Hallo liebe Blogleser,
ein bisschen verspätet kommt mal wieder ein Eintrag. Viel Spaß beim Lesen und wunderschöne Fotos bestaunen.

Nach den vielen ereignisreichen Aktivitäten im „Oratorio del Verano“ und der Misión in Cafayate haben wir uns regelrecht eine Auszeit verdient. Die haben wir uns auch genommen. Den letzten Ferienmonat haben wir genutzt, um Argentinien ein bisschen besser kennen zu lernen.

Am 2. Februar ging unser Bus von Salta Richtung Rosario in der Provinz Santa Fe. Nach ungefähr 15 Stunden oder mehr sind wir am nächsten Tag angekommen und wurden von unserem ehemaligen Direktor Padre Andrés abgeholt. Mit ihm sind wir zu seiner neuen Arbeitsstelle nach Funes, einem reichen Stadtteil außerhalb von Rosario, gefahren. Die Salesianer haben dort ein großes Grundstück mit einer Kirche, einem schönen Park und dem Priesterseminar „Ceferino Namuncurá“. Dort kommen junge Erwachsene hin, die sich für den Weg als Salesianer entschieden haben, ihn hinterfragen und darüber nachdenken, ob es wirklich das Richtige ist. Sie werden von drei Salesianern begleitet. Da wir Anfang Februar dort waren, war das Haus leer, denn es waren Ferien. Am selben Tag haben wir einen Ausflug nach Victoria gemacht. Einer Stadt in der Nachbarprovinz Entre Rios, die am Ufer des Río Paraná liegt. Um dorthin zu gelangen sind wir eine Stunde auf einer Straße umgeben von Wasser gefahren. Zu dieser Zeit hat es sehr viel geregnet, somit ist der Wasserspiegel des Flusses sehr stark angestiegen und hat die ganze grüne Ebene, die zwischen den Provinzen liegt überschwemmt. Es war ein richtig schöner Anblick! So viel Wasser, man hätte denken können, es wäre ein Meer. In Victoria haben wir uns ein sehr schönes Benediktinerkloster angeschaut und flanierten an der Flusspromenade mit einem „Mate Tereré“, das ist ein kalter Mate für sommerliche Sommertage. Es war ein sehr schöner erholsamer Tag. Am nächsten Morgen machten wir uns zu fünft, P. Andrés, zwei Salteños, die auch zu Besuch waren und wir zwei, auf den Weg Richtung San Nicolás, einer Stadt im Süden von Rosario. Dort nahmen wir an einer Messe im „Santuario Virgen María del Rosario“ teil. Einer riesengroßen, grauen, aus vielen Betonklötzen bestehende Kirche. Danach ging es zum Mittagessen in ein Restaurant und begutachteten das überschwemmte Flussufer. In dieser Stadt befindet sich das erste „Colegio Salesiano“ von Argentinien. Das wollten wir natürlich auch noch sehen und machten eine kleine Führung durch die alten Gemäuer. Die Schule ist bis heute in Betrieb und ein wichtiger Bestandteil San Nicolás. Der Aufenthalt in Funes mit Padre Andrés war sehr schön. Es war sehr schön ihn wieder zu sehen und mit ihm Zeit zu verbringen.

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Am nächsten Tag ging es nach Rosario ins Zentrum, denn dort besuchten wir unsere Mitvolontäre Jakob und Tim, die im Colegio San José arbeiten. Es ist eine sehr große und hohe Schule, mit fünf Stockwerken. Dort gibt es auch alles, eine Primaria, eine Secundaria und ein Ausbildungszentrum. Vom 5. – 8.2. lebten wir auch mit in deren Kommunität. Während den Tagen schauten wir uns die Stadt an und chillten an der schönen Flusspromenade. Rosario ist eine der größten Städte Argentiniens und ist geprägt von vielen jungen Studenten, die in eine der sechs Unis gehen. Eine chillige große schöne Stadt.

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Monumento de la Bandera (das Monument der Flagge)
Monumento de la Bandera (das Monument der Flagge)

Im Februar fand auch unser Zwischenseminar statt, mit allen salesianischen Volontären aus Deutschland, die sich zur Zeit in Südamerika befinden. Alle 18 Freiwillige, eine Ex-Volontärin und Wolfgang, der Organisator aus Bonn, die aus Deutschland angereist sind, haben sich in Buenos Aires, im Stadtteil Ramos Mejía getroffen. In einem großen Tagungshaus der Salesianer hatten wir unser Treffen. Das Wiedersehen mit allen war sehr schön. Wir haben viele Erlebnisse und Erfahrungen ausgetauscht. In unseren gemeinsamen Einheiten hat jede Volontärsgruppe sein Projekt, seine Arbeit und seine Lebenssituation vorgestellt. Ebenfalls gab es Vorstellungen über die Länder, Städte und Kulturen. Ein ganz wichtiger Punkt war das Besprechen und Lösen von Problemen in den Projekten. Viele Volontäre hatten einiges zu bereden. Wir, Fabian und ich konnten nicht viel dazu beitragen, weil bei uns alles ziemlich gut läuft. Gemeinsame Ausflüge kamen natürlich auch nicht zu kurz. An einem Tag sind wir in die Innenstadt gefahren. Begleitet hat uns Nestor, ein salesianischer Theologiestudent aus San Justo (Stadtteil von Buenos Aires), den wir bei unserer Ankunft in Argentinien kennengelernt haben. Er hat uns sehr geholfen, alle Sehenswürdigkeiten zu erreichen. Denn in die Innenstadt zu gelangen, der sechst größten Stadt Südamerikas, ist nicht leicht. Ebenfalls machten wir einen Tagesausflug nach Tigre, einer kleinen Stadt gelegen am nordwestlichen Rand von Buenos Aires. Dort machten wir eine Kanufahrt in die Seitenarme des Flusses Luján, der in den Río de la Plata mündet. Es waren sehr schöne Ausflüge, die zu einer guten Gemeinschaft geführt haben. Am letzten Abend haben wir, die argentinischen Volontäre, ein köstliches typisches Asado vorbereitet. Alle waren davon begeistert.

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Dann fing am nächsten Tag unsere Reise an. Wir sind mit drei Volontärinnen aus Bolivien Maite, Paula, Laura und den zwei Volontären aus Rosario von einem Salesianer, den die Paula kennt, abgeholt worden. Er hat uns zu unserem ersten Stop gebracht: zu seiner Arbeitsstelle nach Ferre, einer kleinen Stadt, die zwischen Buenos Aires und Rosario liegt. Die Salesianer haben dort eine wunderschön gelegene landwirtschaftliche Schule mit einem schlossartigen Gebäuden. Wir verbrachten dort zwei Nächte in unserer eigenen „Volontärswohnung“. Jeder hatte sein eigenes Zimmer mit Bad. Die Mahlzeiten nahmen wir mit den dortigen Salesianern ein, die uns sehr herzlich empfangen haben. Während den Tagen wurden uns alle Einrichtungen, Ställe und Herstellungsprozesse gezeigt, wie zum Bsp. eine Käserei, Metzgerei, Herstellung von Marmeladen und Dulce de Leche, eine große Anlage zur Gewinnung von Sojaöl, die Ställe der Kühe, Schweine und Hühner und noch vieles mehr. Ebenso machten wir zwei Ausflüge zum örtlichen Pool. Die Tage haben wir gemeinsam auf unserer Dachterrasse bei einem atemberaubenden Sonnenuntergang und einem darauf folgenden klaren Sternenhimmel ausklingen lassen.

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Sojaölherstellung
Sojaölherstellung

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Am 16. Februar ging es weiter nach Rosario. Dort schauten sich die Mädels und auch wir nochmal das Projekt von Tim und Jakob und die Stadt an. Übernachtet haben wir wieder in Funes bei unserem lieben Padre Andrés.
Nach diesem kleinen Zwischenstopp verabschiedeten wir uns von Jakob und Tim. Denn wir fünf (Maite, Paula, Laura, Fabian und ich) nahmen das Flugzeug von Rosario in den Norden nach Puerto de Iguazú. Die anderen zwei blieben in Rosario. Von da an fing ein unvergessliches und wunderschönes Abenteuer an.
Wir landeten abends am 17.2. in Iguazú. Aber hatten noch keine Übernachtungsmöglichkeit. Somit haben wir fast jedes Hostel abgeklappert, aber es war alles ziemlich teuer. Am Ende landeten wir bei einer älteren Dame, die Zimmer vermietete für ein super billiges Angebot. So quetschten wir uns zu fünft in ein kleines Vierbettzimmer mit Bad für ein paar Nächte. Gleich am nächsten Tag machten wir uns auf zu einem der sieben Weltwunder der Natur, die Cataratas de Iguazú, „Iguazú-Wasserfälle“. Sie befinden sich an der Grenze von Argentinien und Brasilien. Bei uns ging es erst auf die argentinische Seite. Dort konnte man über Stege laufen, die sich auf den Wasserfällen befinden. Eine kleine Eisenbahn führte dann zur Garganta del Diablo, dem „Teufelsschlund“. Es ist ein riesengroßer u-förmiger Wasserfall, der 150 Meter breit und 700 Meter lang ist. Noch ein paar technische Daten: es sind dort 20 größere und 255 kleinere Wasserfälle zu finden. Manche sind bis zu 82 Meter hoch, aber die meisten bis zu 64 Meter. Das Gebiet dehnt sich um die 2,7 Kilometer aus und die Wassermenge schwankt von 1500 m³/s bis über 7000 m³/s. Von der brasilianischen Seite aus hat man die argentinische Seite schön im Blick. Es ist ein atemberaubendes Panorama! Dort kann man auch über ein Steg auf dem reißenden Wasser laufen und man wird klitschnass. In den Nationalparks findet man um die 200 wunderschöne Schmetterslingarten und den südamerikanischen Nasenbär Coatí. Der bei Nahrungssuche Mülleimer leert oder Touristen Essen klaut. Er kann sehr aggressiv und bissig werden. Die Wasserfälle sind ein atemberaubendes Naturphänomen. Es ist schwer das Erlebte in Worte zu fassen, weil es so gewaltig war. Wer die Möglichkeit hat dorthin zu reisen, sollte es nicht verpassen. Es ist ein einmaliges unvergessliches Erlebnis! Die Fülle an Natur ist überwältigend, man kommt aus dem Staunen nicht mehr raus! Am besten ist es, man erlebt es selber.

argentinische Seite
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brasilianische Seite
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Cuatís
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Am 21.2. haben wir wieder die Heimreise angetreten. Die Bolivianerinnen machten sich auch wieder auf den Weg zurück nach Bolivien. Wir hatten einen kleinen Zwischenstop in Buenos Aires, um unser Visum verlängern zu lassen und dann ging es ganz zurück nach Salta!

Der Februar war gefüllt von wunderschönen Erlebnissen. Es tat gut, auch mal rauszukommen, um neue Orte von Argentinien zu entdecken. Nach dem genialen Sommeroratorium im Januar war diese Auszeit genau richtig und ich konnte neue Kraft tanken für die zweite Hälfte meines Freiwilligendienstes in Salta!
Ich bin gespannt, was mich noch alles erwarten wird!

Euer Johannes