„Pathma…Pamava…“ hatte ich die letzte Zeit grübelnd von mir gegeben, als mir diese Frage gestellt wurde. „Padmavathi Ghat?“, kam es dann meistens schmunzelnd zurück. „Ah, yes!“ Nach einem Monat im Projekt sieht es anders aus: Den Namen habe ich mir mittlerweile merken können und auch die Arbeit macht mir eine Menge Spaß!

Aber fangen wir erstmal am Anfang an.

Mit Father Ratna, dem Verantwortlichen der Organisation Navajeevan Bala Bhavan, hatte ich zuerst über ein Placement in einem anderen Projekt gesprochen. Aber wie das nun einmal in Indien ist ändern sich Pläne kurzfristig, und schwuppdiewupp sehen die Dinge im nächsten Moment wieder ganz anders aus. So auch bei mir: Für mich ging es nämlich doch ins Padmavathi Ghat, ein neues Projekt für Volontäre innerhalb der Stadt. Es handelt sich um ein freiwilliges Angebot für Kinder in der Nachbarschaft, für die wir ein Tagesprogramm gestalten. Die Kinder leben aufgrund finanzieller und gesellschaftlicher Probleme mit ihren Familien in Hütten und haben meist keine ID Cards. Um diese zu bekommen, werden sie derzeit von einem Mitarbeiter der Regierung unterstützt. Das ist wichtig, denn mit ID Cards können die Kinder in die Schule gehen und die Familien in besseren Unterkünften hausen. Außerdem werden Mahlzeiten regelmäßig durch NGOs (Non Governmental Organisations) und durch die Regierung geboten.

Damit die Kinder auch in der Zukunft bessere Chancen durch Bildung haben können, unternehmen wir Outings in andere Projekte von NJBB. Das heißt, wir versuchen die Kinder und deren Eltern mit dem Gedanken, in einer bildungsfördernde Einrichtung untergebracht zu werden, vertraut zu machen. Die Mitarbeiter führen außerdem Gespräche mit den Familien, um jegliche Probleme zu besprechen wie die Organisation der ID Cards und über Vorhaben wie Outings zu informieren.

Für mich startet der Tag um 7:30 Uhr.

Schnell frisch machen, den Chuni über die Schultern legen und ab zum Frühstück. Nachdem dann die tägliche Tasse Chai ausgeschlürft ist, radeln meine Mitvolontärin Maria (ja, wir haben den gleichen Namen) und ich etwa 20 Minuten zum Projekt. Maria ist angehende Sozialarbeiterin und wird nach ihrem Aufenthalt in Indien ihr Studium abschließen. Um 9 Uhr angekommen, holen wir mit Jhansi, einer lokalen Mitarbeiterin von NJBB, alle Kinder von Zuhause ab und begeben uns in einen kleinen nahegelegenen Raum.

Auf Kindersuche

Das Tagesprogramm beginnt mit einem Morgengebet und gleich danach ist Unterricht angesagt. Derzeit betreuen wir etwa 21 Kinder im Alter zwischen 3 und 15 Jahren, weshalb wir die Gruppe meist dritteln und den Unterricht ihrem aktuellen Wissensstand anpassen. Sie können ihre Muttersprache Telugu, aber kaum Englisch sprechen, deswegen unterrichten wir momentan nur Basic English, wie zum Beispiel das Alphabet oder die Zahlen. Jhansi übernimmt währenddessen den Telugu Unterricht. Vor dem Lunch um 13 Uhr machen wir spontan das, worauf die Kinder Lust haben – sei es Malen, Armbänder knüpfen, Carrom Board spielen und ja, der TV kommt natürlich auch zum Einsatz. Hier in Indien hat der Fernseher nämlich einen höheren Stellenwert als bei uns in Deutschland. Wenn alle Kinder zuhause gegessen haben, führen wir den Nachmittag wie zuvor weiter, wobei wir für jeden Tag zusätzlich eine andere Aktivität wie Tanzen, Singen, Basteln, Malen und Gruppenspiele eingeplant haben. Gewöhnlich wiederholen wir den Unterrichtsstoff vom Vormittag und spielen eine Weile draußen (nicht zu lange, denn die Hitze ist oft extrem). Zwischendrin gibt es Snacks wie Obst oder Kekse. Nachdem die Hausaufgaben vergeben sind, heißt es für Maria und mich um 17 Uhr Feierabend.

Und sonst so?

Mir geht es sehr gut. Man lernt jeden Tag wieder etwas Neues dazu und beginnt allgemein zu begreifen, was wirklich wichtig ist. Unsere Kinder haben praktisch sehr wenig, verglichen mit dem was ich in dem Alter hatte, und doch sind sie so fröhlich und begeistert. Wenn man für einander da ist, ist das wohl das wertvollste Geschenk – oder? Ich habe alle von ihnen schon jetzt in mein Herz geschlossen und freue mich jeden Tag aufs Neue die Rabauken wiederzusehen – egal wie oft sie mich auf die Palme bringen. 🙂

Die Entwicklung ist auch einfach unglaublich, wenn ich bedenke, dass die Kinder mir anfangs längst nicht so zutraulich und offen wie jetzt gegenüber gewesen sind. Genauso ist es mit Telugu, die Sprache die hier gesprochen wird: Am Anfang habe ich null verstanden und jetzt wird es langsam. Ich bin regelmäßig am Üben, denn man freut sich einfach, wenn die Kinder einen verstehen bzw. wenn man die Kinder versteht. 🙂 Heute Nachmittag habe ich das Programm sogar ziemlich alleine angesagt und es hat gut geklappt.

Telugu-Schriftzeichen am Start

Dass ich stottere, ist auch kein so großes Problem wie gedacht. Dadurch dass die Kinder Telugu sprechen, geschieht viel über Zeichensprache und eine gebrochene Mischung aus Telugu und Englisch. Ich fühle mich wohl, und das wirkt sich auch positiv auf das Sprechen aus. Und wenn es mal nicht läuft, erinnere ich mich, nicht zu hart mit mir selbst zu sein. Es passiert an einem Tag so viel, dass ich mich in dem einen Moment wegen etwas ärgern kann, aber im nächsten Moment geschieht wieder etwas Schönes mit den Kindern – und dieses Glücksgefühl überwiegt deutlich. 🙂

Bis zum nächsten Blogeintrag!