Hallo ihr Lieben,

vorweg: da es etwas schwierig ist Bilder in den Blogeintrag zu laden, hier ein Link, mit dem ihr zu Amazonasfotos in meiner Dropbox kommt…fĂŒr meine lieben Omas eine Hilfe: einfach draufklicken 😉

https://www.dropbox.com/sh/12sxmsta0dh33z2/AACoADgae8Se27PPNg9LkWoUa?dl=0

 

Ende Januar habe ich mir das erste Mal, seit ich hier bin, Urlaub gegönnt. Zusammen mit Zita und Nicolas (zwei weitere deutsche VoluntĂ€re hier in Cali) flogen wir nach Leticia, ins Amazonasgebiet. Als wir in Bogota zwischen landeten hatten wir eine interesante Begegnung mit einem Franziskaner; er wird sich in den nĂ€chsten 3 Jahren im brasilianischen Amazonasgebiet fĂŒr die Rechte der indigenen Bevölkerung einsetzten, die bei DrogengeschĂ€ften, von ansĂ€ssigen Banden, eingesetzt und fĂŒr ihre Zwecke ausgenutzt werden.  Wow, was fĂŒr eine tolle Mission!

In Leticia schlug uns als erstes Hitze entgegen. In Cali ist es schon heiss, aber die Temperaturen in Leticia ĂŒberbieten dies locker. Durch die zudem sehr hohe Luftfeuchtigkeit muss man sich kaum bewegen, um ordentlich ins Schwitzen zu kommen. Aber das gehöhrt wohl zur Amazonaserfahrung dazu =)

Nachdem wir den ersten Tag in Leticia verbracht hatten, stand nun eine fĂŒnf tĂ€gige Tour im DreilĂ€nderdreieck Kolumbien, Brasilien und Peru an. Unser “Team” bestand aus zwei Guides (beides Indigene) und einem KapitĂ€n fĂŒr das Boot, mit dem wir die nĂ€chsten Tage ĂŒber das Wasser tuckern sollten. Am ersten Tag legten wir in der indigenen Gemeinschaft “la libertad” (“die Freiheit”) an. Dies ist die Heimatgemeinschaft einer unserer Guides gewesen. Von dort aus ging es fĂŒr die Nacht in den Urwald. Als die Guides meinten, einen angemessenen Platz im Wald gefunden zu haben, wurde das Lager aufgeschlagen: ein Feuer entzĂŒndet (erstaunlich, dass unser Guide schaffte Feuer zu machen, da der ganze Regenwald nass zu sein schien), auf dem dann unser Essen aus Reis, Kochbananen, Eiern und HĂ€hnchen gekocht wurde. SpĂ€ter unternahmen wir noch eine Nachtwanderung und krochen dann ins unsere HĂ€ngematten. Obwohl wir furchtbar von Moskitos zerstochen wurden und die Anziehsachen wegen der Luftfeuchtigkeit nie zu trocknen schienen, war es ein besonderes und schönes Erlebnis im Regenwald zu schlafen. Besonders toll fand ich in der HĂ€ngematte zu liegen, rauf ins BlĂ€tterdach zu schauen und den besonderen GerĂ€uschen des Waldes zu lauschen. Man fĂŒhlte sich einfach sofern ab von der restlichen Welt! In einem Fleckchen unberĂŒhrter Natur.

Nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht fuhren wir am nĂ€chsten Tag mit dem Boot zu einer anderen Gemeinschaft weiter. Die Menschen dort leben gemeinsam in einem grossen Haus, das auf hohen Stelzen gebaut ist, da der Wasserstand des Amazonas im Jahr stark schwankt. Nun stand das Haus im Trockenen, doch mit der Regenzeit wĂŒrde sich dies schlagartig Ă€ndern. Da das Haus ca. 2-3 Meter ĂŒber dem Boden liegt, merkte man jeden Schritt im Haus und das Haus schien dauerhaft ein bisschen zu schwanken. Man kam sich ein bisschen vor, wie in einem Boot. Vor dem Haus lag der Fluss, hinter dem Haus ein See, aus denen die Bewohner ihr Wasser zum Waschen, Duschen etc. her beziehen. Das Haus scheint zwar im Nirgendwo, auf einer Art Insel zwischen Fluss, See und Wald zu liegen, aber lustigerweise liegt es genau auf der Grenze von Peru und Brasilien. Aus diesem Grund können sich die dort lebenden Menschen fĂŒr eine StaatsbĂŒrgerschaft entscheiden.

Unser neuer Ausgangspunkt fĂŒr die kommenden 4 Tage war nun dieses “Stelzenhaus” im Nirgendwo. Von dort aus unternahmen wir weitere Wanderungen im Regenwald, wobei wir Affen, AmeisenbĂ€ren, Faultiere, Delfine, (handgrosse) Tarantulas, Papageien ChamĂ€leons und andere Tiere beobachten konnten und uns verschiedene BĂ€ume mit ihren Heilwirkungen erklĂ€rt wurden.  Wir fischten Piranhas, fingen nachts Krokodile (die wir unversehrt wieder aussetzten) und manch  seltsam aussehende Fische, Ă€rgerten uns mit dem Hausdrachen alias Laura, der Papagei herum, tranken den besten Caipi, den ich je probiert habe, mit der lokalen Frucht Camu-Camu, schwammen zur AbkĂŒhlung im Fluss (und liessen uns dabei nicht von Piranhas, Krokodilen oder Anakondas fressen) und hatten beim Besuch einer weiteren Gemeinschaft grossen Spass mit den Affen, die dort lebten. Wirklich lustige und sĂŒsse Tierchen =)

Nach einer Woche, in der ich einfach mal richtig abschalten konnte (u.a. weil ich mein Handy im Projekt gelassen hatte und somit mal nicht von den Jugendlichen und Kollegen erreicht werden konnte) ging es dann mit dem Flugzeug zurĂŒck nach Cali. Morgens machte ich mit dem Tuk-Tuk noch einen schönen Ausflug nach Brasilien, um mir dort einen Stempel fĂŒr meinen Pass zu holen (in Tabatinga) und dann war die Zeit auch leider schon wieder um.

Als wir abends wieder zurĂŒck in Cali waren, kamen mir die Temperaturen Calis plötzlich, nach der Hitze Leticias, ertrĂ€glich vor. Und es war einfach wunderbar die Jugendlichen wieder zu sehen. Ganz ehrlich, es war wirklich komisch eine Woche ohne sie zu sein, nachdem ich 3 Monate tĂ€glich mit ihnen zusammen war und schon nach kurzer Zeit vermisste ich sie. Dementsprechend schön war die Wiedersehensfreude auf beiden Seiten =)

Nun bin ich schon weiter nach Medellin gedĂŒst, um dort zwei weitere Don Bosco Freiwillige (Maria und Magdalena) und einen Freund im Don Bosco Projekt “Ciudad Don Bosco” (Stadt Don Boscos) zu besuchen. Oscar ist Salesianer und mit ihm hatte ich zwei Monate in Cali verbracht. Nun hat er nach Medellin wechseln mĂŒssen. Ich vermisse ihn sehr, aber umso schöner war das Wiedersehen und ist die gemeinsame Zeit jetzt. Er ist fĂŒr mich einfach ein ganz besondere Mensch in meinem Leben geworden.

Leider bin ich nun etwas krank geworden (lustigerweise wegen der “KĂ€lte” hier, die ĂŒberhaupt keine KĂ€lte ist. Da es jedoch in Cali so warm ist, scheint es mir hier nachts und morgens richtig kalt zu sein und ich habe mir wohl deshalb erst einmal eine ErkĂ€ltung geholt). Am ersten Tag war ich noch mit Maria und Magdalena im Patio. Ein Projekt fĂŒr momentan 50 acht bis elf jĂ€hrige Strassenjungs, die dort eine neue Heimat finden sollen. Die Jungs sind richtige Rabauken, eben ein Haufen Strassenjungs, doch einfach liebenswert.

Am nĂ€chsten Tag besuchten wir das “CAE”. Das ist im Prinzip das selbe Projekt wie das, indem ich in Cali arbeite und man kĂŒmmert sich dort um ehemalige Kindersoldaten im Alter von 16 bis 18 Jahren.

Das Patio und das CAE liegen ausserhalb der “Ciudad Don Bosco”, die an den BerghĂ€ngen Medellins liegt und von wo aus man nachts einen unglaublichen Blick auf die Lichter der riesigen Stadt hat. Die “Ciudad Don Bosco” (ciudad=Stadt) nennt sich nicht ohne Grund so. Das GelĂ€nde ist wirklich gross, in einem Haus leben hier 250 ehemalige Strassenjungs, es gibt eine Schule und Ausbildungsmöglichkeiten fĂŒr die jungen Menschen und um die 400 Mitarbeiter.

Hier durfte ich nun fĂŒr ein paar Tage auch unter kommen. Ich finde es eine tolle Erfahrung, ein anderes Projekt kennen lernen zu können und hier ein paar Tage zu verbringen, bis Maria, Magdalena und ich am Sonntag gemeinsam nach Buenos Aires aufbrechen, wo wir eine Woche lang unser Zwischenseminar (von Don Bosco Deutschland aus, mit allen Don Bosco Freiwilligen aus Deutschland, die gerade in Lateinamerika sind) haben werden. Dann geht es wieder zurĂŒck nach Cali und ran an die Arbeit. Mein Kopf schwirrt momentan vor neuer Ideen fĂŒr die Jugendlichen und ich freue mich auf die “nĂ€chste Runde”.

Bis bald, eure Louisa