Sport hat in Ghana einen hohen Stellenwert. Vor allem Fußball ist das A und O eines jeden Ghanaers. Fast jeder kann Fußball spielen und egal welcher Ball in die Finger eines Kindes kommt, der erste Impuls wird immer mit dem Fuß gegeben. Ebenfalls beliebte Ballsportalternativen sind Volleyball und Basketball. Aber über Fußball geht nichts!! Dass ich mit dieser Sportart nicht mehr anfange, als alle zwei Jahre die Meisterschaften anzuschauen, konnte ich auch hier in Ghana nicht ändern. Spätestens nach der Obolo Gala, das große Fußballturnier, welches von uns im Februar veranstaltet wurde, weiß ich dass ich nicht noch einmal aufs Fußballfeld gehen werde. Spaß macht mir das Fußballspielen nämlich wirklich nicht. Da schaue ich lieber am Spielfeldrand zu.

Und trotzdem habe ich den Wunsch irgendwie sportlich aktiver zu sein. Wenn alle um einen herum zumindest ein bisschen Ballsport betreiben, dann ist es für mich immer ernüchternd, eingestehen zu müssen, dass Sport ganz und gar nicht zu meinen Freizeitaktivitäten gehört. Dabei ist es abends nach dem Oratory auf dem Gelände so schön, wie Jung und Alt an jeder Ecke Ballspielen. Auf dem Fußball-, Basketball-, und Volleyballfeld  springen bis zur Abenddämmerung noch so viele Menschen hin und her und powern sich vom langen Arbeitstag aus.Training

Schon seit ich hier bin, hat es mich gereizt, ein bisschen Volleyball zu lernen. Eine sehr gnädige Ballsportart für Anfänger wie mich, bei der leicht große Fortschritte erzielt werden können. Mal bin ich im Hostel mit den Schülern aufs Spielfeld, mal habe ich mit den Kids im Oratory den Ball hin und her gespielt, mal mit den Aspiranten morgens trainiert. Ich habe wirklich lange gezögert mit dem Volleyballspielen zu starten, einfach weil ich mich nicht sonderlich wohl gefühlt habe die schlechteste auf dem Spielfeld zu sein. Aller Anfang ist schwer!

SportgeländeNach circa einem dreiviertel Jahr gelegentlichem Spielen habe ich endlich Mut gefasst, dem Volleyballteam in Odumase beizutreten. Täglich trainieren diese auf dem Oratorygelände. Weil das Training leider während der Oratoryzeiten stattfindet und ich meine Rolle als Betreuerin dort nicht vernachlässigen will, springe ich jetzt gerade etwas hin und her. Ich beginne das Oratory mit einem Gebet, gebe die Spielgeräte aus, gehe zum Volleyballtraining, wenn ich nicht spiele springe ich mit den Kindern herum und schaue, ob alles rund läuft, dann wieder zum Spielfeld, irgendwann um fünf Uhr Abschlussgebet mit den Kindern und wieder zurück zum Training. Ein Hin und Her, welches ich an manchen Tagen gerne eingehe. Denn nur so kann ich meinem neuen Hobby nachgehen und gleichzeitig im Oratory präsent sein. Ich will es ja wirklich lernen, das Volleyballspielen! Wenn ich zurückdenke, wie untalentiert ich anfangs in dieser Sportart war, dann kann ich wirklich stolz auf meine jetzigen kleinen Kenntnisse sein. Fortschritte habe ich auf jeden Fall gemacht und ich bin froh, dass das Volleyballteam bisher so viel Geduld mit mir hatte. Es ist fast ein bisschen peinlich, zu erzählen wie mein erstes Volleyballtraining begonnen hat: Schon allein vom Aufwärmen und kurzen Hin- und Her baggern hat sich in der brennenden Nachmittagssonne mein Gesicht knallrot gefärbt. Match„Obruni koko“ (roter Weißer/Europäer) wie die Kinder mir auf der Straße immer wieder zurufen. Meine Gesichtsfarbe war allerdings halb so wild. Viel peinlicher war, dass ich total überrumpelt aufs Spielfeld gestellt wurde, in der Annahme, dass ich weiß wie man Volleyball spielt. Erster Aufschlag kam frontal auf mich zugerast und volle Kanne ins Gesicht! Peinlich, peinlich… so sehr, dass es schon wieder zum Lachen war. Volley TeamUnd den Tipp vom Trainer „Face the ball!“, der eigentlich verhindern soll, dass ich Bälle seitwärts annehme, sondern gerade von hinten spiele, habe ich wortwörtlich in die Tat umgesetzt. Das ist nur ein Ausdruck von vielen, die mir in Bezug auf Volleyball im Kopf herumschwirren.  „Go down for the ball!“, „Play harder!“,  „Take your time!“, “Move to the ball!”, “Call for ball!” etc. Mittlerweile trägt das Training sowohl theoretisch als auch praktisch seine kleinen süßen Früchte. Und vergangenen Sonntag durfte ich sogar bei einem richtigen Match mitspielen.