338 Tage Indien. Und so schnell ist es vorbei. Mein Jahr in Indien ist so gut wie um. Statt mehreren hundert Tagen, sehe ich auf meinem Countdown für Deutschland noch 3 Tage.

3 Tage bis ich im Flugzeug nach Hause sitze. Obwohl ich es weiß, kann ich es kaum realisieren. Es ist einfach krass. Einerseits ist die Zeit gerannt und ich kann nicht glauben, dass ein ganzes Jahr vergangen ist. Andererseits fühlt es sich so an, als wäre ich ewig nicht daheim gewesen und ich freue mich unglaublich aufs Heimkommen.

Die letzten Wochen konnte ich noch sehr genießen. Sara und ich waren noch eine Woche in Palithammam, einem anderen Don Bosco Projekt ein paar Stunden von uns entfernt. Dort war es vor allem cool mal mit ganz kleinen 3-jährigen Kindern in der Vorschule/ im Kindergarten zu arbeiten. Außerdem haben wir den Grundschülern ganz viele Actionsongs beigebracht und ein paar Klassen sogar Deutschunterricht gegeben. Mittlerweile kann ich mich vor eine Klasse stellen und improvisierten Unterricht machen. Ich habe keine Hemmungen mehr vor Menschengruppen zu sprechen. So einfach hätte ich das zu Beginn des Jahres nicht gefunden. In solchen Momenten realisiere ich, wie ich in diesem Jahr gewachsen bin. Was ich gelernt habe und was ich mitnehmen darf.

Aber auch die Zeit in meinem Projekt war noch sehr schön. Wir haben Schritt für Schritt unsere „To-Do Liste“ abgehakt. Die letzten Themen im Englischunterricht durchgenommen. Letzte Bastelprojekte und Spielstunden gemacht. Fotos für alle Jungs ausgedruckt. Die letzten Gewürze und Mitbringsel gekauft. Mango Marmelade aus den letzten Mangos der Saison gekocht…

Viele letzte Male. Wenn ich etwas bestimmtes gegessen habe, etwas gemacht habe, jemanden gesehen habe, hatte ich oft im Hinterkopf, dass es vielleicht das letzte Mal sein wird.

Ich werde Vieles vermissen. Sei es das leckere Essen, die verrückten TukTuk Fahrten, die palmige Landschaft oder die entspannte und offene indische Mentalität. Doch am Allermeisten werde ich die Jungs vermissen. Von denen ich doch einige sehr ins Herz geschlossen habe.

Den kleinen Sabinson, unser Vorzeigeschüler, klein, brav und immer am Lachen. Es wird mir fehlen, wie er mich jeden Tag an der Hand bis zu meinem Zimmer bringt.

Den frechen, doch so intelligenten Balu, der immer seinen Sturkopf durchsetzt. Es wird mir fehlen, wie er mich frech angrinst und dabei so unglaublich süß aussieht.

Ganesh, dem Sara und ich das Lesen beigebracht haben. So stolz bin ich auf ihn.

Pajay, der mich immer auf Tamil vollquatscht und nicht verstehen kann, dass ich ihn nicht verstehe. Er hat eine geistige Behinderung und obwohl wir uns durch Worte nicht viel verständigen konnten, hat er mich so oft zum Lachen gebracht.

Mahesh, der aufs College geht, doch mir trotzdem noch so jung und süß erscheint. Ich werde es vermissen, wie er mir in den Arm boxt, wie wir gemeinsam lachen, oder wie ich ihm euphorisch „Good morning“ zurufe.

So könnte ich diese Liste noch lange weiterführen…

In den letzten Wochen, haben mir öfter Jungs erzählt, dass sie auch mich vermissen werden. Dass ich sie in meinem Koffer mit nach Deutschland nehmen soll. So süß. Doch es kommt die Zeit, da muss man Abschied nehmen. Auch wenn es schwer wird sich zu verabschieden, bin ich so dankbar.

Die allerletzten Tage verbringen Sara und ich mit Packen, Abschiedstüten für die Jungs zusammenstellen, Zimmer sortieren, Abschiedsfeier,…

Dieses Jahr war SO GUT. Doch bin ich jetzt auch bereit nach Hause zu kommen. Ich bin glücklich.

Danke Jungs. Danke Indien, du verrücktestes aller Länder. Danke Leben. Für immer werden diese Erlebnisse und Erfahrungen in meinem Herzen bleiben. Definitiv habe ich in diesem Jahr unglaublich viel gelernt. Über Kinder. Über soziale Arbeit. Über indisches Kochen. Über eine neue Kultur und neue Sitten. Über indische Kleidung und Verhaltensweisen. Über andere Denkweisen. Über eine andere Welt. Eine manchmal traurige Welt mit echten Problemen. Eine manchmal wunderschöne Welt mit so vielen Farben. Doch vor allem habe ich sehr viel über mich selbst gelernt.

Die Zeit ist vorbei, doch die Erinnerungen bleiben für immer.

Für immer in meinem Herzen. – Forever in my heart.

SO VIEL LIEBE. SO VIEL WERTSCHÄTZUNG. SO VIEL DANKBARKEIT.