Incredible India

Ein Jahr Indien – Meine Gefühle und Erlebnisse

Arm & Reich – ein Land, zwei Welten

Ein riesiges Land. Zwei verschiedene Welten. Von unendlich vielen Möglichkeiten bis hin zu keiner Wahl.

In Indien gibt es alles. Von unendlich reich bis unendlich arm ist alles dabei.

Ein Beispiel habe ich im direkten Vergleich letztes Wochenende erlebt. Sara und ich waren in Vilathikulam bei zwei anderen Volunteers im Projekt zu Besuch. Es ist ein Heim für Jungs, um ihnen zu ermöglichen auf die Schule zu gehen, da ihre Dörfer zu weit weg von der Schule sind. Einige der Jungs gehen auf die normale öffentliche Schule, doch Vereinzelte auf eine Privatschule. Auch in Indien sind Privatschulen teuer und es können sich nur die reicheren Menschen leisten.

Nachdem ich am Nachmittag nur mit den Jungs der öffentlichen Schule geredet habe, kommen am Abend zwei Jungs aus der 10. Klasse zu mir, die auf eine Privatschule gehen. Als sie mir in fließendem grammatikalisch korrektem Englisch, Fragen stellen und beantworten, bin ich verblüfft. Ich bin es mittlerweile so gewohnt, das indische Englisch mit den Kindern zu sprechen. Das bedeutet ich benutze nur die einfachsten Wörter, Grammatik existiert quasi nicht und zwischendrin werfe ich ein paar Wörter, die ich kenne, auf Tamil ein.

Noch nie seit ich hier bin, habe ich Jugendliche in dem Alter so gutes Englisch sprechen hören. Ich bin so verblüfft, dass ich es nicht schaffe auf korrektes Englisch umzustellen und in diesem Moment das Gefühl habe die beiden 10. Klässler vor mir, sprechen besseres Englisch als ich. Wow.

Genau das ist wieder einer dieser Momente, in dem ich merke wie entscheidend Geld in Indien ist.

Manche können es sich eben leisten ihre Kinder auf eine gute Schule zu schicken und legen viel Wert auf eine gute Bildung.

Doch leider ist das die Minderheit der indischen Gesellschaft.

Die Mehrheit ist arm, die Familie hat einen gemeinsamen Raum zum Kochen, Schlafen, Lernen und Spielen. Einen Raum zum Leben. Es gibt immer noch einige Kinder, die überhaupt nicht auf die Schule geschickt werden, da die Eltern nicht verstehen wie wichtig Bildung ist und ihre Kinder lieber zu Hause mithelfen oder arbeiten sollen. Oder die Kinder gehen auf normale öffentliche Schulen, die jedoch in Indien nicht sehr gut sind.

Geld bestimmt das Leben, Geld bestimmt die Zukunft und leider wird man oft in das „arme“ oder eben das „reiche“ Leben hineingeboren und hat selbst nur wenig Chancen da raus zu kommen.

In Indien ist der Unterschied zwischen arm und reich riesengroß und es wird mir immer wieder vor Augen geführt.

Im Zug gibt es mehrere verschiedene Klassen zu buchen. Die Mittelschicht hat offene Fenster/ Türen und keine Bettwäsche. Die Reicheren können sich den Zugabteil mit geschlossenen Fenstern/ Türen, Bettwäsche und einer Klimaanlage leisten. Es gibt öffentliche wackelige Busse mit offenen Fenstern und schmalen Plätzen. Doch natürlich auch edle Reisebusse mit Klimaanlage und viel Platz.

Es gibt viele kleine billige Essensbuden, doch natürlich auch edle Restaurants. Essen ist ein wichtiger Faktor in Indien. Viele finden es schön, wenn man etwas dicker ist, da es zeigt, dass man sich Essen leisten kann. Vor allem Fleisch können sich nur die Reicheren leisten und sind dann auch sehr stolz darauf.

Die Preisunterschiede vieler dieser Sachen sind recht groß und Geld bestimmt, ob und was man sich leisten kann und in welche gesellschaftliche Schicht man somit eingeteilt wird.

Indien ist so groß. Indien ist so anders. Indien ist überfordert. Indien ist Reichtum und Armut zur gleichen Zeit.

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  1. Avatar

    Irmgard

    Sind die armen Kinder und Familien weniger glücklich als die rei chen??? Irmgard

    • Avatar

      Johanna Woisetschläger

      Hey Mama
      Geld und „glücklich sein“ sind oft auch zwei verschiedene Welten, also denke ich nicht.

  2. Avatar

    Johann Woisetschläger

    Servus Johanna

    Mir gefällt wie Du das Land immer wieder erlebst und uns schreibst. Über den Satz wo man hineingeboren wird, sollten wir alle immer wieder nachdenken.
    Auch ich (wir) haben es gut getroffen. Oft denke ich, wie wäre mein Leben verlaufen, wenn ich in Neuperlach im 5 Stock meinen Lebensweg begonnen hätte. Wie wäre alles gekommen ? Meine sichtweise ist dann oft eine andere und ich urteile lieber nicht. Indien ist nochmal ganz anders.
    Freue mich auf Deine Berichte

    Gruss Hans u. Brigitte

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