Ein weiterer Monat ist vergangen und mal wieder ist eine Menge passiert: Vom ewigen Abspachteln der Löcher im Shelter bis zu neuen Kindern in unserem Projekt und unserem Vortrag bei einer Orphan Rights Convention in Hyderabad. Aber fangen wir erst einmal von Vorne an.

Renovierung im Shelter

Volontäre Don Boscos haben sich die Zeit genommen, um Geld für die Renovierung des Shelters einzusammeln. Das Shelter ist die Auffangstation von unserer Organisation Navajeevan Bala Bhavan. Kinder, die von StreetworkerInnen auf der Straße aufgegabelt werden, halten sich dort zu Beginn auf. Während dieser Zeit wird entschieden, was mit ihnen langfristig passiert – sprich, ob sie zurück nach Hause oder in eines der Projekte von NJBB kommen. Die Erneuerung des Shelters war dringend nötig, denn mit den Jahren sind die Wände immer kaputter und das Dach immer undichter geworden.

Shelter – Davor

So sind wir VolontärInnen zum Einsatz gekommen und haben die Arbeiten erledigt. Anfangs hatten wir gedacht, das Ganze könnte locker in zwei Tagen geschafft werden. Aber aus zwei Tagen, wurden drei Tage und schließlich verbrachten wir eine Woche im Shelter. Die Arbeit in unseren üblichen Projekten durften wir mit der Erlaubnis des Fathers zurückstellen. Also wurde eine Woche lang der alte Lack von den Wänden abgekratzt, die Wände abgeschliffen, abgespachtelt und neu übermalt. Es war ganz schön anstrengend, aber mit motivierender Musik im Hintergrund hatten wir unseren Spaß und das Ergebnis lässt sich definitiv sehen.

Republic Day

Republic Day ist ein wichtiger Nationalfeiertag in Indien, denn am 26. Januar 1950 ist die Verfassung des Staates in Kraft getreten. Erst dann konnte Indien eine Republik genannt werden. Um die Unabhängigkeit des Landes zu feiern, gab es auch bei uns im Shelter ein Fest mit einigen MiarbeiterInnen und Kindern aus den verschiedenen Projekten. Es wurden Tänze aufgeführt und Reden gehalten. Zu diesem Anlass haben wir VolontärInnen den Song „Happy Day“ auf der Bühne gesungen. Außerdem gab es ein sättigendes Frühstück. 🙂

Padmavathi Ghat

In meinem Projekt hat sich auch etwas geändert, denn zwischenzeitlich sind zwei neue Familien in die Nachbarschaft gezogen. So hatten wir vier Neulinge im Projekt. Das hat die Gruppe aufgefrischt und uns die Möglichkeit gegeben, einen kreativeren Unterricht zu gestalten. Denn die Meisten unserer Kinder sind eher jünger und daher sind wir noch dabei, ihnen die Zahlen und Buchstaben auf Telugu beizubringen. Durch diese paar älteren Kinder gab es für uns mehr Abwechslung im Alltag. Es ist auch immer wieder schön zu sehen, wenn ich meine Ideen umsetzen kann und die Kinder Spaß an den Aktivitäten haben. Zum Beispiel habe ich mit zwei älteren Jungen Muscheln im nahegelegenen Fluss Krishna gesammelt. Aufgrund der Hitze hier ist dieser nämlich an einigen Stellen ausgetrocknet. Die Muscheln haben wir dann in verschiedenen Motiven auf Kartons geklebt. Das hat gut funktioniert, was eigentlich garnicht so selbstverständlich ist. Der Alterunterschied zwischen den Kindern im Projekt macht es schwieriger, geeignete Aktivitäten für alle zu finden.

Das Flatleben

Gemeinsame Filmabende, eingeführte Chai-und-Kekse-Nachmittage und allgemein das ständige Miteinander haben uns als Flatgemeinschaft zusammengeschweißt. Ja, ich kann sagen, dass die anderen VolontärInnen wie eine Familie für mich geworden sind. Dadurch dass wir auf engem Raum zusammenleben, lernt man die Anderen noch einmal auf einer ganz anderen Ebene kennen und ich bin dankbar, dass ich diese Erfahrung machen darf. Man lernt die Schwächen und Stärken der eigenen Person und der Anderen kennen und man lernt vor allem, mit diesen umzugehen.

Umso schwerer war es dann von dreien von Ihnen Abschied zu nehmen, denn für sie war das Frewillige Soziale Jahr vorbei und es ging zurück nach Österreich. Es gab eine Farewell, auf der wir für unsere Mitvolos zu dem Lied „Nie ohne mein Team“ getanzt haben – besser kann man die Zeit zusammen ja nicht beschreiben. Nun bekommen wir nächste Woche schon wieder zwei NachfolgerInnen aus Österreich und ich bin schon gespannt sie kennenzulernen. Die Gruppenkonstellation wird sich dann wieder ganz neu ergeben, auch bedingt durch Projektwechsel der VolontärInnen hier.

Orphan Rights Convention

On the way

Vor kurzem hatten wir die Möglichkeit für ein Wochenende nach Hyderabad zu fahren und eine zweitägige Veranstaltung zu besuchen. Die Durchsetzung der Waisenrechte in Indien ist auf jeden Fall ausbaufähig. Hierzu haben sich etwa 2.000 Menschen versammelt haben, um von ihren Geschichten und Erfahrungen zu berichten und gemeinsam für eine Besserung des jetzigen Zustandes zu kämpfen. Für mich war es eine interessante Erfahrung, daran teilzunehmen und viele faszinierende Begegnungen zu machen. So habe ich mit Leuten gesprochen, die selbst Waisen waren und Organisationen für deren Unterstützung aufgebaut haben. Viele der BesucherInnen waren auch Kinder, die in Waisenheimen ein Zuhause gefunden haben. Mit ihnen in den Pausen zu spielen und herumzualbern hat mir Spaß gemacht und mich außerdem ab und zu von den Selfies gerettet, von denen InderInnen meistens nicht genug haben können. Ich konnte garnicht mehr mitzählen, wie viele Bilder ich mit den Anwesenden gemacht habe. 😉 Für einen guten Austausch wurden wir als internationale Gäste gebeten über die Situation in unseren jeweiligen Ländern zu erzählen. Deshalb haben wir zwei Präsentationen, jeweils eine für Österreich und Deutschland, vorbereitet und vor Ort vorgetragen.

Durch das Stottern, ist mir das Sprechen vor dem großen Publikum schwergefallen, aber letztendlich hat es geklappt. Die Tage waren speziell für mich sehr lehrreich, denn ich habe gemerkt, dass Stottern als Sprechstörung nicht allzu bekannt für InderInnen ist. So habe ich gelernt, wie ich am Besten mit Unverständnis diesbezüglich umgehen kann. Manchmal braucht es Zeit, aber wenn Menschen interessiert sind, erkläre ich gerne, dass Stottern nichts mit Angst oder fehlenden Englischkenntnissen zu tun hat. Diese Erlebnisse haben mich gestärkt und auch positiv für die Zukunft gestimmt, denn mit Geduld und Durchhaltevermögen klappt alles irgendwie. Dazu gibt es auch andere Leute, die sowas entgegnen wie: „You know Mr. Bean? He is my favourite!“

Immer schön motiviert bleiben!

Bis März, meine Lieben!