Lukas in Uganda

Ein Jahr in Ostafrika

Die Zeit rennt

Hallo liebe Blogleserinnen und Blogleser,

ich hatte mir ja eigentlich vorgenommen, eine kleine Blogreihe zu schreiben! Allerdings ist der letzte Blogeintrag schon wieder zwei Monate her. Die Zeit vergeht einfach viel zu schnell und es tut mir Leid, dass die BlogeintrÀge immer ein bisschen zu kurz kommen.

In Bombo lĂ€uft alles wie immer. Ich habe zwar „offiziell” immer noch so wenig Arbeit wie zuvor, langweilig ist mir aber trotzdem nie. Ich habe sehr viele Wege gefunden, mich selbst sinnvoll zu beschĂ€ftigen. Zum Beispiel damit, mir selbst Luganda beizubringen. Das ist die Sprache in Zentral-Uganda. Es ist zwar nicht ganz einfach, macht aber unglaublich viel Spaß. Vor allem, weil sich die Leute und Kinder einfach total freuen, in ihrer Muttersprache angesprochen zu werden. Außerdem wird man auch ganz anders wahrgenommen und bekommt beim Feilschen viel bessere Preise ;). Ansonsten sind es viele verschiedene kleine Dinge, die so mit der Zeit anfallen und die mich immer ganz gut beschĂ€ftigen.

Neue Deko

Ich habe ein paar Spiele gemacht, das Oratorium dekoriert und verbringe viel Zeit mit den Kindern. Im letzten Monat habe ich auch die Bewerbungen fĂŒr die Unis fertig gemacht: Ich habe mich fĂŒr Soziologie und Politikwissenschaften an der Goethe-Uni Frankfurt beworben, und fĂŒr globale und transnationale Soziologie an der Uni Duisburg/Essen.

Games

Soweit zur aktuellen Situation in Bombo, jetzt wieder zurĂŒck zu Berichten ĂŒber die letzte Zeit.

In den letzten Schulferien, das war Ende Mai, war ich zweieinhalb Wochen in Ruanda. Ich war erst einmal fast zwei Wochen bei Lina und Valentina im Projekt in Rango, wo ich sie bei der Arbeit mit den Straßenkindern unterstĂŒtzt habe. Das war wieder eine sehr schöne Erfahrung, weil ich ihnen wirklich gut helfen konnte. Es hat sehr viel Spaß gemacht, dabei mitzuhelfen, den Kindern Mathe und Englisch beizubringen, auch wenn man alles irgendwie mit HĂ€nden und FĂŒĂŸen erklĂ€ren musste. Nach schwerem Abschied bin ich dann zurĂŒck nach Kigali gefahren, der Hauptstadt von Ruanda.

lv

Dort fand ein Skatecontest statt und ich habe mich ca. 4 Tage frĂŒher mit meinen Freunden aus Kampala getroffen. Wir waren jeden Tag dort zusammen im Skatepark skaten und hatten jede Menge Spaß dabei, uns auf den Contest vorzubereiten. Am Abend vor dem Contest bin ich dann leider dummerweise umgeknickt und konnte am nĂ€chsten Tag nicht mitfahren, habe aber dafĂŒr in der Jury gesessen. Das war auf jeden Fall eine besonders schöne, bedauerlicherweise wieder viel zu kurze Zeit in Ruanda und anschließend ging es mit dem Bus auf holprigen Pisten 650 km zurĂŒck nach Bombo.

group

Wieder in Bombo angekommen, ging dort der Alltag mit den Kindern und SchĂŒlern weiter, die sich gefreut haben, dass ich endlich zurĂŒck war.

Als nĂ€chstes stand der MĂ€rtyrertag an, das grĂ¶ĂŸte christliche Fest in Uganda. Ich hatte schon einmal in einem der ersten Blogs (im November) von dem Schrein der MĂ€rtyrer erzĂ€hlt und davon, wie das Christentum nach Uganda kam. Auf jeden Fall werden an diesem Tag die MĂ€rtyrer verehrt und gefeiert, die fĂŒr ihren Glauben gestorben sind. Das Ganze findet in Namugongo statt, was etwas außerhalb von Kampala liegt. An diesen Tag kommen ĂŒber zwei Millionen Menschen am Schrein zusammen, die von ĂŒberall dort hin pilgern, manche sogar aus Kigali und Nairobi (das sind ca. 650 km).

Wir sind mit einer Gruppe von SchĂŒlern aus Bombo nach Namugongo gelaufen, was zum GlĂŒck nur 30 km sind, sich aber trotzdem ganz schön gezogen hat. Mittags um zwei sind wir mit ca. 50 SchĂŒlern losgelaufen, unterwegs hat sich dann eine schnellere Gruppe abgetrennt, in der ich auch mit dabei war. Anfangs waren wir in der Gruppe zwölf, als wir dann die Hauptstraße erreichten, konnten vier nicht mehr weiterlaufen und haben einen Bus genommen und noch etwas spĂ€ter haben vier weitere aufgegeben. Am Ende sind wir nur noch zu viert gegen ca. 20:00 Uhr in Namugongo angekommen, wo wir dann in der Community geschlafen haben. Der Rest der SchĂŒler kam ca. zwei Stunden spĂ€ter als wir an.

In Namugongo habe ich Lina und Valentina wiedergesehen, die Uganda auch gerne kennenlernen wollten. Mit den beiden war ich in der darauf folgenden Woche viel unterwegs: Als erstes sind wir nach Kamuli (eine andere Don Bosco Community) gefahren. Auf dem Weg dort hin haben wir uns die Quelle des Weißen Nils nicht entgehen lassen.

Nil

Smile

Schließlich waren wir noch im Murchison Nationalpark weiter nordwestlich und haben dort den spektakulĂ€ren Wasserfall gesehen, den ich extrem beindruckend fand. Der Nil fließt dort mit riesiger Geschwindigkeit durch eine nur sechs Meter breite Schlucht in ein ĂŒber vierzig Meter tiefer liegendes, tosendes Becken und die KrĂ€fte, die dabei frei werden, sind einfach unglaublich und atemberaubend.

waterfall

goup

Außerdem haben wir dort Giraffen, Elefanten, Antilopen, BĂŒffel und auch Nilpferde gesehen. Lina und Valentina blieben noch kurz bei uns in der Einrichtung in Bombo und sind ein paar Tage spĂ€ter weiter nach Tanzania gefahren, um dort Urlaub zu machen.

Giraffe

ele

antilo

Vor ein paar Wochen war ich wieder in Kamuli, eigentlich nur fĂŒr eine Nacht, um dann am nĂ€chsten Tag mit Father Goudance auf eine Abschlussfeier seines Bruders zu fahren. Aber es kam anders, denn hier kommt immer alles anders, als gedacht. Ich traf Dominique, der mich einlud, bei der Einweihung einer Autowerkstatt fĂŒr die AusbildungsstĂ€tte dabei zu sein, es fand eine coole Gartenparty statt, mit vielen neuen Gesichtern, was mich gefreut hat, denn ich habe hier schon viele tolle Leute kennengelernt.

Es ging dann gerade so weiter, denn Sven hat seinen Geburtstag mit Father Goudance und Father Pascal und uns allen in Bombo gefeiert. Also, wie ihr seht, wird hier echt viel gefeiert, gelacht und in geselliger Runde Zeit miteinander verbracht.

AllmÀhlich merke ich wie die Zeit rennt: In knapp sieben Wochen geht mein FSJ schon zu Ende. Ich melde mich aber sicher noch mal.

Danke fĂŒrs Lesen, bis zum nĂ€chsten mal, euer Lukas

-->

Hallo liebe Blogleserinnen und Blogleser, ich hatte mir ja eigentlich vorgenommen, eine kleine Blogreihe zu schreiben! Allerdings ist der letzte Blogeintrag schon wieder zwei Monate her. Die Zeit vergeht einfach viel zu schnell und es tut mir Leid, dass die BlogeintrĂ€ge immer ein bisschen zu kurz kommen. In Bombo lĂ€uft alles wie immer. Ich habe […]

Weiterlesen

Lang ist es her…

Hallo liebe Blogleserinnen und Blogleser,

zu lange ist es her, dass ich mich das letzte Mal gemeldet habe und zu viele Dinge sind passiert, um in einem einzigen Blogartikel darĂŒber zu schreiben. Deswegen werde ich einfach eine kleine Reihe veröffentlichen, um die letzten drei Monate aufzuarbeiten. In diesem Artikel möchte ich ĂŒber das Zwischenseminar und die Skateboardaktion meiner Freunde und Eltern berichten.

Zwischenseminar

Das Zwischenseminar war an und fĂŒr sich wirklich gut. Das Programm war ziemlich vollgestopft mit vielen interessanten Themen und trotzdem gab es genug Zeit, um sich mit den anderen VolontĂ€ren auszutauschen. Die Themen drehten sich um Probleme in den Projekten, Lösungsstrategien dafĂŒr, Reflexion des vergangen halben Jahres, Kulturen und Traditionen der verschieden LĂ€nder und den Austausch von wertvollen Erfahrungen, die jeder von uns gemacht hat. Abends hatten wir dann immer Freizeit uns untereinander nochmal in tieferen GesprĂ€chen auszutauschen. Geschlafen habe ich nicht viel, aber mit einer Menge Kaffee habe ich es immer durch den Tag geschafft.

Leider haben die Lösungsstrategien bei uns (Projekt Bombo) nicht besonders viel gebracht, wir hatten gute Ideen, was wir sonst noch im Projekt machen könnten aber leider hat der Direktor wie immer nur jaja gesagt und nichts ist passiert, obwohl wir ihn noch mehrmals darauf angesprochen haben. Es ist deprimierend, sich die meiste Zeit selber zu beschĂ€ftigen, auch wenn man probiert, sich mit möglichst sinnvollen Dingen zu beschĂ€ftigen. Was das traurige am Zwischenseminar war ist, dass einem nochmal deutlicher bewusst geworden ist, wie gut andere Projekte sind und wie gut die VolontĂ€re dort eingebunden sind. Aber an all dem kann man nun leider nichts mehr Ă€ndern und ich muss das Beste aus meiner verbliebenen Zeit hier machen; so lange ist es schließlich auch nicht mehr.

IMG_5418 IMG_5420

Das Zwischenseminar hat in Lusaka, der Hauptstadt Zambias stattgefunden. Was mir wĂ€hrend des Aufenthalts dort aufgefallen ist: dass ich die Freiheit der Bewegung und die MentalitĂ€t der Menschen in Uganda nie genug wertgeschĂ€tzt habe. In Lusaka sind die Leute gegenĂŒber Weißen fremdenfeindlicher und ĂŒberhaupt ist es viel gefĂ€hrlicher, sich in der Stadt aufzuhalten. Als wir um zehn Uhr abends in Lusaka ankamen, sind wir durch die ganze Stadt gefahren und haben fast keinen einzigen Menschen auf der Straße gesehen und das in einer Millionenstadt! Das kam mir schon mal ziemlich komisch vor, denn in Uganda sind die Straßen bis in den spĂ€ten Abend sehr belebt. In Uganda kann ich ohne Probleme alleine, mit meinem Handy in der Hand durch ein „Slum“ laufen. Also einen Stadtteil, den die meisten EuropĂ€er so bezeichnen wĂŒrden. FĂŒr mich ist das mittlerweile kein Slum mehr, denn das Heruntergekommene und der Dreck sind nur eine Fassade, die das eigentliche Leben dort verbirgt und unsichtbar macht. In Lusaka sollte man noch nicht mal mit dem Handy in der Hand ĂŒber eine Hauptstraße laufen. Das war eine gute Erfahrung, weil wenn man keine eingeschrĂ€nkte Freiheit kennt, die Freiheit nicht richtig wertschĂ€tzen kann (nur dass kein MissverstĂ€ndnis entsteht: die KriminalitĂ€t in Lusaka richtet sich natĂŒrlich nicht nur gegen AuslĂ€nder, sondern gegen jeden, der den Eindruck macht, etwas Wertvolles zu besitzen; dabei fallen Weiße natĂŒrlich besonders auf).

So das wars mal zum Zwischenseminar in Lusaka und jetzt zu der Skateboardaktion:

Skateboards

Bis vor der Aktion hatten wir nur zwei Skateboards in Bombo und es war sehr schwierig, meine SchĂŒler zu trainieren. Ich weiß nicht mehr, von wem die Idee kam, entweder von mir oder meiner Skatecrew in Deutschland. Auf jeden Fall haben sie jede Menge benutze, aber noch sehr gute Skateboard Decks, Achsen, Rollen und Kugellager zusammengesammelt und bei meinen Eltern abgegeben. Der eigentliche Plan war, das ganze als Paket zu schicken, aber das wĂ€re sehr teuer gewesen. Da hat es sich gut angeboten, dass die Freunde von Sven zu Besuch kamen und noch ein GepĂ€ckstĂŒck mit 23kg frei hatten. Also haben meine Eltern ein Paket nach Köln geschickt und Svens Freude haben die Ladung dann mit nach Uganda gebracht. Die Freude bei den SchĂŒlern und Kindern war riesengroß und es war ein besonders toller Tag als das Paket endlich ankam.

Skateboards2

Seit dem können wir viel besser trainieren und haben nun 6 komplette Skateboards und noch einige Ersatzteile. DafĂŒr nochmal vielen Dank an all meine Freunde, die etwas gespendet haben und an meine Eltern, die dafĂŒr gesorgt haben, dass das Paket auch in Uganda ankommt.

Skateboards 3

Liebe GrĂŒĂŸe Lukas

-->

Hallo liebe Blogleserinnen und Blogleser, zu lange ist es her, dass ich mich das letzte Mal gemeldet habe und zu viele Dinge sind passiert, um in einem einzigen Blogartikel darĂŒber zu schreiben. Deswegen werde ich einfach eine kleine Reihe veröffentlichen, um die letzten drei Monate aufzuarbeiten. In diesem Artikel möchte ich ĂŒber das Zwischenseminar und […]

Weiterlesen

Weihnachten, Silvester, ne Woche Urlaub und der Painting Day

Hallo liebe Blogleser und Blogleserinnen

hier melde ich mich mal wieder nach ca. einem Monat. Die Ferien sind seit letztem Samstag vorbei und der Schulalltag fĂ€ngt langsam wieder an. Inzwischen war Weihnachten, Silvester, wir waren zwei Wochen in Rwanda und ansonsten hier in Bombo schwer beschĂ€ftigt. DarĂŒber will ich in diesem Blogeintrag schreiben.

Oratory Gang

Oratory Gang

Fangen wir mit Weihnachten an. Ich habe das Fest zwar miterlebt, aber es hat sich irgendwie nicht wie “Weihnachten” angefĂŒhlt. Ich war einfach nicht in Weihnachtstimmung, das mag vielleicht daran liegen, dass es 30 Grad warm war, aber vielleicht auch daran, dass ich keine Geschenke fĂŒr meine Familie gekauft habe und ich Weihnachten hauptsĂ€chlich mit meiner Familie verbinde. Aber, ich habe aus Mainz ein kleines WeihnachtspĂ€ckchen bekommen ĂŒber das ich mich sehr gefreut habe.

Sonst hatten wir einen blinkenden Weihnachtsbaum, der schon etwas komisch aussah, eine Mini-Krippe im Esszimmer und haben Samstag und Sonntag mit der Community gefeiert. Besonders Samstag und Sonntagabend waren sehr lustig. Weihnachten wird hier traditioneller Weise am 25. gefeiert, aber am 24. fĂ€ngt man an, reinzufeiern. Der Abend war ziemlich lustig, vor allem, weil Father Goudance etwas betrunken war und am Ende des Abends am Tisch eingeschlafen ist. Sonntag haben wir dann richtig gefeiert, das heißt, wir haben draußen gegessen, getrunken und getanzt. Ich hatte insgesamt an diesem Wochenende sehr viel Spaß, aber wie gesagt, es war halt nicht das Weihnachten, das ich die letzten 19 Jahre erlebt habe.

Unsere Minigrippe

Unsere Mini-Krippe

Am 26. sind wir dann nach Rwanda gefahren, um Father Vital und zwei VolontĂ€re, Lina und Valentina in ihrer Einrichtung zu besuchen. Die Fahrt war eigentlich sehr entspannt. Wir sind um neun Uhr abends in Kampala losgefahren und um 6:30 in Kigali angekommen. Dort wurden wir von Father Vital abgeholt, mit dem wir dann noch im Provincial-Haus frĂŒhstĂŒcken waren und anschließend nach Rango gefahren sind, was ca. drei Stunden von Kigali entfernt liegt. Kigali ist so ziemlich das Gegenteil von Kampala: die Stadt ist sehr weitlĂ€ufig, sauber und der Verkehr ist sehr organisiert. Kigali erinnert schon fast an europĂ€ische StĂ€dte. In Rango angekommen wurden wir sehr freundlich von Lina und Valentina empfangen und haben eine Woche in der Community verbracht. Was mich an Rwanda sehr ĂŒberrascht hat ist, dass es so viele Straßenkinder gibt, also Kinder im Alter von neun oder zehn Jahren, die ohne Familie auf der Straße leben und an Hunger leiden. Sowas gibt es in Bombo praktisch nicht. Die Kinder, mit denen ich arbeite, haben nicht viel, manche haben auch ihre Probleme, aber jedes Kind hat eine Familie, bei der es lebt und genug zu essen. NatĂŒrlich gibt es auch in Uganda Straßenkinder, aber eher in Kampala. In Rango liegen Kinder ab morgens hungrig auf dem GelĂ€nde der Community und schlafen. Dort habe ich auch verstanden, warum man hier, wenn man gĂ€hnt gefragt wird, ob man Hunger hat: Hunger macht nach einer Zeit unglaublich mĂŒde. Trotzdem können selbst diese Kinder sehr glĂŒcklich sein, wenn sie nicht grade hungern. Lina und Valentina engagieren sich sehr fĂŒr diese Kinder. Sie haben in der Weihnachtszeit PlĂ€tzchen fĂŒr die Straßenkinder gebacken, die sie ihnen immer heimlich zustecken, damit die anderen Kinder es nicht sehen und bieten ihnen die Möglichkeit sich zu waschen. Ich bewundere ihr Engagement und wie sie mit der Situation umgehen.

Generell ist der Mangel an Nahrungsmitteln grĂ¶ĂŸer als in Uganda. Das liegt daran, dass die Bevölkerungsdichte in Uganda viel geringer ist und es somit viel mehr Land fĂŒr Agrarwirtschaft gibt, der Boden in Uganda viel fruchtbarer und das Klima deutlich wĂ€rmer ist. Fast jede Familie hier hat einen eigenen Garten, in dem sie Nahrungsmittel anbaut und sich so teils selbstversorgt.

Über Silvester waren wir auch noch in Rango. Dort haben wir erst einmal im Noviziat gefeiert, es es gab dort leckere Sachen zu Essen und zu Trinken. Um halb zwölf wurden wir dann von Father Vital in der Stadt abgesetzt, wo wir dann in einem Club ausgiebig Silvester gefeiert haben. Besonders cool war, dass dort so viele Studenten waren die Englisch konnten, denn in Rwanda können die meisten jungen Menschen eigentlich nur Kynarwanda. Als wir dann um zwölf angestoßen haben, standen wir auf dem Balkon des Clubs, der im obersten Stockwerk eines mehrstöckigen Hauses liegt, und konnten ĂŒber die Stadt gucken. Leider gab es aber fĂŒr uns nicht besonders viel zu sehen, da Feuerwerk in Rwanda verboten ist, weil das Knallen Erinnerungen an den Völkermord wecken könnte. Wir haben dann noch bis in den frĂŒhen Morgen getanzt, gefeiert und sehr viel Spaß gehabt.

Wald2

Zwei Tage danach sind Lina, Valentina, Sven und ich dann aufgebrochen, um eine Woche Urlaub in Rwanda zu machen. Wir hatten anfangs einen groben Plan, wie der Urlaub ablaufen soll, haben dann aber im Endeffekt alles ziemlich spontan entschieden. Am ersten Tag sind wir um 5:30 mit einem Bus in Richtung Nyguwe Forest losgefahren. Nach ca. zwei Stunden sind wir angekommen und mussten noch gut anderthalb Stunden warten, bis der Park aufmacht. Also haben wir auf einer Terrasse gefrĂŒhstĂŒckt und den Ausblick ĂŒber den Wald genossen. Auf einmal bewegte sich irgendwas und plötzlich kommt da ein Affe angelaufen und versuchte, unser FrĂŒhstĂŒck zu klauen.

Diebaffe

So schnell einen Affen zu sehen, hatte uns echt ĂŒberrascht. Wir haben noch einen Kaffee getrunken und sind dann auf eine sechsstĂŒndige Wanderung aufgebrochen. Es war wirklich toll, die Vegetation und die Tiere im Regenwald zu sehen.

Wald 3

Auf dem Weg nach Gisenyi

Auf dem Weg nach Gisenyi

Danach sind wir dann weiter nach Kibuye gefahren, um dort unsere Nacht zu verbringen. Am nĂ€chsten Tag haben wir uns auf den Weg nach Gisenyi gemacht, einer Stadt am Kibu See an der Grenze zum Kongo. Wie nah es an der Grenze lag haben wir am ersten Abend gemerkt, als wir feiern gehen wollten. Wir sind am See entlang gegangen in die Richtung, in die auch unglaublich viele andere junge Leute gingen. Wir dachten „da ist bestimmt eine krasse Party“, 15 Minuten spĂ€ter standen wir an der Grenze zum Kongo.

Kibu See

Kibu See

Eigentlich hatten wir vor, nur zwei NĂ€chte dort zu bleiben, letzten Endes wurden es vier, weil es uns so gut gefallen hat. Der Kibu See ist wirklich wunderschön und hat die perfekte Temperatur um darin zu baden. Nachts kann man auch einen fĂŒnfzehn Kilometer nördlich gelegenen Vulkan glĂŒhen sehen, was sehr beeindruckend ist. Ich habe noch nie zuvor einen aktiven Vulkan gesehen.

Wir vier beim FrĂŒhstĂŒck

Wir vier beim FrĂŒhstĂŒck

Ansonsten haben wir uns hauptsÀchlich entspannt und waren im See schwimmen.

Danach sind wir weiter nach Kapgayi gefahren, um unsere Freunde Brother Fred & Henry zu besuchen. Dort haben wir einen Nachmittag verbracht und sind dann am frĂŒhen Abend weiter nach Kigali, von wo wir dann am nĂ€chsten Abend zurĂŒck nach Kampala gefahren sind. Rwanda ist ein wunderschönes Land mit seinen 1000 Bergen und HĂŒgeln und durch den Urlaub haben wir mehr von Rwanda als bis jetzt von Uganda gesehen. Aber so viel mal zum Urlaub


Wald

Als wir wieder zurĂŒck in Bombo waren, ging der Ferienalltag weiter, das heißt, jeden Morgen mit den Kids skaten und den ganzen Nachmittag Oratorium machen. Mittlerweile wurde endlich – nach vier Monaten – das Schloss fĂŒr das abgeschlossene Lager des Oratoriums ausgetauscht und so kamen wir an die Malsachen dran und konnten vor zwei Wochen das erste Mal mit den Kindern malen. Es war wirklich super schön, den Kindern beim Malen zuzuschauen und sie haben sich sehr gefreut.

Paintingday

Da die Schule jetzt wieder angefangen hat, habe ich wieder recht viel Freizeit, die ich aber im Moment ziemlich gut nutzen kann, da ich angefangen habe, mir selbst Luganda beizubringen. Ansonsten helfe ich mal hier und mal da, aber an und fĂŒr sich kann ich meine Zeit sehr gut nutzen und mir ist eigentlich nie langweilig.

So das wars jetzt mal, ich muss meinen Kram packen, denn morgen geht’s aufs Zwischenseminar nach Zambia


Danke fĂŒrs Lesen!

-->

Hallo liebe Blogleser und Blogleserinnen hier melde ich mich mal wieder nach ca. einem Monat. Die Ferien sind seit letztem Samstag vorbei und der Schulalltag fĂ€ngt langsam wieder an. Inzwischen war Weihnachten, Silvester, wir waren zwei Wochen in Rwanda und ansonsten hier in Bombo schwer beschĂ€ftigt. DarĂŒber will ich in diesem Blogeintrag schreiben. Fangen wir […]

Weiterlesen

Meine PlĂ€ne fĂŒr’s neue Jahr

Hallo liebe Blogleserrinnen und Blogleser,

wie die meisten von euch sicherlich wissen, ist das Skateboard meine große Leidenschaft.

dallius

Ich plane und arbeite schon seit einiger Zeit daran einen Traum zu verwirklichen und hier in Bombo ein Skateprojekt auf die Beine zu stellen. Ich war irgendwann ganz am Anfang meiner Zeit hier in Uganda in Kampala, um ein dortiges Skateprojekt zu besuchen. Ich traf dort den GrĂŒnder und Leiter des Skateparks Jackson Mubiru und habe mich sehr lange mit ihm unterhalten. WĂ€hrend des GesprĂ€chs stellte sich heraus, dass er fĂŒr Skate-aid arbeitet, eine deutsche Organisation die Skateprojekte in Afrika, SĂŒdamerika, Asien und im Nahen Osten betreibt. Diese schicken ihm jĂ€hrlich eine Ladung Skateboards, Protektoren und Skateschuhe. Skate-aid sucht nach Schulen, die gewillt sind, den Sport zu etablieren und ihren eigenen Skatepark zu bauen, um diesen dann gegebenenfalls dieselbe UnterstĂŒtzung zu bieten. Somit war die Idee geboren, hier so etwas fĂŒr die Kinder der Schule zu machen. Seitdem habe ich mit Skate-aid Kontakt aufgenommen und Jackson war hier vor Ort, wir haben mit dem Direktor geredet und anschließend hat er uns das GelĂ€nde gezeigt, das uns zur VerfĂŒgung stehen könnte. Das GelĂ€nde bietet auf jeden Fall genug Platz und eignet sich gut fĂŒr den Bau eines Skateparks.

Die Kinder und SchĂŒler hier lieben das Skaten und es besteht unheimlich viel Interesse, dem leider nicht richtig nachgegangen werden kann, da ich nur zwei Skateboards habe und auch ein richtiger Platz zum Skaten fehlt. Im Skateboarding steckt eine pĂ€dagogische Kraft, die Selbstvertrauen, Gemeinschaftsbewusstsein, Eigenverantwortung, KreativitĂ€t und Zielstrebigkeit von Kindern und Jugendlichen und ihre freie Entfaltung fördert. Dies wĂŒnsche ich mir fĂŒr die Kinder und Jugendlichen hier, die mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen sind.

Die Planung des Skateparks war nicht einfach und stĂ¶ĂŸt auch auf ein paar bĂŒrokratische HĂŒrden, die es noch zu ĂŒberwinden gilt. Das heißt, ich kann noch nicht sicher sagen, ob das Projekt in die RealitĂ€t umgesetzt werden wird. Da der Skatepark von Spendengeldern gebaut werden soll, muss der Antrag fĂŒr das Projekt erst noch genehmigt werden (er ist schon geschrieben und eingereicht). Deshalb ist dieser Blogeintrag auch noch kein Spendenaufruf. Der kommt, wenn ich sicher sein kann, dass das Projekt realisiert werden kann, falls genug Spenden zusammenkommen.

Sedric am skaten

Trotzdem besteht natĂŒrlich die Möglichkeit zu einer Spende, denn selbst wenn der Skatepark nicht gebaut wird, kommt das Geld ja der Schule und den Kindern zugute.

Über meine Blogseite kommt ihr auf meinen Eintrag „Spenden“. Spendenquittungen werden von den Salesianern Don Bosco ausgestellt und zugeschickt.

Ich wĂŒnsche euch ALLEN ein gesegnetes und schönes Weihnachtsfest, alles Gute fĂŒr’s neue Jahr 2017 und danke euch fĂŒr jede UnterstĂŒtzung.

Euer Lukas

-->

Hallo liebe Blogleserrinnen und Blogleser, wie die meisten von euch sicherlich wissen, ist das Skateboard meine große Leidenschaft. Ich plane und arbeite schon seit einiger Zeit daran einen Traum zu verwirklichen und hier in Bombo ein Skateprojekt auf die Beine zu stellen. Ich war irgendwann ganz am Anfang meiner Zeit hier in Uganda in Kampala, […]

Weiterlesen

Rassismus, deutscher Besuch und warum Idi Amin cool sein soll…

Hallo liebe Blogleser und Blogleserinnen,

es ist mittlerweile, glaube ich, wieder fast ein Monat vergangen. Unglaublich wie schnell die Zeit vergeht. Ich hatte mir zwar vorgenommen öfter zu schreiben, habe aber irgendwie einfach keine Zeit gehabt.

Ich und eine Freundin auf einem Miniberg

Ich und Eve auf einem Miniberg

Vielleicht liegt es daran, dass die SchĂŒler in den letzten zwei Wochen vor den Ferien keine Schule hatten und wir deswegen sehr viel Zeit mit ihnen verbringen konnten. Und in den zwei Wochen davor war Examensphase, das heißt, die SchĂŒler hatten zwei bis drei Examen pro Tag und dazwischen hatte immer irgendwer Zeit, sich mit uns zu unterhalten und Zeit zu verbringen. Außerdem habe ich auch angefangen, einem Brother zweimal die Woche Deutschunterricht zu geben, was echt Spaß macht, aber unglaublich schwer ist. Das letzte Mal wollte ich ihm erklĂ€ren, wie man Nomen in den Plural setzt, ich habe anhand von Beispielen angefangen es zu erklĂ€ren und selber probiert, die Regel zu finden. Nach kurzer Zeit habe ich dann gemerkt, dass es aussichtslos ist und die Regel im Internet nachgeschaut. Und als ich die Regel dann sah, dachte ich nur “oh mein Gott, wer hat sich denn diese Sprache und diese Grammatik ausgedacht, echt verrĂŒckt”. Es gibt im Deutschen nĂ€mlich fĂŒnf Plural-Endungen, jeweils in Maskulinum und Femininum, also ca. zehn Endungen von Nomen, die man auswendig lernen muss. Ich glaube, ich werde in Zukunft noch sehr hĂ€ufig das Internet zur Hilfe nehmen mĂŒssen.

Sven und Charity beim Uno spielen...

Sven und Charity beim Uno spielen…

Letzte Woche haben die Ferien wieder angefangen und es war echt traurig, sich fĂŒr zwei Monate von unseren Freunden zu verabschieden. Ja, es gibt zwei Monate Ferien und ja, ich habe jetzt eigentlich keine offiziellen Aufgaben. Aber zum GlĂŒck habe ich in meiner Zeit hier gelernt, mir selber Arbeit zu suchen und kreativ in Bezug auf Arbeit zu sein. Also werde ich wahrscheinlich sehr viel mit den Kindern aus der Umgebung skaten, Deutschunterricht geben und tĂ€glich das Oratorium aufmachen.

Sedric am skaten

Sedric am Skaten

So aber jetzt mal zum Titel:

Ich bin vor ca. drei Wochen hier das erste Mal in Kontakt mit Rassismus gekommen und war erst mal ein bisschen geschockt. Aber wie immer darf man bei so was nicht ĂŒberreagieren, sondern muss erst mal probieren, die HintergrĂŒnde zu verstehen.

Eine meiner besten Freundinnen sagte nĂ€mlich nach dem Abendessen zu mir, dass sie uns ja schon mag, aber gar nicht so richtig weiß warum, weil sie eigentlich alle Weißen hasst.

Ich war ziemlich erstaunt, weil ich das von ihr niemals erwartet hatte. Dann habe ich erst mal nach dem Grund gefragt. Die Antwort war, dass sie die Weißen hasse aufgrund dessen, was sie den Afrikanern in der Kolonialzeit angetan haben, dass Weiße meinen, dass sie was Besseres sind und dass ja schließlich alle Weißen auch Rassisten seien und die Schwarzen hassen wĂŒrden.

Puh, wo sollte ich da bloß anfangen? Das mit dem historischen Hintergrund habe ich erst mal so stehen gelassen und habe probiert zu erklĂ€ren, dass die meisten Weißen keine Rassisten seien. Das wollte sie ĂŒberhaupt nicht wahrhaben und glaubte mir nicht. Zum GlĂŒck war Brother Aloys in der NĂ€he. Er kommt aus Ruanda und hat zwölf Jahre in Belgien gelebt. Er hat ihr dann gesagt, dass nicht alle Weißen Rassisten sind und dass zu seiner Überraschung seine besten Freunde in Belgien Weiße wurden. Sie probierte das Argument zu wiederlegen indem sie vermutete, dass das Motiv der Freundschaft etwas anderes, hinterhĂ€ltiges gewesen seinen musste. NatĂŒrlich wurde das von Brother Aloys verneint und im weiteren GesprĂ€ch, das ĂŒber eine Stunde dauerte, ging es darum, dass ich auch finde, dass die Kolonialisten schreckliche Menschen waren, aber dass die Menschen mit der Zeit umdenken und sich weiterentwickeln. Ich habe dann noch als Beispiel genannt, dass es vor achtzig Jahren ziemlich viele Nazis in Deutschland gab, die unglaublich schreckliche Dinge getan haben und ĂŒble Rassisten waren, aber dass es heute nur noch ganz wenige Nazis gibt.

Schließlich habe ich noch den Begriff Rassismus erklĂ€rt und ihr dann noch gesagt, dass sie, wenn sie alle Weißen hasst, ja auch ein Rassist sei, was sie vehement abstritt. Wir haben dann beschlossen, das GesprĂ€ch am nĂ€chsten Tag fortzusetzten.

Solche Dinge zu verstehen braucht immer Zeit. Man kann einer Person, die ihr ganzes Leben lang dieses Bild hatte, nicht in einer Stunde erklĂ€ren, dass es eben nicht so ist. Wir haben uns seitdem noch hĂ€ufig darĂŒber unterhalten und mittlerweile ist sie nicht mehr davon ĂŒberzeugt, dass alle Weißen Rassisten sind und sie hasst Leute jetzt nicht mehr aufgrund einer Hautfarbe, sondern aufgrund von Taten.

 Kids5

Das bringt mich noch kurz zu einem anderen Thema, den falschen Bildern. Es ist nĂ€mlich so, dass die meisten Afrikaner ein falsches Bild von Europa und die meisten EuropĂ€er ein falsches Bild von Afrika haben. Woran liegt das? Die Antwort ist Bildung. In der Schule lernen wir praktisch nichts ĂŒber Afrika. Wir lernen die Form des afrikanischen Kontinents kennen und dass Afrika der rohstoffreichste Kontinent auf Erden ist, in Geschichte lernen wir ein bisschen etwas ĂŒber den Kolonialismus, aber auch bei weitem darĂŒber nicht alles und ansonsten nichts.

Also was assoziieren die meisten EuropĂ€er, die noch nie in Afrika waren und sich nie wirklich selbst mit dem Kontinent auseinandergesetzt haben? Hungersnöte, Krieg, Völkermord, Korruption. Aber das ist nicht Afrika, sondern ein sehr falsches Bild. NatĂŒrlich gehören diese Begriffe zu Afrika, aber sie machen es nicht aus. Genauso erfahren die Afrikaner in der Schule nichts ĂŒber die RealitĂ€t in Europa. In Europa ist jeder reich, das Geld liegt auf der Straße, man muss es nur einsammeln, Jobs gibt es in unglaublichem Überfluss und das Leben ist sehr leicht. Das denken viele und es ist nicht einfach, ihnen das echte Europa zu zeigen. Meiner Meinung nach ist der beste Weg, die RealitĂ€t in einem Land zu sehen, einige Monate dort zu leben.

Aber soviel erst mal zu den falschen Bildern, die falschen EindrĂŒcke schaffen und auch Rassismus erzeugen können.

Panorama vom Miniberg

Panorama vom Miniberg

Ca. eine Woche nachdem ich das erste Mal mit Rassismus in Kontakt kam, kamen Besucher aus Deutschland in unsere Community. Bevor sie kamen hatte ich keine Ahnung, wer diese Leute sind und was sie wollen. Die Gruppe bestand aus zwei Mitarbeitern von den Hilfsorganisationen “Gemeinsam fĂŒr Afrika” und der Welthungerhilfe, ihrem Filmteam, zwei YouTubern und dem Team von Jung&Naiv, zwei Journalisten, die so etwas wie ein Online-Video-Portal betreiben.

Als sie ankamen und ich sah, wie sie empfangen wurden, wurde mir einiges klar.

Die falschen Bilder und auch den Rassismus konnte ich immer mehr nachvollziehen, auch wenn sie auf einem Trugschluss beruhten: Die Besucher wurden empfangen wie ein StaatsprÀsident. Die Gruppe wurde mit der Blaskapelle empfangen und ist mit einem Marsch auf den Basketballplatz eingezogen. Die Blaskapelle ging vorne weg und die Besucher mit dem Direktor und den Priestern hinterher.

Danach saßen sie wie auf einem PrĂ€sentierteller auf dem Basketballplatz mit der besten Sicht auf die riesige Show, die dann fĂŒr sie abgezogen wurde. WĂ€hrend all dem haben die KameramĂ€nner alles dokumentiert. Es wurde getanzt, gesungen, live Musik gespielt und so weiter. Am Anfang fiel auch ich auf diesen Trugschluss herein, ich dachte mir, was denn der ganze Mist soll und war ĂŒberzeugt, dass genau durch solche Auftritte das falsche Bild erzeugt wird und viele SchĂŒler denken werden, dass diese Weißen etwas Besseres sind aufgrund dessen, wie sie behandelt werden.

Und da ist auch schon der Trugschluss, auf den ich in den ersten zwanzig Minuten hereingefallen bin: Die Besucher werden so behandelt und die Show wird fĂŒr sie gemacht. Von wem? Vom Direktor und den Verantwortlichen. Wollen die Besucher das und sind sie fĂŒr die Show gekommen? Nein. Das falsche Bild wird nicht von ihnen erzeugt, sondern von denen, die sie so empfangen, denn am liebsten wĂŒrden sie einfach den ganz normalen Schulalltag sehen, können aber natĂŒrlich nicht sagen “hört auf mit der ganzen Show”, denn das wĂ€re ziemlich unfreundlich. Das wurde mir relativ schnell klar, aber ist vielen SchĂŒlern nicht klargeworden.

Der Journalist von Jung&Naiv, Tilo Jung, hatte sich nicht auf den PrĂ€sentierteller gesetzt, sondern zu den SchĂŒlern, was ich und die SchĂŒler sehr sympathisch fanden. Mit ihm habe ich mich noch lange unterhalten und er hat spĂ€ter noch ein Interview mit mir gemacht, das demnĂ€chst bei Jung&Naiv im Rahmen einer Dokumentation ĂŒber ihre Reise erscheinen wird. Danach wurden die Besucher noch herumgefĂŒhrt und wir haben zusammen gegessen. Am Nachmittag sind sie dann weitergefahren.

Ein paar GrundschĂŒler am posen :D

Ein paar GrundschĂŒler am Posen

Jetzt noch zum letzten Punkt fĂŒr diesmal, warum hier viele Idi Amin als guten Politiker sehen.

Als mir ein Lehrer das zum ersten Mal erzĂ€hlte, war ich wieder ein bisschen erschrocken, aber habe mittlerweile auch den Grund fĂŒr diese Ansicht gefunden.

Man muss verstehen, dass der heutige PrĂ€sident Mouseveni zwar ein “demokratisches” Land regiert, aber im Endeffekt doch ein Diktator ist, dessen Amtszeit nun schon dreißig Jahre betrĂ€gt und der erst mit seinem Tod aus dem Amt scheiden wird. Er fĂ€lscht Wahlen, besticht Leute und Ă€ndert Gesetze, um im Amt zu bleiben. Jetzt kann man natĂŒrlich aus unserer Sicht argumentieren, ja gut, immer noch besser als ein Hitler-Verehrer, der 750.000 Menschen getötet hat. Das stimmt ja auch irgendwie, aber auch der jetzige PrĂ€sident ist ein Gewaltherrscher, der einen Polizeistaat kontrolliert und auf Demonstranten schießen lĂ€sst. Auch er hat ziemlich viele Menschen auf dem Gewissen, aber das entschuldigt natĂŒrlich auch nicht, was Idi Amin getan hat. Warum hat er dann die Sympathien von manchen Leuten in Uganda?

Joshua

Vielleicht muss ich an der Stelle nochmal deutlich machen, dass es kein allgemeiner Konsens ist, dass Idi Amin ein toller Typ ist, aber ich immer mal wieder Leuten begegne, die dieser Meinung sind. Der Grund liegt eigentlich auf der Hand: Idi Amin hat wie kein Anderer seit Beginn seiner Diktatur Geld in die Infrastruktur investiert. Die meisten KrankenhĂ€user und zementierten Straßen, die es heute im Land gibt, hat er gebaut. Er hat dem Land geholfen, in dem er Schulen, Strom- und Wassernetzwerke ausgebaut hat. Bei uns ist das selbstverstĂ€ndlich, aber hier eben nicht. Denn seit Mouseveni an der Macht ist, schaufelt er sich das Geld hauptsĂ€chlich in seine eigene Tasche und in die seiner Kollegen. Er gibt Unmengen an Geld fĂŒrs MilitĂ€r aus, sagt aber gleichzeitig, die Regierung hĂ€tte kein Geld, um die einzige Strahlentherapie-Maschine in Uganda zur Behandlung von Krebspatienten zu reparieren, was einem Todesurteil fĂŒr hunderte von Menschen gleichkommt. Insofern muss man sehr sensibel fĂŒr solche Themen sein und nicht direkt alles abstreiten, sondern erst mal probieren, Dinge aus einer anderen Perspektive sehen. NatĂŒrlich macht das Idi Amin nicht zu einem Helden, aber man muss sehen, dass er auch eine gute Seite hatte


Kids4

So das war’s jetzt aber mal von mir.

Ich wĂŒnsche euch Allen einen schönen Advent, ein schönes Weihnachtsfest und, falls ihr vor Neujahr nichts mehr von mir hört, ein schönes neues Jahr.

Liebe GrĂŒĂŸe

Lukas

-->

Hallo liebe Blogleser und Blogleserinnen, es ist mittlerweile, glaube ich, wieder fast ein Monat vergangen. Unglaublich wie schnell die Zeit vergeht. Ich hatte mir zwar vorgenommen öfter zu schreiben, habe aber irgendwie einfach keine Zeit gehabt. Vielleicht liegt es daran, dass die SchĂŒler in den letzten zwei Wochen vor den Ferien keine Schule hatten und […]

Weiterlesen

Seite 1 von 2

LĂ€uft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén