direkt am Schwarzen Meer und so durfte natürlich auch ein Abstecher zum Strand nicht fehlen. Zwei mutige Animatoren nutzten sogar die Gelegenheit für ein kurzes Bad, obwohl es doch noch sehr frisch war! Abends kamen die restlichen Animatoren aus Bacău an und nach einem ersten Kennenlernen war der Tag mit einem „Gutenacht“ von den Salesianern auch schon zu Ende. Am nächsten Tag gab es nach dem Frühstück zwei thematische Einheiten von zwei jungen Salesianern mit interessanten Impulsen und Gruppenarbeiten. Am Nachmittag gab es ein großes Turnier aller möglicher Ballsportarten und wir bereiteten in Gruppen verschiedene Darbietungen für das Abendprogramm vor. Zur Auswahl standen beispielsweise Tanz, Comedy, ernstes Theater und Musik. Ich habe mich mit in der Musikgruppe engagiert und zusammen haben wir ein Lied gedichtet und am Abend in einer lustigen Gruppenperformance vorgestellt. Nach dem Abendprogramm gab es noch einen Gottesdienst nebst wunderbarem Kreuzweg mit Prozession bei Kerzenlicht über das gesamte Oratoriumsgelände. Leider war der Sonntag als dritter Tag auch Tag der Abreise und so gab es nur noch ein Vormittagsprogramm mit Erfahrungsaustausch und Vorschlägen für das kommende Jahr. Nach dem Gottesdienst hieß es dann Abschied nehmen und so traten auch wir wieder den langen Rückweg an. Anfangs war die Situation etwas ungewohnt, plötzlich mit 150 unbekannten Jugendlichen auf einmal zusammenzutreffen, aber ich habe mich gleich wohl gefühlt und es ergaben sich auch sehr nette Begegnungen und Gespräche! (Unser „Exotenstatus“ als Deutsche hat vermutlich auch dazu beigetragen :))

In meinem nächsten Beitrag, den ich schnellstmöglich verfassen und online stellen werde (ich weiß, bei mir dauert es immer etwas länger… ;)), werde ich euch vom moldauischen Osterfest und natürlich von einigen anderen Ereignissen erzählen! Jetzt sind wir für ein Wochenende in Rumänien, um den Papstbesuch live mitzuerleben. Auch dort werden wir mit Sicherheit spannende Tage verbringen!

Bis nächstes Wochenende

Euer Aaron

PS: Dieser Beitrag ist leider ohne Fotos, aber ich werde versuchen, einen Extraordner zu erstellen, in dem ich die Bilder separat hochlade. Ich hoffe, dass es klappt! 🙂 Im nächsten Beitrag kommen auf jeden Fall wieder Bilder im Artikel!

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