Don Bosco Volunteers https://blogs.donboscovolunteers.de/ Freiwilligendienst von jungen Menschen für junge Menschen! Mon, 16 Mar 2026 14:31:30 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 https://blogs.donboscovolunteers.de/wp-content/uploads/2023/11/cropped-01_cmyk-32x32.jpg Don Bosco Volunteers https://blogs.donboscovolunteers.de/ 32 32 Zwischenseminar zwischen Gemeinschaft und Selbstreflexion https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/2026/03/16/zwischenseminar-zwischen-gemeinschaft-und-selbstreflexion/ Mon, 16 Mar 2026 14:30:32 +0000 http://21746.281 Seminar, das: Lehrveranstaltung [an einer Hochschule], bei der die Teilnehmer[innen] unter [wissenschaftlicher] Anleitung bestimmte Themen erarbeiten Duden In der Schule haben wir gelernt, dass man, bevor man in einem Aufsatz über Dinge schreibt, diese erst definieren muss. Aber die Definition des Dudens beschreibt nicht einmal ansatzweise, was dieses Seminar für mich war. Daher hier noch […]

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Seminar, das: Lehrveranstaltung [an einer Hochschule], bei der die Teilnehmer[innen] unter [wissenschaftlicher] Anleitung bestimmte Themen erarbeiten

Duden

In der Schule haben wir gelernt, dass man, bevor man in einem Aufsatz über Dinge schreibt, diese erst definieren muss. Aber die Definition des Dudens beschreibt nicht einmal ansatzweise, was dieses Seminar für mich war. Daher hier noch einmal meine eigene:

Seminar, das: Intensive Zeit der Reflexion und des Austauschs mit anderen Freiwilligen. Zeit für Albernheiten und für Deep Talks zugleich. Gibt Kraft, Mut und macht einfach Spaß. Möglichkeit, neue Freundschaften zu schließen. Safe Space.

Tag 0: Ankunft

Unsere Anreise nach Ashaiman habe ich ja in meinem letzten Blogeintrag bereits erzählt. Viel gemacht haben wir an diesem Abend nicht mehr. Wir stellten uns kurz vor, dann das Good Night, fertig. Es waren sowieso noch nicht alle da (die Leute aus Benin kamen aufgrund von diversen Schwierigkeiten erst spätabends an), es war also wenig sinnvoll, schon irgendetwas Inhaltliches zu machen.

Good Morning und Good Night

Das Good Morning und das Good Night haben in der Don-Bosco-Welt eine lange Tradition und sind auch fester Bestandteil aller unserer Seminare. Es handelt sich dabei um einen kurzen Morgen- bzw. Abendimpuls. Zurückzuführen ist diese Tradition auf Don Bosco Mutter Margareta, die an einem Abend einem Jungen, den sie bei sich in der Küche übernachten ließ, eine kleine Ansprache hielt. Auf Französisch heißt das Good Night „mot du soir“, das Good Morning heißt „mot du matin“. Bei uns im Foyer gibt es jeden Abend ein mot du soir, das Mot du matin findet nur in den Ferien statt. Dafür gehört es fest zum Schulalltag im Collège et Lycée und im Centre de formation professionelle et technique.

Lange geredet wurde nach dem Good Night auch nicht mehr, alle waren erschöpft von der Anreise und gingen früh schlafen. Nur Gladys und ich nicht, wir hatten uns schließlich schon am Nachmittag hinlegen können und quatschten noch viel zu lange über alles Mögliche, vor allem aber über unsere Vorfreude aufs Seminar.

Tag 1: Ich, du, wir

Am nächsten Morgen starteten wir nach dem Frühstück mit einem Good Morning von Gregor in den Tag. Alle außer die Beniner, die holten mit Ulla das Good Night vom letzten Abend nach.

„Das ist Christine, eine unserer beiden Freiwilligen.“

Wie immer, wenn man sich in einer neuen Gruppe zusammenfindet, stellten wir uns dann in der großen Gruppe der Reihe nach vor. Aber nicht nur „Name, Alter, Hobby“, sondern gleich etwas tiefer. Zuerst aus der Perspektive eines Kindes oder Mitarbeitenden aus unserem Projekt, dann mithilfe von Fotos und einem Gegenstand, den wir zu diesem Zweck mitbringen sollten.

Außerdem bekamen wir eine Führung über den Campus, auf dem sich, abgesehen vom Provincial House (dem Verwaltungssitz der Provinz) und dem Guest House, wo wir Mädchen untergebracht waren, noch ein Ausbildungszentrum befindet. Hier wird unter anderem eine Weiterbildung für Elektriker im Bereich Solarenergie angeboten. Dorthin wurden auch Deutsche schon zur Weiterbildung geschickt, weil Ghana in der Batterietechnik für die Speicherung von Solarenergie Deutschland voraus ist.

Gruppenfoto vorm Ausbildungszentrum

Nach der Mittagspause ging es weiter mit einem absoluten Klassiker des Teambuildings, nämlich dem Eisschollenspiel. Dass die Eisschollen in der ghanaischen Hitze schmelzen, wundert mich ja mal überhaupt nicht. Dank Teamarbeit haben es trotzdem alle Pinguine in Sicherheit geschafft.

„Ein Widerspruch in sich“ – ein Abenteuer-Coming-of-age-Roman

Danach setzten wir uns intensiv mit uns selbst und unserem Freiwilligendienst auseinander. Die Einheit hieß „Mein Freiwilligendienst als Buch“ und genau darum ging es. Wie hieße dieses Buch? Welche Kapitel gäbe es? Zu welchem Genre würde es gehören? Welche Figuren (außer natürlich mir selbst) spielen eine tragende Rolle? Was sind zentrale Themen?

Genaues dazu werdet ihr hier nicht erfahren, das ist privat. Nur so viel: Ich habe mein Buch „Ein Widerspruch in sich“ genannt und dazugeschrieben: „Wahrscheinlich eine Mischung aus Abenteuer- und Coming-of-age-Roman, aber wer weiß das schon genau.“ Die wichtigste Nebenfigur ist natürlich Gladys.

Nach einer Zeit der Einzelarbeit fanden wir uns Kleingruppen zusammen und stellten uns gegenseitig die Ergebnisse vor. Ich fand es beeindruckend, wie offen und ehrlich alle erzählten, obwohl wir uns zum Teil noch nicht einmal 24 Stunden kannten. Und es tat so unfassbar gut zu merken, dass ich mit meinen Themen und Problemen nicht alleine bin. Dass da andere junge Menschen sind, die zumindest ähnliche Schwierigkeiten haben und die mich verstehen.

Brainstorming Reisen

Anschließend durften wir für eine Austauschrunde zu einem Thema aus unserem „Themenspeicher“ nutzen. Dort durften wir Themen notieren, die uns besonders am Herzen lagen. Die Austauschrunden waren immer freiwillig, es waren aber tatsächlich alle bei allen dabei. Das erste Thema: Reisen. Es ging um allgemeine Tipps und Tricks, Sehenswertes in den verschiedenen Ländern, zu empfehlende Unterkünfte, die Transportmöglichkeiten. Eine ganz konkrete, praktische Sammlung, die unsere Künstlerin Marlene gekonnt auf einem einzigen Plakat festhielt.

Lach-Flashs und Deep Talks

Nach dem Abendessen und dem Good Night wurde „Psychatrie“ gespielt und dabei sehr, sehr viel gelacht! Insgesamt war die Stimmung abends oft heiter und ausgelassen, wir konnten nach Herzenslust albern sein! Allerdings waren die Abende nicht nur mit Spiel und Spaß gefüllt, ich habe mit allen Teilnehmenden mindestens ein tiefgründiges Gespräch während dieser paar Tage geführt. Also mit zwölf Leuten, von denen ich zuvor fünf überhaupt nicht und sechs nur sehr oberflächlich kannte. Und auch mit Ulla und Gregor habe ich mich richtig gut unterhalten. Seminare sind wirklich etwas ganz Besonderes: Nirgendwo sonst habe ich so schnell so viele Leute so gut kennengelernt wie auf Seminar. Dabei sticht dieses Seminar besonders hervor. Wir sind in der kurzen Zeit eine richtige Gemeinschaft geworden und ich habe mich mit ausnahmslos allen gut verstanden. Was für ein Geschenk!

Tag 2: Erwartungen, Enttäuschungen, Dampf ablassen

Erwartungen: erfüllt oder enttäuscht?

Nach dem richtig coolen Kanon „Tower of Strength“ als Good Morning blickten wir bei einer Traumreise noch einmal auf die Zeit kurz vor unserem Freiwilligendienst. Welche (vielleicht auch unrealistischen) Erwartungen hatten wir da an dieses Jahr? Wie so oft bekamen wir erst eine Zeit für Einzelarbeit, dann kamen wir wieder in der Gruppe zusammen. Jetzt bekamen wir Aussagen, zu denen wir uns im Raum positionieren sollten. Am einen Ende war „trifft total zu“, am anderen „trifft gar nicht zu“ und alles dazwischen eben Abstufungen. Die erste Positionierung war jeweils zu unserer Erwartungshaltung (War das überhaupt meine Erwartung?), die zweite zur tatsächlichen Situation. Man merkte schnell: Oft gingen Erwartung und Realität weit auseinander, positiv wie negativ. Und: Wir hatten alle ganz unterschiedliche Erwartungen und auch die Erfahrungen sind von Person zu Person sehr unterschiedlich gewesen – logisch.

Danach tauschten wir uns in wechselnden Zweier-Gruppen noch zu verschiedenen Erwartungen aus. Wir überlegten unter anderem, an welchen Erwartungen wir festhalten und welche wir loslassen wollen und wie das mit dem Loslassen überhaupt gelingen kann.

How to find friends

Kein Witz: Wir haben eine Brainstorming-Runde zum Thema „Freunde finden“ gemacht. Das ist nämlich gar nicht so einfach in einer völlig anderen Kultur. Als Ticket nach Europa gesehen zu werden, macht die Sache nicht unbedingt einfacher, wenn man auf der Suche nach echten Freunden und nicht nach nur Bekanntschaften ist.

Hier brodelt’s

Am Nachmittag durften wir mal so richtig Dampf ablassen und uns auskotzen. Eine halbe Stunde lang alles zu Papier bringen, was uns nervt. Was uns so richtig wütend macht. Jeder für sich auf ein Blatt Papier, ohne Rücksicht auf guten Sprachgebrauch oder die Gefühle anderer. Das tat vielleicht gut! Einfach mal alles rauslassen, ohne sich dabei überlegen zu müssen, was für ein Bild man damit anderen Leuten von sich, von anderen, von Afrika vermittelt.

Im nächsten Schritt wurden dieser Aufreger dann nach Themen sortiert und überlegten uns, wie man damit umgehen kann. Wir fertigten also metaphorische Kochhandschuhe für unsere metaphorischen brodelnden Kochtöpfe an.

Man(n) muss kein Macho sein

Ein großes Thema: Männer. Ich habe längst aufgehört zu zählen, wie viele Heiratsanträge ich bekommen habe, wie oft mir von Typen (allen Alters) hinterhergezischt oder -gerufen wurde und sogar, wie oft sie mir körperlich zu nahe kamen, sodass ich mich unwohl fühlte. Diese Erfahrung wünsche ich wirklich niemandem, doch leider gehört sie hier aufgrund der sehr patriarchalen Strukturen zum Alltag einer jungen Frau dazu. Ich finde es schlimm, dass auch die anderen Volontärinnen diese Erfahrung machen mussten und doch tat es mir gut, gespiegelt zu bekommen, dass ich damit nicht allein bin. Und damit, dass es nicht meine Schuld ist, dass ich nichts falsch gemacht habe. Das wusste ich zwar in Theorie schon davor, aber es zu spüren ist etwas ganz Anderes.

Und ich bin dankbar für das Verständnis der Jungs. Dass sie anerkannt haben, dass es Probleme gibt, die sie nur aufgrund ihres Geschlechts nicht haben, aber dass es auch sie etwas angeht und sie uns unterstützen können. Das habt ihr und werdet es auch weiterhin, deswegen ein großes Danke an euch!

Billard und Karaoke

Als Abendaktivität sind wir als Gruppe ausgegangen. In der Bar gab es Billardtische, die wir sofort in Beschlag nahmen. Außerdem gaben wir übertrieben theatralisch Karaoke-Lieder zum Besten. Kurz: Wir hatten einfach zusammen Spaß.

Zurück im Provincial House ging es weiter, es war noch ein sehr schöner Abend voller Lacher und interessanter Gespräche.

Tag 3: Blick nach vorne

Messe

Tag 3 war ein Sonntag und damit war morgens Messe. Die fand ich jedoch eher enttäuschend, denn die Stimmung war nicht wie gewohnt fröhlich-ausgelassen, sondern ziemlich gedrückt. Das lag jedoch nicht an Ghana, sondern an der Fastenzeit, wie mir versichert wurde. Und es stimmt: Auch hier in Kara macht der Gottesdienst während der Fastenzeit weniger Spaß.

Land und Leute

Den Rest des Vormittages verbrachten wir in zwei Gruppen: Die eine bereitete Plakate vor, um die Kultur (Essen, Religionen und Feste, Tanz und Musik und Sprachen) ihres Einsatzlandes vorzustellen, die andere erarbeitete ganz praktische Tipps für die Arbeit in unseren jeweiligen Projekte, z.B. Spielideen. Unsere Ergebnisse präsentierten wir uns hinterher gegenseitig. (Wer sich für die Kultur Togos interessiert, kann bei meinem vorletzten Blogeintrag etwas dazu lesen. Hier der Link.)

Rettungsschirm für stürmische Zeiten

Am Nachmittag war wieder intensive Reflexion angesagt, diesmal ging es um mentale Gesundheit. Wieder arbeiteten wir mit einer Metapher, nämlich dem Rettungsschirm. Was (welche Routinen, welche Orte, welche Aktivitäten) und wer schirmen uns vor Regen ab? Was ist die Stange/Stütze, die das Ganze trägt, welche Werte und Glaubenssätze helfen mir? Und was bildet den Griff, was habe ich selbst in der Hand? Was kann ich konkret tun, wenn es mir schlecht geht?

In weiter Ferne

Außerdem warfen wir einen Blick auf unseren Abschied und wie wir diesen gut gestalten können. Das kam mir noch soooo weit weg vor. Gleichzeitig verging das erste halbe Jahr so schnell, warum sollte es bei der zweiten Halbzeit anders sein? Es ist vielleicht gar nicht so doof, sich schon frühzeitig damit auseinanderzusetzen, damit man ihn schön gestalten und das Jahr somit gut abschließen kann.

Dann wurde noch kurz ein Thema angerissen, das bei mir so gar kein Problem darstellt: Mitvolos. Was soll ich sagen: Ich habe die coolste, lustigste, aufmunterndste und liebste Mitvolontärin der Welt und wenn das euch zu kitschig ist, dann ist das euer Problem, es ist die Wahrheit. Ich bin so unfassbar dankbar für dich, Glagla!

Hab keine Angst, kleiner Löwe

Kennt ihr das Bilderbuch „Hab keine Angst, kleiner Löwe“? Es war mein absolutes Lieblingsbuch als kleines Kind und unser Good Night am Sonntag. Das hatten Leonie und ich zusammen vorbereitet und es war total schön, diese Geschichte und ein paar Gedanken dazu mit den anderen teilen zu können.

Natürlich bin ich an diesem Tag ebenso wenig früh schlafen gegangen wie an all den anderen Seminar, obwohl wir am nächsten Tag früh rausmussten.

Tag 4: Ein Tag im Paradies

Eine echte und eine Traumreise

„6:30 Uhr ist Abfahrt“ hat Ulla am Vortag gesagt und scheinbar haben wir alle unsere deutsche Pünktlichkeit beibehalten, denn um 6:45 Uhr saßen wir tatsächlich alle im Bus und es ging los. Ausflug! Vom Gefühl her wie Klassenfahrt, nur besser. Gefrühstückt wurde auf dem Weg und das Good Morning fand ebenfalls im Bus statt. Es war eine Traumreise, angeleitet von Marlene und Gladys. Wunderschön erzählt und von Insidern gespickt, was mal wieder beweist, was für eine tolle Gruppe wir sind!

Leinen los

An unserem Ziel warteten bereits zwei Boote auf uns, denn wir machten eine Bootstour am Delta des Voltas, Ghanas wichtigstem Fluss. Eine Bootstour!!!

Schwimmwesten an, auf die Boote aufgeteilt und los! Eine Fahrt durch eine paradiesische Landschaft. Ich konnte mich gar nicht sattsehen an dem glitzerndem Wasser, über das wir glitten, dem üppigen Grün der Wasserpflanzen und den malerischen Inseln, an denen wir vorbeifuhren.

Schni-Schna-Schnappi

Die erste Insel, bei der wir an Land gingen, war Crocodile Island. Der Name war Programm: Auf Crocodile Island gab es tatsächlich Krokodile, zudem noch verschiedene Schildkrötenarten, Pythons und Affen. Ich hatte gemischte Gefühle bei dieser Insel, denn einerseits war es natürlich total cool, ein junges Krokodil in der Hand halten und sich eine junge Python um die Schultern legen zu dürfen, andererseits war die Haltung alles andere als artgerecht. Besonders die der Affen. Ich war also nicht unbedingt traurig, als wir die Insel dann wieder verließen und weiterfuhren.

Verlobungsfeier

Unser zweiter Halt war Rum Island. Als wir dort an Land gingen, fand Gladys einen Ring am Ufer. „Gehört der jemandem?“, fragte sie. Alle verneinten. Gladys beschloss, dass das ja wohl nicht sein könne und machte kurzerhand Quirin damit. Quirin sagte ganz verzückt „ja!“ und so hatte nicht nur der Ring einen neuen Besitzer, sondern unsere Gruppe auch zwei Verlobte. Darauf wurde gleich mit dem uns angebotenen Rum angestoßen, wobei ich – genau wie die zukünftige Braut – dankend ablehnte.

Käppi über Bord

Auf dem Weg zur dritten Insel fiel ein Käppi ins Wasser. Bei dem Rettungsmanöver hatte ich kurz Angst, selbst über Bord zu gehen, weil das Boot so sehr in die Kurve ging, aber zum Glück ist nichts weiter passiert, ich wurde nur ein wenig nass. Sehr erfrischend!

Strandtag deluxe

Den Namen der dritten und letzten Insel, die wir ansteuerten, habe ich vergessen. Jedenfalls kamen wir dort an, luden unsere Sachen aus und bestellten was zu essen, denn so langsam meldete sich der Hunger und man hatte uns gesagt, dass es dauern würde, bis das Essen fertig sein würde.

Das war mir herzlich egal, ich wollte sowieso erst ins Wasser. Wir schwammen, wir machten eine Wasserschlacht, wir spielten Wasser- und Volleyball… Es war herrlich!

Als dann schließlich unser Essen kam, setzten wir uns mit strahlenden Gesichtern an den Tisch und hauten ordentlich rein. Viel zu schnell verging die Zeit und nach dem Essen mussten wir bereits aufbrechen. Allerdings nicht, ohne vorher eine frische Kokosnuss zu kaufen, deren Wasser ganz hervorragend schmeckte.

Warme Dusche

Wieder in Ashaiman angekommen machten wir noch eine „Warme Dusche“. Manche wörtlich, alle metaphorisch. Wir schrieben uns gegenseitig liebe Dinge auf einen Zettel als Trost und Ermutigung für schlechte Zeiten. Ich hatte nicht ansatzweise genug Zeit, alles aufzuschreiben, was mir zu den Leuten einfiel!

Nach dem Wasser nun das Feuer

„Weil es ja unser letzter Abend ist…“, begann Ulla das Good Night an diesem Tag und ich dachte nur: „Waaaas?! Schon? Wir sind doch gerade erst angekommen!“

„… wollen wir heute unsere Bad Box verbrennen“, beendete sie ihren Satz. Das muss ich vielleicht kurz erklären: Die ganze Woche über durften wir Dinge, die wie gerne auf dem Seminar zurücklassen wollten, aufschreiben und den Zettel in die sogenannte Bad Box werfen. Diese Box sollte dann am letzten – also an diesem – Abend verbrannt werden. Zwar wusste ich bei den meisten Dingen gar nicht mehr so genau, was ich aufgeschrieben hatte, aber der Blick in die Flammen war dennoch sehr befreiend und erinnerte mich sehr an den letzten Abend in Jünkerath, wo wir unsere völlig übertriebenen Erwartungen an uns im Freiwilligendienst verbrannt hatten.

Wie auch in Jünkerath war der letzte Abend ganz besonders schön und sehr, sehr unterhaltsam!

Tag 5: Schon vorbei?

Der letzte Vormittag war unserem „Masterplan“ für die nächsten sechs Monate gewidmet. Was nach der Idee eines Bösewichts aus einem Marvel-Film klingt, ist eigentlich ganz harmlos. Wir sollten uns damit auseinandersetzen, was für das Gelingen unseres Freiwilligendienstes notwendig ist. Was wären Highlights? Was wäre nett, ist aber nicht entscheidend? Was möchte ich aktiv gestalten oder verändern?

Nach dem Mittagessen hieß es Abschiednehmen. Allerdings nicht für lange…

Cliffhanger! Den Rest erfahrt ihr im nächsten Blogeintrag, wo es dann um unseren Urlaub geht. Unseren allerersten Urlaub! Also seid gespannt!

Bis dahin: Kommentiert gerne, besonders die neuen Volos! Wie war euer Seminar?

Noch mehr als über Kommentare freue ich mich über Spenden. Das geht ganz einfach über diesen Link. Ich freue mich weiterhin riesig über eure Unterstützung!!!

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Schwer zu verdauen https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/2026/03/15/schwer-zu-verdauen/ Sun, 15 Mar 2026 12:25:33 +0000 http://21746.278 Nadeln gegen Schmerzen Wer von euch hat schon einmal Akupunktur ausprobiert? Ich nicht. Und Gladys bis vor Kurzem auch noch nicht. Das änderte sich am 14. Februar, also am berühmt-berüchtigten Valentinstag. Der wird hier auch gefeiert und machte auch vorm Foyer nicht halt. Die ganzen letzten Wochen schon war „Love“ ein großes Thema und wurde […]

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Nadeln gegen Schmerzen

Wer von euch hat schon einmal Akupunktur ausprobiert? Ich nicht. Und Gladys bis vor Kurzem auch noch nicht. Das änderte sich am 14. Februar, also am berühmt-berüchtigten Valentinstag. Der wird hier auch gefeiert und machte auch vorm Foyer nicht halt. Die ganzen letzten Wochen schon war „Love“ ein großes Thema und wurde auf diverse Liebesbriefe gemalt. Briefe, die alle gleich klangen und von dessen kitschigen Inhalten ich Brechreiz bekam. Ich war insgesamt auf das Thema Romantik und Sexualität gerade gar nicht gut zu sprechen, denn für Gladys und mich waren die letzten Wochen alles andere als romantisch verlaufen. Ich war an einem Tiefpunkt angekommen.

Aber zurück zur Akupunktur: Am Morgen des 14. Februars kam ein chinesisches Gesundheitsteam ins Foyer und führte eine allgemeine medizinische Untersuchung der Kinder durch. Die lief ungefähr so ab wie die „Visite médicale“ bei uns an der Schule. Messen und Wiegen, Atem und Herzschlag abhören, Sehtest. Außerdem noch eine Speichelprobe. Was allerdings fehlte, war der Hörtest. Sehr schade, denn bei einigen Kindern hege ich den Verdacht, dass sie schwerhörig sind, was sich natürlich unter anderem auf ihre schulischen Leistungen auswirkt.

Diejenigen, die über Schmerzen klagten, wurden mit Akupunktur behandelt. So auch Gladys, denn sie hat schon seit Längerem immer wieder Knieschmerzen, wenn sie Sport macht. Auch Père Jonathan und die Sekretärin Roberta bekamen Nadeln in die Haut gesteckt. Bei letzterer fand es ihre Tochter schlimmer als sie selbst, das arme Kind hatte richtig Angst um seine Mutter. Ich für meinen Teil war ebenfalls ganz froh, keinen Grund zum Gepikstwerden aufzuweisen.

Tut’s weh?

Nach der Untersuchung und schätzungsweise tausend Fotos verabschiedete sich das chinesische Team und wir begannen mit unserem Valentinsprogramm.

Von Geburt an wertvoll

Vormittags war eine „Causerie éducative“, also eine Art Workshop zu einem Thema, für die Mädchen geplant, nachmittags für die Jungs.

Die Causerie der Mädchen hatte Roberta geplant, es ging um die Geschichte des heiligen Valentins und seine Bedeutung heute. Besonders schön fand ich, dass Roberta immer wieder betonte, dass ein Mädchen nicht erst durch eine Beziehung zu einem Jungen einen Wert bekommt, sondern von Geburt an wertvoll ist. Das war die zentrale Botschaft: Ich muss keinen Freund haben, um eine wertvolle, liebenswürdige und geliebte Person zu sein. Eine Botschaft, die angesichts der vielen Liebesbriefe und dem vielen Wetteifern um die Gunst von Jungs bei den Mädchen aus dem Foyer mehr als notwendig war.

Das Gegenteil von romantisch

Anders als die Causerie der Mädchen wurde die der Jungs nicht von Roberta, sondern von Gladys und mir vorbereitet und durchgeführt. Außerdem unterstützte uns Frère (wie die Erzieher genannt werden) Matthias.

Das Thema war alles andere als rosig, denn es ging um geschlechterbasierte und sexuelle Gewalt. Grund dafür war ein aktueller Anlass: In der Woche zuvor hatte auf der Straße vor dem Foyer ein sexueller Übergriff stattgefunden, was die ganze Woche über Thema gewesen war. Leider hatten viele Jungs nicht gut reagiert, sie hatten Witze darüber gemacht und insgesamt das Thema banalisiert. Deswegen war es Gladys und mir ein zentrales Anliegen gewesen, mit den Jungs darüber zu sprechen. An dieser Stelle ist es mir wichtig zu betonen, dass keiner der Foyer-Jungen an dem Übergriff beteiligt war und wir auch nicht glauben, dass sie es in Zukunft sein werden. Wir wollen lediglich, dass sie, sollten sie erneut Zeugen sexueller Gewalt werden, sensibler reagieren und sich aktiv für das Opfer einsetzen.

Den ersten Teil, zum Thema geschlechterbasierte Gewalt, machten wir mit allen Jungs. Dieser Teil war eher allgemein und leicht verständlich formuliert, damit auch die Kleinen mitkamen. Für den zweiten Teil, den zum Thema sexuelle Gewalt, schickten wir die Grundschüler raus. Jetzt ging es ans Eingemachte: Was ist sexuelle Belästigung, was ein sexueller Übergriff, was Vergewaltigung? Was sagt das togoische Gesetz dazu, welche Strafen sind wofür vorgesehen? Was bedeutet „einvernehmlich“? Wer kann seine Zustimmung zu sexuellen Handlungen überhaupt geben, wer nicht? Was tun, wenn in der Freundesgruppe Witze über sexuelle Gewalt gemacht werden? Macht es einen Unterschied, wenn das Mädchen nur einen Mini-Rock trägt?

Über all diese Fragen und noch viele weitere redeten wir mit den Jungs. Ich muss sagen, dass die Causerie besser lief als erwartet. Frère Matthias gab uns Rückendeckung, die Jungs waren offen und setzten sich ernsthaft mit dem Thema auseinander. Ich bin total dankbar für diese Möglichkeit und davon überzeugt, dass beide Seiten von dieser Einheit profitiert haben – die Jungs, aber auch Gladys und ich.

Noch mehr schwere Kost

Am Dienstagvormittag (es waren Ferien) ging es weiter mit den schweren Themen, denn es gab eine Causerie zu Kinderhandel. Leider ein Thema, das in ganz Westafrika und damit auch in Togo präsent ist. Die gezeigten Videos gingen mir sehr nahe, vor allem eine kurze Reportage der BBC, wo es um den Handel und die Ausbeutung behinderter Kinder ging. Gladys hatte ebenfalls Tränen in den Augen. Was ist diese Welt doch ungerecht und grausam!

Im Anschluss an den Input-Teil sollten die Kinder in Gruppen kleine Theaterstücke zum Thema vorbereiten und aufführen und ich sollte eine Gruppe betreuen und anleiten. Ich war überfordert: Meine Gedanken waren noch bei der Doku und jetzt sollte ich eine Gruppe zappeliger Kinder bei der Ausarbeitung eines kleinen Theaterstücks anleiten? Und das zu so einem Thema! Wie stellt man diese Grausamkeiten überhaupt angemessen dar? Wir haben dann schon etwas aufgeführt, aber richtig zufrieden war ich mit dem Ergebnis nicht. Man kann, glaube ich, diesem Thema unmöglich in so kurzer Zeit (wir hatten nur eine knappe halbe Stunde Vorbereitungszeit) gerecht werden.

Wenigstens konnten wir zum Ausgleich nachmittags wieder eine ganze Reihe Handballspiele veranstalten. Ich war Schiedsrichterin, Gladys schaute auf die Zeit und die Kinder lieferten sich ein Spiel nach dem anderen. Diesmal sogar mit einem echten Handball, denn Père Jonathan hatte, nachdem die kleinen Fußbälle bereits Risse bekamen, einen richtigen Handball organisiert. Merci beaucoup, mon père!

Anstrengende Anreise

Jetzt wisst ihr also in etwa, welche Themen mich kurz vorm Zwischenseminar beschäftigten und könnt euch sicher denken, dass ich mit dem Kopf ganz woanders war. Aber vielleicht war gerade deshalb eine Auszeit genau das Richtige.

Als wir am Mittwoch (Aschermittwoch!) frühmorgens aufbrachen, war ich vor allem eines: müde. Die emotionale Erschöpfung zeigte sich auch körperlich. Es half auch nicht, dass wir gleich zu Beginn über eine Stunde bei praller Hitze im Stau standen. Dank sei Gott für die Klimaanlage!

Jedenfalls kamen wir nach etwa zehn Stunden Fahrt in der Maison Don Bosco in Lomé an. Der erste Teil unserer Anreise war geschafft.

Am Donnerstag folgte dann Teil 2. Ein Salesianer fuhr uns zur ghanaischen Grenze, wir stiegen aus, holten unsere Rucksäcke aus dem Kofferraum und machten uns auf den Weg. Zunächst mussten wir auf togoischer Seite unser Visum vorzeigen und ein Dokument ausfüllen, um ausreisen zu dürfen. Dann mussten wir auf der ghanaischen Seite ein Visum beantragen. Das ging erstaunlich schnell, kostete aber dafür eine halbe Niere und hinterher diskutierten wir noch eine ganze Weile mit den Grenzbeamten, weil sie nicht den kompletten Betrag, den wir gezahlt hatten, auf die Rechnung geschrieben hatten.

Dementsprechend wütend waren wir und als dann auch noch meine Kreditkarte Faxen machte (Ghana hat nicht Francs CFA, sondern Cedi als Währung, weshalb wir uns erstmal neu mit Geld ausstatten mussten), war meine Laune endgültig im Keller. Zum Glück fanden wir recht schnell ein Trotro nach Ashaiman, wo das Zwischenseminar stattfinden würde. Es war sogar ein ziemliches Luxus-Trotro, recht geräumig, mit bequemen Sitzen und Klimaanlage.

Trotro

Kleinbus und Sammeltaxi für Langstrecken. Fährt immer erst los, wenn er voll ist. In Ghana viel genutztes Transportmittel, in Togo hingegen kaum.

Um kurz vor drei kamen wir dann in Ashaiman an und wurden von Robert, der uns auch das Einladungsschreiben ausgestellt hatte, abgeholt. Thank you!

Angekommen

Bei der Ankunft im Provincial House, in dem unser Seminar stattfinden würde, konnte ich zum ersten Mal so richtig den Kopf ausschalten und durchatmen.

Angekommen. Hier kann ich loslassen, abgeben. Hier bin ich nicht „Tata“, „Tanti“ oder „Soeur“, hier bin ich einfach nur Christine. Hier brauche ich mich nicht verbiegen oder verstecken. Hier bin ich nicht nur eine Rolle, hier bin ich komplett ich.

Als ich Ulla und Gregor entdeckte, kickte die Vorfreude aufs Seminar erst so richtig. Ulla und Gregor waren unsere Teamenden. Während Ulla bei Don Bosco arbeitet und unter anderem für Krisensituationen bei uns Freiwilligen zuständig, ist Gregor ein ehemaliger Don Bosco Volunteer, der 2014/15 seinen Freiwilligendienst in Kara (!) gemacht hat. Vielleicht könnt ihr euch an den Namen noch erinnern, er war derjenige, der uns so wahnsinnig viel mit dem Visum geholfen hatte. Mehr dazu findet ihr hier. An dieser Stelle nochmal ein riesiges Dankeschön!!!

Jetzt trafen wir den Typen, mit dem wir wegen dem Visum bereits stundenlang telefoniert hatten, also zum ersten Mal live. Ich hatte ungefähr tausend Fragen an ihn. Doch erstmal kümmerten wir uns um die praktischen Dinge: Unsere Sachen in unserem Zimmer abstellen, etwas essen…

Wir waren die Ersten und konnten uns so den Nachmittag nehmen, um uns auszuruhen.

Kurz vor dem Abendessen kamen die nächsten Volos an. Die Wiedersehensfreude war riesig! Das Abendessen selbst war ebenfalls lecker. Und nach dem Essen ging es dann offiziell los mit dem Seminar. Doch zum Seminar selbst komme ich im nächsten Blogeintrag. Ich habe mich nämlich schon wieder verquatscht. Eigentlich wollte ich alles nach den Weihnachtsferien bis jetzt in zwei Einträgen erzählt haben. Nun sind es jedoch schon drei Einträge und ich bin noch nicht einmal ansatzweise fertig…

Eure Aufgabe

Na ja, ich muss es ja nicht lesen. Das ist eure Aufgabe. Ich freue mich total über euer Interesse und erst recht über Kommentare. Fragen, Anmerkungen, was bei euch so los ist. Schreibt es mir!

Ihr kennt es schon, jetzt kommt wieder der Spendenaufruf. Ja, das ist wichtig, ihr Lieben! Ich freue mich weiterhin riesig über eure Unterstützung!!! Spenden könnt ihr ganz einfach über diesen Link. Ganz, ganz großes Dankeschön an alle, die bereits gespendet haben und an alle, die es noch tun werden! Euer Beitrag zu meinem Freiwilligendienst bedeutet mir unglaublich viel!

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7. Dringende Halbzeit mit dem besten Seminar weltweit https://blogs.donboscovolunteers.de/gigiinafrica/2026/03/14/7-dringende-halbzeit-mit-dem-besten-seminar-weltweit/ https://blogs.donboscovolunteers.de/gigiinafrica/2026/03/14/7-dringende-halbzeit-mit-dem-besten-seminar-weltweit/#comments Sat, 14 Mar 2026 15:33:02 +0000 http://21779.230 Bei aller Liebe, lieber vorsichtig  Dafür, dass die Vorfreude auf den Valentinstag sich die letzten Wochen bereits durch subtile Kommentare und Liebesbriefe innerhalb der Foyers angekündigt hatte, verlief die Zeit vor unserem Zwischenseminar ziemlich unromantisch. Das lag vor allem an einem Vorfall, bei dem unsere Jungs Zeugen von distanzlosem Verhalten geworden sind und dieses aber […]

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Bei aller Liebe, lieber vorsichtig 

Dafür, dass die Vorfreude auf den Valentinstag sich die letzten Wochen bereits durch subtile Kommentare und Liebesbriefe innerhalb der Foyers angekündigt hatte, verlief die Zeit vor unserem Zwischenseminar ziemlich unromantisch. Das lag vor allem an einem Vorfall, bei dem unsere Jungs Zeugen von distanzlosem Verhalten geworden sind und dieses aber nicht einzuordnen wussten. Somit sahen Christine und ich uns nach einer Woche unsensibler Kommentare und Gelächter dazu verpflichtet, unseren Jungs einen Input zum Thema „Sexuelle Übergriffe und Gewalt“ vorzubereiten. Hierfür haben wir zunächst ein Mal in der großen Gruppe verschiedene Arten von Grenzüberschreitungen definiert.

Danach schickten wir die Kleinen zum Spielen, um mit allen ab der 8. Klasse konkret sexuelle Belästigungen und Übergriffe, sowie ihre juristischen Konsequenzen zu thematisieren. Hierbei ist zu betonen, dass der Vorfall nichts mit einem unserer Foyer Kinder zu tun hatte. Dennoch waren mir die Reaktionen zu leichtfertig, sodass ich trotz Zweifeln bei unserem Père darauf bestand, das Thema noch in derselben Woche anzugehen. 

Erleichtert über ihre Offenheit und den persönlichen Austausch, sowie die Unterstützung einer unserer Betreuer, der vor kurzem selbst eine Fortbildung zu Grenzüberschreitungen besucht hatte, erlebten wir den Nachmittag als großen Erfolg. Der einzige Kritikpunkt der Jungs bestand darin, dass die Mädchen vormittags bei Keksen und Limo über Liebe und den heiligen St. Valentin reden durften, während sie selbst süßigkeitentechnisch leer ausgingen und mit sexueller Gewalt konfrontiert wurden. Das war durchaus berechtigte Kritik, sodass wir jedem noch einen Kaugummi und eine Limo organisierten. Damit war das Thema erledigt, wir pumpten den Jungs den Fußball auf und während der Großteil spielte, kam doch tatsächlich noch ein Junge mit Fragen auf uns zu, sodass Christine und ich uns anschließend noch einmal fast eine Stunde mit ihm austauschten! 

Diskussion mit den Jungs: z.B.: „Verändert es etwas, wenn sie einen kurzen Rock trägt?“

Besuch aus China: ärztliche Untersuchung 

Die konstruktive Diskussion und das Verständnis der Jugendlichen war mir der schönste Blumenstrauß, den ich an diesem Valentinstag hätte erhalten können. Insbesondere wenn man bedenkt, dass unsere beiden Foyers am Vormittag eine intensive Gesundheitsuntersuchung durchgemacht haben. Dafür kam eine Gruppe chinesischer Ärzte in unser Foyer und führte mit den Kindern unter anderem einen Sehtest, ein Ernährungsscreening und optionale Akupunktur (ich beanspruche sie gerne für mein schmerzendes Knie) durch. Dabei wurde – vor allem bei unseren kleinen Mädchen – Mangelernährung diagnostiziert. Die geschwollenen Augen und Füße seien ein Indiz für Proteinmangel und sowohl Früchte als auch Gemüse müssten in Zukunft einen wesentlichen Bestandteil ihrer Ernährung einnehmen. Ich stimme zu, kann mich aber nicht zurückhalten das Offensichtliche laut auszusprechen: „Mit welchem Geld?“ Die Ärzte versuchen mir zu erklären, dass die Lebensmittel für eine ausgewogene Ernährung auf dem Markt durchaus bezahlbar seien und ich frage mich, ob Privilegien zwangsweise mit einem Realitätsverlust einhergehen. 

Menschenhandel: eine reale Gefahr 

Aber in gewissen Situationen merke ich auch selbst, dass die alltäglichen togoischen Themen mich vollkommen aus meiner Realität heraus befördern. So beispielsweise, wenn mich mal wieder eines der Kinder mit großen Augen fragt: „Bei euch werden wirklich keine Kinder geklaut?“ In Deutschland liest man höchstens in den Nachrichten von Menschenhandel, doch hier haben ein paar zu viele Personen bereits konkrete Erfahrungsberichte mit mir geteilt. Dass Kinder verschwinden, Jugendliche verschleppt werden und beispielsweise behinderte Kinder aktiv von Händlern mit Fehlversprechungen in armen Familien rekrutiert werden, sind Themen, mit denen ich bisher nur in Dokumentationen konfrontiert wurde. 

Hier angekommen erlebe ich, dass es eine Lebensrealität ist und gar nicht selten vorkommt, dass ein Kind auf einer Feier verschwindet. Unser Père spricht sogar selbstverständlich von der „Saison des Menschenhandels“ zwischen Weihnachten und Neujahr, bei der Kinder und Jugendliche systematisch mit Süßigkeiten und Spielzeugen gelockt werden. Kein Wunder also, dass sich zu Beginn der Faschingsferien unauffällig ein Workshop zum Thema „Kinderhandel“ zwischen Basketball, Handball und einen Puzzle-Wettbewerb gemischt hat. 

So ergibt es sich, dass Christine und ich uns nach einer intensiven Auseinandersetzung mit sexuellen Übergriffen knapp eine Woche später im selben Raum zu einem Vortrag über Menschenhandel wieder finden. Nachdem die Sekretärin Robertha zunächst ein Mal definiert, worum es sich handelt, folgten danach zwei Dokumentationen, ihre Zusammenfassung und anschließende Sketchs in Kleingruppen, um das Gelernte praktisch anzuwenden. 

Eine alltägliche Aufschrift auf dem T-Shirt unseres Pères: „Setzt dem Menschenhandel ein Ende“

Zwischenseminar: Zeit zum Aufatmen

Als Christine und ich uns einen Tag nach diesem emotionalen Austausch früh morgens im Bus nach Lomé wiederfinden, stellen wir beide fest, dass das Zwischenseminar nicht besser getimed hätte sein können. Es brauchte jetzt eine Zeit der Distanz und der Reflektion. Und diese sollten wir auch bekommen. Nachdem wir uns mit den ghanaischen Grenzbeamten angelegt haben, welche uns an der Grenze ein gesundes Plus auf unser Notfall-Visum hinzu addiert haben. Leider wurde uns am Anfang unser Ganzjahresvisum verwehrt, sodass wir keine andere Wahl hatten, als das Visum an der Grenze zu beantragen. Als das also geschafft war, fuhren wir ca. 8 Stunden mit dem Trotro nach Ashaiman (einem in Ghana üblichen umgebauten Kleinbus- Sammeltaxi für Langstrecken). Ungefähr 30km von der Hauptstadt Accra entfernt, wurden wir von Robert zum Provinzialhaus chauffiert. Dort angekommen brauchten wir erst mal einen kurzen Moment, um klarzukommen: Unfassbar, ein Salesianer-Haus ist imposanter, als das Nächste!

Das Provinzialhaus in Ashaiman, Ghana

Ich muss zugeben, dass ich anfangs noch keine großen Erwartungen an das Seminar hatte, weil ich gedanklich noch zu sehr in unserem Projekt steckte. Doch spätestens nach der Begrüßung durch unsere beiden Teamer Ulla und Gregor, kam Vorfreude in mir auf. Zu Ulla hatte ich nach einigen Mail-Austauschen nun endlich ein Gesicht vor Augen und Gregor hat als Ex-Freiwilliger in unserem Projekt hier in Kara vor 10 Jahren wirklich heldenhafte Arbeit geleistet, um uns noch in Deutschland das Togo-Visum zu beschaffen. An dieser Stelle nochmal ein riesiges Dankeschön, Gregor!

Unser gregorianischer Held!

Zum Seminar selbst kann ich nur sagen, dass es eine perfekte Mischung aus Input, Reflektion, Diskussion in Groß- und Kleingruppen und Freizeit war. Wir waren eine Runde aus 13 Volontären aus unterschiedlichen westafrikanischen Ländern (Senegal, Benin, Ghana & Togo) und bereits nach 2 Tagen hatte ich das Gefühl, man kenne sich schon ewig. Eine meiner Lieblingseinheiten war „Mein Freiwilligendienst als Buch“, in der wir in Kleingruppen unsere eigene kleine Geschichte der letzten 5 Monate ausrollen durften. Aber auch Einheiten wie die „Brodeltöpfe“, in denen wir Mädchen uns beispielsweise mal über unsere negativen Erfahrungen mit den Männern vor Ort austauschen und gehört fühlen konnten, war unglaublich wertvoll. Unseren Ausflug in ein chinesisches Restaurant mit Karaoke-Bar habe ich genutzt, um Privatunterricht von Mira in Sachen Legwork und Afrobeats zu bekommen (Remy-Maus, es gibt Wiederholungsbedarf!)

Mira (links von mir) und ich nach unserer Tanzeinheit auf der Rückfahrt mit Oscar, Marlene und Christine

Und was unsere Bootstour zu den verschiedenen Inseln – unter anderem die Crocodile Island- nach Ada angeht, bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass es das paradiesischste ist, was ich jemals erlebt habe!

Urlaub in Accra und Volta (Zwischenseminar 2.0)

Nachdem unser Zwischenseminar viel zu schnell zu Ende gegangen ist und die Mehrzahl an Volos sowieso Urlaub in Ghana geplant hatte, beschlossen wir einfach unser Seminar selbstständig fortzuführen. So kam es, dass sich die Hälfte unserer Gruppe an Christine, Quirin, Katja und meinen Urlaub dran gehängt hat! Selbst Gregor war ab der Volta Region dabei! So waren wir alle zusammen in Accra Pizza essen und anschließend in einer Bar. Am nächsten Morgen waren wir Mädels frühstücken, haben die Accra Mall besucht und von dort aus schizophrenerweise einen der 10 giftigsten Orte weltweit: das Agbobloshie-Viertel.

Ein Leben in der Müll-Flut

Am Mittwoch ist der Großteil unserer Gruppe Ullas Einladung zu einer Führung auf die größte Elektroschrott-Deponie Westafrikas gefolgt. Aller giftiger Müll, der aus Amerika, Europa und China unter dem Vorwand von Spenden hier her verschifft wird, tummelt sich zu einem riesigen beängstigenden Müllsee zusammen, der die gesamte Lagune bedeckt. Im anliegenden Slum Old Fadama werden uns die direkten Auswirkungen unserer Fast Fashion Kultur vor Augen geführt: Berge über Berge aufgetürmter Essensreste, Schrotteile und Textilien. Wöchentlich kommen ca. 15 Millionen Altkleider an, von denen 40% unbrauchbar sind und direkt auf der Müllkippe Old Fadamas oder im Meer landen. Der Rest wird auf dem größten Second Hand Markt Westafrikas, auf dem „Kantomanto Market“, verkauft.
Ob sich hier auch meine gespendeten Kleidungsstücke wieder finden? Ich verdränge die Frage, wie viele Container an Altkleidern ich wohl mit gutem Gewissen gefüllt haben muss.

Davon ist jetzt nichts mehr übrig. Stattdessen komme ich immer mehr in der harten Realität an: die Menschen bauen ihre Häuser auf die rund 250 000 Tonnen plattgetretenen Müll, mit denen wir sie großzügigerweise jährlich überfluten, Kinder spielen Fußball inmitten dieser riesigen Müllhalde und das aller Schlimmste: dieser Abfall stellt ihre existenzielle Lebensgrundlage dar. Einerseits als tatsächliches Fundament für ihren Wohnraum und andererseits als dominierende ökonomische Ressource. Nicht umsonst sind über 30.000 Menschen mit dem Sortieren, Waschen und Reparieren der eintreffenden Ware beschäftigt.

Uns alle wird dieses Erlebnis noch länger beschäftigen und wir waren uns einig, dass es eigentlich für jeden verpflichtend sein müsste, diesen Ort zu besuchen, um mit den direkten Konsequenzen unseres Konsumverhaltens konfrontiert zu werden.

Unsere Teamerin Ulla vor einem Berg aus, wie die Leute hier sagen, „Obroni wawu“ („die Kleidung des toten weißen Mannes“)

Nachmittags verabschiedeten wir uns von Ulla und weiteren Freiwilligen, die mit ihren Eltern weiter reisen würden und besichtigten einen kleinen Kunstmarkt. Danach waren wir bis 2 Uhr morgens Salsa tanzen, worauf wir uns alle bereits seit dem Seminar gefreut hatten!

Teure Momente & neue Freunde

Am nächsten Tag hatte Marlene einfach die Dreistigkeit nach Benin zurück zu fahren, womit ich so gar nicht d‘accord war. Gerne hätte ich unseren Kurs Richtung Volta Region gemeinsam eingeschlagen, aber da muss ich mich wohl noch bis zu unserem Urlaub gedulden. Theoretisch haben wir beide uns bereits auf dem Seminar in Deutschland kennen gelernt, nur hatten wir damals leider noch nicht so viel Kontakt wie ich ihn von Anfang an beispielsweise mit Leonie oder Maria hatte. Das sollte sich auf dem Zwischenseminar allerdings ändern, denn sie ist mir richtig ans Herz gewachsen.

Marlene zeigt Christine und mir, die Highlights der letzten Monate

Das gleiche gilt für Quirin (siehe Schlangenbild), den Dad unserer Gruppe, der unseren gesamten Urlaub koordiniert hat. Nichts als gute Gespräche mit meinem Teilzeit-Mann, vor allem auf der viel zu kurzen Fahrt nach Accra. Comfortperson Nummer 1 und inzwischen offizieller Local. Dreh dich ein mal um und schon hat er wieder zwei Kinder auf dem Arm und begrüßt einen Ghanaer mit dem Standard-Handshake, den er mir geduldig auf dem Seminar beigebracht hat. Dass Elia nicht mit nach Volta gekommen ist war zwar einerseits eine Schande, andererseits aber vielleicht auch wichtig für unseren Schlafrhythmus. Denn unsere Gespräche im Trio mit Edwin gingen auch gerne mal bis fünf Uhr morgens. Humortechnisch haben wir uns ein bisschen zu gut verstanden und ich muss teilweise bis jetzt noch über eure Kommentare schmunzeln. Aber auch gerade bei den tiefen Themen melde ich Entzug an: obwohl wir uns oft erstaunlich einig waren, haben eure Sichtweisen mich teilweise echt zum Umdenken gebracht. Von mir aus hätten wir diese Unterhaltungen auch ruhig noch bis zum Gottesdienst um 7 Uhr fortführen können, aber glücklicherweise hat der Vernünftigste (und einzige) redhead unserer Gruppe uns doch noch zum Schlafen motivieren können.

Edwin (links) und Elia wenige Minuten, bevor sie mit einem bewaffneten ghanaischen Polizisten Billard spielen

Aber es tat nach einigen negativen Erfahrungen mit den Männern in unseren Projektländern einfach extrem gut zu merken, dass es durchaus auch junge Männer gibt, die unsere Erlebnisse ernst nehmen, sich aktiv von Sexismus distanzieren und in deren Gegenwart man sich einfach wohlfühlt. So beispielsweise mit Oscar (oder Carlos), mein Lieblings-viel zu bescheidener-Halbfranzose. Mag sein, dass wir uns humortechnisch gegenseitig unterboten haben, aber was sportliche Betätigung anging, sind wir zur Höchstform aufgelaufen und haben uns dazu durchgerungen (der war für dich ;)) Gregors Power-Workout durchzuziehen!

Danke für eure innere Größe, die sich allerdings nur bei Henry – seinem Pass getreu – physisch abzeichnet. Was sich dafür umso deutlicher abgezeichnet hat, war der Support unter uns Mädchen. Ich vermisse es jetzt schon mir beim Fertigmachen für den Salsa Abend Emmis T-Shirt zu klauen (du kriegst es wieder, wenn ihr uns besuchen kommt 😚) oder mit ihr und Matilde Hängematten-Deeptalks zu führen, nachdem wir die knusprigsten Pommes der Welt genossen haben. Ich kann mich auch nicht erinnern, wann ich mich auf einer Reise das letzte Mal durchgehend so gut unterhalten habe, wie mit Edwin auf der 8-stündigen Trotro-Fahrt in die Volta Region. Was für ein Treasure an Begegnungen!

Emmi & ich auf der höchsten Erbse Ghanas


In unserem Hostel in der dschungelähnlichen Wli-Region angekommen, begrüßt uns bereits Gregor, der die nächsten Tage mit uns Urlaub macht! Christine und ich bewundern das saftige Grün, das uns von allen Seiten umgibt. Es ist eine willkommene Abwechslung zu der Trockenzeit und den rotbraunen Savannen in Kara. Apropos Abwechslung: Christine hat im Urlaub auch Geschmack auf eine Abwechslung bekommen und sich spontan dazu entschieden, ihre Haare abzurasieren. Denn wenn nicht jetzt, wann dann? Ich liebs und komme auch immer noch nicht drauf klar, wie wunderschön die Kurzhaarfrisur an Matilde aussieht, die sich schon zu Beginn ihres Freiwilligendienstes ihre langen Haare von Marlene hat abschneiden lassen.

Oscar korrigiert nach, nachdem jeder Christine ein bisschen abrasieren durfte
Kurzhaarqueens Christine und Matilde

Lower und Upper Water Falls: Tiefe Gespräche auf höchstem Niveau

Die nächsten beiden Tage kommen wir endlich zum Wandern (das steht schon lange auf Christine und meiner To do Liste!) So erklommen wir am Samstag den höchsten Berg Ghanas, den Afadjato! Er liegt 885m über dem Meeresspiegel und oben angekommen, wurden wir mit einem Panoramablick über die tropischen Wälder belohnt. Man konnte bis nach Togo sehen! Zum krönenden Abschluss am Sonntag machten wir eine Ganztages Wandertour mit Abstecher über togoisches Gebiet, um auf unserem Rundweg zunächst zu den Upper Waterfalls und abschließend zu den Lower Waterfalls zu wandern! Unser Guide stärkte uns zwischendurch mit Sourcane (eine säuerliche Zuckerrohr-Art), Active Fruit (rote Frucht mit säuerlichem weißen Fruchfleisch), frischer Ananas und Tomato Kakus, die Frucht, die 10x süßer ist als alles was ihr jemals in eurem Leben gegessen habt. Wir dachten unser Guide übertreibt, als er meinte wir würden nach einem winzigen Biss die nächsten 45 Minuten Süße im Mund schmecken, doch das sollte sich noch als Untertreibung herausstellen. Im Versuch durch Trinken die aufdringliche Süße zu verdrängen, welche alleine durchs Einatmen reaktiviert wurde, verstärkten wir den Süßegrad nur zusätzlich. Wenn das überhaupt möglich war.

Endlich bei den Wasserfällen angekommen, hätte ich weinen können. Vergesst alles was ich gesagt habe, das muss die paradiesischste Erfahrung sein, die ich bisher gemacht habe! (Vielleicht sollte ich aufhören zu versuchen die Erfahrungen zu ranken.) Völlig verschwitzt von den letzten Stunden Wanderung konnten wir uns endlich unter den Wasserfällen abkühlen und den feinen Sprühregen genießen, der sich über unsere Gesichter legte.

Einerseits ist der Urlaub viel zu schnell vergangen, aber andererseits waren die Wasserfälle auch wirklich ein würdiger Abschied aus der Wli-Region. So verabschiedeten wir einen Teil unserer Gruppe in Hohoé, während der Rest Beniner mit uns nach Lomé kam, um dort eine Nacht bei Katja zu übernachten. Wir aßen also alle nochmal gemeinsam zu Abend und gingen dann schlafen. Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns schließlich von den Beninern und stimmten nur kurze Zeit später alle in unserer Gruppe für ein selbst organisiertes 3/4-Seminar in drei Monaten ab.

Visum ganz ohne Probleme?


Christine und ich beantragten noch am gleichen Tag unser Togo-Visum für die nächsten drei Monate und hielten am Tag darauf doch tatsächlich erstmals problemlos unser Visum in den Händen! Nicht nur das, auch Katja erhielt mit uns ihre Carte de séjour, nach einer mickrigen Wartezeit von nur gerade mal 6 Monaten! Hat sich angefühlt wie Weihnachten! Wir genossen also die restliche Zeit in Lomé mit meiner besten Freundin, sie übernachtete mit uns in der Maison Don Bosco und wir durften sogar mit zu ihrer Arbeit kommen. Sie und ihr Mitbewohner Simon arbeiten nämlich nachmittags bei einer Hausaufgabenbetreuung, was mich sehr an unsere Lernzeit mit den Kindern im Foyer erinnert hat. Auch die Hefteinträge, die die 2. und 3. Klässler lernen mussten, kamen mir teilweise sehr bekannt vor. Danach mussten wir uns zwar leider verabschieden, aber ja nur für bis in drei Monaten zu unserem 3/4-Seminar.

Zu Besuch bei Katjas Arbeit

Nach dieser in jeder Hinsicht emotionalen Zeit habe ich noch einiges zu verarbeiten. Allerdings im Positiven. Die Begegnungen auf dem Zwischenseminar haben mir neue Energie gegeben und mir gezeigt, dass ich mich im Gegensatz zu anderen Freiwilligen, die sich in ihren Projekten unterfordert sehen, manchmal ein wenig zu sehr in der Arbeit im Foyer verliere. Deshalb habe ich mir vorgenommen, jetzt auch bewusst neue Kontakte, beispielsweise mit Studenten aus der Uni Karas, zu knüpfen. Praktischerweise haben wir auch eine neue Volontärin für das restliche halbe Jahr hinzubekommen. Ihr werdet mir nicht glauben, aber sie heißt auch Gladys. Die Kinder waren außer sich und wollten unsere Namen auf Silben aufteilen, aber wir wollten weder „Gla“ noch „dys“ sein. Sie ist extrem sympathisch und hat uns ebenfalls angeboten, uns ein paar Geheimtipps Karas zu zeigen!

Ich freue mich extrem auf das neue Kapitel und was bin gespannt, was uns noch alles erwartet. Ende März steht jedenfalls noch mein Geburtstag an. Eigentlich bin ich hier wunschlos glücklich, aber es gibt ein Geschenk, mit dem ihr nicht nur mir, sondern vor allem unseren Foyer Kindern eine große Freude bereiten könntet: über den Spendenlink! Wie bereits gesagt, fehlen nur noch 200€ zu dem Betrag für das Fördergeld von 300€ für unser Projekt und und ich bin zuversichtlich, dass wir das noch vor Ende des Monats zusammen bekommen können!

Katja und ich mit idyllischem Ausblick aufs nächste halbe Jahr

Hier geht’s zum Spendenlink:

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Konto: 

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6. Avec Don Bosco, c‘est la joie! https://blogs.donboscovolunteers.de/gigiinafrica/2026/03/14/6-avec-don-bosco-cest-la-joie/ https://blogs.donboscovolunteers.de/gigiinafrica/2026/03/14/6-avec-don-bosco-cest-la-joie/#comments Sat, 14 Mar 2026 15:29:53 +0000 http://21779.209 Herzlich Willkommen Provincial Denis!  Ende Januar fand ebenfalls noch einmal eine Evaluation statt. Nur diesmal in einem etwas größeren Rahmen. Denn der Provinzial Denis, der AOS (Province „Africa West South“), stattete uns seinen jährlichen Besuch ab. Seine Provinz, welche abgesehen von Togo Ghana, Liberia, Sierra Leone und die Elfenbeinküste umfasst, ist deutlich größer als unsere […]

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Herzlich Willkommen Provincial Denis! 

Ende Januar fand ebenfalls noch einmal eine Evaluation statt. Nur diesmal in einem etwas größeren Rahmen. Denn der Provinzial Denis, der AOS (Province „Africa West South“), stattete uns seinen jährlichen Besuch ab. Seine Provinz, welche abgesehen von Togo Ghana, Liberia, Sierra Leone und die Elfenbeinküste umfasst, ist deutlich größer als unsere europäischen Provinzen, welche oftmals nur ein Land abdecken (wie es beispielsweise bei uns in Deutschland der Fall ist). Umso größer war die Ehre in den beiden Foyers, Père Denis bei seiner Ankunft begrüßen zu dürfen. Die Mädchen waren ganz aufgeregt und haben mit der Maman zusammen eine wirklich goldige Empfangszeremonie eingeübt.

Die Mädchen empfangen Père Denis mit Wasser

Nach seiner ausgiebigen Begrüßung verabschiedeten wir uns mit allen Mitarbeitern der Foyers in den Saal, indem unsere monatlichen Besprechungen stattfinden. Nun fand sich die Zeit, dem Provinzial den dringenden Bedarf der Reaktivierung des „Foyer Ignace“ zu vermitteln. Damals, als noch die spanischen Salesianer hier aktiv waren, existierte nämlich ein drittes sogenanntes „Auffangfoyer“, um die Kinder zu beherbergen, die unmittelbar von der Straße kamen. Dort erhielten sie die nötigste Verpflegung, durften sich eingewöhnen und hatten nach einigen Monaten der Stabilität die Möglichkeit ins „Foyer Immaculée“ umzuziehen. Dieser erste Ankunftsort ist inzwischen wirklich baufällig und leider seit über 10 Jahren inaktiv. Dabei wäre er unglaublich wichtig. Denn es kommt immer wieder vor, dass unsere Jungs – angezogen von der absoluten Freiheit und dem Flair – auf den Markt abhauen, was die relativ stabilen Kinder doch immer wieder für ein paar Tage auf die Straße lockt. 

40 Jahre Foyer Immaculée! 

Nach diesem guten Austausch feierten wir gemeinsam mit den Kindern, ein paar ehemaligen Foyisten und den eingeladenen Sponsoren des Foyers eine Messe anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Jungsfoyers. Der Provinzial, Père Jonathan und unser Direktor Père Cyrille hielten die Messe, aber auch alle anderen Salesianer und ein hinzu geladener Chor feierten mit uns die 40 Jahre „Foyer Imaculée Conception“!

Besuch in Lomé tut oft bisschen weh 

Kurz vor dem Don Bosco Fest machten  Christine und ich unglücklicherweise einen viel zu langen Abstecher nach Lomé, um unser Ghana Visum zu beantragen. Dort wurden wir allerdings darüber informiert, dass wir das Visum lediglich direkt an der Grenze bekommen – zum bescheidenen Preis einer meiner Nieren. Allerdings hat sich der Besuch allein aus dem Grund gelohnt, dass wir Katja getroffen haben und mit ihr im Meer schwimmen waren! Ich hätte mich noch Stunden von den Wellen hin und her schmeißen lassen können! Charité, welche sich kurze Zeit später neben mich setzte, war fasziniert von der Leichtigkeit, mit der wir dem Meer begegneten: „Habt ihr denn keine Angst?“ Wir schüttelten den Kopf und beschlossen, sie ein wenig mit unserem Leichtsinn anzustecken. Wir nahmen sie an der Hand und führten sie immer noch ein Stückchen weiter ins Wasser hinein, nur um kreischend und lachend zum Strand zurück zu rennen, sobald die Wellen sie knieaufwärts berührten. Was für ein wertvoller Nachmittag! 

Don Bosco feiert eine Woche durch 

Dadurch, dass wir am 28.01. bereits aus Lomé zurückgekehrt sind, schafften wir es noch pünktlich zum Beginn der Don Bosco Festtage nach Kara zurück. Der offizielle Gedenk- und Todestag des Heiligen Johannes Bosco wird am 31.01. gefeiert, doch bei uns wurde dem Ordensgründer zur Ehre eine ganze Woche diversen Programms gewidmet. So starteten wir direkt am Mittwoch mit dem „Tag der Kulturen“ im Gymnasiums und Ausbildungszentrum. Hierfür durften Christine und ich uns mit den Pères auf dem Schulhof des Gymnasiums an eine lange Tafel setzen, um wenige Minuten später eine Reihe an traditionellen Tanz- und Gesangsvorführungen präsentiert zu bekommen. Von den über 42 Ethnien in Togo erhielten wir die Chance neben der traditionellen Musik, Tänze und Kleidung auch die jeweils typischen Gerichte der überwiegend in der Schule vertretenen Volksgruppen serviert zu bekommen.

So bekamen wir beispielsweise einen Vorgeschmack auf die Initiationstänze im Juli, in denen die Kabyè, die mit 13% zweit größte Ethnie, in einem Ringkampf („Lutte“/ „Evala“) mit allen heiratsfähigen Männern gegenseitig ihre Stärke messen. Mindestens genau so beeindruckend war aber der Tanz und die Bemalung der Ewe, welche mit 22% die größte Volksgruppe darstellen. Sie sind überwiegend im Süden angesiedelt, aber auch einige unserer Foyer Kinder sprechen beispielsweise Ewe. 

Der Initiationstanz der Kabyè vor den Evala-Ringkämpfen
„Agbadza“: der traditionelle Tanz der Ewe

Die überwiegend muslimischen Kotokoli machen ca. 6% der Bevölkerung aus und sorgten mit ihrer Vorführung für Aufregung, da sie den berühmt berüchtigten Messertanz aufführten. Hierfür schmierten sie sich ein „mystisches Produkt“ (keiner konnte uns die Zutaten nennen) der Unverwundbarkeit auf den nackten Bauch und fuhren sich zum Rhythmus der Musik – oder auch ganz wild- mit einem langen Messer über den Bauch und andere mit dem Produkt bedeckten Körperteile – ohne sich zu verletzen. Das war natürlich eine riesige Sensation und sorgte abends dafür, dass ich ein Druckmittel für die Nicht-Don-Bosco-Schüler im Foyer hatte: Damit ich ihnen abends die Videos zeigte sollten sie mindestens genauso leidenschaftlich lernen, wie die Messertänzer auf den Videos ihr leben riskierten. Das war dann auch die intensivste Lernzeit seit meiner Ankunft.

Der berüchtigte Messertanz der Kotokoli

Schulhofsmesse und Klassenpicknick


Am 30.01. fanden Christine und ich uns pünktlich zum Gottesdienst um 8 Uhr auf dem Schulhof des Gymnasiums wieder und bemerkten, dass wir nichts aus den letzten Monaten gelernt haben. Wir hätten noch entspannt frühstücken können, aber unsere innere Uhr ist Ansaynend (Ansay = „Weißer“ auf Kabyè) nicht auf ein polychrones Zeitverständnis umzuprogrammieren. Nach der Messe genossen wir die Tanz- und Gesangseinlagen der Schüler auf der Bühne und bereiten uns mental auf die Übermenge an Essen vor, welche automatisch mit dem zu Festen üblichen „Klassenpicknick“ einhergeht. Zunächst ein Mal waren wir nämlich eingeladen, im neu eingeweihten Direktorat (falls ihr dazu mehr wissen wollt, schaut unbedingt bei Christines Blog vorbei!) mit unseren Salesianern und ihren Mitarbeitern zu essen. Dort probierte ich abgesehen von dem bombastischen Salat Fidèles zum ersten Mal Frosch und vermisste den Hühnchengeschmack, von dem alle immer reden. Danach sind wir bei einem Mädchen aus unserem Foyer in der Klasse zu Salat Nummer 2 eingeladen, der nach togolesischer Art abgesehen von rote Beete und vereinzelten Salat Blättern zum Großteil aus Spaghetti und Mayonnaise besteht. Anschließend besuchten wir alle anderen Klassen unserer Foyer Kinder, bevor wir weiteren Essenseinladungen  mit der Begründung entflohen, eine Hausrallye für den morgigen Festtag der Kinder vorbereiten zu müssen. 

Avec Don Bosco, c‘est la joie! („Mit Don Bosco ist Freude angesagt!“)

Am 31.01. war nun also das tatsächliche Don-Bosco-Fest. Wie auch sonst, starteten wir natürlich mit einer Messe im Foyer. Direkt im Anschluss verabschiedeten die Mädchen sich in die Küche, um Reis-Pâte zu kochen (riesige, extrem sättigende mit Wasser verklebte Reismehlbälle). Die Jungs profitierten bis zum Mittagessen von einem nach Altersstufen aufgeteilten Wissensquiz und unserer Hausrallye. Hierfür haben wir im gesamten Foyer Nummern versteckt, welche die Teams sich erwürfeln mussten. Nachdem sie diese Nummer, irgendwo im Foyer verteilt, aufgefunden hatten, mussten sie uns das darauf gezeichnete Symbol erklären und sich somit eine Aufgabe freischalten: beispielsweise durften sie das Don-Bosco-Symbol als Akrobatik-Figur darstellen, das heutige Alter Don Boscos ausrechnen oder uns 30 Sekunden lang überzeugend Freestyle über den Heiligen rappen. Den restlichen Nachmittag haben wir mit den Kindern durchgehend getanzt und irgendetwas hat mir gesagt, dass der darauffolgende Tag ähnlich verlaufen würde. 

Challenge: Zeichne uns ein Portrait Don Boscos

Erntedank: Jetzt wird getanzt! 

Wer hätte es gedacht? Am Sonntag nach der Messe sind Christine und ich direkt in der Gemeinde geblieben, denn es stand „Kamou“ auf dem Programm. So nennt sich der traditionelle Ernte-Dank-Tanz der Kabyé, der insbesondere in der Ernte Zeit von November bis Januar getanzt wird. Also für uns quasi ein erstes und letztes Mal. Doch glücklicherweise wird auch zu anderen besonderen Anlässen, wie etwa Beerdigungen, oder zu den Evala-Riten im Juli „Kamou“ getanzt. So haben Christine und ich den ganzen Nachmittag lang mit unzähligen Leuten und mit grünen Zweigen bewaffnet in einem Kreis gegen den Uhrzeigersinn getanzt. Die tiefere Bedeutung dahinter besteht in der Kommunikation mit den Ahnen, welche durch das rhythmische Aufstampfen zum Klang der Litaka-Trommeln hergestellt wird. Die Kabyè danken ihren Ahnen und Gott für die gute Ernte und haben zur Verstärkung teilweise Eisenrasseln an ihren Fußknöcheln befestigt.  

Abschließend möchte auch ich Danke sagen für die gute Ernte! Und nein, damit beziehe ich mich nicht auf Yams, Soja und die guten Früchte, (vielleicht schon auch ein bisschen) sondern viel mehr auf die unvergesslichen Momente, die ich bis hierhin bereits ernten durfte. Nach jedem einzelnen Blog Eintrag frage ich mich, warum nicht jeder diese unglaublichen Erfahrungen machen kann und wünsche jedem eine Christine an seine Seite, mit der er diese Eindrücke teilen kann. Dank ihr sind die Missernten hier nur halb so schwer zu ertragen und wenn doch mal gar nichts zusammen geht, inspiriert sie mich immer wieder, einfach mal neue Dinge anzusäen. Danke meine überintelligente Maus, dass uns oft ein Blickaustausch ausreicht, um zu wissen: Es gibt Gesprächsbedarf. Ich hab dich so lieb und kann gar nicht oft genug sagen, wie froh ich bin, dich hier an meiner Seite zu haben!

Mein Zwilling und ich

Danke auch an  jeden Einzelnder dafür gesorgt hat, dass meine finanzielle Ernte bisher bei beinahe 1850€ liegt!

Wenn wir es jetzt noch schaffen, die fehlenden 200€ bis den 2000€ voll zu bekommen, dann hätten Christine und ich die Möglichkeit ein Projekt mit unseren Foyer Kindern in Höhe von 600€ zu planen. Denn Christine hat bereits über die 3000€ Pflichtbetrag hinaus gesammelt, sodass ihre 300€ garantiert sind. Allerdings fehlen bei mir die 2000€ Mindestbetrag, um meine 300€ für das Projekt zu sichern, weshalb ich euch noch ein mal bitte, großzügig zu sein! Denn mit ganz viel Großzügigkeit, und ein wenig Hoffnung, könnten wir doch tatsächlich das Sommercamp in der Hauptstadt Lomé ermöglichen, von welchem unsere Foyer-Kinder schon lange träumen. Für den Großteil der Kinder würde das bedeuten, das erste Mal ihre Hauptstadt zu sehen.

Hier noch einmal mein Spendenlink: 

http://www.donboscomission.de/volontariat/2025/spenden/gladys

Und das Spendenkonto: 

DON BOSCO MISSION 

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Drei Hochs auf Don Bosco https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/2026/03/14/drei-hochs-auf-don-bosco/ Sat, 14 Mar 2026 14:24:50 +0000 http://21746.287 Karas Kulturen Wir kamen also am Mittwoch, dem 28. Januar, ziemlich fertig wieder in Kara an. Eine Verschnaufpause bekamen wir jedoch nicht, denn gleich am nächsten Tag waren wir im Collège zur Journée culturelle (also zum Kulturtag) eingeladen. Ich muss zugeben, anfangs absolut keine Lust verspürt zu haben, dorthin zu gehen. Ich war müde und […]

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Karas Kulturen

Wir kamen also am Mittwoch, dem 28. Januar, ziemlich fertig wieder in Kara an. Eine Verschnaufpause bekamen wir jedoch nicht, denn gleich am nächsten Tag waren wir im Collège zur Journée culturelle (also zum Kulturtag) eingeladen. Ich muss zugeben, anfangs absolut keine Lust verspürt zu haben, dorthin zu gehen. Ich war müde und hatte noch einiges zu tun und erschien nur Gladys und den Foyer-Kindern zuliebe. Rückblickend bin ich jedoch total dankbar, es miterlebt zu haben, denn der Tag hat mir gute Einblicke in einige Traditionen verschiedener an der Schule vertretenen Ethnien geliefert. Natürlich gibt es noch viel, viel mehr Traditionen zu entdecken (in Togo leben schließlich über 40 verschiedene Ethnien), aber ich beschränke mich hier auf das, was ich gesehen und erklärt bekommen habe. Vieles habe ich übrigens selbst nicht so recht verstanden, habt also Nachsicht, wenn die Informationen nur sehr lückenhaft sind.

La lutte pour la culture (Der Kampf für die Kultur)

Mit den Vorführungen begonnen haben die Kabyè, in Kara die größte Ethnie. Schon seit Beginn unserer Zeit hier versuchen wir die Sprache zu lernen, das erweist sich aber als deutlich schwerer als zu Anfang gedacht, denn dadurch, dass die Kinder Kabyè nicht von klein auf in der Schule lernen, sondern nur sprechen, können sie uns die Grammatik nicht wirklich erklären und bringen uns nur einzelne Wörter oder Sätze bei. Das aber nur nebenbei, eigentlich wollte ich euch ja von den Vorführungen erzählen.

Wie alle westafrikanischen Kulturen haben die Kabyè Initiationsriten für Männer und Frauen. Der Initiationsritus der Männer heißt Evala und die Vorbereitung dauert vier Jahre. Zumindest offiziell. Inoffiziell fangen die Jungs schon in der Grundschule an, sich darauf vorzubereiten. Auch zu uns sagen die Kleinen aus dem Foyer oft: „Luttons, je vais te gagner!“ („Lass uns kämpfen, ich werde gegen dich gewinnen!“) Die Evala sind nämlich Ringkämpfe, bei denen die jungen Männer ihre Kraft, ihre Flinkheit und ihre Ausdauer unter Beweis stellen. Es gibt mehrere Runden: Der Gewinner des Dorfes kämpft gegen die Gewinner der umliegenden Dörfer, der Gewinner der Region gegen die Gewinner der anderen Regionen und so weiter.

Die Evala finden im Juli statt. Dann ist hier in Kara richtig was los! Ich bin schon richtig gespannt darauf. Einen kleinen Vorgeschmack bekamen wir bei der Journée culturelle, aber seht selbst:

Mit der Unterstützung der Ahnen fliegen wie die Vögel

Nach den Kabyè kam die Vorführung der Ewe. Die Ewe sind im Süden Togos mit Abstand die größte Ethnie, hier in Kara jedoch eine Minderheit.

Bevor die Mädchen uns ihren Tanz, der Vögel im Flug imitiert, zeigten, beschwor ein Junge die Ahnen, um ihren Segen für diesen Tag und besonders den bevorstehenden Tanz zu erbitten. Dazu nahm er eine Schale, in die er etwas hochprozentigen Alkohol goss, hielt sie hoch, schwenkte sie leicht und sagte etwas auf Ewe. (Leider hat mir keiner übersetzt, was genau er sagte, alle waren viel zu sehr auf das Geschehen konzentriert.) Dann goss er den Großteil des Schnapps auf den Boden und trank selbst einen kleinen Schluck. Erst nach dieser Zeremonie durften die Mädchen tanzen.

Die Ahnen spielen übrigens nicht nur bei den Ewe, sondern in so ziemlich allen westafrikanischen Kulturen eine große Rolle. So gießen beispielsweise auch viele Kabyè, wenn sie von jemandem eingeladen werden und zum Empfang Wasser bekommen, erst ein wenig Wasser für die Ahnen auf den Boden, bevor sie selbst einen Schluck nehmen.

Messer und Mystik

Die Bassar, die Naoda und die Moba führten uns ebenfalls ihre Tänze vor.

Tanz der Moba

Am meisten beeindruckt haben mich jedoch die Kotokoli: Auch bei ihrer Vorführung wurden zunächst die Ahnen beschwört, dann nahm der Ahnenbeschwörer ein Stück Papier aus seiner Tasche, zeigte es allen und goss Wasser darüber. Dann steckte er das Papier in den Mund, tat so, als würde er darauf herumkauen und zog mit großem Spektakel statt dem Papier einen Geldschein aus dem Mund. Der Teil war allerdings noch nicht sonderlich beeindruckend, es wirkte eher wie ein Trick von einem Zauberer auf dem Jahrmarkt.

Richtig krass waren die Tänze: Bei dem einen kreisten die Jungen umeinander und jedes Mal, wenn sie auf einen anderen trafen, schlugen sie die Stöcke, die sie in den Händen hielten, aneinander. Im Takt, wohlgemerkt. Den passenden Gesang lieferten die Mädchen, die sich an der Seite zu einem Chor versammelt hatten.

Bei dem anderen rutschte mir im ersten Moment das Herz in die Hose: Ein Junge zeigte ein großes Messer herum, schmierte sich eine durchsichtige Flüssigkeit auf den Bauch und began dann, mit dem Messer über seinen Bauch zu fahren, als wolle er sich selbst aufschneiden.

Die Klinge konnte seiner Haut jedoch nichts anhaben. Die Flüssigkeit schütze ihn, wurde mir erklärt. Woraus sie bestand, konnte mir keiner sagen, nur, dass sie von einem äußerst mächtigen „Charlatan“ hergestellt wurde. (Ja, Scharlatan, aber nicht im Sinne von Betrüger, sondern einer, der mit der Geisterwelt in Kontakt steht und mystische Kräfte aufweist, wahrscheinlich würde man im Deutschen Schamane dazu sagen.) Seine mystischen Kräfte bewahren den Messertänzer vor Verletzungen.

Frohes Probieren und guten Appetit!

Last, but not least: Das Essen. Zum Abschluss wurde uns von allen lauter leckeres Essen zum Probieren serviert. Gladys hatte es die Krabbe besonders angetan (als einziges von allem überhaupt nicht mein Fall), beide entdeckten wir „Djenkoumé“ für uns. „Djenkoumé“ ist eine Art herzhafter fester Maisbrei, unter den eine Tomatensoße-Palmöl-Mischung gerührt wird und auch bekannt als „Pâte rouge“. Von welchem Volk welche Speise stammt, weiß ich leider nicht mehr. Die Krabbe kam auf jeden Fall vom Meer, also aus dem Süden und damit vermutlich den Ewe. Bei den anderen Gerichten kann ich es euch beim besten Willen nicht mehr sagen.

Don-Bosco-Fest Nr. 1: Große Feier im Centre Don Bosco

Am Freitag ging’s dann erst so richtig los mit dem Feiern: Das Collège et Lycée, das Ausbildungszentrum und das Ausbildungszentrum der Don-Bosco-Schwestern feierten alle zusammen bei uns auf dem Campus ihr Don-Bosco-Fest. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass der 31. Januar der Tag des Heiligen Giovanni Boscos ist, weshalb alle Don-Bosco-Einrichtungen der Welt um diesen Tag herum das Don-Bosco-Fest feiern. Wie genau die Gestaltung dieses Festtages aussieht, ist natürlich von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich.

Im Falle des Centre Don Boscos wurde zunächst mit den knapp 3000 (oder 2000 ? -> nachfragen) versammelten Schüler*innen und den ganzen Mitarbeitenden eine Messe gefeiert. Hauptzelebrant der Messe war Père Cyrille, der Direktor, aber natürlich waren alle Salesianer und auch die Schwestergemeinschaft anwesend. Es war mal wieder eine richtig schöne Messe mit Partystimmung und einer tollen Predigt darüber, was die Don-Bosco-Pädagogik ausmacht.

Auf die Messe folgten alle möglichen Vorführungen: Rap, Poetry Slam, Musik… Die Vorführungen gingen bis zum Mittagessen. Gegessen wurde im Klassenverband ein von den Schülerinnen oder den Lehrerinnen zuvor vorbereitetes Festmahl. Das scheint hier bei jedem Fest so gehandhabt zu werden, jedenfalls war es bisher bei allen Feiern in der Schule so. Gladys und ich wurden erst ins Lehrerzimmer und dann von allen Foyer-Kindern in ihre Klassen eingeladen. Ich hatte bereits seit dem Frühstück einen flauen Magen und musste schon nach dem ersten Klassenzimmer ablehnen, was mir total unangenehm war, weil es hier echt unhöflich ist, Essen abzulehnen. Aber meine Gesundheit war mir dann doch wichtiger als Höflichkeit.

Essen im neuen Lehrerzimmer

Vorbereitung für den großen Tag

Nachmittags wurde dann noch getanzt. Leider konnten Gladys und ich nicht mehr dabei sein, denn wir hatten Roberta, der Sekretärin des Foyers, versprochen, eine Stunde früher zu kommen, um eine Schnitzeljagd als Aktion für das Don-Bosco-Fest im Foyer vorzubereiten. Für die Schnitzeljagd funktionierten wir kurzerhand die Hausrallye von meinem letzten Vorbereitungsseminar um. Dann halfen wir beim Dekorieren des Foyers für das Fest am nächsten Tag. Der restliche Nachmittag unterschied sich nicht wesentlich von anderen Freitagnachmittagen.

Don-Bosco-Fest Nr. 2: Don-Bosco-Tag im Foyer

Der eigentliche Don-Bosco-Tag, der 31. Januar, fiel dieses Jahr praktischerweise auf einen Samstag, sodass wir im Foyer am Tag selbst unser Don-Bosco-Fest feiern konnten. Auch diesmal sollten die Feierlichkeiten mit einer Messe beginnen und zwar um 8:30 Uhr. Den Kindern hatte Père Jonathan jedoch „huit heures zéró zéro“ (also Punkt 8 Uhr) gesagt, weil sie ja immer trödeln und zu spät kommen würden. Zu spät waren dann jedoch nicht die Kinder, sondern wir. Soviel also dazu. Zum Glück hatten Roberta und Celestine (mit Abstand die beste Sängerin unter den Erziehenden) die Wartezeit mit dem Proben der Lieder für die Messe überbrückt.

Véronique 1 übernimmt eine Lesung

Spiel und Spaß – Feiern ganz im Sinne Don Boscos

Anschließend an die Messe gab es für die Kinder „Génie en herbe“, eine Art Quiz-Spiel mit lächerlich einfachen Fragen. Ich hätte gerne gewusst, wie die Erzieher reagiert hätten, wenn ein Kind auf die Frage „Soll man seine Eltern respektieren?“ mit „Nein!“ geantwortet hätte. Aber gut. Gladys und ich waren sowieso nicht involviert, wir mussten nämlich noch letzte Vorbereitungen für unsere Hausrallye treffen, die gleich im Anschluss an das Quizspiel stattfand.

Am Anfang hatte so manches Kind die Spielregeln nicht verstanden, aber nach einer Zeit lief es dann. Im ganzen Foyer rannten Kinder herum und suchten nach den von uns versteckten Zetteln. Hatten sie den Zettel mit der richtigen Nummer gefunden, mussten sie schauen, welches Symbol darauf abgebildet war und es uns sagen. War die Antwort richtig, bekamen sie eine Aufgabenstellung von uns, z.B. „Singt uns ein Don-Bosco-Lied vor“ oder „Stellt das Don-Bosco-Symbol als Akrobatikfigur dar“. War die Aufgabe erfüllt, durften sie würfeln und ihre Spielfigur auf unserem selbstgebastelten Spielbrett vorbewegen und nach der neuen Zahl, auf der sie gelandet waren, suchen. Ziel war es, einmal das ganze Spielbrett zu umrunden und wieder an seine Startposition zurückzukommen.

Manche Teams gaben relativ schnell auf, aber andere ließen nicht locker und nach gut drei Stunden Spielzeit hatte eine Gruppe tatsächlich gewonnen. Wir beendeten also das Spiel und gingen zur Siegerehrung über. Alle Kinder bekamen als Mitmach-Preis bzw. als Geschenk zur Feier des Tages eine kleine Packung Kekse und ein Süßgetränk. Die Sieger bekamen dazu noch ein kuchenartiges Gebäck in Donutform. Sie strahlten über das ganze Gesicht und waren sich einig: Die Mühe hatte sich gelohnt.

Mangeons! („Lasst uns essen!“)

Dann gab es endlich Mittagessen! Wobei „Mittagessen“ das falsche Wort war, denn es war bereits nach 15 Uhr. Erstaunlich, wie gut gelaunt die Kinder dafür noch waren! Das Gericht selbst entschädigte jedoch die Verspätung, denn es gab „Pâte de riz“ (eine Art riesiger Reiskloß) mit Erdnuss-Ingwer-Soße und Hühnchen. Für die Kinder, die nur zu besonderen Anlässen Fleisch bekommen, ein absolutes Highlight!

Nach dem Essen wurde, wie es sich für eine ordentliche Feier gehört, die Musik auf maximale Lautstärke aufgedreht und getanzt.

Don-Bosco-Fest Nr. 3: Gemeindefest

Am Sonntag war das Gemeindefest, denn Don Bosco ist ihr Namenspatron. Die Kirche komplett überfüllt (deutlich voller als zur Christmette!) und als Père Cyrille während der Predigt alle unter 30 bat, aufzustehen, erhoben sich ca. 80 % der über 3000 Anwesenden. 80% das muss man sich mal vorstellen! In Europa ist man ja schon froh, wenn die Gemeinde nicht mehrheitlich aus Rentnern bzw. aus Rentnerinnen besteht. Aber hier wächst die Kirche tatsächlich, sie ist jung und lebendig, was wirklich wunderschön ist!

Nach dem anschließenden Essen und einigen Vorführungen tanzten wir gute zwei Stunden Kamou, einen traditionellen Ernte-Dank-Tanz, der den ganzen Januar über getanzt wird. Es war ein „Ball poussière“ („Staubball“) erster Klasse, der von den Tanzenden aufgewirbelte Staub hing wie Nebel in der Luft.

„Après la fête, c’est la défaite“ („Nach der Feier kommt die Niederlage“)

Abends fiel ich nach der zwingend notwendigen Dusche wie ein Stein ins Bett und war einfach nur froh, dass der nächste Tag ein Montag und damit für uns frei war. Ich Dummkopf habe den Montag dann jedoch gar nicht so sehr zum Schlafen genutzt (Gladys war da schlauer), sondern lieber den Großputz meines Zimmers zu Ende gebracht. Es ist wirklich unglaublich, welche Mengen an Staub sich hier in kürzester Zeit ansammeln! Und mit Staub meine ich nicht Hausstaub, sondern ganz fein pulverisierte trockene Erde. Wie Sand, nur halt nochmal deutlich feiner. Und dieses Zeug ist wirklich noch viel hartnäckiger als Hausstaub und legt sich wie ein bräunlicher Film über alles, was auch nur ansatzweise eine gerade Fläche darstellt. Man kommt mit Kehren und Wischen einfach nicht hinterher!

Jedenfalls hat mir die Putzaktion wohl die letzte Kraft genommen, am nächsten Tag war ich nämlich prompt krank. Nichts Schlimmes, nur Schnupfen und Kopfschmerzen, aber ich bin dennoch nicht ins Foyer mitgekommen. Mein erster Krankheitstag hier in Togo und auch das erste Mal, dass ich hier Langeweile verspürt habe. Ich konnte nachmittags nämlich nicht einschlafen, aber selbst zum Musikhören war ich zu fertig bzw. dann meldeten sich meine Kopfschmerzen zu Wort. Nun ja, erst verreisen, dann vier Tage am Stück feiern und dann noch Großputz war vielleicht doch etwas zu viel für meinen Körper. Vor allem, weil ich durch diese ganzen Aktivitäten mehr als eine Woche keinen Mittagsschlaf gemacht hatte und damit unter massivem Schlafmangel litt. Zum Glück war ich schon am nächsten Tag wieder halbwegs fit.

Spenden-Challenge

Ich hoffe, auch euch geht’s gut und ihr vergesst nicht, mal Pausen einzulegen. Sonst ergeht es euch wie mir nach den Don-Bosco-Festen. Was ist denn bei euch gerade so los? Erzählt es gerne in den Kommentaren!

Und wie immer freue ich mich über Spenden!!! Den Link dazu findet ihr hier. Übrigens kann man auch regelmäßig spenden. Wer also sagt: „Viel habe ich nicht, aber fünf Euro im Monat, das kriege ich hin.“ Fünf Euro im Monat ist super! Das macht über die sechs Monate, die mir noch bleiben, 30 Euro! Und selbst, wenn es nur einmalig fünf Euro sind: Fünf Euro sind immer noch mehr als nichts. Es müssen wirklich keine großen Beträge sein, ich freue mich über jede Unterstützung! Und: Die Summe macht’s. Wenn ganz viele von euch ein kleines bisschen spenden, dann kommt am Ende trotzdem viel dabei heraus.

Ich habe eine Challenge an mich selbst gestellt: Ich möchte mindestens 5000 Euro Spenden sammeln. Dafür brauche ich eure Motivation und Unterstützung! Ich bin mir sicher, dass wir das gemeinsam schaffen werden!!!

Der Beitrag Drei Hochs auf Don Bosco erschien zuerst auf Don Bosco Volunteers.

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