Puhh und mal wieder ist eine Menge passiert: Surprise, surprise, ich bin wieder im Jungsheim gelandet! Nachdem ich also ca. einen Monat bei den Jungs und einen Monat bei den Mädchen verbracht habe, ging es erst mal wieder zurück ins Jungsheim. Und ich muss zugeben, so spannend die Zeit im Mädchenheim auch war, ich hab das Jungsheim schon ganz schön vermisst!

Weil ich alles ja schon kannte, war es ein bisschen wie nach Hause kommen… Klar, nicht ganz das Gleiche, aber man hat sich sofort wohl gefühlt und ich hab mich schnell wieder an den anderen Rhythmus gewöhnt.

Kurz nachdem ich also wieder im Jungsheim angekommen bin, wurde auch schon Diwali, das Lichterfest, gefeiert. Jan und ich haben uns schon ziemlich gefreut, weil wir uns eine Art Silvester mit Feuerwerk am Himmel vorgestellt haben… ja, Betonung liegt auf Himmel. Das Ganze lief dann eher so ab, dass alle Jungs klassenweise mit Unmengen an Böllern ausgestattet wurden. Daraufhin hat sich unser Vorplatz in eine Art Schlachtfeld verwandelt und Jan und ich haben uns wie unsere zwei Hunde gefühlt, die sich unter unserem Esstisch verkrochen haben. Deswegen haben wir uns auch gleich den harmlosen Kram, gute alte Wunderkerzen, gesichert, während die Jungs vor keinem noch so unkontrollierten Böller zurückgeschreckt sind. Es war auf jeden Fall ein richtig schöner Abend und wir haben ihn trotz abenteuerlicher Böllerkonstruktionen bestens überlebt.

Besonders witzig war dann die Aufräumarbeit, die bei dem ganzen Müll der Böller natürlich auch erledigt werden musste. Dabei hat sich die Anzahl der Jungs dann auch ganz schön schnell verringert – ist dann halt doch nicht Jedermanns Lieblingsbeschäftigung… Dafür war es umso lustiger als einer der kleinen Jungs sich selbst zum Chef ernannt und mit kennerischer Miene die verschiedenen Arbeitsweisen begutachtet hat. Daraufhin wurden Jan und ich also genaustens beobachtet und gleich strengstens bewertet. Die ganze Situation, von einem kleinem Jungen mit wuscheligen Haaren für die eigene Müllsammelkompetenz kritisch gemustert und bewertet zu werden, war einfach richtig witzig.

Darauf stand in der nächsten Woche der Children’s Day an. Dafür hatten die Lehrer in der Schule Programm vorbereitet und auch die Jungs hatten sich ein buntes Programm aus Partyspielen, Mime und Tanz überlegt. Wir hatten also einen super schönen Abend und haben es sehr genossen.

Ach ja so nebenbei: Kurz nachdem ich wieder im Jungsheim angekommen bin, hat unsere Hündin Jessie sechs Welpen bekommen. Das war natürlich ein groooßes Highlight und seitdem statten wir den Kleinen fast täglich einen Besuch ab. Mittlerweile sind die sechs auch schon sicher aufs Doppelte gewachsen und laufen schon fleißig durch die Gegend.

Neulich fand dann auch erst mal eine gründliche Waschaktion statt: Dabei wurden alle Welpen einzeln in kleine Wassereimer gepackt und ordentlich mit Seife eingerieben. Die Kleinen haben die ganze Prozedur schon höchst widerwillig über sich ergehen lassen – letztlich konnten sie aber nicht viel dagegen ausrichten. Ganz im Gegenteil unser großer Hund Papi, dem das alles ganz und gar nicht gefallen hat. Bis der Gute dann finally gewaschen werden konnte, musste er von mehreren Jungs über den ganzen Hof gejagt werden. Dafür wurden die verschiedensten Methoden angewendet – vom vorsichtigen Anlocken bis hin zum etwas ruppigen Sack überstülpen. Das war natürlich eine abenteuerliche Aktion und ich hatte eine Menge Spaß, bei der Verfolgungsjagd zu zuschauen!

Kurz darauf stand der Besuch des Provincials, also des höchsten Salesianers in der Region, an.

Dafür musste seeehr viel an Plakaten gemalt werden und die Jungs haben sich ein vielseitiges Programm ausgedacht. Dabei ist es wieder unglaublich zu sehen, wie spontan und schnell dann mal so eben eine ganze Tanzchoreographie kreiert wird. Das konnte ich hautnah bei der Tanzgruppe erleben, die ich eigentlich beaufsichtigen sollte. Letztlich haben die Jungs mir eher irgendwelche Dancemoves beigebracht, als dass ich ihnen so viel geholfen hätte. Es war auf jeden Fall richtig witzig und man wird jedes Mal wieder neidisch, wenn man sieht mit welcher Leichtigkeit und Selbstsicherheit hier getanzt wird.

Eine Woche später wurde der YAR-Day in einer Don Bosco Schule gefeiert. Dafür kamen ca. zehn Don Bosco Einrichtungen zusammen und jede hat ein besonderes Programm zum Thema „Protect children from violence“ vorgeführt. Diese Tanz- und Pantomimevorstellungen waren von einer Diskussionsrunde der Schüler gefolgt bis schließlich alles von einer Jury bewertet wurde und eine Siegerehrung stattfand. Unsere Jungs haben zusammen mit unseren Mädels eine top Show hingelegt. Als dann also der zweite Platz an Don Bosco Anbu Illam ging, war der Jubel ziemlich groß – allerdings nur bis sich herausstellte, dass ein anderes Anbu Illam („Haus der Liebe“ oder so ähnlich) gemeint war… Aaaaber natürlich musste der erste Platz noch vergeben werden und das zu Recht an unsere Jungs und Mädels, die einfach eine beeindruckende Show vorgeführt haben. Also wurde die Bühne erstürmt und ordentlich gefeiert. Dabei war die Begeisterung der Jungs wirklich ansteckend und man kam gleich selbst in Feierlaune.

Am nächsten Tag ging es dann auch schon gleich zur nächsten Competition: Diese war allerdings um einiges größer. D.h. die Veranstaltung fand in einem riesigen Theatersaal statt, in dem unzählige eingeladene Schülergruppen versammelt waren. Der hohen Anzahl an Gruppen entsprechend ging das Programm von morgens früh bis abends. So kamen wir schon zum dort vorbereiteten Frühstück, haben dort zu Mittag gegessen und unsere „Snackstime“ verbracht (eine Art Tee-/ Kaffeestunde, die man hier überall nachmittags hat). Während also auf der Bühne dauerhaft Tänze, Theateraufführungen und Pantomimeshows vorgeführt wurden, hatte man das Gefühl die eigentliche Show würde im Publikum stattfinden. Nix da stummes Publikum, sondern eher eine ähnliche Situation wie wir sie bei unserem ersten indischen Kinobesuch erlebt haben – und das sogar noch extremer! Wie ich vorher schon mal in einem Bericht erwähnt habe, wird ein indischer Kinofilm von lauten Rufen, Pfeifen und Jubel aus dem Publikum begleitet. Das kam beim dortigen Programm natürlich auch nicht zu knapp. Das Ganze wurde aber noch getoppt, als spätestens ab der Hälfte der Show das Publikum anfing, wild zwischen den Reihen mitzutanzen. Weil die Lautstärke der Boxen wirklich aufs Äußerste aufgedreht war, kam auch ordentliche Feierstimmung auf. Das haben unsere Jungs sich natürlich nicht entgehen lassen und waren ganz vorne mit dabei!

Bevor die Jungs dann selbst mit ihrer Vorführung dran waren, mussten ca. 25 Gesichter für den Pantomimeteil der Vorführung mit Farbe bemalt werden. Die Aufgabe hab‘ ich natürlich gerne übernommen, was auch wirklich sehr viel Spaß gemacht hat – wenn man so fokussiert auf das Gesicht einer Person ist, dann fallen einem doch Details auf, die man im stressigen Alltag schnell mal übersieht.

Außerdem fand parallel zu den Aufführungen auf der Bühne eine Drawing Competition statt, auf die ich fünf unserer Jungs in den vorigen Tagen schon versucht hatte vorzubereiten. Einer der Jungs hat sogar den dritten Platz bekommen, was aber ehrlicherweise unabhängig von der Vorbereitung einfach an seinem Talent lag. Er hat sich natürlich sehr gefreut und das war wirklich schön zu sehen.

Als es also schließlich zur Siegerehrung für die Vorführungen kam, war die Stimmung schon brodelnd. Uuuund – Trommelwirbel – unsere Jungs haben nochmal den ersten Preis bekommen! Während wir alle so auf das Ergebnis gewartet haben, mussten Jan und ich sehr schmunzeln als wir feststellten, dass wir genauso nervös wie die Jungs waren und auf den ersten Platz hin gefiebert haben – eeeigentlich weiß man ja, dass das Ergebnis des Wettkampfs vollkommen irrelevant ist und trotzdem hat uns das „Konkurrenzfieber“ komplett gepackt!

Gegen den Jubel und das Tanzen, was daraufhin ausgebrochen ist, war die Begeisterung vom Vortag ein Klacks. Die Bühne wurde erobert und eine ordentliche Dancesession gestartet. Dabei haben alle Jungs mit breiten Grinsen ausgelassen abgedanct bis schon alle außer uns den Saal verlassen hatten. Es war einfach eine top Stimmung und wir hatten alle eine Menge Spaß. Mit einem der Jungs, mit dem ich beim Fußball sonst immer einen Winnerdance mache, musste natürlich nochmal umso mehr gefeiert werden.

Auf dem Rückweg, den die eine Hälfte in unserem Van zurückgelegt hat, bin ich mit der anderen Hälfte zusammen im öffentlichen Bus gefahren. Weil das meine erste Busfahrt war, war es eine echt coole Erfahrung: Bustüren, die dauerhaft offen sind und aus denen die Leute raus hängen, findet man in Deutschland ja dann doch eher weniger…

In der darauffolgenden Woche haben wir uns das erste Mal ein paar Tage so richtig frei genommen, um zusammen mit unseren Holänderinnen eine nah gelegene sehr schöne Küstenstadt zu besuchen. Das war auf jeden Fall eine schöne Abwechslung und wir haben es sehr genossen durch Straßen zu schlendern und ganz frei die Stadt zu erkunden. Wir hatten also ein paar richtig schöne Tage!

Mittlerweile ist auch schon Dezember und Jan und ich sind schon drei Monate hier, was man kaum glauben kann. Ich freu‘ mich auf jeden Fall schon sehr auf die Adventszeit, in der natürlich eine Menge los sein wird.

Ach ja, bevor ich es vergesse: Ich weiß, ich hab schon lääängst ein paar Bilder versprochen – zu meiner Verteidigung kann ich nur sagen, dass meine Handykamera nicht mehr ganz funktioniert… Aaaber mein Mitvoluntär Jan, der ohnehin viel bessere Bilder macht, eröffnet demnächst seinen Fotoblog. Dann werdet ihr euch auf jeden Fall vorstellen können, wie es hier so abläuft. Sobald es soweit ist, schick ich euch gerne mal den Link weiter!

In den kommenden Wochen meld‘ ich mich auch definitiv nochmal und gebe euch ein paar deeeepe Einblicke, was unser Leben hier drüben so ausmacht. Bis dahin sooonnige Grüße!