Mathilde in Mumbai

mein Jahr im Shelter Don Bosco

Happy Jingle Bells

Zu erst einmal möchte ich ganz herzlich allen Menschen danken, die bereits für mein Projekt gespendet haben. Eine Spende war großzügiger als die nächste und ich habe mich über jede einzelne wirklich extrem gefreut. Leider ist trotzdem noch nicht einmal die Hälfte des erforderlichen Geldes zusammengekommen ….

Man glaubt es kaum, aber auch hier herrscht eine gewisse Weihnachtsstimmung. Wir haben den Shelter mit haufenweise Sternen, Lichterketten, Kunsttannenbäumen und unendlichen Mengen Lametta geschmückt (von dezenter, schlichter Deko wird hier nicht so viel gehalten). Während wir die Unmengen Schmuck sortiert haben sind die Jungs fröhlich durch das Lamettameer getanzt und haben die paar Brocken von „Twinkle twinkle little Star“ und „Jingle bells“ die sie kannten mit ihren eigenen Variationen ergänzt und uns „Happy jingle bells“ gewünscht. Mit den vier Jungs denen ich Klavierunterricht gebe studieren wir fleißig „Jingle Bells“ und „Gloria“ ein und die Aufregung vor ihrem ersten großen Auftritt am Heiligabend steigt mit jedem Tag. Es hat ja jetzt auch nur noch um die 28°C (tiefster Winter also). Außerdem basteln wir mit Hilfe einer weiteren Freiwilligen „Nachhaltigen Weihnachtsschmuck“ aus Plastikmüll (treue Leser werden sich daran erinnern, wie wichtig das Thema Umweltschutz und Plastikverschwendung hier ist).
Letzten Monat haben Louisa und ich im Anschluss an ein Seminar über den Umgang mit drogensüchtigen Jugendlichen eine Art „alternative“ Entzugsklinik besucht, die von einem Don Bosco Father geleitet wird. Sie liegt etwas abgeschieden in den Bergen. Schon während der etwa zweistündigen Zugfahrt konnten wir aus dem Fenster die wunderschöne grüne Berglandschaft betrachten und beim aussteigen mussten wir uns erst mal an die saubere Luft und die Ruhe gewöhnen, die man ja hier in Mumbai eher vergeblich sucht. Das Haus ist wunderschön, mit riesigem Garten in dem Gemüse und Kräuter angepflanzt werden. Die Philosophie ist, dass hier nur Jungs/junge Männer herkommen, die sich keinen anderen Entzug leisten können (konventionelle Entzugskliniken sind absurd teuer) und hier freiwillig sind, also zu nichts gezwungen werden und jeder Zeit gehen können. Das Programm geht etwa vier Monate und umfasst intensiven Detox, eine Menge Yoga, Sport und Kochen, Schach und Carrom und individuelle Betreuung und Pläne um wieder in die Gesellschaft integriert zu werden. Die Stimmung dort war unbeschreiblich, ruhig, entspannt und angenehm.
Anfang dieser Woche haben unsere Jungs dann an einem Sportfest der etwas anderen Sorte teilgenommen. Drei Tage lang haben 16 NGO’s der Umgebung auf dem Gelände eines Jugengefängnisses verschiedenste Wettkämpfe veranstaltet. Weil unsere Jungs sehr ehrgeizig schon Tage lang trainiert hatten, haben sie unter anderem im Froschhüpfen und Rangolie malen (das sind Bilder aus einer Art buntem Sand) aber auch bei vielen Spielen und Wettrennen einige Medaillen gewonnen, die sie dann unendlich Stolz mit nach Hause nehmen durften.
An Weihachten selbst hatten wir dann ein riesiges Fest mit Spielen, Musik und natürlich köstliches Essen. Da Louisa und ich auch etwas beisteuern wollten, haben wir am vorigen Abend bis 3 Uhr morgens unendliche Mengen Kekse gebacken, die wir dann an die Jungs, Fathers und unsere Mitarbeiter verteilt haben.
Morgen geht es für uns außerdem zum „Boscoree“, einen Pfadfindercamp das alle vier Jahre von den Salsianern organisiert wird. Es findet in den Bergen statt und wir werden drei tage dort mithelfen und sind schon sehr gespannt.
So habe ich also mein erstes Weihnachten weg von zuhause verbracht und auch wenn es schade war, es nicht mit meiner Familie feiern zu können, habe ich es auch genossen einmal nicht zu frieren und (glaubt es oder nicht) einen ganzen Dezember nicht ein einziges mal „Last Christmas“ zu hören.

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    Stefanie Hartman

    Liebe Mathilde,
    das ist kaum zu glauben, denn wenn man mal hochrechnet wie oft wir ab November „Last Christmas“ hören….etwa einmal pro Stunde, 12 Stunden am Tag, und das über 6 Wochen, da hast Du es ja nur 528 mal verpasst, grob geschätzt! Wir haben Dich an Weihnachten sehr vermisst, auch wenn Du immer unser Weihnachtsgrinch warst. Was Du stattdessen Phantastisches erlebst macht das alles wieder wett, und Deine Erfahrungen lesen sich wie ein unglaubliches Abenteuerbuch. Wir erleben alles weiter sehr gerne mit und freuen uns auf weitere Nachrichten von Dir, Deine Mami mit Kläre und Adele

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    Härle Henriette

    Liebe Mathilde,
    Gutes Neues!
    Was für eine beeindruckende Lektüre. Uwe und ich sitzen im Auto auf dem Heimweg von Fanø. Ich habe ihm alle deine Einträge vorgelesen. Sehr kurzweilig! Uwe könnte natürlich niemals ein Jahr ohne Schwäbisches Essen leben. 🙂
    Freuen uns auf weitere heitere Beiträge von Dir.
    Du kannst echt stolz auf dich sein.
    Ganz liebe Grüße Henriette mit Uwe

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      Liebe Henriette,
      danke für die nette Nachricht! Ja unser Essen hier ist da schon seeeehhhhr anders…. Aber ich frag mich jetzt schon, wie ich jemals wieder ohne Reis und Dhal jeden Tag leben soll
      Liebe Grüße, Mathilde

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    Gitti Elkart

    Liebe Mathilde,
    ich habe immer so eine Freude, wenn ich Deine lebhaften Erzählungen lese und kann es mir richtig gut vorstellen. Bis auf dass 28°C tiefster Winter sein soll – das fällt mir bei Schneefall und Minusgraden hier doch etwas schwer.
    Es war sicher eine aufregende Erfahrung für Dich, Weihnachten so weit weg zu feiern. Aber Du scheinst so in Deinen vielen Aufgaben aufzugehen, dass es bestimmt auch so anders schön für Dich war.
    Ich bewundere Dich, wie Du den Menschen dort hilfst. Es ist bestimmt nicht immer ganz leicht, mit Slumkindern oder drogensüchtigen Jugendlichen zu arbeiten, aber mit Deiner herzlichen, fröhlichen und anpackenden Art bist Du ganz sicher eine große Bereicherung für alle dort.
    Viele liebe Bussilis von Deiner auf Dich stolzen Nonna (die das Lied Last Christmas übrigens gerne mag)

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