In den letzten Tagen ging es für mich darum, alle Projekte von Navajeevan Bala Bhavan zu besuchen. Damit bekommt man die Chance die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Projekten zu verstehen, bevor man in eines oder mehreren eingeteilt wird. Ich möchte euch im Folgendem einen kleinen Einblick in die Einrichtung geben und da die Inder immer scharf darauf sind, Fotos zu machen, habe ich davon natürlich auch reichlich. 😉

Street Presence

Das Streetworker-Team

heißt das Projekt, mit dem alles anfängt. Hier werden Kinder/Jugendliche bis zum Alter von 18 Jahren, die aus jeglichen Gründen von zu Hause weglaufen sind bzw. nicht mehr nach Hause finden, von Mitarbeitern eingesammelt. Für mich ging es dabei an den Bahnhof von Vijayawada, an dem ich zwei Sozialarbeiter bei ihrer Arbeit begleitet habe. Oft werden Kinder aber auch in öffentlichen Badeplätzen gefunden, wie mir eine von ihnen erzählte. Nachher wird im CWC (Children Welfare Commitee) entschieden, was mit den Kindern passiert – das heißt, ob sie nach Hause kommen oder in einem der Projekte untergebracht werden.

Shelter

Da das CWC aber nicht immer geöffnet ist, halten sich die Kinder während dieser „ungewissen Zeit“ im Shelter auf. Das kann nur ein Tag, aber auch zwei Monate lang sein. Dort wartet ein Tagesprogramm auf sie, u.a. wird auch von Voluntären unterrichtet und die Games-Time gestaltet. Abgesehen von NJBB gibt es in der Stadt noch mehrere Shelter von anderen Organisationen.

Sport muss sein …
… und Coolheit sowieso!

Counseling

Außerdem gibt es hier auch das sogenannte Counseling, also Einzelgespräche mit den Kindern, um mehr über ihre Vorgeschichten zu erfahren und damit auch eine bessere Entscheidung für ihre Zukunft treffen zu können. Dies ist ein langer Prozess, weshalb das Counseling auch in den folgenden Projekten weitergeführt wird, in denen sich die Kinder langfristig aufhalten.

Lilly Moggas

In diesem Projekt befinden sich Jungs im Alter von 8 bis 16 Jahren. Sie gehen ganz normal zur Schule, wohnen aber zusammen mit Ammas (bedeutet soviel wie Mutter) in einem Häuschen. Der Nachmittag wird von Voluntären gestaltet, wobei das gute alte Carrom-Board immer wieder herausgeholt wird. An einem Abend durfte ich sogar bei einem Carrom-Board Turnier mit allen Jungs vom Moggas dabei sein.

Deepa Nivas

ist eines der Projekte außerhalb der Stadt. Hier wohnen ca. 70 Jungs im Alter von 6 bis 17 Jahren. Manche von ihnen sind taub, weshalb die meisten Kinder dort eine gewisse Zeichensprache beherrschen. Auch sie gehen zur Schule und wenn sie zurückkommen, warten Voluntäre auf sie, um ihnen bei den Hausaufgaben zu helfen. Auch die Games-Time wird von ihnen gestaltet. Als ich dieses Projekt besucht habe, haben sich die Jungs in einem Sport-Wettbewerb ausgetobt. Dominique, eine Voluntärin von Deepa Nivas, hat außerdem neue Kleidung für die Jungen ausgeteilt, die durch eine Gruppe von Ex-Voluntären gesponsert wurden.

Chiguru

ist mit einem Internat für Jungen und Mädchen zu vergleichen. Dort essen sie, werden sie unterrichtet und verbringen ihre Freizeit. Es ist ein schöner Ort in der Natur, der sich für das Verarbeiten schwieriger Vergangenheiten perfekt eignet. Da die Kinder hier oft kaum gebildet ankommen, verlassen sie das Projekt erst sobald sie in normale Schulen und Ausbildungen einsteigen können.

Vimukthi

ist das dritte Außenprojekt, in dem ich gewesen bin. Es ist für Jungs mit Drogenproblemen gedacht, die durch die Idee der Selbstversorgung einen Tagesablauf gewinnen. So entdeckt man hier Buffalos für eigene Milchprodukte, zahlreiche Obstbäume wie zum Beispiel Mango oder Guave und Solarplatten auf dem Dach für die eigene Energieerzeugung. Es ist ein ruhiger Ort, an dem man von der Kuh bis zum Hundewelpen jedes Tier finden kann. Momentan leben hier 6 Jungs im Alter zwischen 12 und 18 Jahren sowie zwei Voluntärinnen, die die Jungen über den Tag begleiten.

,,Dürfen wir die behalten?“

RVTC (Residential Vocational Training Course)

ist eine Ausbildung für Jungen über 18 Jahren. Dabei werden sie von Voluntären abends unterstützt, was mit so etwas wie Nachhilfe gleichgesetzt werden kann.

BVK (Bala Vikasa Kendram)

ist eine freiwillige Weiterbildung für junge Frauen. Dort lehren Voluntäre die englische Sprache.

Und das warˋs auch schon. Navajeevan Bala Bhavan hat natürlich noch mehr Projekte, aber das waren die, in denen wir Voluntäre meistens eingesetzt werden. Es war sehr spannend für mich, viele verschiedene Eindrücke von den Projekten zu sammeln, denn jedes Projekt hat seine eigene besondere Atmosphäre, aber selbstverständlich auch Herausforderungen. Jeden Tag habe ich gefühlt mehr erlebt als in einem Monat zuhause. 😉

Morgen habe ich ein Gespräch mit Father Ratna, dem Direktor von der Organisation, in dem entschieden wird, in welchem Projekt ich für das nächste halbe Jahr arbeiten werde. Danach wird wieder gewechselt.

Seid gespannt! 🙂