Liebe Leser,

Wie die meisten von euch wissen, heiße ich Mathilde und absolviere gerade einen „Entwicklungspolitischen Freiwlligendienst“ beziehungsweise ein „Freies Soziales Jahr“ (FSJ) in Indien. Nachdem ich die ersten 18 Jahre meines Lebens in Berlin gelebt habe, hatte ich eigentlich vor, nach dem Abitur mal in einer etwas kleineren Stadt oder vielleicht irgendwo auf dem Land zu leben. Wenn man bedenkt, dass ich nun in Mumbai, einer Stadt mit über 20 Millionen Einwohnern, gelandet bin, hat das wohl nicht so ganz geklappt. Und trotzdem kann ich nach dem knappen Monat den ich nun hier bin sagen, dass es keinen Ort auf der Welt gibt, an dem ich gerade lieber wär. Dazu tragen vor allem die wunderbaren Menschen bei, die ich bisher kennegelernen durfte und das tolle Projekt, von dem ich nun ein Teil sein darf.

Natürlich fehlt mir meine Familie, meine Freunde, Berlin und mein „altes Leben“ mit vertrautem und geregeltem Alltag ab und zu, jedoch lässt mein neuer Alltag, der in beiden Punkten wohl das genaue Gegenteil ist, dafür (zum Glück) kaum Zeit. Von früh morgens bis spät abends bin ich nicht nur mit der Arbeit, sondern vor allem mit dem Sammeln und Verarbeiten der ganzen neuen Eindrücke beschäftigt.

Ich lebe und arbeite hier im „Shelter Don Bosco„, der ein Heim für Jungs zwischen 8 und 18 Jahren  ist, die aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammen, die es ihnen verbieten mit ihren Familien zu leben. Hier können sie schlafen, sich waschen, essen, werden zur Schule geschickt und bekommen Nachhilfe. In verschiedenen Klassen werden drei mal täglich wärend der Studytime einzelne Themengebiete in Mathe oder Englisch vertieft oder die Jungs bekommen persönliche Nachhilfe und Unterstützung von Louisa, mir oder anderen Freiwilligen. Da viele von ihnen mit Traumata zu kämpfen haben gibt es außerdem eine Art Psychaterin und unterschiedliche Gruppentherapien, in denen unter anderem gemalt, getanzt und gespielt wird. Zudem werden Kurse wie Kochen, Nähen und Gärtnern angeboten aber auch welche über Finanzen, die Umwelt oder Kunst.

Louisa und ich haben verschiedene Aufgaben, unter Anderem das Mittagessen und den Nachmittagstee zu verteilen, den Kleinen bei ihrer Hygiene und Wäsche zu assistieren oder den Jungs bei ihren Hausaufgaben zu helfen. Zudem gebe ich einigen Klavierunterricht und ab und zu haben wir zusammen eine kleine Englischklasse. In der restlichen Zeit versuchen wir in Gesprächen mit den Jungs unser Hindi und ihr Englisch zu verbessern und spielen viel Charrom.

In den paar Wochen die ich nun hier bin, habe ich diese Jungs und das ganze Projekt bereits mehr ins Herz geschlossen, als ich es jemals für möglich gehalten hätte. Es ist unbeschreiblich, wie lieb und freundlich die meisten von ihnen sind, wie intelligent und wissbegierig. Trotz der Sprachbarriere verstehen wir uns mehr als gut und es macht so viel Spaß sie mit jedem Tag besser kennenzulernen und nach und nach Beziehungen zu ihnen aufzubauen. Seitdem ich den ersten Fuß in den Shelter gesetzt habe, fühle ich mich wie in einer Familie aufgenommen. Die Tage sind zwar lang und anstrengend, aber jeden Abend freue ich mich bereits auf den nächsten Morgen.

Um euch alle über meine Erfahrungen und Erlebnisse, die ich im Shelter, in Mumbai und vermutlich auch auf der ein oder anderen Reise durch Indien machen werde, auf dem Laufenden zu halten, habe ich diesen Blog eingerichtet, auf dem ihr das alles, wenn ihr interessiert seid, mitverfolgen könnt.

Außerdem möchte ich auf diesem Weg Spenden sammeln, die dabei helfen, dieses Jahr zu finanzieren. Bitte schaut euch dazu die Seite für Spenden an, da habe ich den Sinn und das Konzept dahinter genauer erklärt.

Ich freue mich über eure Fragen, Kommentare und Rückmeldungen!!

Liebe Grüße aus Mumbai,

Mathilde