{"id":148,"date":"2019-11-10T06:00:41","date_gmt":"2019-11-10T05:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/emmasblog\/?p=148"},"modified":"2019-11-09T09:51:05","modified_gmt":"2019-11-09T08:51:05","slug":"apax","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/emmasblog\/2019\/11\/10\/apax\/","title":{"rendered":"Apax"},"content":{"rendered":"<p>Am Montag, den 28. Oktober waren wir bei den Apax &#8211; die Friendsmissionare. Das ist ein Orden, den es bisher nur in Ruanda gibt, der aber jetzt auch Kommunit\u00e4ten in anderen L\u00e4ndern aufbauen darf. Vor ca. vier Wochen (?) wurde dem Orden n\u00e4mlich mitgeteilt, dass der Papst ihre Gemeinschaft anerkennt. Erst dann waren sie dazu berechtigt, sich international auszubreiten. Wie man sich also denken kann, ist der Orden noch sehr klein. <\/p>\n\n\n\n<p>Gesehen haben wir die Apax, also die Br\u00fcder und Schwestern des Ordens schon \u00f6fter in der Kirche in Rango, wo sie zur Morgenmesse gehen. Sie haben in ihrer Kommunit\u00e4t hier keinen Pfarrer, der einen Gottesdienst mit Eucharistie feiern darf. Also laufen sie jeden Morgen in die Paroisse, um dort am Gottesdienst teilzunehmen. Man erkennt sie ziemlich gut, denn die Mitglieder der Ordens tragen lange dunkel-t\u00fcrkise Gew\u00e4nder mit gro\u00dfen, dickperligen (gibt es das Wort? Wenn nein, dann ist es (m)ein Neologismus. Die habe ich in Deutsch auch immer am liebsten gehabt &#8211; Neologismus, das klingt so schlau) Rosenkr\u00e4nzen in der Tasche. Die M\u00e4nner haben hellblaue Hosen unter den Gew\u00e4ndern an. <br>Vom Sehen kannten wir die Menschen, zu denen wir fahren wollten. Gesprochen haben wir mit ihnen aber noch nicht. Also zumindest nichts anderes au\u00dfer &#8222;Amahoro ya Kristu&#8220; (kinyarwanda f\u00fcr &#8222;Der Friede sei mit dir&#8220;) w\u00e4hrend des Gottesdienstes. Die Apax wussten \u00fcbrigens auch nicht, dass wir kommen werden, aber es hie\u00df, die Kapelle sei gro\u00df genug, sodass wir ihnen ohne Vorank\u00fcndigung einen Besuch abstatten k\u00f6nnen : )<\/p>\n\n\n\n<p>Wir verabredeten uns mit Pater R\u00e9my, der zum Gottesdienst zu den Apax fahren sollte. Es hie\u00df, um 17.15 Uhr gehe es los, denn um halb sechs sollte der Gottesdienst beginnen. Wir machten uns p\u00fcnktlich fertig, ich musste mich noch umziehen, weil ich vorher Basketball gespielt hatte und sagen wir mal so, mir war erst SEHR warm und dann SEHR kalt : ) Ehe ich dann trockene Sachen an hatte, wieder drau\u00dfen und bei Rike ankam, war es auch schon 20 nach f\u00fcnf. Was soll ich sagen, der Pater spielte noch ganz entspannt Basketball. Um 5.23 Uhr wurden Rike und ich langsam unruhig. Ich bin dann mal auf ihn zugegangen, um ihn zu fragen, ob er an den Gottesdienst denkt. Er kam vom Feld und meinte, er m\u00fcsse sich noch schnell umziehen, dann k\u00f6nnten wir los. Mein deutsches P\u00fcnktlichkeitsherz zog sich gewaltig zusammen. Zwei Minuten bevor der Gottesdienst losgehen sollte, sa\u00dfen wir dann endlich im Auto. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Der Weg <\/h4>\n\n\n\n<p>Was soll ich sagen, der Weg war wohl typisch ruandisch. Vielleicht auch typisch afrikanisch, das kann ich nicht beurteilen. Erst war die Stra\u00dfe noch geteert, dann wurde es dieser rote Sand und als es einen Berg ziemlich steil runter ging, wurde der Weg mit Wasserrinnen verziert. Also keine geplanten Rinnen, eher so durch die Kraft des Regenwassers entstandene. Entsprechend eben auch kreuz und quer \u00fcber die Stra\u00dfe. Eigentlich wollte R\u00e9my, dass ich fahre. Wie gut, dass ich dankend abgelehnt habe. <br>Obwohl wir schon viel zu sp\u00e4t waren, hielten wir zwischendurch immer wieder kurz an, weil der Pater mit den Menschen, an denen wir vorbei fuhren, noch ein paar Worte wechseln musste oder wollte&#8230; <br>Wenn ich ehrlich sein darf, und das darf ich, ist ja schlie\u00dflich mein Blog ; ) hat mich das zu Beginn der Fahrt echt fast wahnsinnig gemacht. Wir waren ja eh schon total sp\u00e4t. Die Messe h\u00e4tte schon vor zehn Minuten beginnen sollen und der Pater quatschte noch mit allen m\u00f6glichen Menschen. Ahhhhhhhh! <br>Aber irgendwann dachte ich: &#8222;Was soll&#8217;s. Ist ja nicht meine Schuld. Ob Rike und ich p\u00fcnktlich sind oder ob in China ein Sack Reis umf\u00e4llt&#8230;&#8220; (Herzliche Gr\u00fc\u00dfe an dieser Stelle an meine Mama, diesen Satz verwendet sie durchaus mal ; ) ). Ich musste schon ein bisschen \u00fcber mich selber schmunzeln. Ja ja, meine deutsche Herkunft ist wohl nicht zu leugnen. <br>Gl\u00fccklicherweise sind wir dann irgendwann auch lebendig angekommen, obwohl ich zwischendurch sicher war, dass wir das nicht \u00fcberstehen. Um den tiefen, mit Wasser gef\u00fcllten Schlagl\u00f6chern auszuweichen, ging es mal ganz nah an den Rand des Weges und somit nah an die Kante zum &#8222;Abgrund&#8220; ; ) Dann fuhren wir auf der falschen Stra\u00dfenseite, auf den uns Motos entgegenkamen oder auch andere Autos. Meine Augen waren mehr geschlossen als offen, aber ich lebe offensichtlich noch. Zur\u00fcck war es \u00fcbrigens das gleiche Spektakel nur im Dunkeln und mit angeschaltetem Fernlicht bei uns und den entgegenkommenden Autos. <br>Um viertel vor sechs kamen wir dann endlich an. Nat\u00fcrlich wurden wir, bzw. P\u00e8re R\u00e9my auch schon erwartet und freudig begr\u00fc\u00dft. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Das Gel\u00e4nde<\/h4>\n\n\n\n<p>Wir fuhren durch ein gro\u00dfes Tor auf ein Geb\u00e4ude aus Backsteinen zu. Das coole war, in die Wand war mithilfe von anders farbigen Backsteinen &#8222;APAX&#8220; geschrieben. <br>Das Geb\u00e4ude war hufeisen-f\u00f6rmig. Vor den R\u00e4umen war ein \u00fcberdachter Weg. Das Dach wurde von hellblauen S\u00e4ulen gest\u00fctzt. Die Fensterrahmen und T\u00fcren waren in der gleichen Farbe gestrichen. Es sah sehr harmonisch aus. Das Auto stellten wir hinter jenes der Apax. Und dann fielen mir die ganzen Blumen auf, die vor dem \u00fcberdachten Weg gepflanzt waren. <br>Zur Kapelle f\u00fchrte ein kleiner schr\u00e4ger Weg. Und dann ging es durch eine Holzt\u00fcr &#8211; mir verschlug es f\u00fcr einen Moment die Sprache. Ich liebe unsere Kapelle hier bei den Salesianern, sie ist sehr sch\u00f6n und gem\u00fctlich. Aber die Kapelle der Apax &#8211; ich wei\u00df nicht wie ich sie beschreiben kann, damit ihr versteht, WIE sch\u00f6n DIE ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Also erst einmal mussten wir die Schuhe ausziehen und neben die T\u00fcr stellen. Links von uns war der Altarraum. Auf einer Stufe stand der h\u00f6lzerne Altar. Daneben ein kleiner Tisch mit einem Bild der Mutter Gottes und angez\u00fcndeten Kerzen. Hinter dem Altar stand der Tabernakel (dort wird der gewandelte Leib Christi aufbewahrt. Katholiken glauben, dass das Brot der Leib Christi bleibt, wenn er einmal gewandelt wurde). Der Tabernakel war in gewebter Optik. Daneben das ewige Licht &#8211; hier ist es fast immer elektrisch betrieben, w\u00e4hrend in Deutschland fast immer Kerzen genommen werden.<br>Die Kapelle bestand aus hellen Backsteinen, die T\u00fcren aus hellem Holz. Die Decke ist sehr hoch und nicht gerade. Ich glaube, es war eine Art Stern, der dargestellt wurde. Der Boden war auch aus Holz aber mit Muster. Also die Maserung vom Holz wurde zu einem bestimmten Muster zusammengelegt. <br>Vor dem Altar mit einigem Abstand standen die St\u00fchle, auf denen auch schon die Br\u00fcder, Schwestern und Novizen der Apax sa\u00dfen. Unter den St\u00fchlen war ein Teppich ausgelegt, zumindest unter den ersten beiden Reihen. Es gab zwei Seiten mit St\u00fchlen, dazwischen ein Gang. Auf der T\u00fcrseite, wie man in der Schule immer gesagt hat, sa\u00dfen die M\u00e4nner &#8211; und Rike und ich. Auf der anderen Seite sa\u00dfen die Frauen &#8211; und der Keyboardspieler. <br>Da wir in der dritten Reihe sa\u00dfen und der gro\u00dfe Teppich nicht mehr bis zu unseren Pl\u00e4tzen reichte, bekamen wir einen kleinen Stoffteppich, den wir unter die F\u00fc\u00dfe legen konnten.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Der Gottesdienst<\/h4>\n\n\n\n<p>F\u00fcr uns gab es keine eigenen B\u00fccher, also haben wir bei den M\u00e4nnern links und rechts mit reingeschaut. Der Ablauf war genau der Gleiche wie bei uns, nur mit anderen Melodien f\u00fcr die Psalmen. Der Bruder neben mir war sehr \u00fcberrascht, dass ich die &#8222;Cantique de Marie&#8220; auswendig konnte. Ja ja, so was lernt man hier relativ schnell. Genau so wie Rosenkranz beten, Gebete f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.donboscomission.de\/don-bosco\/\">Don Bosco<\/a> und sonstige Gebete, die wir hier t\u00e4glich brauchen. <br>Gesungen wurde auf Kinyarwanda, sofern es keine Psalmen waren. Die Messe wurde aber sonst auf franz\u00f6sisch gehalten, sodass auch Rike und ich fast alles verstehen konnten. <br>Bei uns werden die Psalmen immer abwechselnd gelesen, also ein P\u00e8re oder der Bruder lesen oder singen einen Satz und dann singen oder sprechen die anderen den n\u00e4chsten. Bei den Apax wurde auch abwechselnd gesungen, aber immer einmal M\u00e4nner, einmal Frauen. Das war f\u00fcr mich echt ein bisschen verwirrend, weil der Bruder mir das Buch immer dann hingehalten hat, wenn die M\u00e4nner gesungen haben. Ich habe also einfach durchgesungen &#8211; mal hoch und mal tief ; )<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schluss hat uns P\u00e8re R\u00e9my vorgestellt. Wir mussten nichts sagen, das hat der Pater \u00fcbernommen. Und er hat auch gleich die Eselsbr\u00fccke zu unseren Namen gesagt: &#8222;Die beiden hei\u00dfen Emma und Friederike. Die Kleinere hat den l\u00e4ngeren Namen, die Gr\u00f6\u00dfere den kurzen. Wer ist wer?&#8220; Tja, obwohl es eigentlich ziemlich offensichtlich ist, wer gr\u00f6\u00dfer und wer kleiner ist, traute sich keiner der Br\u00fcder und Schwestern etwas zu sagen. Also stellte Rike sich kurzerhand dicht neben mich, legte ihre Hand auf ihren Kopf, fuhr damit gegen meinen K\u00f6rper und zuckte die Schultern. Damit hatten wir den Lacher auf unserer Seite. Als dann aber immer noch keiner was sagte, meinte sie ganz trocken: &#8222;Emma &#8211; Friederike&#8220;und zeigte dabei erst auf mich und dann auf sich. Ja ja, wir sind schon Angst einfl\u00f6\u00dfend ; ) Zum Schluss gab es reichlich Applaus f\u00fcr uns &#8211; aus mir unerfindlichen Gr\u00fcnden. Sch\u00f6n war&#8217;s trotzdem : )<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Nach der Messe<\/h4>\n\n\n\n<p>&#8230; und der Anbetung s\u00e4mtlicher Heiliger zogen wir unsere Schuhe wieder an und gingen raus. Dort wurden wir nochmal von einzelnen Personen herzlich begr\u00fc\u00dft, es wurden ein paar Worte gewechselt. Wir mussten ja noch auf den P\u00e8re warten, denn wir wollten jetzt nicht unbedingt alleine im Dunkeln den weiten Weg laufen &#8211; und h\u00e4tten wir auch vermutlich nicht gedurft. W\u00e4hrend wir also warteten, erkl\u00e4rte uns einer der Br\u00fcder, den wir auch schon aus den Messen in der Paroisse kennen, dass dieses Geb\u00e4ude den Novizen geh\u00f6re. Auf der einen Seite wohnen die Frauen, auf der anderen die M\u00e4nner. Die (fertigen) Schwestern und Br\u00fcder wohnen in einem eigenen Haus, k\u00e4men aber montags, um gemeinsam mit den Novizen Gottesdienst zu feiern. <br>Bei den Salesianern werden die Frauen woanders ausgebildet als die M\u00e4nner. Der Orden, mit dem wir im Ausland sind, ist aber auch wesentlich gr\u00f6\u00dfer. Die Gemeinschaft der Apax baut sich dagegen gerade erst auf. Sie haben aber tats\u00e4chlich ziemlich viele Novizen, wie Rike und mir aufgefallen ist. Ich hab sogar gez\u00e4hlt, aber das Ergebnis schon wieder vergessen&#8230; Na ja, ist ja auch nicht so wichtig. <br>Nachdem wir noch ein bisschen geschnackt haben, s\u00e4mtliche Fragen beantwortet hatten und der P\u00e8re kam, fuhren wir nach Hause zur\u00fcck. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich muss sagen, ich war echt ersch\u00f6pft von diesem Tag, denn er war anstrengend und voller neuer Eindr\u00fccke, aber es hat sich gelohnt. Und wir wurden eingeladen, nochmal zu kommen. Das werden wir mit Sicherheit tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Und schon wieder ein Blogeintrag fertig. Verr\u00fcckt. Zumal ich auch schon den n\u00e4chsten fast fertig habe. Manchmal gibt es nicht allzu viel zu berichten und in anderen Wochen passiert dann wieder super viel, dass es zu erz\u00e4hlen gibt. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/emmasblog\/wp-content\/uploads\/sites\/21605\/2019\/11\/20191103_1432111-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-158\" width=\"416\" height=\"554\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/emmasblog\/wp-content\/uploads\/sites\/21605\/2019\/11\/20191103_1432111-768x1024.jpg 768w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/emmasblog\/wp-content\/uploads\/sites\/21605\/2019\/11\/20191103_1432111-225x300.jpg 225w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/emmasblog\/wp-content\/uploads\/sites\/21605\/2019\/11\/20191103_1432111.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 416px) 100vw, 416px\" \/><figcaption> Weil es mal wieder kein passendes Foto gibt, bekommt ihr unser &#8222;Zwei-Monate-in-Ruanda-Foto&#8220;<br>Nat\u00fcrlich in Sonntagsklamotten ; )<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Herzlichen Dank f\u00fcr&#8217;s Lesen und bis n\u00e4chsten Sonntag.<br>Liebe Gr\u00fc\u00dfe<br>Emma<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Montag, den 28. 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