Jetzt schreibe ich tatsächlich meinen letzten Blogeintrag an meinem letzten Tag hier in Mumbai. Unglaublich, wie schnell so ein Jahr vergehen kann, wie viel ich erlebt und gelernt habe und dass ich morgen um diese Zeit wieder in Deutschland sein werde. „Time moves slowly but passes quickly“ ist ein Zitat der wunderbaren Alice Walker und es gibt nichts was meine Gedanken besser zum Ausdruck bringen könnte.

Die ganze letzte Woche haben wir mit unterschiedlichsten Abschiedsessen verbracht und gestern war dann unsere Farewellparty im Shelter. Dafür haben unter anderem ein par Jungs „The scientist“ von Coldplay gesungen, eine rührende Rede gehalten und sogar einen Schuhplattertanz aufgeführt (aus welcher dunklen Ecke des Internets sie das Tutorial dafür heraus gekramt haben will ich lieber gar nicht wissen). Zum Ende gab es dann Kuchen, Chai, Samosas und viele Tränen. Schon jetzt merke ich wie sehr ich die Jungs vermissen werde. 

Natürlich lässt sich ein Jahr, egal wie und wo man es verbracht hat, unmöglich in ein par Sätzen beschreiben. So auch dieses nicht. Was sich aber mit Sicherheit sagen lässt ist, dass es eines der wichtigsten Jahre meines Lebens war und auch ziemlich sicher, egal was da noch so kommen wird, immer sein wird, das ich niemals vergessen werde. Die Erlebnisse und Erfahrungen, die ich hier gesammelt habe und die Menschen die ich kennen lernen durfte, werden für immer ein wichtiges Kapitel sein und mich prägen. 

Auch wenn ich, mit der doch sehr naiven Vorstellung, hergekommen bin hier vielen Menschen zu helfen und super wichtige Arbeit zu leisten, ist mir nun mehr als je zuvor klar, dass der Mensch der ohne Zweifel am meisten von diesem Jahr profitiert ich selbst bin. Auch wenn ich den Jungs Englisch und Musikunterricht gegeben habe, mit ihnen Hausaufgaben gemacht, gespielt und ihre Wäsche gewaschen habe, habe ich so unendlich viel mehr gelernt, als ich selbst jemals in der Lage wäre irgendwem beizubringen. Neben den offensichtlich Dingen wie indischen Tänzen, kochen und Hindi habe ich nicht nur unglaublich viel über die indische Kultur und das Leben hier, sondern auch über mich selbst und die Person die ich gerne sein beziehungsweise werden möchte gelernt. Meine Perspektive und Weltanschauung hat sich auf eine Weise erweitert, wie es, wäre ich in Europe geblieben, niemals möglich gewesen wäre. Und zwar nicht nur durch die andere Kultur und Lebenswelt die ich hier kennenlernen und leben durfte sondern auch durch den Abstand den ich dadurch zu der anderen hatte.

Ich bin so dankbar diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen, was nicht zuletzt Ihnen allen, meinen Lesern und Spendern zu verdanken ist. In diesem Sinne noch einmal vielen herzlich Dank an alle meine mentalen und finanziellen Unterstützer!