Don Bosco Volunteers https://blogs.donboscovolunteers.de/ Freiwilligendienst von jungen Menschen für junge Menschen! Sun, 04 Jan 2026 12:22:38 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9 https://blogs.donboscovolunteers.de/wp-content/uploads/2023/11/cropped-01_cmyk-32x32.jpg Don Bosco Volunteers https://blogs.donboscovolunteers.de/ 32 32 Blinkende Albträume https://blogs.donboscovolunteers.de/volunteeringwithrahel/2026/01/04/blinkende-albtraeume/ https://blogs.donboscovolunteers.de/volunteeringwithrahel/2026/01/04/blinkende-albtraeume/#comments Sun, 04 Jan 2026 12:22:36 +0000 http://21752.61 Helloooooo,das erste Weihnachten fern von zu Hause ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber ich muss sagen: Weiße Weihnachten sind schon sehr schön. Es fühlt sich an, als wäre in den letzten Wochen gleichzeitig unglaublich viel und doch irgendwie nichts passiert. Diesen Monat haben wir eigentlich ziemlich viel Zeit damit verbracht, Weihnachtskekse zu backen, Geschenke zu besorgen und […]

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Helloooooo,das erste Weihnachten fern von zu Hause ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber ich muss sagen: Weiße Weihnachten sind schon sehr schön.

Es fühlt sich an, als wäre in den letzten Wochen gleichzeitig unglaublich viel und doch irgendwie nichts passiert. Diesen Monat haben wir eigentlich ziemlich viel Zeit damit verbracht, Weihnachtskekse zu backen, Geschenke zu besorgen und das Caring Center für Weihnachten zu dekorieren. Für Letzteres haben wir zwar nur zwei Tage gebraucht, aber der gesundheitliche und emotionale Schaden, den die Dekoration hier mit sich bringt, ist mit Sicherheit bleibend.

Ich bin ja ganz persönlich der Meinung, dass ein einziger Raum nicht in zehn verschiedenen Farben blinken muss. Was soll das bitte????

Aber anscheinend sind Felitzitas und ich die Einzigen, die diese Dekorationen als ein Verbrechen an der Menschheit sehen.

Als ein Junge, der gerade erst dazugekommen ist, die Dekorationen zum ersten Mal gesehen hat, stand er nur mit riesigen Augen da, schaute nach oben und flüsterte: „Wow.“

In diesem Moment habe ich dann auch kurz meine durch Blinklichter verursachten Kopfschmerzen vergessen.

Das Geschenke-Besorgen stellt sich übrigens als deutlich schwieriger heraus, als ich anfangs gedacht hatte – einfach weil ich hier nicht wie zu Hause zehn Bilder malen kann, die ich dann unkompliziert verteile.

Was an Weihnachten aber natürlich nie fehlen darf, sind Plätzchen. Die haben wir selbstverständlich mit den Jungs gebacken. Beim ersten Mal nur mit den etwas Älteren. Als Allererstes haben wir ihnen beigebracht, dass Keksteig essen erlaubt ist.

Ob das so schlau war, ist im Nachhinein eher fraglich. Spätestens als einer der Jungs angefangen hat, den Teig einfach zu löffeln, kamen mir erste Zweifel.

Ich hätte das zwar unterbinden können, habe mich aber stattdessen mit ihm verbündet. Gemeinsam haben wir den Keksteig geklaut und so viele Kekse wie möglich gegessen, bevor es jemand gemerkt hat.

Mit den jüngeren Kindern zu backen war allerdings sehr stressig – Wiederholungsbedarf besteht eher nicht. Am Ende war mehr Mehl auf den Kindern als im Teig, und es wurden mehr Tränen vergossen, als es Kekse gab.

Eigentlich war es trotzdem ganz lustig, aber als sie angefangen haben, sich in der Küche zu kloppen, waren meine Nerven dann doch ziemlich strapaziert.

Meine restlichen Pläne für den restlichen Winter bestehen hauptsächlich daraus, so wenig wie möglich das Haus zu verlassen. Das liegt vor allem daran, dass ich bei entspannten −24 °C vielleicht einfach am Boden festfriere.

Aber ehrlich gesagt finde ich die Mongolei sogar bei solchen Temperaturen echt schön.

Da ich einige Probleme mit hochladen der Bilder hatte findet ihr den Rest auf meinem Instagram account: Volunteering_with_rahel

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Zwischen den Jahren https://blogs.donboscovolunteers.de/mongolunteer/2026/01/03/zwischen-den-jahren/ https://blogs.donboscovolunteers.de/mongolunteer/2026/01/03/zwischen-den-jahren/#comments Sat, 03 Jan 2026 05:37:51 +0000 http://21744.196 Hallo alle zusammen, frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr!! Wie versprochen kommt hier die Ergänzung zum letzten Beitrag und damit ein kleiner Bericht über die Weihnachtstage: Als kleine Vorinfo ist es vielleicht interessant zu wissen, dass in der Mongolei eigentlich gar kein Weihnachten gefeiert wird, bzw. nicht ganz so, wie wir es kennen. Das […]

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Hallo alle zusammen, frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr!!

Wie versprochen kommt hier die Ergänzung zum letzten Beitrag und damit ein kleiner Bericht über die Weihnachtstage:

Als kleine Vorinfo ist es vielleicht interessant zu wissen, dass in der Mongolei eigentlich gar kein Weihnachten gefeiert wird, bzw. nicht ganz so, wie wir es kennen. Das liegt vor allem an dem geringen christlichen Einfluss. Der 24. und 25. Dezember sind hier deshalb ganz normale Arbeitstage.

An Heiligabend waren wir deshalb morgens ganz normal bei dem Jungs. Abends fand der Weihnachtsgottesdienst mit dem Kardinal/Bischof statt. Mit bekannten Weihnachtsliedern (auf Mongolisch), einer vollen Kirche und der Weihnachtsbeleuchtung hat sich das auch so richtig festlich angefühlt. Danach haben wir mit den Brüdern Abendbrot gegessen und dann war offizielle Teil der Festlichkeiten am 24. auch schon vorbei. 

Ich hatte mich aber noch Mitten in der Nacht, wenn in Deutschland die Geschenke auspackt werden, mit meiner Familie zum Telefonieren verabredet. Bis dahin habe ich einen kleinen Spaziergang gemacht. (Kleine Notiz an mich: Die Idee, bei -30°C einen Zaun aus Eisen ohne Handschuhe zu überklettern, bringt mir nicht gerade einen Nobelpreis für ausreichendes Nachdenken ein.) Später haben Rahel und ich unsere Geschenke ausgetauscht und es uns ein bisschen gemütlich gemacht. Gegen 1 Uhr nachts wurde dann nach Deutschland telefoniert.

Die Brüder in unserem Haus „feiern“ Weihnachten immer am 25., wie es auch in vielen anderen Ländern so üblich ist. Wir sind tagsüber wieder arbeiten gegangen und haben dann abends festlich gegessen und kleine Geschenke von der Gemeinschaft erhalten. 

Mit den Kindern haben wir am 26. dann groß gefeiert. Es waren auch ehemalige Heimkinder und Unterstützer des Centers eingeladen. Die Jungs haben einstudierte Tänze und Lieder vorgeführt und danach wurden Fotos der Highlights und Aktionen des letzten Jahres gezeigt. Die Erzieher hatten außerdem ein kleines Puppentheater vorbereitet. Wir haben quasi nichts verstanden und die Geschichte sollte auch gar nicht so lustig sein, aber irgendwie sind wir und die Kinder nicht aus dem Lachen herausgekommen. Später gab ein großes Weihnachtsessen und danach wurden Geschenke an die Kinder und Mitarbeiter verteilt. 

Unsere dritte Weihnachtsfeier war dann die der „Salesianischen Familie“/„Don-Bosco-Familie“ in der Mongolei. (Das sind im weiten Sinne alle Gemeinschaften und Vereinigungen, die von Don Bosco selber gegründet oder von ihm inspiriert sind. In der Mongolei sind das vorallem die Salesianer-Brüder und -Schwestern). Es gab ein großes Festessen (u.a. Yak), dann wurden Lieder und Tänze vorgeführt und gewichtelt. Wir sind auch nicht verschont worden und haben daraufhin „Ihr Kinderlein kommet“ zum Besten gegeben. Es war ein schönes Fest und ich hatte besonders viel Spaß bei der Darbietung der Brüder aus Darkhan. Einer ihrer Mitbrüder kommt nämlich aus Burundi, woraufhin sie einen traditionellen Tanz aus seinem Heimatland vorgeführt haben.

Abgeschlossen wurden unsere Weihnachtsfeierlichkeiten dann mit dem Silvesterabend. In der Mongolei feiert man Weihnachten, wie bereits gesagt, nicht. Stattdessen zelebriert man Neujahr aber mit einem ähnlichen Aufwand. Man ist mit der Familie, es werden Geschenke ausgetauscht und der 1. Januar ist auch ein offizieller Feiertag. Es wird quasi Weihnachten gefeiert, aber aus einem anderen Anlass. 

Wir hatten uns mit ein paar Freunden verabredet, die in der Nähe des zentralen „Sukhbaatar Square“ wohnen, wo um Mitternacht, begleitet von der Musik einer bekannten mongolischen Band, das große Feuerwerk startete. Fr. Paul meinte zwar, dass das ja nicht zu vergleichen wäre mit den Feuerwerken, die in Honkong stattfinden, aber es war auf jeden Fall eines der schönsten und größten Feuerwerke, dass ich bisher erlebt habe. 

Das war’s dann auch schon. Ein Viertel des Jahres ist jetzt tatsächlich schon um und ich danke euch, dass ihr bis hierher meinen Blog mitgelesen habt. Ich wünsche euch ein gesundes und fröhliches neues Jahr!

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Von Kafka, Kolumbus und Biermann https://blogs.donboscovolunteers.de/unterwegs-in-einem-stillen-land/2026/01/02/von-kafka-kolumbus-und-biermann/ Fri, 02 Jan 2026 22:38:41 +0000 http://21775.12 Einführung: Da dies mein erster Blogeintrag ist, ist eine kleine Einführung wohl angebracht. Ich heiße Ingmar Wetzel, ich bin 19 Jahre alt, ich komme aus Berlin, ich habe die letzten paar Jahre in Brüssel gewohnt.  Ursprünglich plante man, mich für mein Auslandsjahr nach Südindien zu schicken; doch das indische Konsulat in München versäumte mein Visum […]

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Einführung:

Da dies mein erster Blogeintrag ist, ist eine kleine Einführung wohl angebracht. Ich heiße Ingmar Wetzel, ich bin 19 Jahre alt, ich komme aus Berlin, ich habe die letzten paar Jahre in Brüssel gewohnt. 

Ursprünglich plante man, mich für mein Auslandsjahr nach Südindien zu schicken; doch das indische Konsulat in München versäumte mein Visum und ließ mich vollkommen im Stich. Nach ungefähr drei Monaten Wartezeit, in denen ich mir wir Josef K. aus Kafkas Der Prozess – also vollkommen ohnmächtig und untätig – vorkam, beschloss man mich dann nach Bolivien zu schicken, nach Santa Cruz de la Sierra. Nun bin ich also eher wie Christoph Kolumbus; ich wollte nach Indien, landete schließlich in Amerika. (Witz von Richard Wetzel) Hier in der neuen Welt arbeite ich im Hogar Don Bosco, einem Kinderheim für Jungen im Alter von ca. 5-17 Jahren. Ich begleite die mittlere Gruppe, Jungen im Alter von ca. 9-14 Jahren. 

Dieser Blog wird wohl keine genaue Erzählung meiner Erfahrungen hier, ich werde nicht schreiben, was ich jeden Tag mache, es wird nichts chronologisch. Stattdessen wird es eine einfache Sammlung an Beobachtungen, Geschichten, und generell Sachen die mir Auffallen und die ich für schreibenswert Halte. Was ich hier schreibe ist keineswegs empirisch bewiesen, sondern rein subjektiv. Der Titel meines Blogs ist eine doppelte Hommage an Roger Melis und Wolf Biermann, beides Künstler, die mir sehr nahe liegen. Roger Melis veröffentlichte 2007 einen Fotoband mit Bildern aus der DDR, eines meiner liebsten Fotobücher. Dieses Buch heißt In einem stillen Land, ein Titel, der an Biermanns Lied Noch angelehnt ist, indem Biermann singt, “Das Land ist still, noch.” Das Buch sowie das Lied handeln von einer schläfrigen Landschaft und einem mattes Volk, die auf bessere Zeiten warten. Insofern finde ich, dass dieser Titel auch in gewisser Weise zu Bolivien passt. Übrigens werde ich wohl jede Woche oder alle zwei Wochen einen neuen Beitrag schreiben. 

Hogar Don Bosco:

Ich arbeite im Hogar Don Bosco. Hier gibt es einen lieben alten Padre namens Octavio – einen Italiener von mindestens 85 Jahren. Es gibt eine Cheffin namens Wilma, eine etwas konfuse, aber durchaus angenehme Frau. Es gibt die Educadores, die ich als Volontär unterstütze. Mario, Jose Carlos, Luís Fernando, Lourdes, um nur die zu nennen, mit denen ich oft zu tun habe. Es gibt einen Theatersaal in dem die Jungen manchmal Filme gucken oder Karaoke singen, es gibt einen großen Fußballrasen, zwei kleine Betonbolzplätze. Es gibt eine Küche, in der Huhn und Reis zubereitet werden, es gibt zwei Essensräume, in denen Huhn und Reis gegessen werden, es gibt zwei furchteinflößende Schäferhunde in einem Zwinger, die abgekaute Hühnerknochen zu essen bekommen. Es gibt sechzehn Schlafsäle und noch viel mehr. Und hier alles ist umrundet mit hohen Mauern und einem kilometerlangen Drahtverhau, der selbst einen Pioniersoldaten im Ersten Weltkrieg neidisch machen würde.

Insgesamt gibt es an die 90 Jungen hier, aufgeteilt in drei Gruppen. In der meinen sind momentan 18, im Alter von ca. 9-14. Ich wecke sie morgens auf, gebe Zahnpasta aus, dann frühstücken wir. Danach müssen die Kinder oft sauber machen, fegen, wischen, Müll aufsammeln. Dennoch liegt immer Müll herum, fast überall im Hogar. Dies scheint mir nicht wie fehlende Sorgfalt der mit der Räumung des Abfalls beauftragten Kinder, sondern eher wie grundsätzlich fehlende Bildung. Man bringt den Kindern zwar bei, den Müll aufzuheben, aber sie lernen nie, ihn nicht in die Gegend zu schmeißen.

Dies hängt auch mit einem scheinbar entscheidenden Element der Mentalität der Heimkiner zusammen – der Impulsivität. Diese Impulsivität ist bei den meisten Jungen omnipräsent und lässt sich in einer Vielzahl von Situationen beobachten. Da sind es die – eigentlich oft eng befreundet – die sich bei jedem Konflikt erstmal kräftig prügeln, statt vernünftig zu bleiben. Oder aber die, die in jeglichen sportlichen Aktivitäten vollkommen individualistisch geprägt sind. Generell ist Sport und besonders Fußball eine gute Repräsentation für die mentale Einstellung der Jungs. Das Ziel des Spieles ist, primär die eigene sportliche Exzellenz zu beweisen, nicht um den Belang der Mannschaft voranzubringen. Apropos, Sport wird meist nach dem Aufräumen betrieben. Irgendwann gibt es dann auch Mittagessen, Huhn und Reis, danach wird in der Regel eine Art Siesta gemacht. 

Essen:

Die bolivianische Küche – oder die, die man hier in Santa Cruz zu Gesicht bekommt – stellt für mich eine Enttäuschung dar. 

Ich vermute, dass durch jahrhundertelange Armut und Ausbeutung besonders die Kaufkraft des Volkes auf ein Minimales reduziert wurde. Natürlich übt sich dies auch auf das hier verfügbare Essen aus. Dieses scheint mir eher dazu gemacht, den Körper mit ausreichenden Nährstoffen zum Arbeiten zu stopfen, als ein geschmacklich anspruchsvolles Erlebnis abzuliefern. Reis, Kartoffeln, Huhn – jeden Tag mehrmals. Dazu wird auch so gut wie nie Wasser getrunken, immer Cola oder Fanta oder zuckrige Fruchtsäfte. 

Man muss den Bolivianern jedoch auch einige kulinarische Volltreffer zumuten, zum Beispiel Saltenas. Eines der besten Frühstücke, die ich je essen durfte, besteht aus einem süßlichen, mit salziger Hühnerfleischfüllung gefüllten Teig. Gegessen wird vertikal, von einem spitzen Ende zum Anderen. Doch ist die bolivianische Küche insgesamt nicht besonders vielfältig, deswegen kochen wir im Casa de Voluntarios auch oft Tag zu Abend. 

Ein weiterer Segen, der uns hier aufgrund unserer zivilisierten Lage zukommt, ist, dass es doch eine beachtliche Auswahl an internationalem und auch geliefertem Essen zur Verfügung steht. So kann man zu einem durchaus nachvollziehbaren Preis etwas bestellen und auch mal etwas außer Huhn und Reis bekommen.

Im Hogar reicht das Essen scheinbar willkürlich von haarsträubendem Fraß zu anständiger Heimküche. In der Regel gibt es natürlich Huhn mit Reis und Kartoffeln, oft auch diverse Eintöpfe, zum Beispiel mit Linsen. Wenn man großes Pech hat, muss man sich jedoch Kutteln oder frittiertem Panser ergeben – ein grauenhaftes Schicksal, das bis zum Feierabend schrecklichen Hunger garantiert. 

Santa Cruz: 

Bolivien scheint für mich ein Land unendlicher Wiedersprüche und Probleme zu sein, und Santa Cruz scheint dies ausgesprochen gut zu verdeutlichen. Für mich ist es wie in Belgien, wie in Brüssel, nur dass alle Probleme bis ins fast Absurde verzerrt sind. 

Da ist zum Beispiel die Infrastruktur in der Stadt. An jeglichen öffentlichen Diensten scheint es vollkommen zu mangeln, stattdessen gibt es private Unternehmen, die der wohlhabendsten Schicht der Bevölkerung vorbehalten sind. Die Straßen strotzen vor Dreck und Vermüllung, das Volk ist das ärmste in Südamerika, das Land steckt tief in einer scheinbar hoffnungslosen Wirtschaftskrise. Aber wenn man hinter den Mauern und dem Stacheldraht genug Geld übrig hat, dann kann man diese Engpässe so gut wie umgehen – mit genug “Plata” kann man hier sehr gut leben. Auch Zugang zu guten Schulen, Krankenhäusern, Sicherheit, usw. hängt primär vom Wohlstand ab. 

In Santa Cruz wird die unsichtbare Mauer, die die sozialen Welten trennt, sehr schnell sichtbar. Das Casa de Voluntarios befindet sich im Stadtviertel 3 de Mayo, einer eher wohlhabenden, doch gemischten Gegend. Direkt gegenüber von uns liegt der Mercado 4 de Noviembre, ein großer aber durchaus regulärer Markt. Da gibt es eine ungekühlte Fleischstraße, eine Gemüsestraße, eine Eisenwahrenstraße. Da verkaufen uralte indigene Frauen diverse Wurzeln, da liegen ein paar Bettler und Obdachlose. Irgendwo rennt auch eine Ratte herum. Im Obergeschoss kann man sich für umgerechnet ca. 1,30€ Huhn mit Reis und Kochbanane oder ein okkultes Suppengebräu kaufen. Alles ganz normal, alles ausreichend. 

Läuft man nun zehn Minuten die Straße hoch, kommt man nach Equipetrol, eines der wohlhabendsten Viertel in Santa Cruz. Dort befindet sich der IC Norte. Dies ist ein riesiger Supermarkt, der mich sehr an die in den USA erinnert, inklusive Foodcourt und co. Das ist eine andere Welt. Hier ist alles spiegelblank poliert – spiegelblank poliert von uralten indigenen Frauen. Auf dem Parkplatz stehen teure Importwagen, Marken wie Volvo, Cadillac, Mercedes. Aus den Autos steigen schick angezogene Menschen, oft Hellhäutige, die sehen aus wie Europäer – wohl ein fernes Erbe der Kolonialzeit. Drinnen gibt es alles was das westliche Herz begehrt, vor allem amerikanische Markenprodukte. Westliche Produkte zu westlichen Preisen. In einem Land, in dem mehr als ein Drittel der Bevölkerung mit unter vier Euro am Tag ist, ist das ganz schön teuer. Hier kann der Durchschnittsbolivianer nicht einkaufen. An den Kassen stehen Jungen und packen Einkäufe in Plastiktüten ein, schieben Einkaufswagen zu teuren Importwagen. Sie sind teilweise alarmierend jung, und sie bekommen keinen Lohn vom IC Norte – nur Trinkgeld von dem einen oder anderen Kunden. IC Norte

Santa Cruz ist eine komische Stadt. Hier herrscht ein heilloses Durcheinander, hier herrscht die Gegenüberstellung zwischen Neu und Alt, zwischen Tradition und Fortschritt. Diese Konfrontation erinnert mich auf viele Weisen an meine zwischenzeitliche Heimat, Brüssel. Dort wird – besonders im architektonischen Sinne – die Tradition auf eine fast barbarische Art und Weise zerschmettert. Die brutalen Strukturen der Europäischen Institutionen, oder die im Quartier Nord, wurden in ein existierendes städtisches Netz gestampft und koexistieren jetzt mit ihm. In Santa Cruz zeigt sich dieses Zusammentreffen von Alt und Neu eher auf der kulturellen Ebene. Denn das im spanischen Kolonialstil erbaute Stadtzentrum ist mehr oder weniger intakt. Der Kampf wird zwischen Mercado 4 de Noviembre und IC Norte gefochten, zwischen Pique Macho und Burger King, zwischen Papayasaft und Coca Cola. In Santa Cruz werden nicht plastische Strukturen ersetzt, sondern gesellschaftliche.

Auch wird in Santa Cruz der Gesamtzustand Boliviens klar. Hier wohnen fast zwei Millionen Menschen – es ist die größte Stadt des Landes. Es ist das wirtschaftliche Zentrum Boliviens, die größten Unternehmen und Banken sind hier angesiedelt. Doch wirkt die Stadt an vielen Ecken seltsam provinziell. Der historische Stadtkern ist sehr beschaulich, alles dreht sich um den zentralen Plaza 24 de Septiembre, der auch nicht wahnsinnig viel zu bieten hat. Santa Cruz fehlt jegliche Grandeur, die man in einer europäischen Stadt vergleichbarer Größe finden würde, oder für die viele andere südamerikanische Großstädte bekannt und gar berühmt sind. Die Straßen in den Barrios sind oft verschlafen und wirken eher, als liegen sie in einem Dorf oder in einer Kleinstadt, als in einer Millionenstadt. Vielleicht hängt dies aber auch mit dem generell recht gemächlichen Tempo des Lebens zusammen.  

Die Menschen stehen langsam auf, sie bewegen sich gemütlich – wie in Belgien. Abends sitzt man vor den Häusern auf der Straße oder spielt Billard. Man schaut den Straßenhunden zu, die einem über den Weg laufen. Man isst spät zu Abend; spät Huhn und Reis. Die Einwohner von Santa Cruz, oder Cruceños, reden mit einer lässigen, oft langsameren Mundart als Bewohner anderer Großstädte. Sie sind freundlich, hilfsbereit. 

Santa Cruz ist ein raues Pflaster mit viel Stacheldraht und Graffiti; es ist ein angenehmer, heißer, dreckiger Fleck voller leidenschaftlicher Menschen die einfach nur versuchen im skrupellosen Spätkapitalismus des modernen Boliviens zu überleben.

Ihr könnt gerne an mich spenden, es würde mich sehr freuen!

DON BOSCO MISSION
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Joyeux Noël https://blogs.donboscovolunteers.de/leonews-aus-benin/2025/12/31/joyeux-noel/ Wed, 31 Dec 2025 10:53:25 +0000 http://21769.222 Bevor das neue Jahr 2026 starten kann, muss ich ja noch von meinem diesjährigen Weihnachtsfest berichten! 23. Dezember: gemütlicher Abend mit Spagetti à la Beninoise Maria und ich haben ziemlich kurzfristig entschieden, Heiligabend nicht wie ursprüngloch geplant bei den Schwestern zu verbringen sondern bei Lotte in Calavi! Daher sind wir schon am 23. Dezember am […]

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Bevor das neue Jahr 2026 starten kann, muss ich ja noch von meinem diesjährigen Weihnachtsfest berichten!

23. Dezember: gemütlicher Abend mit Spagetti à la Beninoise

Maria und ich haben ziemlich kurzfristig entschieden, Heiligabend nicht wie ursprüngloch geplant bei den Schwestern zu verbringen sondern bei Lotte in Calavi! Daher sind wir schon am 23. Dezember am späten Nachmittag aufgebrochen, um noch vor der Dunkelheit anzukommen (hat so semi gut funktioniert, weil wir beide doch gerne mal trödeln – die letzten Weihnachtsgeschenke mussten noch fertiggestellt werden). Bei Lotte angekommen ging es allerdings gleich weiter in die „Caferteria“, die Dorfkneipe um die Ecke, in der man gerne mal das eine oder andere Bierchen in netter Gesellschaft genießt (wie immer natürlich „La Beniniose“ ;).
Zu essen gab es eine große Portion Spagetti mit Ei und ordentlich Piment (die beninischen Chillischoten), das höchstpersönlich vom Koch Hektor zubereitet wurde! Nach einigen Runden „Jenga“ ging es dann auch nach Hause ins Bett!

24. Dezember: Heiligabend bei 30 Grad

Die Vorbereitungen für den heiligen Abend starteten schon früh morgens. Auf dem Programm stand Mousse au chocolat und Apfelstrudel machen, Pizzateig vorbereiten und den Baum im Garten schmücken! Nach einer kleinen Kocheinheit wagten wir uns an den Baumschmuck und zu passender Weihnachtsmusik wurde der Garten mit jeder Weihnachtskugel immer weihnachtlicher. Anfangs hätte ich nicht gedacht, dass ich bei 30 Grad Außentemperatur und 80% Luftfeuchtigkeit in Weihnachtsstimmung kommen würde aber nach ein paar Weihnachtsbangern sah das schon ganz anders aus! Es hat auch richtig Spaß gemacht mit Maria und Lotte ein kleines bisschen deutsches Weihnachten nach Benin zu holen.

Als es dann so langsam Abend wurde gab es als Vorspeise unseren wirklich gelungenen Apfelstrudel (sogar mit Vanillesoße!!!). Während die Pizza im Ofen war, haben wir eine Runde Skyjo gespielt und ein bisschen gequatscht! An diesem Fest so weit weg von der Familie zu sein, fiel uns dreien gar nicht so schwer, denn wir hatten ja uns und wirklich leckeres Essen! Seht selbst:

Wir haben es uns richtig gut gehen lassen! Nach dem Nachtisch folgte natürlich die Bescherung. Zusammen mit Astrid, der Dame bei der Lotte untergebracht ist, haben wir Geschenke ausgepackt, die wir uns füreinander überlegt haben. Das war wirklich schön und hat auch viel Spaß gemacht.

Und so fand unser Heiligabend langsam aber sicher sein Ende. Den 25. Dezember haben wir dann erst einmal ausgeschlafen und am späten Nachmittag sind wir mit dem Zem zurück nach Cotonou gefahren.

Rückblickend war Weihnachten dieses Jahr ein ganz besonderes Fest. Fern von zu Hause und von der westlichen Welt wurde mir bewusst, welchen großen Platz das Thema Konsum in der Weihnachtszeit einnimmt. Oftmals geht es gar nicht mehr um das Fest an sich, sondern um das Machen und Bekommen von Geschenken. Mir ist auch aufgefallen, dass ich keinerlei Wünsche hatte, denn an was fehlt es mir denn hier schon? Dieses Jahr wurde mir einmal mehr bewusst, um was es mir an Weihnachten wirklich geht, und zwar nicht um das perfekte Geschenk, das perfekte Weihnachtsessen oder den perfekten Weihnachtsbaum, sondern um die Zeit und die Momente, die ich mit den Menschen an diesem Abend verbringe. Dazu braucht es auch keine weiße Weihnacht…;)

In diesem Sinne wünsche ich allen einen guten Rutsch ins neue Jahr 2026!

Bonne année et meilleurs vœux, à bientôt!

…und wie versprochen gibt es noch ein Foto meiner Haare, nachdem ich die geflochtenen Zöpfe geöffnet habe und Fotos von Weihnachtsbäumen, die mir in der Vorweihnachtszeit begegnet sind…

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(Schon) Frohe Weihnachten und frohes Neues! https://blogs.donboscovolunteers.de/bogaerts-bolivianische-begegnungen/2025/12/31/schon-frohe-weihnachten-und-frohes-neues/ Wed, 31 Dec 2025 02:03:34 +0000 http://21774.86 Frohe Weihnachten alle zusammen! Auch, wenn es sich nur bedingt nach Adventszeit angefühlt hat, haben wir am 24. und 25. Weihnachten gefeiert. Aber vielleicht beginne ich zeitlich lieber etwas früher. Seit dem letzten Blogeintrag ist nämlich eine Menge passiert. Beispielsweise waren wir alle zusammen in Samaipata, einem kleinen Ort, der drei Stunden von Santa Cruz […]

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Frohe Weihnachten alle zusammen!

Auch, wenn es sich nur bedingt nach Adventszeit angefühlt hat, haben wir am 24. und 25. Weihnachten gefeiert. Aber vielleicht beginne ich zeitlich lieber etwas früher. Seit dem letzten Blogeintrag ist nämlich eine Menge passiert.

Beispielsweise waren wir alle zusammen in Samaipata, einem kleinen Ort, der drei Stunden von Santa Cruz mit dem Trufi, also Sammeltaxi, entfernt ist. Es ist ein sehr beliebter Ort für die Cruceños, also die Einwohner Santa Cruzes, um mal raus aus der Stadt zu kommen. Nachdem wir in unserer Unterkunft, dem „Landhaus Samaipata“, welches von einer Deutschen geleitet wird, gefrühstückt haben, sind wir dann das Dorf erkunden gegangen. Es war auch für uns mal ganz schön, ein bisschen durchzuatmen und die Ruhe zu genießen. Nachmittags haben wir dann eine ehemalige Inka-Stätte besucht; sie ist der größte gravierte Fels der Welt. Die Wolken verhinderten zwar den Ausblick, sorgten dafür aber für eine mystische Stimmung. Am nächsten Tag wollten wir dann wandern gehen. Da das Wetter dann aber nicht gut genug war, haben wir dann nur eine Café-Tour gemacht und sind danach dann doch noch etwas spazieren gegangen, um auf den Genuss des dort liegenden sogenannten „Ellenbogens der Anden“ zu kommen. Wir werden auf jeden Fall nochmal dorthin gehen, um den offiziellen Wanderweg zu machen, da die Landschaft schon sehr besonders war

Im November waren außerdem noch Taufe, Kommunion und Konfirmation von den Jungs, wobei die Konfirmation, also die Firmung, am größten ausgefallen ist. Bei den Gottesdiensten ist mir dann zum ersten Mal so richtig aufgefallen, wie sehr ich die Jungs als „meine“ Jungs bezeichnen würde und wie stolz ich auf jeden Einzelnen war. Es bleibt dabei, dass ich mich richtig wohl im Projekt fühle und mich auf die Arbeitstage freue und meist abends auch glücklich nach Hause komme.

Gerade aber auch mit den beiden anderen Gruppen mit den jüngeren Kindern wird man immer vertrauter. Neulich haben wir zum Beispiel einen Ausflug mit dem ganzen Hogar und dem Mano Amiga zu einem Eco-Resort gemacht. Dadurch, dass Victor leider erkrankt war, bin ich für den Tag dann so ein bisschen in seine Rolle geschlüpft und durfte mich um die kleinen San Franciscos kümmern, was mir total Spaß gemacht hat. Ich durfte auch von ihnen eine sehr große Wertschätzung erfahren und fand es sehr amüsant zu sehen, wie sie den Park erkundet haben. Trotzdem braucht es auch nicht allzu viel Fantasie, um sich auszumalen, wie die Kleinen drauf sein können, wenn sie mal keine Lust auf beispielsweise ihre Oficios, also ihre Putz-/Aufräumarbeit, haben.

Ich hab aber auch erfahren dürfen, dass selbst die 15-Jährigen noch eine zärtliche, „weiche“ Seite haben, und so habe ich zweimal eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen dürfen. Ich hab dann zum Beispiel “Hänsel und Gretel” auf Spanisch vorgelesen, was ich sehr lustig fand.

Was außerdem Freude bereitet hat, sind die Adventskalender, welche wir Freiwilligen für unsere Kids vorbereitet haben. Ich hab meine Tüten selbst, beziehungsweise auch mal mit den Jungs, gebastelt. Victor hat Tüten gekauft und diese dann hervorragend verziert. Dann haben wir sie mit Süßigkeiten befüllt und voller Vorfreude, aber auch Nervosität, im Hogar platziert. Am Tag darauf musste ich dann relativ schnell bemerken, dass es nicht funktioniert, den Kalender einfach so im Klassenzimmer hängen zu lassen. Nach fünf Minuten waren schon zwei Tüten demoliert und so hab ich den Kalender dann abgehangen und in einem verschlossenen Raum deponiert. Nachdem ich einmal das System vom Adventskalender erklärt hab, lief der Kalender auch richtig gut und hat den Kindern viel Freude bereitet.

Ich habe auch kurz vor den Ferien meinen ersten Englisch-Unterricht abgehalten. Für so 25 Minuten habe ich einer kleinen Gruppe von meinen Jungs dann versucht, die englische Sprache näherzubringen. Durch die sehr spontane Ferienplanung und eine dezimierte Gruppengröße (viele sind über die Ferien bei ihren Familien) gab es keinen weiteren Englischunterricht. Mal sehen, ob es in Zukunft nochmal dazu kommt.

Vor rund zwei Wochen waren wir auch das erste Mal im Kurzurlaub.

So sind wir Mittwochabends zum Busterminal in Santa Cruz gegangen, haben über kleine Umwege unsere Bustickets gekauft und sind dann nach zwanzig Stunden Reise (es wurde gerade mal eine richtige Pause gemacht) in La Paz, der Stadt mit dem höchsten Regierungssitz der Welt (auf ca. 3650), angekommen. Am Abend sind wir dann noch auf einen Weihnachtsmarkt gegangen und durch die etwas niedrigeren Temperaturen (so um die 12 °C) hat es sich zum ersten Mal ein ganz kleines bisschen nach Weihnachtszeit angefühlt. Dieses Gefühl war aber nur von kurzer Dauer, denn am Tag darauf, am Freitagmorgen, saßen wir schon wieder im T-Shirt im Garten der Residenz des deutschen Botschafters. In dieser waren wir im Rahmen eines Freiwilligentreffens eingeladen. Durch gemeinsame Gespräche und kleine Spiele haben wir dann viele andere deutsche Freiwillige kennengelernt, die allesamt ihren Freiwilligendienst in Bolivien leisten. Hier war es spannend zu sehen, in welcher Art und Weise sich die Städte, sowie aber auch die verschiedenen Aufgabenbereiche, unterscheiden. So gab es welche, die die Schuhputzer La Paz‘ unterstützen, aber zum Beispiel auch einen Volontär, der in einem Recycling-Projekt in Cochabamba tätig ist. So oder so bin ich immer noch von unserem Projekt am überzeugtesten. 🙂

Der Freitagnachmittag und der Samstag wurden dann dafür genutzt, die Stadt zu erkunden. Wir waren zum Beispiel beim Hexenmarkt oder auch beim Mondtal. Das Valle de la Luna, welches nur eine halbe Stunde von der Stadt entfernt war, ist durch jahrtausendelange Erosion entstanden und hat sehr überzeugt. Die Fotos sprechen, glaube ich, für sich.

Aber auch die Stadt an sich hat uns begeistert. Gerade die besondere Kessellage, welche ich natürlich aus Stuttgart schon kenne, verleiht der Stadt neben dem verschachtelten Straßensystem und den vielen Seilbahnen einen besonderen Charakter. Das Seilbahnsystem, welches vom umstrittenen Ex-Präsidenten Evo Morales im Jahr 2014 eröffnet wurde, umfasst 33 Kilometer Strecke und ist somit das größte städtische Seilbahnnetz der Welt. Es befördert täglich mehr als 300.000 Menschen von Ort zu Ort. Abschließend muss man aber noch erwähnen, dass das Bereisen der Stadt mit dem Risiko einhergeht, durch die Höhe zu erkranken. So haben wir alle die über 3000 Meter Höhendifferenz zwischen Santa Cruz und La Paz trotz Einnahme von Medikamenten gegen die Höhe zu spüren bekommen. Mich zum Glück nur mit Kopfweh und ständigem Druck auf den Ohren, Mariana beispielsweise aber mit starker Übelkeit und Fieber. Man sollte sich also lieber langsam an die Höhe akklimatisieren, bevor man das Abenteuer La Paz antritt.

Kurz vor Weihnachten sind dann für vier Tage keine Micros mehr gefahren, was daran liegt, dass die Treibstoffsubventionen aufgehoben wurden, wodurch man sich Geld einsparen möchte. Ab Januar wird außerdem der Mindestlohn von 2750 Bolivianos auf 3300 Bolivianos ansteigen. Das sogenannte „Dekret für das Vaterland“ soll einen Wendepunkt darstellen, birgt aber laut eines Artikels der gfbv („Gesellschaft für bedrohte Völker“) die „Gefahr sozialer Unruhen“. Gerade, weil viele Menschen in Bolivien im informellen Sektor tätig seien und sie dort nicht von der Mindestlohnanpassung profitieren können. Außerdem würden die Lebensunterhaltungskosten konstant ansteigen und im Verhältnis dazu würden die Ausgleichsmaßnahmen kaum von Wirkung sein. Schon jetzt haben sich in der letzten Zeit beispielsweise die Preise für Medikamente verdreifacht und es gibt enorme Lieferengpässe, sodass man kaum die Medikamente findet, die man vielleicht braucht. Es bleibt also spannend, zu sehen, wie sich die Lage hier entwickelt.

Der 24. Dezember war dann irgendwie schon besonders. Vormittags habe ich alle möglichen Leute angerufen und nachmittags habe ich mitgeholfen, alles für die Fete aufzubauen. Um 19 Uhr gab es dann einen Weihnachtsgottesdienst und danach haben alle Häuser, also das Hogar, das Mano und das Techo, zusammen zu Abend gegessen. Hier gibt es aber auch an den besonderen Anlässen einfach nur Hühnchen mit Reis, diesmal immerhin gelber Reis, was aber nochmals unterstreicht, dass die Küche hier eher mau ist. Um 0:00 Uhr haben Ingmar (ein neuer Volontär aus Deutschland von der gleichen Organisation), Mariana und ich auf dem zentralen Platz mit vielen anderen Leuten dann Feuerwerke beobachtet und gezündet. Das ist hier ein gängiger Brauch an Weihnachten.

Am 25. mussten wir Freiwilligen dann nach einem weiteren Gottesdienst für Programm sorgen, was aber nur bedingt funktioniert hat. Letztendlich kam es zu einer spontanen Tanzeinheit und zu viel Gelächter der Jungs über meine Tanzfähigkeiten. Am Abend haben wir im Volo-Haus dann unser Weihnachten gefeiert und die verschiedenen Gewohnheiten verbunden. Zuerst wurde gegrillt, dann Loriot geschaut, Gedichte aufgesagt und Lieder gesungen. Und dann gab es natürlich bei selbstgebackenen Plätzchen noch die Bescherung. Es war ein anderes, aber ein sehr schönes Weihnachtsfest.

Nachdem wir dann auch, aber mit weniger Feuerwerk, das neue Jahr feiern werden, gehen wir am 3. Januar alle ins Campamento. Für über zwei Wochen kommen die Jungs, die noch hier sind und über die Ferien nicht zu ihren Familien konnten, dann mal so richtig raus aus Santa Cruz. Ich bin schon sehr gespannt auf die gemeinsame Zeit mit den ganzen Kids und werde danach berichten, wie es war. 

Nun aber erstmal einen guten Rutsch an alle. Verrückt, dass nun schon 2026 startet.

Liebe Grüße und bis bald,

Yannick

Der Beitrag (Schon) Frohe Weihnachten und frohes Neues! erschien zuerst auf Don Bosco Volunteers.

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