Lange ist es her und in den letzten Monaten ist wirklich viel passiert. In dem Blog machen wir eine kleine Zeitreise in die Monate November und Dezember 2025. Den Blog habe ich Anfang Januar geschrieben, das bedeutet, dass ich ihn aus der Sicht von damals geschrieben habe. Schön, dass ihr wieder den Weg zu meinem Blog gefunden habt. Die letzten Monate seit meinem letzten Beitrag waren anstrengend, lehrreich, traurig, aber auch wunderschön.
Weihnachtsfest und Krankheit
Wie ihr ja bereits mitbekommen habt, arbeite ich in einer Grundschule. Am 12.12.2025 findet das jährliche Weihnachtsfest der Schule statt. Dafür bereiten die Schülerinnen und Schüler jedes Jahr Weihnachtslieder und Weihnachtstänze vor. Jede Klasse bereitet ein anderes Lied und einen anderen Tanz vor. Beispielsweise führt die eine Klasse einen sinhalesischen Tanz vor.
Eine Klasse durften Friederike und ich übernehmen. Mit der Klasse 3 haben wir zu dem Lied „Merry Christmas Everyone“ einen Tanz kreiert. Für die Grundschule ist das Weihnachtsfest sehr wichtig. Das kann man daran erkennen, dass sie schon einen Monat vorher angefangen haben zu üben.
Doch zwei Tage nachdem wir angefangen haben mit den Kindern den Tanz einzustudieren, habe ich einen ziemlich heftigen Fieberinfekt bekommen. Bei den Hostel-Jungs ging ein Fieberinfekt herum und ich habe mich sehr wahrscheinlich bei ihnen angesteckt. Ich hatte zwischenzeitlich 40 °C Fieber und ziemliche Fieberträume.
Ich muss sagen, wirklich Heimweh habe ich in den letzten drei Monaten nicht verspürt. Doch in dieser Zeit habe ich mir teilweise gewünscht, dass ich einschlafe und zu Hause in meinem warmen Bett aufwache. Krank sein ist hier irgendwie ganz merkwürdig. Erstens kann man sich nicht in seine warme, kuschelige Decke einkuscheln und zweitens gibt es nur eine kalte Dusche. Bekanntlich sagt man ja, dass man nicht kalt duschen soll, wenn man krank ist.
Nach ungefähr einer Woche komplett flach im Bett ging es bei mir auch wieder bergauf. In der Zeit hat Friederike den ersten Teil des Tanzes mit der Klasse einstudiert, dafür war ich ihr sehr dankbar.
Ich bin gerade wieder auf den Beinen und Friederike fängt an, krank zu werden. Da würde ich sagen, das haben wir wunderbar hinbekommen mit dem Abwechseln. Also Teamwork funktioniert bei uns schon mal.
Examweek für die Schülerinnen und Schüler
Anfang Dezember, ungefähr zwei Wochen vor den Weihnachtsferien, fängt die sogenannte „Exameweek“ an und das heißt für uns, keine Arbeit. Denn die Kinder kommen nur für die Klausuren in die Schule und gehen dann wieder nach Hause. Die Hostel-Jungs waren auch zu Hause und hatten Ferien.
Ja, auch die erste und die zweite Klasse schreiben schon Klausuren, zwei Stunden lang.
Zyklon und Hilfe vor Ort
Wie ihr vielleicht durch die sozialen Medien mitbekommen habt, zog Zyklon Ditwah über die Insel und zerstörte viele Teile Sri Lankas. Heftige Regenfälle und Erdrutsche forderten viele Tote und Verletzte. Vor allem waren die Hochebenen Kandy und Ella betroffen.
Leider war auch der Norden Sri Lankas betroffen. So verloren viele Menschen rund um Murunkan ihr Zuhause. In dieser Zeit hat meine Einrichtung über 30 Familien aufgenommen und die ganze Einrichtung war überfüllt mit Menschen.
Nachdem der Zyklon die Insel verlassen hatte, konnten die meisten Familien wieder zurück in ihre Häuser. Doch leider haben einige Menschen ihr Zuhause verloren und Don Bosco hat die Möglichkeit, 10 Häuser neu aufzubauen.
Don Bosco Murunkan ist für ihre Schülerinnen und Schüler verantwortlich und wir haben die Familien mit Essenspaketen versorgt. Ich bin zu zahlreichen Familien nach Hause gefahren und habe Essenspakete verteilt. Finanziert wurden diese unter anderem durch ein Hilfsangebot aus Sizilien.
Auch der Staat hat vieles in kürzester Zeit wieder aufgebaut. Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell Brücken und Gebäude wiederhergestellt wurden. Ich muss ehrlich sagen, man sieht kaum noch im Land, dass vor weniger als einem Monat ein Zyklon die Insel zerstört hat.
Durch den Zyklon mussten die Schulen für eine Woche schließen. Dadurch konnte sich meine Schule nicht auf das Weihnachtsfest vorbereiten und einige Klausuren konnten nicht zu Ende geschrieben werden. Aber man muss dazu sagen, die Familien hatten wirklich andere Sorgen als das Weihnachtsfest.
Vorbereitung auf das Fest
Am 8.12.25 hat meine Schule wieder vollständig geöffnet und die letzten Klausuren wurden geschrieben. Danach wurde sich komplett auf das Weihnachtsfest vorbereitet.
In dieser Woche hatten wir wirklich super viel zu tun. Friederike und ich hatten die Aufgabe, mit zwei Klassen jeweils ein Weihnachtslied einzustudieren, innerhalb von einer Woche.
Mit der Klasse 3 haben wir „Feliz Navidad“ gesungen und mit der sechsten Klasse „Silent Night“. Es war wirklich stressig, irgendwie einigermaßen gute Lieder hinzubekommen.
Ein besonderer Morgen
Ich kann mich noch gut an diesen Freitagmorgen erinnern. Gegen 6:30 Uhr bin ich in ein Auto gestiegen und wusste nicht, wohin wir fahren. Das Einzige, was mir gesagt wurde war, dass ein Father ein Gebet halten muss.
Nach ungefähr 20 Minuten kamen wir an und stiegen aus dem Auto. Wir gingen in ein Haus und plötzlich drehte sich der Brother um und fragte uns, ob wir ein Problem damit hätten, eine Leiche zu sehen. Dabei standen wir aber schon vor der toten Person.
Wir waren auf einer Beerdigung.
Gegen 8 Uhr fuhren wir zurück zur Schule.
Das Weihnachtsfest
Friederike und ich sind den ganzen Morgen nur von A nach B gerannt, um irgendwie die Kinder einzusammeln. Denn die Kinder sind immer zu unterschiedlichen Zeiten gekommen und auf einmal waren sie wieder weg.
Irgendwie haben wir es dennoch geschafft, alle Kinder zusammenzubekommen und noch einmal auf der Bühne mit Mikrofonen zu üben. Und was soll ich sagen, es hat am Ende hervorragend geklappt.
Es ist mir ein Mysterium, wie das immer funktioniert, aber eigentlich ist es doch egal, wie es funktioniert. Das Einzige was zählt ist, dass es am Ende funktioniert hat.
Das Ende vom Lied, wir hatten ein wunderschönes Weihnachtsfest.
Den Weihnachtstanz der sogenannte ,,German Dance“ haben wir durch die traurigen Umstände nicht mehr geschafft fertig zu bekommen.

Urlaub
Am darauffolgenden Sonntag sind Friederike und ich mit dem AC-Bus nach Colombo, in die Hauptstadt, gefahren. Dort trafen wir auf Benjamin, David und Jamie.
Vor einiger Zeit haben wir David und Jamie in ihrer Einrichtung in Nochiyagama besucht. Die nachfolgenden Sätze habe ich schon vor einiger Zeit geschrieben, allerdings habe ich es vergessen, sie mit hochzuladen, also tue ich das jetzt.
Rückblick: Oktober 2025
Gemeinsam mit einem Father sind wir am Wochenende in eine andere Einrichtung nach Nochchiyagama gefahren. Dort arbeiten seit Anfang Februar zwei österreichische Volunteers, die wir für das Wochenende besuchen wollten.
Nach drei Stunden Busfahrt für gerade einmal 100 Kilometer kamen wir am Freitagabend ziemlich erschöpft an. Am Abend spielten wir noch ein wenig zusammen und fielen danach völlig müde ins Bett.
Am nächsten Morgen starteten wir mit super leckeren Pfannkuchen, gefüllt mit Ingwer, Honig und Kokosnuss. Gegen 10 Uhr fuhren wir dann mit dem Bus in die nächstgrößere Stadt Anuradhapura. Diese Stadt ist super spannend, vielseitig, lebendig und voller Kontraste.
Die Jungs hatten die Idee, sich die Nägel machen zu lassen und wir waren natürlich sofort dabei. Also saßen da vier weiße Idioten in einem sri-lankischen Nagelstudio. Fun Fact, ich war vorher noch nie in einem Nagelstudio. Es war eine echt coole Erfahrung. Und wer jetzt denkt, dass ich mit Gelnägeln aus dem Laden gekommen sind, kennt mich wohl nicht. Wir haben die Nägel nur reinigen lassen. Aber wow, die Hände fühlten sich danach richtig gepflegt an.
Nach einem Restaurantbesuch, bei dem wir Kottu gegessen haben, ging es zurück nach Nochchiyagama. Dort sind wir noch ins Gym gegangen und haben den Tag mit einem Spieleabend ausklingen lassen.
Komplett übermüdet ging es am nächsten Morgen in die Kirche. Ich musste wirklich aufpassen, nicht einzuschlafen.
Nach einem Wochenende voller Austausch, Inspiration, Tipps und neuer Energie machten wir uns schließlich wieder auf den Weg zurück nach Murunkan.
Mittlerweile sind die beiden wieder zurück in Österreich und haben sich wieder in ihrem alten Umfeld eingelebt.
Urlaub Südküste und Weihnachten
Gegen 18 Uhr kamen wir in Colombo an und trafen uns im Kino und schauten gemeinsam „ZooMania 2“. In so einem modernen Kino war ich in meinem ganzen Leben noch nie.
Zu unserem zweiten Stopp fuhren wir gemeinsam mit David und Jamie mit dem Zug nach Hiriketiya, ein sehr touristischer Ort. Dort habe ich mehr Touristen gesehen als einheimische Menschen.
Es gibt dort wunderschöne Strände und super Wellen, um surfen zu lernen. Dort stand ich das erste Mal auf einem Surfbrett und was soll ich sagen, ich habe mich ins Surfen verliebt. Wer hätte das wohl gedacht. Nach drei Lehrstunden konnte ich schon mit den Jungs bei größeren Wellen mitsurfen.
Nach einer Woche sind die beiden Österreicher zurück nach Colombo gefahren, weil Jamies Freiwilligendienst zu Ende war und er zurück nach Österreich flog.
Am selben Tag fuhr ich weiter nach Weligama. Direkt daneben befindet sich der bekannte Ort Mirissa. Ich muss sagen, mit Weligama konnte ich persönlich nicht so viel anfangen, Mirissa fand ich schöner.
Nach ein paar Tagen fuhr ich zurück nach Hiriketiya, denn dort traf ich mich mit Friederike, um gemeinsam Weihnachten zu feiern.

Weihnachten ohne Familie
Leider hatte unsere Einrichtung über Weihnachten geschlossen. Die Jungs sind nach Hause gefahren und die Fathers ebenso. Ich muss ehrlich sagen, dass ich großen Respekt davor hatte, Weihnachten ohne Familie zu feiern. Aber wir haben das Beste daraus gemacht. Am Morgen den 24.12.25 bin ich noch eine Runde surfen gegangen. Wer kann schon von sich behaupten, dass er am Weihnachtsmorgen surfen war?
Am Abend gingen Friederike und ich in das kleine Dorf und fanden ein wirklich schönes Restaurant.
Wir dachten uns, an Heiligabend kann man sich mal einen Cocktail gönnen, selbstverständlich alkoholfrei. Leider bekam ich zuerst einen Cocktail mit Alkohol serviert und da war ordentlich Alkohol drin. Danach bekamen wir aber unseren alkoholfreien Mocktail.
Am nächsten Tag ging es für mich zu einem Schildkröten-Spot. Ich habe große Meeresschildkröten gesehen und das an Weihnachten.
Zum Abschluss unseres Urlaubs gab es noch Pizza. Ja, in einem Touri-Ort wie Hiriketiya gibt es auch gute Pizza.
Die Ordination
Am 27.12.2025 war die Ordination eines ehemaligen Brothers von uns, jetzt ist er ein Father. Wir wurden persönlich von ihm eingeladen.
In diesem Land wird man normalerweise nicht einfach so eingeladen. Das bedeutete für uns, dass wir es sehr schätzen mussten und auf jeden Fall erscheinen mussten.
Eine Ordination ist eine Priesterweihe und die Messe ging über vier Stunden. Aber das war okay und es hat sich garnicht so lange angefühlt. Für uns war es eine Ehre bei so einem wichtigen Tag dabei gewesen zu sein. Für die Salesianer ist es der wichtigste Tag in ihrem ganzen Leben. Für diesen Tag studieren sie 14 Jahre lang.

Silvester
Nach der Ordination bin ich alleine mit dem Lokalbus, nach Ella einem kleinen Bergdorf mitten in der wunderschönen Natur Sri Lankas gefahren. Dort habe ich wunderschöne Wanderungen gemacht und nochmal Energie für die nächsten Monate getankt.
Friederike ist in Colombo geblieben und am 31.12.2025 bin ich zu ihr in die Hauptstadt gefahren. Gemeinsam mit ihr und tausenden Sri Lankesen haben wir in das neue Jahr 2026 gefeiert. Ich habe noch nie in meinem Leben so groß Silvester gefeiert. Es war überwältigend, überfordernd, aber vorallem wunderschön.

Zwei Tage später fuhren wir zurück in die Einrichtung nach Murunkan.
Vielen lieben Dank, dass ihr die kleine Zeitreise gelesen habt. In den nächsten Tagen werde ich meine Zeitreise weiter führen und erzähle mehr von meinen Erlebnissen hier in Sri Lanka.
Eure Johanna 😊
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