Ein kunterbunter Mix der letzten Wochen

Und schon wieder ist viel zu viel Zeit vergangen und in zwei Wochen sitze ich im Flieger zurück nach Deutschland. Mir ist bewusst, dass ich richtig wenig geschrieben habe gegen Ende meines Freiwilligendienstes. Hier ist alles viel zu normal geworden und in Deutschland schreibt man über sein Alltagsleben ja auch keinen Blog. Soviel kann ich zu meiner Verteidigung sagen. In letzter Zeit ist für mich die Vorstellung an das Leben in Deutschland sogar eher merkwüdig geworden und so ist es schwer vorstellbar, bald wieder in der gewohnten Umgebung zu sein.
Einerseits freue ich mich wieder, zurückzukommen, meine Freunde und meine Familie wieder zu sehen, auf das Studium, das dann kommt, die alte Umgebung, den so anderen Lebensstil, das Essen und das Sitzklo (hier haben wir seit unserem Umzug nur noch ein Stehklo, was aber nicht so schlimm ist). Auch durchgehend Strom und sauberes Wasser aus der Leitung zu haben, hat für mich deutlich an Wert gewonnen. Hier gibt es jetzt in der Regenzeit wieder Tage, an denen über 8 Stunden kein Strom gibt, und das Wasser ist teilweise sogar bräunlich, sodass mit bloßem Auge erkennbar ist wie dreckig es ist. Aber an all solche Kleinigkeiten gewöhnt man sich dann doch und kann auch bestens damit leben.
Zum Anderen werde ich mein neues Zuhause hier auch richtig vermissen. Es ist einfach unvorstellbar, das alles hinter mir zu lassen in dem Wissen, dass selbst wenn ich zurück komme, vieles nicht mehr so sein wird. Meine Mädels sind mir so sehr ans Herz gewachsen, dass ich sie am liebsten alle mit nach Deutschland nehmen würde. Ich bin rückblickend besonders stolz darauf, dass sich viele im Englischen um Einiges verbessert haben und mehr Mut bekommen haben, zu sprechen. Was ich wohl am meisten vermissen werde, sind all ihre lachenden Gesichter! Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass ich nie wieder so viele voller Energie strahlende Menschen um mich herrum haben werde. Nicht nur von meinen Eltern wurde ich nach ihrem Besuch gefragt, ob unsere Mädels immer noch so viel lachen, wie als sie sie erlebt haben. Und die Antwort war natürlich Ja. Auch andere Volontäre, die uns besucht haben meinten: „Sind die immer so?“. Was auf Selbiges bezogen war. Es ist also nur möglich hier glücklich zu sein. Und so ging es mir auch dieses Jahr. Ich hab es voll und ganz genossen und bin sehr froh in diese wunderschöne unbekannte Gegend der Welt gekommen zu sein!
Eine wichtige neue Information über unser Projekt möchte ich euch nicht verschweigen. Auch uns war die Besonderheit unserer Schule lange unbekannt. Es ist nämlich die Einzige hier in der Gegend, die auch Klassen für „Drop Out Students“ hat. Das bedeutet, dass SchülerInnen in die 9. oder 10. Klasse einsteigen können egal welche Klassenstufe sie davor erfolgreich abgeschlossen haben und so letzendlich doch noch eine gute Schulbildung erhalten. So sind in diesen Klassen viele SchülerInnen, die mehrere Jahre nicht zur Schule gegangen sind. Manche, weil sie die Wichtigkeit der Schule nicht begriffen hatten ( viele Eltern haben auch keine oder nur eine geringe Schulbildung), aber andere auch, weil sie ihre Familie unterstützen mussten, also gearbeitet haben oder auch gar einen ganzen Haushalt geschmissen haben.
So auch eine von unseren Mädchen. Ibakyrsoi* hat vier Jahre lang für ihre kleinen Geschwister (eine Schwester, einen Bruder) gesorgt, weil ihre Mutter verstorben ist und ihr Vater eine andere Frau hat, weshalb er sich nicht mehr um sie gekümmert hat. Der frühe Tod ist hier übrigens auch keine Seltenheit. Jedenfalls konnte Ibakyrsoi im Alter von ungefähr 12-16 Jahren keine Schule besuchen und hat sich zu Hause so gut es ging mit ein paar alten Schulbüchern wenigstens ein bisschen selbst etwas beigebracht. Auch ihre kleine Schwester ist bei uns im Konvent und ist im Gegensatz sogar zu früh eingeschult worden. Jetzt ist sie mit gerade mal 7 Jahren schon in der dritten Klasse. Daran erkennt man, denke ich, wie groß die Altersspanne in nur einer Klasse oft ist.
Ein weiterer wichtiger Punkt, den ich noch erläutern will, sind die Spenden. Wir haben uns dazu entschieden für sauberes Trinkwasser zu sorgen und so gibt es bald zwei Trinkwasserfilter für unsere Mädels. Abgesehen davon haben wir immer wieder kleine Dinge zum Spielen gekauft, wie Bälle oder Gesellschaftsspiele. Ein etwas größeres Projekt findet im Moment statt. Wir haben für jedes Mädel ein T-Shirt gekauft und ganz viele Farben, so darf sich jede ihr eigenes gestalten. Die restlichen Spendengelder fließen in die laufenden Kosten mit ein, dabei sind sie hier vor allem für die in Planung stehende neue Refectory gedacht.
Jetzt habe ich wirklich alles kunterbunt zusammen gemischt, aber erstens ist das auch hier ein bisschen so die Art und zweitens wollte ich euch alles wenigstens noch ein bisschen erzählen.
Ich denke, alles in allem war das mein vorletzter Blogartikel und ich werde mich nur noch einmal aus Deutschland dann schon weder melden…

*(Name geändert)

Ich kann leider gerade keine Fotos hinzufügen. Aber ich versuche die Lösung zu finden und sie in den nächsten Tagen hochzuladen.

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Die Ereignisse der letzten zwei Monate

  1. Familie Kneip: Sonja, Julia, Sigrid und Matthias

    Liebe Lotte,
    danke, dass wir durch deine vielen interesanten Einträge an deinem Indien-Abenteuer teilhaben durften und ganz großen Respekt für deinen Mut, dein Engagement und dein großes Herz!
    Wir alle freuen uns schon sehr, wenn du am Freitag wieder nach Regensburg kommst!

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