Tja der gute Doktor im Krankenhaus Saint Vincent de Paul bei uns in der Nähe musste nicht lange auf unser Wiedersehen warten. Schon beim letzten Krankenhausbesuch aufgrund Leas Bekanntschaft mit Malaria witzelte der Arzt rum, wann er denn endlich mich behandeln dürfe. Ich sagte ihm schon damals hoffentlich nie, tja schade Marmelade, knappe zwei Wochen später war ich dann halt dran, aber jetzt erstmal von Anfang. Die letzten Tage plagten mich starke Halsschmerzen, Schnupfen und Ohrenschmerzen was von den Schwestern immer nur mit den Worten “hast du Fieber?” kommentiert wurde. Als ich das verneinte war das Thema dann auch wieder vom Tisch. Naja bis ich dann halt doch plötzlich Fieber bekam.
Malaria meldet sich oft mit Grippeähnlichen Symptomen an und da kam dann auch der erste kleine Nervenzusammenbruch, Gott sei Dank war Lea da!


Nachdem mir dann die eine Schwester zwei Tabletten Paracetamol in die Hand gedrückt hat und dann meinte „on va voir“ ging es mir dann auch wieder besser. Kurz darauf kam dann eine andere Schwester, beschimpfte mich erstmal dass ich fiebersenkende Mittel genommen habe (bei der Frage wie man mit Fieber umgeht sind die Schwestern wohl gespalten) und teilte uns mit, dass wir jetzt ins Krankenhaus gehen.


Wir kannten ja schon die Prozedur von Lea, was mich aber alles andere als beruhigte.
Das Krankenhaus ist gar nicht weit weg, aber die Fahrt dort hin will ich euch nicht vorenthalten.

Es ist zwar schon stockdunkel aber auf den Straßen ist mehr los als tagsüber. Wir müssen ewig warten bis wir dann auch mal einreihen können. Nicht zu überhören sind in der Wartezeit die Flüche unserer temperamentvollen Verantwortlichen, gebürtige Italienerin übrigens. (Gott sei Dank kannte ich das italienische Temperament schon aus meiner Schulzeit und somit brachte es mich eher zum grinsen, wie eine Italienerin hupend dem afrikanischen Verkehr den Kampf ansagt).
Nach einer kurzen Strecke auf der Hauptstraße geht es dann über eine unbefestigte Straße mit grandiosen Schlaglöchern Richtung Krankenhaus. Ich möchte mir hierbei nicht vorstellen, wie es ist, mit gebrochenem Arm oder Bein auf dieser Straße rumhoppeln zu müssen.
Vor dem Krankenhaus gibt es kein Parkplatz, was der Italieniern wieder einen kleinen Fluch entlockt, und somit wird kurzer Hand einfach halb auf der Straße, halb vor einem Garagentor geparkt.

Lea und ich nehmen dann im Wartezimmer Platz, welches auch gleichzeitig die „Eingangshalle“ besser das „Eingangszimmer“ darstellt. Rechts von uns befindet sich der Schalter zum Anmelden, vor uns ein Kühlschrank und links daneben noch ein Tresen mit einer Krankenschwester dahinter, die dann auch zu mir kommt und mich auffordert mich auf eine Waage zu stellen. Keine elektronische, sondern eine, wie sie meine Omi beispielsweise hat.

Naja erste Hürde geschafft. Im Krankenhaus angekommen muss ich meinen Pass abgeben 3000 Franc für die Untersuchung und 100 Franc für ein kleines Notizbüchlein. Das sind umgerechnet knappe 5€.


Kurz darauf bekomm ich ein Fieberthermometer unter die Axel geklemmt, auch kein elektronisches und dann wird mir noch der Blutdruck gemessen. Oho der erste Unterschied zu Leas Behandlung zwei Wochen vorher: es ist elektronisch!
Die Krankenschwester sieht hierbei auch ganz normal aus, das will heißen sie trägt keine Krankenschwesterkleidung oder ein Schildchen auf dem man den Namen finden könnte.


Sie fragt mich wieder nach meinem Pass und füllt die Angaben auf meinem Befundbüchlein aus. Der Name Henriette scheint ihr wohl zu kompliziert und so wird mein zweiter Name plötzlich zu meinem ersten. „Charlotte Müller“, auch mal hübsch.


Während wir warten kommen immer wieder Leute in allen Altersklassen aus den Behandlungszimmern mit einem Zugang in der Hand raus, so wie wir es auch schon von Leas Malariaerfahrung kannten.
Gerade ist Regenzeit in Benin und somit sind viele Moskitos unterwegs. Lea und ich hoffen aber einfach immernoch auf die schöne Nachricht, dass ich kein Malaria habe.
Nach 20 Minuten warten wir dann im nächsten Raum, der mir immer noch ein Rätsel ist: aufgebaut wie ein kleiner Kreuzgang und in der Mitte befindet sich Erde und ein Blumentopf mit einer verdorrten Pflanze darin. Was ein ermutigender Anblick!

Nach weiteren 10 Minuten werden wir dann ins Behandlungszimmer gerufen. Der Arzt erkennt Lea sofort gibt ihr einen Handschlag und scheint sich sogar zu freuen uns zu sehen. Dann begreift er, dass ich die Kranke bin und weißt uns hin uns zu setzen.
Das Behandlungszimmer ist wirklich sehr, sehr klein. Es steht ein Tisch darin, drei Stühle, eine Liege und paar Poster hängen an der Wand, und somit ist das Zimmer auch schon voll.


Ich erkläre meine ganzen Beschwerden, was der Arzt immer wieder mit einem Nachäffen meines Nasehochziehens begleitet, und einem darauffolgenden Handschlag. Der Gute hat wohl nie schlechte Laune.


Dann soll ich mich auf die Liege legen (Lea und ich haben uns schon die Woche zuvor gefragt, wie oft der Bezug darauf gewechselt oder gewaschen wird) und der Arzt beginnt mit der Untersuchung. Wie in Deutschland Augen, Mund, Nase, Ohren nur dem einzigen Unterschied dass ich mich frage, ob die Untersuchungsmittel zuvor gesäubert wurden und währenddessen die Ameisenstraßem an der Wand bewundern kann.

Das macht Freude das macht Spaß


Dann weist mich der freudige Herr Doktor, der übrigens auch keine Arztkleidung trägt, wieder zurück auf meinen Platz. Er grinst vor sich hin und ich zeige ihm alle Medikamente die ich davor genommen habe. Dann holt er sein Handy raus und kann sich die ganzen Sachen auf der Packungsbeilage übersetzen (er selber sagt, so langsam würd sich das Deutsch lernen richtig lohnen, bei so vielen kranken Volos) macht sich hier und da Notizen, grinst weiter.


Dann sagt er, „gut man muss dich nicht in den Arm Spritzen“ und ich frage also ganz erleichtert „kein Malaria?“. „Nein kein Malaria! Aber wir müssen dich in die Augen Spritzen.“ Zum Glück fängt der Herr Doktor gleich an zu Lachen, sodass ich gleich merke dass er einen Witz gemacht habe. Hihi sau komisch, da hätt ich ja fast mitgelacht.

Naja auf jeden Fall hab ich jetzt nur eine Grippe, muss paar Medikamente futtern und mich die Tage gediegen ausruhen.
Ich wollte euch aber diese kleine Geschichte meines zweiten Besuches im Krankenhauses nicht vorenthalten, zumal es ja doch den ein oder anderen winzigen Unterschied geben möge ; )