Zurzeit sind Schulferien in Ghana. Das bedeutet, dass wir schon länger keine Unterrichtsklassen im Oratory hatten. Aber welches Oratory denn überhaupt? Aufgrund der großen Ferien findet seit guten zwei Wochen kein normales Oratory mehr statt. Stattdessen ist gerade Holiday Camp in Odumase!

Das Holiday Camp ist eine Ferienfreizeit für Kinder, organisiert von den Salesianern Don Boscos. Für drei volle Wochen werden die Kinder, welche sich im Vorfeld registriert haben, morgens bis abends beschäftigt. Am Morgen finden Unterrichtsklassen in der öffentlichen Schule neben dem Oratory Gelände statt, dann eine kleine Mittagspause, bei der die Kinder in der Halle tanzen und sich erholen können und danach werden den ganzen Nachmittag verschiedene Indoor- und Outdoorspiele angeboten. Mittlerweile sind etwa 400 Kinder registriert. Um die vielen Kinder im Zaun zu halten, werden sie in vier verschiedene Gruppen eingeteilt. Die grünen, orangefarbenen, gelben und blauen Kopfbänder sehen total herzig an den Kids aus und bringen Farbe ins Geschehen.Holiday Camp Classes

Schon bevor das Holiday Camp begonnen hat, wurde mir mehrfach gesagt, dass das Holiday Camp energiezerrend und taff ist. Ich hab mich also auf Schlimmstes vorbereitet. Totale Chaosveranstaltung usw.. Umso positiver überrascht bin ich jetzt aber, wie viel Spaß es doch macht zu den Holiday Camp Animatoren zu gehören. Denn im Großen und Ganzen ist die Ferienfreizeit doch ganz gut organisiert und viele meiner lieben Oratorians sind auch mit dabei. Ich genieße es also jeden Tag vorbei zu schauen, die Kids zu sehen, mit ihnen kurz zu tanzen und herumzualbern, eventuell sogar am Morgen zu unterrichten, einen Song zu lehren oder was Schönes zu basteln. Holiday Camp macht wirklich Spaß. Nicht nur allen Kinder, sondern auch uns Animatoren!

Zu den Animatoren sei auch noch gesagt, ich bin nicht mehr die einzige deutsche/ausländische Volontärin. Zwar sind meine zwei österreichischen Oratory Kollegen, Benedikt und Thomas, bereits Ende Juli abgereist, aber für das Holiday Camp sind dafür neue Volontäre aus Deutschland und Italien angereist. Diese Kurzzeitvolontäre kamen, um die lokalen Helfer bei der Kinderbetreuung für ca. zwei Wochen zu unterstützen.

Ich muss zugeben, ein bisschen komisch ist es für mich jetzt gerade schon. Eben erst von Benedikt und Thomas verabschiedet, selber auch kurz vor der Heimreise, Aufbruchsstimmung überall und jetzt kommen Kurzzeitvolontäre hereingeschneit. Vor allem, weil mir so viele Fragen über alltägliche Dinge und Abläufe gestellt werden. Dinge, die für mich mittlerweile schon zur Selbstverständlichkeit dazu gehören. Fragen über die ich einfach nur lachen muss.  Aber wenn ich ein Jahr zurück denke, dann habe ich bestimmt genauso komische Fragen gestellt.

Neben diesen vielen Volontären, ist mittlerweile auch schon das nächste österreichische Volontärs Team, Max und Paul, gut in Ghana angekommen. Die zwei Jungs nehmen den Platz von Benedikt und Thomas ein und werden ebenfalls für ein Jahr in Odumase leben und arbeiten. Seit Jahren kommen und gehen Volontäre auf diese Weise ein und aus. Und auch Cäcilia, die nächste deutsche Volontärin steht in den Startlöchern. Ich bereite mich also schon einmal Gedanklich darauf vor, mich von allen zu verabschieden. Gleichzeitig heiße ich die neuen Volontäre, egal ob Lang- oder Kurzzeitvolontär, mit offenen Armen willkommen.

Kommen und Gehen!

Willkommen heißen und Abschied nehmen!

Die letzten Tage, die letzten Wochen, die letzten Monate, eigentlich das ganze Jahr ist so schnell vergangen! Ich kann es einfach nicht begreifen, dass mein Jahr in Ghana sich dem Ende zuneigt! Ich kann es nicht begreifen, dass ich in wenigen Tagen auf gepackten Koffern sitze. Ich kann es nicht begreifen, dass ich mich von meinen neuen Freunden, von der salesianischen Community, von meinen Kindern verabschieden muss!!

Ein Abschied, der uns allen schwer fallen wird.

Wann werden wir uns wiedersehen? – Werden wir uns wiedersehen? – Ein Abschied auf unbegrenzte Zeit!

Ich habe hier in Ghana eine wundervolle Zeit verbracht. Jetzt packe ich meinen Koffer in ganz neuer Formation, Mitbringsel aus Ghana, Stoffe und bunte Kleider. Mein Handy schon längst auf Englisch umgestellt, fasst mehr ghanaische Kontakte als deutsche. Fotos und Videos aus Ghana von mehr als 90GB. Gebräunte Haut, wie ich sie noch nie zuvor in meinem Leben hatte. Erinnerungen, die ich in meinem Herzen trage, die unbezahlbar sind.

Ich bin dankbar für alle Hoch und Tiefs, die ich hier durchlaufen habe. Ich bin über mich selbst hinausgewachsen. Ich habe neue Freunde gewonnen. Ich habe meinen Glauben gefunden. Ich habe gelernt zu akzeptieren. Ich habe gelernt zu Schlucken. Ich habe gelernt zu schweigen. Ich habe gelernt zu sprechen. Ich habe Stärke gewonnen. Ich habe die Zeit hier genossen.

Auch wenn bereits jetzt die Tränen manchmal einfach kommen wollen, will ich mich aufraffen. Zum Abschied will ich nicht weinen!

Im Gegenteil, ich will mit einem Lächeln auf den Lippen gehen!

Mit einem Lächeln war ich hier, mit einem Lächeln will ich gehen.

Und irgendwann werde ich mit einem Lächeln wieder kommen!Oratoryteam