Maria in Ruanda

ein Jahr im Land der tausend Hügel

Vom Busfahren, Pfeifen und Händeschütteln

Muraho!

In diesem Blogeintrag beschreibe ich euch ein paar Dinge, die mich in den ersten Wochen hier erstaunt, begeistert oder zum Lachen gebracht haben: das, was die Zeit hier so aufregend macht, und was mein Leben hier von dem Leben in Deutschland unterscheidet, kleine Besonderheiten in Verhalten, Sprache usw.

Gleich vorweg möchte ich aber klarstellen, dass ich nicht weiß, ob das alles auf ganz Ruanda zutrifft (geschweige denn auf ganz Afrika). Es sind alles nur persönliche Erlebnisse und Erfahrungen, die ich hier in Rango gemacht habe.

Wenn man beim Händeschütteln zeigen möchte, dass man sein Gegenüber respektiert, legt man die linke Hand auf den eigenen rechten Unterarm. Unter Jugendlichen ist das eher unüblich, wenn wir Erwachsene begrüßen, ist das aber schon angebracht.

„Hey, wenn du weiter pfeifst, wächst dir ein Bart!“, wurde mir neulich gesagt. Pfeifen, das sei etwas für Männer. Später verrät mir der junge Mann aber, dass die Sache mit dem Bart nur eine Geschichte ist. Ich soll ruhig weitermachen.

Die meisten Menschen hier haben zwei individuelle Namen: einen englischen oder französischen (Jean-Claude, Samueli, Jolie, Erik) und einen auf kinyarwanda. Die Kinyarwanda-Namen haben meistens eine Bedeutung, zum Beispiel Shimiyimana – Dank sei Gott. Familiennamen gibt es nicht. Oft fragen uns die Kinder deshalb nach unseren zweiten Namen und finden es dann total witzig, dass unsere Nachnamen so ungewohnt klingen.

Wenn eine junge Frau etwas fallen lässt, dann bedeutet das, dass sie einen Mann sucht. Beim ungeschickten Tisch decken haben Cili und ich deshalb schon für einige Lacher gesorgt. Wenn man Besteck fallen lässt, dann heißt das außerdem, dass Besuch kommt. Ist es ein Messer, kommt ein Mann, ist es eine Gabel, kommt eine Frau.

Das Busfahren ist hier viel spontaner: Es gibt keine festen Abfahrtszeiten, die Busse fahren erst los, wenn sie bis auf den letzten Platz voll besetzt sind. Meistens dauert das aber nicht lange. Bis auf Anfangs- und Endstation gibt es auch keine festen Haltestellen. Wer einsteigen möchte, streckt den Arm mit der Handfläche nach oben aus, damit der Bus hält. Wer aussteigen möchte, kann einfach an die Wand oder an die Decke klopfen. Wenn man dann mal ein bisschen schneller unterwegs sein möchte oder es für den gewünschten Weg keine Buslinie gibt, kann man auch mit dem Mototaxi fahren, das ist hier sehr beliebt und macht mir viel Spaß.

Wer an den Fingern etwas abzählt, fängt beim kleinen Finger an und arbeitet sich dann bis zum Zeigefinger vor. Die Zahl fünf zeigt man dann mit einer geballten Faust. Als die Jungs im Oratorium in der ersten Woche testen wollten, ob ich schon auf Kinyarwanda zählen kann, haben also alle auf ihren kleinen Finger gezeigt und ich habe erstmal gar nicht verstanden, was sie wollten. Dafür waren sie aber sehr beeindruckt davon, dass ich schon fehlerfrei bis zwanzig zählen konnte.

Streckt man den Arm nach jemandem aus und macht die Handfläche auf und zu, dann bedeutet das, die Person soll herkommen. Das sieht für mich immer noch sehr so aus wie Winken. Manchmal mache ich diese Geste aus Versehen, wenn ich eigentlich winken will.

Einige Jugendliche lassen sich die Fingernägel der kleinen Finger länger wachsen als die der anderen Finger. Die meisten machen das, weil es hier modern ist. Einer verrät aber, er benutzt den langen Fingernagel auch, um sich die Ohren sauberzumachen… 😉

Begrüßungen haben einen hohen Stellenwert. Viele Floskeln werden ausgetauscht, auch dann, wenn man sein Gegenüber nicht kennt. Vormittags grüßt man sich zum Beispiel mit „Mwaramutse“, das wird genauso wie „guten Morgen“ verwendet, bedeutet aber wörtlich übersetzt „(wie) hast du die Nacht überlebt?“

Vorm Schlafengehen wünscht man sich häufig „urote Imana“, das bedeutet „träum von Gott“. Oft sagen wir aber aus Spaß auch „urote inzoga“ – „träum von Bier“ – oder die Jungs sagen uns, wir sollen von ihnen träumen, wenn sie sich nach dem Oratorium von uns verabschieden. „Muramuke! Urote Jean-Paul!“

Falls bei euch also gerade die Nacht beginnt oder ihr gleich einen Mittagsschlaf macht:

Urote Maria!

Und hier – wenn auch ohne Zusammenhang – noch ein aktuelles Bild aus dem Oratorium!

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Mariaroza – das Oratorium

  1. Kathi

    Hey liebe Maria!

    Ich wollte gar nicht, dass dein Beitrag endet, so interessant fand ich deine persönlichen Beobachtungen! Und besonders gefällt mir, dass viele Namen eine Bedeutung haben. 🙂

    Alles Liebe und pass auf dich auf.

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