{"id":180,"date":"2014-10-14T12:07:57","date_gmt":"2014-10-14T12:07:57","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/franziinwestafrika\/?p=180"},"modified":"2014-10-14T12:07:57","modified_gmt":"2014-10-14T12:07:57","slug":"7-ach-du-liebe-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/franziinwestafrika\/2014\/10\/14\/7-ach-du-liebe-zeit\/","title":{"rendered":"7- Ach du liebe Zeit!"},"content":{"rendered":"<p>&#8230;genau das h\u00f6re ich Oma sagen, wenn ich sie anrufen k\u00f6nnte, um ihr zu erz\u00e4hlen: Malaria hat mich erwischt.<\/p>\n<p>Zuerst einmal eine Entwarnung, bevor ihr euch jetzt Sorgen macht. Ich bin wieder gesund und mir geht es gut! \ud83d\ude42<br \/>\nNoch vor wenigen Tagen scherzten wir mit den Schwestern, wer als N\u00e4chstes an der Reihe ist, krank zu sein. Denn eine Schwester hat die andere abgel\u00f6st. Es fehlten nur noch Ir\u00e8ne und ich. Wir haben beide dankend abgelehnt. Unsere Witze sind Realit\u00e4t geworden. Zuerst Ir\u00e8ne, dann ich. Nun hoffen wir alle, dass das Ganze nicht wieder von vorne beginnt.<br \/>\nAm Dienstag ging es bei mir los. Stechende Kopfschmerzen, Afrika dreht sich irgendwie um mich. Mir ist hier ja meistens sowieso hei\u00df, aber ich gl\u00fche richtig. An Malaria hab ich absolut nicht gedacht. Ich werde sofort zur Krankenstation auf dem Missionsgel\u00e4nde geschickt. Die ist keine 5 Meter von meinem Zimmer entfernt &#8211; ganz sch\u00f6n praktisch, einen &#8222;Haus&#8220;arzt zu haben. F\u00fcr mich war es sehr spannend, die Krankenstation mal von innen zu sehen und auch, wie Jacques, der Arzt, arbeitet. Er kommt aus Mali, ist noch sehr jung und hat nun ein Jahr hier in Du\u00e9kou\u00e9 verbracht. Am Ende des Monats geht er zur\u00fcck in seine Heimat (daf\u00fcr kommt sein Bruder, ein Krankenpfleger zu uns), um sich dann zu spezialisieren. Er m\u00f6chte sich mit Unterern\u00e4hrung bei Kindern besch\u00e4ftigen &#8211; traurig, dass es das in unserer Welt noch gibt.<br \/>\nF\u00fcr uns und Du\u00e9kou\u00e9 ist es sehr schade, dass Jacques uns verl\u00e4sst. Er ist ein sehr guter Arzt. Man munkelt, er sei sogar besser als die erfahrenen \u00c4rzte im Krankenhaus von Du\u00e9kou\u00e9 \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Jacques nimmt sich ganz viel Zeit f\u00fcr alle m\u00f6glichen Untersuchungen und mindestens genau so viel Zeit, um mir alles genau zu erkl\u00e4ren, da er von meinen Medizinpl\u00e4nen wei\u00df. Sein Humor und sein offenes Ohr tragen au\u00dferdem dazu bei, dass es mir trotz allem gut geht und ich nicht den Kopf h\u00e4ngen lasse. Er sagt mir, dass die Psyche im Genesungsprozess oft eine wichtige Rolle spielt, also nehme ich eine optimistische Haltung ein. Ich f\u00fchle mich hier in guten H\u00e4nden.<br \/>\nDer Malariaschnelltest hat mich fasziniert. Ein kleiner Piekser in den Finger (wie beim Zuckermessen), ein kleiner Tropfen Blut und dann kurz abwarten. Das Ergebnis war aber weniger erfreulich.<\/p>\n<div id=\"attachment_183\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/franziinwestafrika\/wp-content\/uploads\/sites\/20906\/2014\/10\/P1030806.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-183\" class=\"size-medium wp-image-183\" alt=\"P1030806\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/franziinwestafrika\/wp-content\/uploads\/sites\/20906\/2014\/10\/P1030806-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/franziinwestafrika\/wp-content\/uploads\/sites\/20906\/2014\/10\/P1030806-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/franziinwestafrika\/wp-content\/uploads\/sites\/20906\/2014\/10\/P1030806-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/franziinwestafrika\/wp-content\/uploads\/sites\/20906\/2014\/10\/P1030806-700x525.jpg 700w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/franziinwestafrika\/wp-content\/uploads\/sites\/20906\/2014\/10\/P1030806-332x249.jpg 332w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-183\" class=\"wp-caption-text\">Malariaschnelltest &#8211; positiv<\/p><\/div>\n<p>Da ich aus Deutschland Malarone mitgebracht habe, musste ich Jacques den Beipackzettel \u00fcbersetzen. In meinem Zustand war mein Franz\u00f6sisch eher miserabel, dass das echt lustig wurde. Aber nach ein paar Minuten wussten wir dann alles wichtige zur Behandlung.<br \/>\nIch wurde sehr gut von den Schwestern und auch vom Arzt umsorgt, mit Vitaminen vollgestopft, aufgeheitert, oft besucht\u2026 Ich bin sehr dankbar daf\u00fcr.<br \/>\nNach 3 Tagen ist die Behandlung mit Malarone abgeschlossen. Trotz allem habe ich noch\/wieder Fieber und einen brummenden Kopf. Zur Sicherheit gehe ich in eine Klinik, wo mir Blut abgenommen wird, um es auf Malaria und Typhus zu testen. Ihr m\u00fcsst euch die Klinik so vorstellen: Ein kleines Haus in einem Hinterhof mit mehreren kleinen Zimmern, einem Arzt und zwei eher weniger kompetenten Arzthelferinnen.\u00a0 \ud83d\ude09 Es entspricht bestimmt nicht den deutschen Hygienestandarts, aber wirkt trotzdem sauber. Das witzigste war, dass der Arzt\u00a0 einen Handschuh um meinen Arm gebunden hat, um mein Blut zu stauen. Und wie er sich \u00fcber meine deutlich sichtbaren blauen Venen gefreut hat. Malaria ist noch da, Typhus habe ich zum Gl\u00fcck nicht. Ein weiteres Medikament gegen Malaria. In den letzten 6 Tagen habe ich so 51 Tabletten geschluckt. Mein absoluter Rekord! Aber was sein muss, muss sein.<\/p>\n<p>Als ich mit einem der \u00e4ltesten M\u00e4dchen aus dem Foyer \u00fcber Malaria gesprochen habe, war sie ganz erstaunt, dass es mein 1. Mal ist. Das kann sie nicht verstehen. Auch als ich ihr erkl\u00e4re, dass ich vorher noch nie in Afrika war, versteht sie es nicht. Sie versteht es nicht, weil sie nicht wei\u00df, dass es in Europa kein Malaria gibt.<\/p>\n<p>Wenn man Malaria selber hat, dann ist das anders als nur die traurigen Zahlen in den Nachrichten zu h\u00f6ren. Ich sehe, wie sehr ich auf Hilfe angewiesen bin. Was ohne eine Behandlung, einen Arzt, Medikamente mit mir geschehen w\u00e4re, ich wei\u00df es nicht.<br \/>\nMein Blut zu untersuchen kostet ca. 17 Euro, das Medikament knapp 4 Euro ( In Deutschland zahlt man daf\u00fcr das Zehnfache!). Abgesehen von den Arztgeb\u00fchren\u2026 Wie k\u00f6nnen sich das die \u00c4rmsten der Welt leisten? W\u00e4re es nicht so einfach, Menschenleben zu retten!?\u00a0 Und jeden Tag sterben aufs Neue so viele Menschen. Fast 1 Million Menschen pro Jahr! Unschuldig, weil sie am falschen Flecken geboren sind?! Weil sie sich kein Moskitonetz leisten k\u00f6nnen und erst recht keinen Arztbesuch. Was ist daran gerecht, dass ich \u00fcberleben darf und anderen dieses Recht verwehrt bleibt. Warum d\u00fcrfen sie nicht? Umso mehr hat es mich diese Woche gefreut, dass im \u00f6rtlichen Krankenhaus an die &#8222;B\u00fcrgermeister&#8220; der D\u00f6rfer kostenlos Moskitonetze verteilt wurden, die sie dann in ihren D\u00f6rfern weitergeben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>An dieser Stelle m\u00f6chte ich mich noch\u00a0 bei der Merianapotheke in Mosbach f\u00fcr die gro\u00dfz\u00fcgige Medikamentenspende bedanken. Der Arzt hat sich mit einem riesigen L\u00e4cheln auf den Lippen DANKE gesagt. Das m\u00f6chte ich euch weiterschicken.<br \/>\nUnd auch ein gro\u00dfes Danke an alle f\u00fcrs &#8222;an-mich-denken&#8220;, so konnte ich schnell wieder gesund werden!<\/p>\n<p>Wer sich ein paar Bilder von der Krankenstation und dem Arzt anschauen will, kann dies auf Facebook tun: https:\/\/www.facebook.com\/pages\/Dispensaire-FMA-Du%C3%A9kou%C3%A9\/641314862555597?fref=ts<\/p>\n<p>Liebe Gr\u00fc\u00dfe..<br \/>\nan alle Kranken: Gute und schnelle Besserung! Spezieller Gru\u00df an Paps R\u00fccken!<br \/>\nan alle Gesunden: Bleibt gesund und sch\u00e4tzt es! Es ist ein Geschenk. \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Eure Franzi<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230;genau das h\u00f6re ich Oma sagen, wenn ich sie anrufen k\u00f6nnte, um ihr zu erz\u00e4hlen: Malaria hat mich erwischt. Zuerst einmal eine Entwarnung, bevor ihr euch jetzt Sorgen macht. 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