Jedes Ende ist ein neuer Anfang. Diesen Spruch kennt jeder. Aber wenn es dann tatsächlich zum Abschied oder zum Loslassen von bestimmten Menschen oder Tatsachen kommt, ist das Ganze nicht so einfach wie gedacht. Dieser Monat hatte für mich viel damit zu tun, wie ich mit Fakten umgehe, die ich nicht ändern kann, sowie der Abschied von liebgewonnenen Menschen.

Zwischenseminar mit Don Bosco Volunteers

Für alle VolontärInnen, die mit Don Bosco Volunteers ausreisen, ist ein Zwischenseminar im Einsatzkontinent verpflichtend. In Indien war hierfür unser Treffpunkt in Hyderabad, wo wir im Provincial House auf Niklas und Laura, unsere LeiterInnen des Seminars, getroffen sind. Unser Weg von Vijayawada war mit nur sechs Stunden Zugfahrt mit der Kürzeste. In dieser Woche ging es darum, unsere Arbeit und uns selbst zu reflektieren. Wir haben uns mit unseren Zielen und der Zukunft auseinandergesetzt. Dabei war es cool, alle Volos, die in Indien stationiert sind, wiederzusehen und sich über Erlebnisse und Gedanken auszutauschen. In einem anderen Land mit einer fremden Kultur ist es manchmal schwer zu verstehen, warum etwas wie gemacht wird. Gerade dabei ist Austausch hilfreich. Auf so manche Dinge gibt es nicht DIE Lösung und es fällt mir nicht immer leicht, das zu akzeptieren. Dann kann es helfen, mit Menschen zu reden, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.

Eine jede Menge Spaß hatte ich dennoch. Die Extra Zeit gemeinsam hat mich mit meinen Mitvolontärinnen Anna und Theresa ein Stück weiter zusammengeschweißt. Wir können (aufgrund desselben durchgedrehten Humors) den größten Quatsch zusammen machen, aber auch wenn es um Ernsteres geht, finde ich bei den Beiden immer ein offenes Ohr. 🙂 Genauso war es bereichernd, andere Volos besser kennenzulernen und Zeit miteinander zu verbringen. Schließlich hieß es nach fünf Tagen wieder Abschied voneinander nehmen. Dennoch haben wir uns fest vorgenommen, ein paar von den anderen Einrichtungen in Indien zu besuchen.

Volo-Seminar im Chiguru

Kurz nachdem wir wieder in Vijayawada angekommen waren, sind wir auch gleich in eines der Außenprojekte abgereist. Mit zwei Fathers und den beiden Volontärinnen aus Hyderabad hatten wir im Chiguru nämlich ein zweitägiges Seminar, um unsere Verhaltensweisen gegenüber den Kindern zu reflektieren und womöglich neue Ideen diesbezüglich in Angriff zu nehmen. Dort habe ich auch unsere zwei neuen MitvolontärInnen aus Österreich kennengelernt. Es war schön, meine Kinder im Chiguru wiederzusehen und ich wäre am Liebsten noch länger dort geblieben.

Zusammen mit den Fathers haben wir Vijayawada noch ein bisschen touristisch erkundet. Einen Telugu-Film im Kino anzuschauen, durfte natürlich auch nicht ausbleiben. Es war der Erste, den ich wirklich aktiv angeschaut habe. Obwohl ich die Sprache nicht verstanden habe, habe ich mich sehr amüsiert. Diese Filme neigen hin und wieder dazu, die Geschehnisse mit einer abgefahrenen Story, viel Slow Motion und umso mehr Kampfszenen überzudramatisieren. 😉

Thank you, Maria Akka!

Das stand auf dem Plakat, dass ich zusammen mit den Kindern für meine Projektpartnerin Maria gebastelt habe. Denn nun hat sie ihr Praktikum in Navajeevan Bala Bhavan beendet und kehrt morgen zurück nach Deutschland, um ihr Studium zu beenden. In Padmavathi Ghat gab es zu diesem Anlass eine Farewell. Es wurde Kuchen gegessen und Geschenke, sowie Blumenkränze verteilt. Ich finde es schade, dass die gemeinsame Zeit vorbei ist. Denn im selben Projekt zu sein bedeutet, tolle Momente, wie auch Sorgen miteinander zu teilen. Maria ist mir auf jeden Fall ans Herz gewachsen.

Allerdings freue ich mich auch auf die Zeit, die mir mit den Kindern bleibt, bevor Anfang April der Projektwechsel ansteht. Die letzte Woche habe ich alleine mit Jhansi, einer lokalen Mitarbeiterin, im Projekt verbracht. Auf diese Weise übernimmt man automatisch mehr Verantwortung und kann sich neu auf das Projekt einlassen. Die Kinder bringen mich oft zum Lachen. Sei es, wenn sie plötzlich mit Masken oder Knete im Gesicht in unseren Raum kommen oder einfach nur Schmarrn machen.

Besonders bei drei Geschwistern, die in einer schwierigen Familiensituation leben, freut es mich, wenn sie freudig umhertanzen oder mich mit verrückten Ideen überraschen. Außerdem ist seit kurzer Zeit ein Mädchen aus unserem Projekt umgezogen. Letztens haben wir den weiten Weg über das ausgetrocknete Flussbett in Kauf genommen, um sie zu besuchen. Sie wird jetzt nicht mehr zu uns ins Padmavathi Ghat kommen. Ich denke oft über sie nach, wie auch über die Kinder im Chiguru oder über einen Jungen, der uns genauso aufgrund eines Umzugs verlassen hat. Es bedrückt mich oft, nicht zu wissen was mit den Kindern passiert ist und wie es ihnen geht.

Unterwegs im Flussbett

Zum Schluss noch ein Bild von dem fabelhaften Schokoladenfondue, mit dem wir Maria gestern Abend zum Abschluss überrascht haben.

Macht es gut und bis zum nächsten Mal, eure Maria! 🙂

Mein Team