Ich glaube, ich war noch nie in meinem Leben so wenig in Weihnachtsstimmung wie in diesem Jahr. (Das ist sowohl ein wirklich ernstes als auch ein persönliches und leichteres Thema, deshalb gebe ich mir große Mühe, eine gesunde Balance beim Schreiben zu finden.)
Kurz bevor die Adventszeit begonnen hat, hatte unsere Schule „Exam-Week“. (Ich glaube, unsere Grundschüler lernen disziplinierter als ich für mein Abi …)
Aber die wurde unterbrochen, denn der Zyklon Ditwah hat vom 26. November bis zum 4. Dezember viele Teile im Land verwüstet.
Der Sturm hat heftige Regenfälle, Überschwemmungen und Erdrutsche mit sich gebracht und war seit 2004 (dem Erdbeben und Tsunami im Indischen Ozean) das tödlichste Naturereignis. Insgesamt sind mehr als 650 Menschen verunglückt, mehr als 180 vermisst, und es ist ein Schaden von mehr als 1,64 Milliarden US-Dollar entstanden.
Am meisten betroffen waren unter anderem Kandy und Colombo, aber auch bei uns im Norden in Mannar und Umgebung haben viele Menschen ihr Leben oder ihre gesamte Existenz verloren.
Im Norden ist das auch deshalb so gravierend gewesen, weil die meisten Menschen dort von der Farmarbeit, also Reisfeldern und Kuhbesitz, leben.
Während wir mit dem Auto unterwegs waren und an unsere Schüler:innen und Lehrer:innen Essenspakete verteilt haben, hat mir ein Brother der Einrichtung von einem Mann erzählt, der 30 Kühe verloren hat.
Er meinte, dass eine Kuh preislich bei so 200.000 Rupien beginnt, das sind umgerechnet ca. 570 Euro.
Im Taschenrechner auf meinem Handy eingegeben, musste ich erst mal dolle schlucken. Der Mann hat durch den Zyklon mehr als 17.000 € verloren. So eine Summe hat in Sri Lanka noch mal einen ganz anderen Wert, und die Bauern im Norden haben echt wirklich nicht viel.
Es ist hart gewesen, sich Geschichten wie diese anzuhören, an Häusern vorbeizufahren, wo die Bewohner gerade zum Beispiel ihren Sohn verloren haben, und auch die zerstörten Häuser unserer Schüler:innen und die notdürftig aufgestellten Lager zu sehen.
Hart war aber auch zu wissen, dass so ein Unglück, welches ein ganzes Land in Chaos stürzt, kaum in westlichen Medien thematisiert wird.
Während in vielen Städten die Menschen um ihr Überleben kämpfen mussten, haben meine Freunde und Familie erst durch mich erfahren, was gerade in Sri Lanka passiert.
Dafür ist dieser Freiwilligendienst dann auch gut, um Menschen in Europa durch Berichte und Erzählungen auf solche Themen aufmerksam zu machen und die weihnachtliche und gemütliche Blase mal zu durchstechen.
Nach und nach baut sich das Land jetzt wieder auf, an vielen Orten wird das noch dauern, aber der Zyklon ist vorbei, und darüber ist man hier erst mal sehr froh.
Und auch in unserer Schule hat das Leben wieder seinen halbwegs gewohnten Gang genommen. Wir hatten ein großes Weihnachtsfest geplant, das musste deutlich kleiner ausfallen, aber wir haben es dennoch so schön wie möglich gemacht.
Ich habe mit zwei Klassen jeweils ein Weihnachtslied einstudiert, und obwohl ich selber schon vor anderen Menschen gesungen habe, war ich, glaube ich, noch nie so nervös wie vor dem Auftritt der 3. Klasse mit „Feliz Navidad“.
Das Timing, die Melodie, alles war bis zum Ende noch sehr wackelig, und die Generalprobe eine Stunde vorher war wirklich eine Katastrophe!
Komischerweise hat beim Auftritt dann wirklich alles geklappt, und ich habe fast vor Erleichterung geheult und alle Kinder tausendmal gelobt und viele High-Fives gegeben.
Ansonsten war das Weihnachtsfest bestimmt von tamilischen, singhalesischen und englischen Tänzen, und der Hauptprogrammpunkt war die Geschenkübergabe an die Schüler:innen.
Jeder hat eine Stiftebox, Stifte, Lineal, Schulhefte, Radiergummi und Anspitzer, Kleber, eine Trinkflasche und einen Schulrucksack mit einem Kalender bekommen. Wir haben das alles vorher echt stundenlang verpackt, Hefte und Stifte sortiert, und ich bin hektisch vom Verpacken zu den Gesangsproben und zurück geeilt. Aber es war wirklich super schön, die Kids haben sich gefreut, und die Stimmung war richtig gut.
Wie Weihnachten hat es sich trotzdem wirklich so gar nicht angefühlt, es ist auch einfach viel zu warm dafür, aber mir ist das fast lieber so, denn das erspart mir ein wenig Heimweh.
Jetzt gerade hat unsere Schule zu, und für uns gibt es keine Arbeit, deswegen machen wir gerade ein bisschen Urlaub und erholen uns, damit es Anfang Januar wieder voll losgehen kann.
Also, bis ganz bald!
Eure Frie!
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