Inzwischen ist wieder einiges an Zeit vergangen seitdem ich das letzte mal etwas verfasst habe. Inzwischen bin ich schon fast vier Monate hier in Medellín und bisher habe ich nur ein Vorwort geschrieben und die Reise nach Kolumbien beschrieben. In diesem Dritteljahr in dem ich mich schon in Medallo, wie Medellín im Volksmund bezeichnet wird, befinde ist einiges passiert. So viel das ich bisher weder die nötige Zeit noch Kraft besaß mich dem Schreiben zu widmen. Es gibt Zeiten hier da fühlen sich diese drei Monate wie nur einer an und es gibt Zeiten da fühlen sich diese drei Monate wie mehr als sechs an. Es geht mir hier sowie im mehrfach preisgekrönten Roman ,,Hundert Jahre Einsamkeit‘‘ vom kolumbianischen Autor Gabriel García Márquez, wo man so viel liest, wo so viele Ereignisse geschehen, wo man denkt das man nun so viel erlebt habe das einiges an Zeit vorüber ist und man schlussendlich realisiert das man auf Seite Hundert von Vierhundert ist. Jedenfalls muss man nach einer Reise ankommen, nicht nur körperlich sondern auch mental, und das benötigt Zeit. Es gibt Tage da fällt es einem sehr leicht und es gibt Tage da fällt es einem sehr schwer, das ist Tagesformabhängig.Aber um der Frage wie es sich in Kolumbien lebt direkt entgegenzukommen:Super, ich hätte nie gedacht das es so leicht sein würde das was man bereits kennt so schnell hinter sich zu lassen, und dabei sich so schnell in ein anderes Land wie Kolumbien zu verlieben. Gewiss ist man nicht von der ersten Minute da und genau dafür waren auch die ersten Wochen in Medellín gedacht. Jedoch war man schnell schon voller Tatendrang doch musste man erst diese Einlebe-Woche absitzen. Diese Woche ging jedoch auch schneller rum als gedacht und war zudem auch spaßig zu erleben. Die ganze Zeit ist man mit den üblichen Kennenlern-Floskeln beschäftigt, stellt sich gefühlt der ganzen Stadt vor und dennoch lernt man am darauffolgenden Tag weitere Personen kennen. Besonders schön und aufregend ist es dabei sich den Kindern die im Internat von Ciudad Don Bosco vorzustellen. Die Kinder sind hier zwischen 6 und 18 Jahre alt und leben und gehen dort zur Schule. Sie kommen meistens aus sozial schwachen Familien und werden von der kolumbianischen Behörde ‘‘Bien Estar‘‘ in Organisationen wie CDB (Ciudad Don Bosco) untergebracht. Dabei haben die Kinder jedoch die Möglichkeit hin und wieder ihre Familie zu sehen. Jedenfalls merkt man es den Kindern an das die Freude groß ist neue Gesichter auf dem CDB-Campus zu sehen. Bereits am ersten Tag, Samstag der siebte September, unternahm ich viel mit den unterschiedlichsten Kindern. Am Morgen waren es einige Partien des Spiels UNO, am Nachmittag war es den sportlicher. Mit den jüngeren erstmal über den Campus geflitzt und danach mit den älteren Fußball gespielt ehe man nach der Anstrengung entspannt nur da sitzt und redet. Egal mit wem ich sprach, alle Konversationen waren anfangs gleich. Wer bist du? Wie ist das Leben in Deutschland? Kannst du mal was auf Deutsch sagen? So in etwa liefen die Gespräche anfangs ab. An jenem Samstag begegnete ich auch Padre Simón der bei den Kindern in CDB an großer Popularität genießt. Er lud mich, die deutschen und auch die österreichischen Volos auf ein Eis ein. Bevor wir jedoch dieses Eis verzehren sollten zeigte er uns schon das CAPRE, meine künftige Arbeitsstelle. Wir fuhren somit vom Internat CDB zum CAPRE (Casa de protección) runter. Dort verweilten wir nicht all zulang doch es reichte mir um ein Bild davon zu machen was mich erwarten würde. Das CAPRE ist definitiv anders verglichen mit dem Internat CDB. Während die Kinder des Internats irgendetwas unschuldiges in ihrer Art haben ist es bei den Jugendlichen des CAPRES anders. Das Durchschnittsalter ist zum einen höher dort und zum anderen sind die Schicksale dieser Jungs und Mädels verschiedener als derer die vom Internat stammen. Während die vom Internat ‘‘nur‘‘ aus sozial schwachen Familien kommen sind die Schicksale der CAPRE-Kinder deutlich trüber. Sie repräsentieren nämlich die Harte Vergangenheit und Gegenwart Kolumbiens. Der bewaffnete Konflikt. Die Republik Kolumbien hatte noch vor einiger Zeit einen Bürgerkrieg im eigenen Land der durch die neue Regierung mit einem Friedensvertrag in Havana, Kuba deutlich gemildert wurde. Und zwar hatte Kolumbien mal abgesehen von den Drogenbanden ein weiteres Problem mit bewaffneten Gruppierungen wie die FARC-EP und ELN die darauf aus sind den kolumbianischen Staat zu stürzen um einen neuen Staat aufzubauen. Diese Gruppierungen sind Guerillas und kämpfen im Untergrund, bevorzugt im Dschungel. Die Kinder die im CAPRE sind sind Aussteiger. Entweder Versehentlich oder auch Freiwillig. Sie befinden sich im CAPRE weil der kolumbianische Staat es im Gesetz verankert hat das Kinder die unter 18 Jahren sind nicht strafrechtlich für ihre Taten die sie in der Guerilla abhielten belangt werden dürfen. Das CAPRE soll den Jugendlichen eine neue Möglichkeit geben ein normales Leben zu führen. Daher sind die Umstände und Bedingungen im CAPRE anders als im Internat, aber dazu mal wann anders. Ich wusste das mich hier einiges an Arbeit erwarten würde. Es waren höchstens zehn minuten die ich mich dort aufhielt ehe es mit Padre Simón und Rest zur Eisdiele ging um sich besser kennenzulernen. Padre Simón ist ein Pater der Salesianer doch er ist alles andere als wie man sich einen Pater der Salesianer vorstellen würde. Jung, witzig, spontan, hört die jugendliche Musik die man so in Kolumbien hört die aber wenn man nach dem dogmatischen Christentum geht mehr als sündhaft ist. Kirche aber ganz anders. In der Eisdiele wurden auch die ersten richtigen Gespräche mit den Österreichern geführt die leicht mit humor auf eine Rivalität der beiden Länder hinaus führte. Damit endete auch dieser erste Samstag in Medellín. Die kommende Woche lernten wir unsere Gegend kennen, die Stadt kennen und auch den Aufbau des Internats CDB und des CAPRE kennen. Es wurde zu dem auch viel Papierkram gemacht, etwas wovon ich dachte es gäbe sowas nur in Deutschland. In dieser Woche lernte ich meine Chefin Laura kennen die ich seit dieser ersten Woche nie wieder so häufig sah wie dort. Laura ist ebenso wie Padre Simón sehr jung, entspannt und gut drauf was den sozialen Einstieg mit ihr definitiv vereinfacht hat. In der Woche hatte sie uns, die deutschen Voluntäre, zum Waffeln essen eingeladen. Das war so ziemlich das Highlight der Woche da an diesem Tag Kolumbien ein Länderspiel gegen Erzrivalen Argentinien hatte. Das Spiel war für die Kolumbianer sehr wichtig da man A noch wegen dem verlorenen Copa America Finale eine Rechnung offen hatte mit Argentinien und B es um die Qualifikation der 26. Weltmeisterschaft in den USA ging die Kolumbien unbedingt erreichen wollte da man die WM 2022 in Katar verpasste. Eine Euphorie legte sich in den Straßen Medellins. Alles war in den Tricolor Farben Kolumbiens gestaltet. Jeder lief in einem Trikot der kolumbianischen Nationalmannschaft und überall war das Spiel zu sehen. Die erste Halbzeit verfolgte ich in diesem Waffel Laden doch die zweite Halbzeit schaute ich mit den Kindern des Internats. Ihre Freude, ihr Mitgefühl und ihre Euphorie steckten so sehr an das man förmlich an jenem Nachmittag den Ball mit ins argentinische Tor schrie das zum knappen 2:1 Sieg gegen besagten Weltmeister führte. Der Jubel und die Ekstase war unbändig, in diesem Moment fühlt man mit und fühlt sich so als wäre schon fast Weltmeister. Ich denke die Kinder freuten sich das ich Kolumbien auch unterstütze und im Trikot der kolumbianischen Auswahl zu sehen war. Das war eine Erinnerung die bleiben wird so wie viele weitere die ich zügig verfassen möchte. Im weiteren Verlauf der Woche erfuhr ich das ich wegen bürokratischer Probleme erstmal im Internat arbeiten werde. Doch dafür soll der nächste Eintrag sein, eins kann und will ich schonmal sagen. Eine Woche wurde nicht die ich dort verbringen sollte.(Hoffentlich) in kürze mehr.