Mathilde in Mumbai

mein Jahr im Shelter Don Bosco

Filmempfehlungen

Diesen Monat möchte ich mich in meinem Artikel einmal einem besonders wichtigen Teil der Indischen Kultur widmen, nämlich den Bollywoodfilmen. Diese sind aus Indien weniger wegzudenken, als Elyas M’Barek aus Deutschland und sind im wahrsten Sinne des Wortes eine ganz eigene Welt. Als wir das erste mal hier im Kino waren, was schon ein Abenteuer für sich war, hat uns ein Freund, halb im Spaß und halb ernst, erklärt, die Inder haben drei Arten von Göttern: die Hinduistischen Götter, die Cricketspieler und die Schauspieler.

Ein typischer Bollywoodfilm vereint einfach alles: Familie, Freundschaft und Romantik, Gut gegen Böse, mutige Helden und schöne Frauen, tolle Kostüme, mindestens eine Kampfszene und eine Hochzeit und natürlich ganz viel Musik und Tanz. Es ist also für wirklich jeden etwas dabei. Außer vielleicht für jemanden der auf anspruchsvolle Handlungen steht.

Die Filme, die ich im Folgenden vorstelle, weichen zwar alle ein wenig von diesem Schema ab, machen sie aber nicht weniger unterhaltsam.

Ein Film den, wie ich finde wirklich jeder gesehen haben sollte, ist „Manto“. Produziert, geschrieben und unter der Regie von Nandita Das, was allein ihn schon zu einer Besonderheit macht (weibliche Regisseure sucht man in Bollywood noch vergeblicher als in Hollywood, wer hätte das gedacht). Er erzählt die Geschichte des Autoren Saadat Hasan Manto, der durch seine systemkritischen und provokanten Werke ins Visier der Regierung gerät. Zudem lebt er in den 1940er Jahren, also der Beginn der Unabhängigkeit und damit der Trennung von Indien und Pakistan, die bei dem muslimischen Künstler, wie bei tausenden anderen, eine Identitätskrise und innere Zerrissenheit auslöst. Presse- und künstlerische Freiheit, Religion, Identität, Nationalität, Unabhängigkeit aber auch Familie und Freundschaft sind die zentralen Themen des Filmes.

Ein weiterer Film, der ein eher unkonventionelles Thema behandelt ist „Ek Ladki Ko Dekha Toh Aisa Laga“ (sehr frei übersetzt: was ich fühlte als ich dieses Mädchen sah). Es wird die Geschichte eines hübschen, jungen Mädchens, Sweety, erzählt. Diese lernt auf der Flucht vor ihrem Bruder, der scheinbar von ihrer heimlichen Beziehung zu einem Moslem erfahren hat und die Familienehre in Gefahr sieht, einen jungen Regisseur kennen. Im Folgenden meint dieser sich in sie zu verlieben während ihre sehr traditionsbewusste und religiöseFamilie einen passenden Ehemann für sie sucht. Die Auswahl besteht zwischen drei Männern, von denen ihr aber keiner zu passen scheint. Erst als sie verzweifelt fragt, warum eigentlich alle meinen, dass die Liebe zu einem Mann die einzig mögliche Option sei, dämmert es einem: die heimlich Affäre ist kein Moslem, noch schlimmer, es ist eine Frau. Trotz des unerwarteten plot twists spart der Film nicht an toller Musik, Romantik und Witz. Es ist der aller erste Mainstream Bollywoodfilm, der keine Heterobeziehung zum Thema hat. Trotzdem schafft er es, dass der Zuschauer nicht ein Bollywoodklischee vermissen muss und gleichzeitig ein (ja bei weitem nicht nur in der indischen Gesellschaft) extrem kontroverses Thema vielschichtig zu beleuchten.

Zuletzt möchte ich euch den Dokumentarfilm „Raghu Rai – an unframed Portrait“ ans Herz legen. Hier lässt uns die Tochter des Magnumfotografen Raghu Rai an deren gemeinsamem Leben und Arbeit teilhaben und ermöglicht einen sehr privaten und interessanten Blick auf eben diese. Vor allem die beiden bei ihrer Arbeit im Konfliktgebiet Kashmir beobachten zu dürfen ist sehr spannend.

Bei diesen drei Filmen ist hoffentlich für wirklich jeden etwas dabei. Ich bin gespannt, wie sie euch gefallen und freue mich über Rückmeldungen!

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  1. Avatar

    Stefanie Hartman

    Meine liebe Mathilde,
    was für ein Abendteuer. Bollywood Filme sind in Deutschland, oder zumindest bei mir und meinen Freundinnen, so ein Klischee, und Du bringst eine völlig andere Note dahinein. Es macht so einen Spass Deine Filmkritik zu lesen, Knut Elstermann hätte es nicht besser beschreiben können. Wir werden auf jeden Fall versuchen diese Filme an zu schauen und dabei an Dich am anderen Ende der Welt denken, Deine Mami

  2. Avatar

    Dr.Martin Thomas Schäfer

    Mathilde Liebes,
    welch anregende Idee über Filmempfehlungen von Dir aus Indien zu hören und ein bißchen kulturell teilhaben zu können an Deiner Welt. Wir werden (sie an-) sehen…
    Wir hoffen es geht Dir gut. Neben „Lunch Box“- der in Mumbai spielt- und die leckere indische Essenskultur und die Dabbawallas (you know it !) zum Thema hat, ist mein absoluter Favorit Wes Andersons skurriler „Darjeeling -Limited“mit opulenten Bildern und fantastischer Musik (hear it !). Dito „Monsoon Wedding“ mit überbordenden farbenprächtigen Bildern und viel Liebe – geehrt mit dem Goldener Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig- , und dies ohne kitschig ab- und auszurutschen.
    Auf bald zum Kulturaustausch und Abgleich – wir können noch so viel lernen – paß auf Dich auf, sei umarmt
    mARTin & ari

    • Avatar

      I know it! Und jetzt kann ich’s (man glaubt es kaum) sogar auch kochen!!
      Freue mich auch schon sehr, aufs lernen und gelerntes weitergeben und am meisten auf euch

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