Togo Archive - Du (é) au koué https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/tag/togo/ Fri, 19 Jun 2026 21:00:03 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 28 wunderschöne Tage unter Volos (Teil 1) https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/2026/06/19/28-wunderschoene-tage-unter-volos-teil-1/ https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/2026/06/19/28-wunderschoene-tage-unter-volos-teil-1/#comments Fri, 19 Jun 2026 20:57:57 +0000 https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/?p=540 11.06.2026, 20:37 Uhr Ich sitze vorm Fernseher und schaue mir zusammen mit Père Samuel und Frère Théodore das Eröffnungsspiel der WM an. So richtig bei der Sache bin ich allerdings nicht. Stattdessen frage ich mich, was die anderen Volos jetzt gerade so machen. Und ob sie in den letzten Tagen auch immer wieder zwischendurch die […]

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11.06.2026, 20:37 Uhr

Ich sitze vorm Fernseher und schaue mir zusammen mit Père Samuel und Frère Théodore das Eröffnungsspiel der WM an. So richtig bei der Sache bin ich allerdings nicht. Stattdessen frage ich mich, was die anderen Volos jetzt gerade so machen. Und ob sie in den letzten Tagen auch immer wieder zwischendurch die Fotos von unserem Urlaub angeguckt und sich dabei gedacht haben: „Was hab ich für ein Glück, dass ich diese Leute kenne!“

Ich glaube schon, denn heute wurde folgendes in unseren Gruppen-Chat geschrieben:

Quirin: Danke für den tollen Urlaub, nächstes Jahr auf deutschem Boden 🙂

Marlene: Nächstes Jahr? 🤨

Quirin: Gerne auch schon dieses!

Marlene: So nämlich

Unser „3/4-Seminar“ war wirklich ein wunderschöner Urlaub! Der Name entstand auf dem Zwischenseminar, wo wir immer wieder scherzhaft meinten, dass wir uns nach 3/4 unserer Zeit in Westafrika noch einmal ein Seminar organisieren würden, weil wir uns alle so gut verstanden und der Austausch so wertvoll war. Zu dem Zeitpunkt hätte ich niemals gedacht, dass wir das wirklich machen würden. Haben wir aber, in Benin und bei uns in Togo. Genau 28 Tage lang waren Gladys und ich deshalb im Ausnahmezustand. Ich habe noch immer nicht den dadurch fehlenden Schlaf nachgeholt, aber das ist es mir allemal wert. Ich würde es genauso wieder machen!

Tag 1 bis 9: Marlene und Katja in Kara

Am 10. Mai kamen Marlene und Katja für etwas mehr als eine Woche zu uns zu Besuch.

Gleich am Tag nach ihrer Ankunft (einem Montag und damit unserem freien Tag) machten wir mit den beiden einen Ausflug. An dieser Stelle ein großer Dank an Victor, der den ganzen Ausflug für uns organisierte.

Ein kleiner Töpferkurs

Nach einem leckeren Frühstück ging’s los. Zunächst fuhren wir in ein Dorf, in dem die Frauen traditionelle Töpferware herstellen. Zunächst zeigten sie uns, wie sie den Ton stampfen, um ihn zu einer geschmeidigen Masse zu machen und die Klümpchen verschwinden zu lassen. Dann ging es ans Töpfern selbst. Anstelle von Drehscheiben verwendeten sie zwei gewölbte Tonscherben, die sie so aufeinanderlegten, dass die obere als Ablage zum Töpfern diente und sich auf der unteren drehte. Die Frauen arbeiteten routiniert, präzise und schnell. Etwa 20 Tongefäße pro Person pro Tag töpfern sie!

Als Katja, Marlene und ich uns selbst am Töpfern probierten (Gladys konnte nicht, sie hatte eine Wunde am Finger), merkten wir schnell, dass es viel einfacher aussieht als es ist. Zum Glück hatten wir sehr geduldige Lehrerinnen, die uns alles Schritt für Schritt zeigten und uns bei den schwierigeren Teilen halfen, sodass am Ende auch vor uns drei fertige Schalen standen.

Zum Abschluss wurde uns noch gezeigt, wie die Tontöpfe gebrannt werden. Zunächst wird ein kleines Strohfeuer angezündet und der Topf darübergestülpt. Dabei geht es um die Rauchbildung, denn der Ruß, der sich im Inneren des Topfes absetzt, sorgt für die Schwarzfärbung und das Glitzern hinterher. Und es dient der Abdichtung des Topfes gegen Wasser. Danach wird ein großes Feuer angezündet, in das die Töpfe gestellt werden und das dann mit Erde abgedeckt wird. Das ist der Brennofen.

Die Tata Tamberma

Nachdem wir ein paar Mitbringsel gekauft und uns verabschiedet hatten, ging es weiter zu den Tata Tamberma. Das sind die traditionellen Lehmburgen der Batammariba, die 2004 zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt wurden. Wir waren sehr davon beeindruckt, wie funktional die Häuser aufgebaut sind und wie viel man durch ihre Architektur über die Kultur erfahren kann. Soziale Strukturen, die Ernährungsweise der Menschen, ihre Religion – all das spiegelt sich in den Tatas wider.

Bevor sie in Togo sesshaft wurden, hatte das Volk der Batammariba in Benin in Höhlen und Baumstämmen gelebt, erzählte uns unser Guide. Das mit den Höhlen glaubte ich gern, aber in Baumstämmen? Ich musste mich verhört haben. Wie sich herausstellte, hatte ich doch richtig gehört, denn der Baobab, den wir zuletzt besichtigten, war innen hohl. Man konnte ihn tatsächlich als ganze Gruppe betreten. Ein bisschen eng zwar als Wohnraum, aber theoretisch möglich.

Nach den Tatas und einem sehr guten Fufu fuhren wir nochmal in die andere Richtung, zu der Faille d’Aledjo. Die Fahrten waren die wohl schönsten Fahrten hinten auf dem Pick-Up jemals! Und auch bei der Faille selbst hatten wir auch unseren Spaß.

Einen zweiten Ausflug machte ich am Mittwochmorgen mit Marlene und Père Jonathan zu den Elefanten. Katja konnte leider nicht mitkommen, weil sie Malaria hatte und Gladys blieb mit ihr zu Hause, aber zum Glück hatten die beiden die Elefanten bereits im Januar gesehen. Marlene hingegen war das erste Mal hier und ganz fasziniert von den grauen Riesen. Und ich muss zugeben, dass auch ich mich ihrem Bann nicht entziehen konnte. Ich bin überzeugt, dass die Elefantendamen mich wiedererkannten, schließlich hatte das auch der eine Ranger getan 🙂

Gemeinsames Musizieren

Ansonsten verbrachten wir wie gewohnt viel Zeit im Foyer. Nur Katja leider nicht – die verbrachte aufgrund von Malaria viel Zeit im Bett. Die Kinder fragten jeden Tag nach ihr und Katja selbst war mindestens genauso enttäuscht, dass sie nicht mit unseren Jungs Fußball spielen konnte. Und ja, das war natürlich doof, aber es war trotzdem schön, dass du da warst, liebe Katja!

Marlene haben die Kinder in der einen Woche, die sie da war, ebenfalls fest ins Herz geschlossen, jetzt werden wir nicht nur ständig gefragt, wann Katja, sondern auch wann Marlene wiederkommt und mit ihnen singt. Am Freitag und Samstag hat Marlene nämlich ihre Gitarre (eigentlich die von Père Jonathan, aber meins, deins, das sind doch bürgerliche Kategorien) und diverse Kinderlieder ausgepackt und dann wurde gesungen, was total gut ankam. Ein Teil der Lieder waren Kanons und wurden bestimmt zwanzigmal wiederholt. So blieben sie gut hängen – gestern erst lief einer unserer Jüngsten neben mir her und sang dabei: „Il ne dira plus cocoli, cocola.“

Aus- und spazierengehen

Außerdem waren wir am Freitag Trikots kaufen und abends mit Père Jonathan und Frère Armand beim Palais, wo wir alle „Crêpes allemandes“ probiert haben. Das war zwar kein deutsches Gericht, dafür aber sehr lecker und das ist ja wohl viel wichtiger! Am Samstagabend waren wir dann mit Gladys F, Victor, Guénolé und Dany tanzen und hatten einen weiteren, wunderschönen Abend zusammen.

In der Sonntagsmesse war nicht nur Marlene von dem Widder überrascht, der als Spende während der Gabenbereitung zum Altar gebracht wurde. Lebende Hühner hatten wir schon, aber ein blökendes Schaf war neu. Ich musste mich sehr zusammenreißen, nicht mitten in der Messe loszulachen, als das Tier kurz vor dem Altar für einen Moment stehenblieb und sich weigerte, weiterzugehen.

Am Montag waren wir nach einem gemütlichen Frühstück noch bei Emma zu Besuch. Nachmittags spazierten wir an den Fluss. Bei Marlenes etwas neidischen Kommentaren zu diesem idyllischen Spaziergang fiel Gladys und mir auf, dass wir das eigentlich viel zu selten machen. Daran wird sich wohl leider in der nächsten Zeit mit dem Bewerbungsstress auch nichts ändern… Aber danach hoffentlich.

Tag 10 bis 14 – Des wundervollen Urlaubs erster Teil

Hier mal eine Karte mit all unseren Übernachtungsstationen, damit ihr den Überblick behalten könnt

Parakou

Am nächsten Morgen standen wir pünktlich um sieben Uhr zur Abfahrt bereit, denn unser Urlaub ging los. Gemeinsam mit Père Jonathan fuhren wir Mädels zusammen nach Parakou, in Benin (auf der Karte der das rote Ziel bzw. A).

Dort waren wir bei den Salesianern untergebracht (Teil der Don-Bosco-Familie zu sein hat so seine Vorteile ;)): Père Jonathan in der Communauté und wir Mädels im leerstehenden Internat auf dem Gelände des Ausbildungszentrums, welches sich etwa 1 Kilometer von der Communauté liegt. Außerdem gehören zum Projekt in Parakou noch eine École maternelle (Kindergarten bzw. eher Vorschule), eine Grundschule und die Kirchengemeinde. Besonders beeindruckt haben uns jedoch die diversen Sportplätze. Hier werden Benins zukünftige Spitzensportler ausgebildet: Im Basketball, Handball und Volleyball spielen jeweils mindestens eine Mädchen- und eine Jungen-Jugendmannschaft in der ersten Liga.

Nachdem wir am frühen Nachmittag angekommen waren, etwas gegessen und uns ausgeruht hatten, erkundeten wir auf eigene Faust die Umgebung. Mir kam Parakou im Vergleich zu Kara ziemlich wohlhabend vor. Das läge an den Handelsbeziehungen zu Nigeria, wurde mir beim Abendessen erklärt.

Den nächsten Morgen nutzten wir, um erst einen kurzen Einblick in die Schreinerei des Ausbildungszentrums zu bekommen und uns dann von Père Jonathan die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigen zu lassen. Die bestanden hauptsächlich aus riesigen Kreisverkehren mit irgendwelchen Statuen von irgendwelchen wichtigen Persönlichkeiten darauf. Zuletzt fuhren wir noch zur Universität und besichtigten die Bibliothek der medizinischen Fakultät. Ich war schwer beeindruckt: Ein mehrstöckiges Gebäude gefüllt mit Fachliteratur für nur eine Fakultät! Da kann die Universität Kara nicht mithalten… Auch der Ausblick von der Dachterrasse der Bibliothek war sehr schön. Seht selbst:

Nach einem leckeren Mittagessen verabschiedeten Katja, Marlene, Gladys und ich uns dann von Parakou und von Père Jonathan, der noch bis zum nächsten Morgen bleiben und anschließend nach Kara zurückfahren würde.

Porto-Novo

Wir nahmen den Bus weiter nach Porto-Novo (auf der Karte B). Es war eine der entspanntesten Busfahrten meines Lebens! Wir hatten die letzten zwei Reihen komplett für uns, Marlene und ich telefonierten über eine Stunde mit unseren Teamenden (Grüße gehen raus 🤗), wir lösten Kreuzworträtsel, schliefen, ich schrieb Blog… Und dank der unfassbar guten Straße kamen wir nach nur 5,5 Stunden Stunden Fahrt in Porto-Novo an und nicht erst nach 9 (Dauer der Fahrt von Kara nach Lomé)!

Als wir im Projekt von Marlene und Matilde ankamen, war die Freude groß! Die Kinder kamen sofort angerannt und begrüßten uns. Marlene fiel fast um, so stürmisch wurde sie von ihren Jungs umarmt! Und dann waren da ja auch noch unsere Jungs, Quirin und Elia, die beiden Freiwilligen aus Ghana, die bereits einen Tag vor uns angekommen waren. Wir spielten bis nach zehn noch mit den Kindern, dann meldete sich der Hunger und wir gingen hoch, um etwas zu essen und danach noch stundenlang auf Marlene und Matildes Dachterrasse zu quatschen.

Zur kurzen Einordnung: Das Projekt von Marlene und Matilde ist auch ein Foyer und beherbergt etwa so viele Jungs wie unseres. Allerdings gibt es dort kein Mädchen-Foyer. Dafür ist die Schule direkt auf dem Gelände und den Wohnraum der Jungs ist im Vergleich zu Kara sehr viel geräumiger und mit mehr Rückzugsmöglichkeiten versehen. Die Jungs haben tatsächlich 4er-Zimmer!

Das große Fressen und die Bremer Stadtmusikanten

Den Donnerstagvormittag verbrachten wir mit einem ausgiebigen Spaziergang durch Porto-Novo. Wir schauten und die Freiluftkirche Notre Dame des Lagunes und die alte Moschee von Porto-Novo an, liefen durch das Vodun-Viertel und an der Lagune entlang. Dadurch entwickelten wir einen ordentlichen Appetit. Dem sollte ein von Marlene hochgelobtes Restaurant, bei dem es unter anderem richtig gute Burger geben sollte, Abhilfe schaffen. Wir hatten einen solchen Kohldampf, dass wir alle (bis auf Marlene und Matilde) einen Burger, Fritten oder frittierte Kochbananen UND ein Shawarma bestellten. Das war dann doch zu viel des Guten, hinterher war uns allen schlecht, weil wir uns überfressen hatten. Egal, das gehört zur Experience dazu und davon abgesehen war das Essen wirklich superlecker! Man hat eindeutig gemerkt, dass wir alle europäisches Essen vermisst hatten.

Abends spielten wir mit den Kindern von Marlene und Matilde Fußball, machten Wettrennen (keine gute Idee, wenn einem eh schon schlecht ist…) und führten für sie die Bremer Stadtmusikanten als Schattentheater auf. Der Tag war also ein voller Erfolg!

Am nächsten Tag ging das große Schmausen weiter, nach dem Shawarma (hatte ich am Vortag nicht mehr geschafft) als Frühstück ging’s in die Eisdiele. Dort ließen wir viel zu viel Geld für ein paar Kugeln Eis und waren sehr zufrieden mit der Investition.

Zu Besuch bei Leonie, Maria und Lotte

Nach dem Mittagessen mit den Salesianern (ja, schon wieder Essen!) verabschiedeten Katja, Gladys, Elia, Quirin und ich uns von Père Arnaud, einem superlieben Salesianer, der uns netterweisefür den Urlaub zwei beninische SIM-Karten lieh, den Kindern, Marlene und Matilde und fuhren nach Cotonou (auf der Karte D) ins Projekt von Maria und Leonie. Maria und Leonie sind im Gegensatz zu uns nicht bei den Salesianern, sondern bei den Don-Bosco-Schwestern. Ich muss sagen, ich bin sehr froh darum, dass wir nicht, wie ursprünglich geplant, zu den Schwestern in der Côte d’Ivoire gekommen sind, denn die Schwestern sind in vielem viel strenger als die Salesianer und ich weiß nicht, wie gut ich damit hätte umgehen können.

Ihr Projekt in Cotonou ist übrigens riesig! Leider konnten wir gar nicht so viel davon besichtigen und kaum Zeit mit den Kindern verbringen. Dennoch war es sehr interessant, das Projekt zu sehen und allein für das gigantisch gute Bananenbrot, dass Leonie uns auftischte, hat es sich schon gelohnt!

Am späten Abend fuhren wir dann weiter zu Lotte nach Abomey-Calavi (auf der Karte C), denn dort kamen wir für die Nacht unter. Lotte ist mit Katjas Organisation ausgereist und wohnt zusammen mit ihrer Gastmutter in einer Villa mit zwei Dachterrassen. Die nutzten wir, auch wenn es schon fast Mitternacht war, zum Ninja-Spielen und Quatschen. Als ich am nächsten Morgen aufstand, stand bereits ein herrliches Frühstück auf dem Tisch. An dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön an dich, liebe Lotte, du warst eine mega Gastgeberin!

Ganvié

Lotte ist nicht nur eine gute Gastgeberin, sie kann auch gut mit Zem-Fahrern verhandeln und so waren wir kurz nach dem Frühstück unterwegs nach Ganvié, einem Dorf auf Stelzen mitten auf dem See Nokoué, zu dem man eine Bootstour machen kann. Unterwegs hatte das eine Zem eine Panne und so verzögerte sich unser chronisch verspäteter Zeitplan noch weiter, doch das war nicht weiter schlimm, wir hatten ja keine weiteren Verpflichtungen.

So kamen wir also gegen Mittag am Steg für die Bootstour an und Gladys, Quirin, Elia und ich stiegen zu unserem netten Guide, dem wir gleich mal erzählten, dass Quirin und Gladys verheiratet und Elia und ich Zwillinge seien, ins Boot ein. Lotte und Katja, die die Tour schon einmal gemacht hatten, gingen währenddessen bummeln.

Nach etwa zehn Minuten Fahrt kamen wir in Ganvié an. Es ist wirklich ein sehr besonderer Ort, an dem nichts ohne Boot funktioniert, nicht einmal der Weg zur Schule. Diese steht, genau wie alle anderen Gebäude, auf Stelzen, darunter fließt Wasser. Wir machten Halt bei mehreren Touri-Shops, kauften ein paar Souvenirs und fuhren dann mit unserer Erkundungstour durch die Straßen – sagt man das so, wenn doch alles Wasser ist? – des Dorfes fort.

Als wir wieder an Land waren, suchten wir wieder nach Zems und fuhren so nach Cotonou zu unserem Hostel für die Nacht. Dort trafen wir dann auch Maria, Leonie und Henry, den die beiden vom Flughafen abgeholt hatten. Ja, vom Flughafen, denn Henry war extra für unser 3/4-Seminar aus dem Senegal eingeflogen! Ein wahrer Liebesbeweis!

Zur Feier des Tages gingen wir zusammen essen, wobei ich das erste Mal Attiéké (keine Ahnung, wie man das schreibt) probierte. Es sieht aus wie weißer Couscous, ist aber leichter und schmeckt leicht säuerlich. Sehr lecker!

Auf dem größten Markt Westafrikas

Abends waren wir noch alle zusammen auf dem Dantokpa-Markt. Es ist der größte Markt Westafrikas und das merkt man auch. Als wir (während der Hauptverkehrszeit) ankamen, war es ein Ding der Unmöglichkeit, die Straße zu überqueren. Auf dem Markt selbst waren die Gassen recht schmal und vor den bereits geschlossenen Läden waren überall noch Stände aufgebaut, an denen verhandelt wurde. Dazwischen schoben oder zogen Männer Wagen für den Warentransport, riefen dabei immer wieder ein Wort auf Fon und allen, die nicht sofort aus dem Weg sprangen, wurde eiskalt über die Füße gedonnert. Im Gänsemarsch – Leonie vorneweg und Maria als Schlusslicht – liefen wir zu unserem Ziel, der Baraque SOS.

Die Baraque ist ebenfalls ein Projekt der Schwestern und fungiert als erste Anlaufstelle für die Mädchen, die hier als Marktmädchen arbeiten müssen. In der Baraque können sie sich ausruhen und spielen, es gibt Alphabetisierungskurse und gelegentlich auch ein kostenloses Essen für die Mädchen. Leonie und Maria sind mehrmals die Woche dort, doch mit uns waren sie das erste Mal nach Einbruch der Dunkelheit hier unterwegs. „Hier ist es aber leer“, meinte Leonie nach etwa fünf Minuten Durchs-Gedränge-schlängeln. Der Meinung war ich ganz und gar nicht und wollte mir auch nicht weiter Gedanken darüber machen, wie es wohl tagsüber in diesen Straßen zugeht.

Bei der Baraque selbst war tatsächlich nicht viel los, doch obwohl sie bereits geschlossen war, trafen wir auf zwei regelmäßige Besucherinnen. Wir spielten mit ihnen einige Klatschspiele, dann begleiteten sie uns durch ruhigere Bereiche des Marktes zurück zu einer großen Straße. Dort verabschiedeten wir uns von ihnen und fuhren anschließend mit lauter neuen Eindrücken wieder zurück ins Hostel.

Fortsetzung folgt

Damit ist die Hälfte der 28 wunderschönen Tage unter Volos fertig erzählt und ich beende diesen Blog. Der Rest folgt in Teil 2, der hoffentlich nicht allzu lang auf sich warten lässt. Ich habe jetzt alle Uni-Bewerbungen abgeschickt und auch die Bewerbung aufs Stipendium ist erledigt. Damit sind die größten To Dos „für danach“ abgehakt und ich kann mich jetzt wieder mehr auf mein Leben hier konzentrieren. Darüber bin ich sehr dankbar, denn auch wenn ich mich inzwischen echt wieder auf Europa freue, finde ich es immer wieder erschreckend, wie wenig Zeit uns noch hier bleibt. „Hilfe, die Zeit rennt!“ hat Marlene ihren vorletzten Blog genannt uns sie hat Recht. Hilfe, die Zeit rennt!

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Unternehmungen mit Freunden (und was sonst noch so los war) https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/2026/06/11/unternehmungen-mit-freunden-und-was-sonst-noch-so-los-war/ https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/2026/06/11/unternehmungen-mit-freunden-und-was-sonst-noch-so-los-war/#comments Thu, 11 Jun 2026 12:42:27 +0000 https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/?p=513 Hallo, ihr Lieben, ich hoffe, euch geht’s allen gut! Mir geht’s gerade super, ich bin nämlich in Benin im Urlaub aka. 3/4-Seminar. Im Moment sitze ich im Bus von Parakou nach Porto-Novo, rechts von mir sitzt Marlene und lässt sich richtig gute Chips schmecken, links von mir telefonieren Katja und Gladys mit einer Freundin. Und […]

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Hallo, ihr Lieben, ich hoffe, euch geht’s allen gut! Mir geht’s gerade super, ich bin nämlich in Benin im Urlaub aka. 3/4-Seminar. Im Moment sitze ich im Bus von Parakou nach Porto-Novo, rechts von mir sitzt Marlene und lässt sich richtig gute Chips schmecken, links von mir telefonieren Katja und Gladys mit einer Freundin. Und weil ich grad nichts anderes zu tun habe, schreibe ich Blog…1

Festival des Doufelgou

Letztes Mal waren wir bei unserem Ausflug nach Défalé am Ostermontag stehengeblieben. Unser nächster Ausflug nach Défalé fand am 18. April statt. Diesmal jedoch nicht mit den Salesianern, sondern mit Gladys F, Victor, Dany und Guénolé und auch nicht zum Baden, sondern zu einem Festival. Ich muss aber noch weiter zurückspulen:

Als wir mit den Pères in Défalé waren, hatte Père François in Erfahrung gebracht, dass dort an besagtem Wochenende ein Festival stattfinden sollte. Er meinte, da wolle er unbedingt hin. Wir luden uns darauf selber mit ein bzw. baten ihn, uns auf dem Laufenden zu halten und, wenn möglich, mitzunehmen.

Das tat er dann auch, Père Jonathan hatte uns netterweise extra freigegeben. Zusammen mit Juliette, die gerade ein Praktikum im Foyer macht, Isabelle, einer vom Kirchenchor, und ihm fuhren Gladys (A) und ich nach Siou. Wie ihr vielleicht gemerkt habt, ist das nicht der richtige Ort. Dachte ich zumindest anfangs. Es stellte sich heraus, dass es das Festival des ganzen Lanskreises Doufelgou war, zu dem sowohl Défalé als auch Siou gehören, und vormittags in Siou das Programm mit den traditionellen Tänzen stattfand. Oder besser stattfinden sollte. Es fing nämlich erst gegen Mittag an, obwohl auf dem Programm 8 Uhr Eröffnung stand. Nun ja. Schade, ich hätte sie gerne gesehen, aber wir mussten, als es gerade spannend wurde, schon wieder zurück.

Ein Fahrt wie im Film

Nach einem viel zu kurzen Mittagsschlaf fuhren wir am Nachmittag mit Gladys F, Victor und Dany mit dem Motorrad nach Défalé. Das war die schönste Motofahrt meines Lebens! Allein dafür hat sich der Ausflug schon gelohnt! Bei Sonnenuntergang durch die Berge schlängeln, Wind um die Ohren, unterwegs mit Leuten, bei denen ich mich wohlfühle – wie Père Samuel sagen würde: In dieser Motofahrt steckte ein Stück Paradies.

Gladys A meinte zu diesem Foto: „Sieht aus wie aus einem Musikvideo.“

Le „mouton rouge“ – das „rote Schaf“

Zunächst zeigte uns Dany, wo er aufgewachsen war, denn er ist in Défalé großgeworden.

Dann gingen wir zu dem Festival, setzten uns hin, kauften uns etwas zu trinken und ein paar Spieße Hundefleisch, genannt „rotes Schaf“, der Name „Hundefleisch“ sei zu vulgär für die Delikatesse. In der Tradition ist es eigentlich den jungen Männern in Vorbereitung auf die Initiationsriten vorbehalten, denn Hunden und auch ihrem Fleisch wird eine besondere Kraft nachgesagt. Heute ist es nicht mehr so streng, auch Gladys (A) und ich haben schon probiert. Ich finde das Fleisch meistens echt lecker, vor allem mit Piment (Chili). Nur, dass es ziemlich hartnäckig zwischen den Zähnen hängenbleibt, nervt etwas.

Togoische Uhrzeiten

An diesem Abend habe ich schmerzlich gemerkt, dass ich doch noch ein europäisches Zeitverständnis habe. Zumindest gehe ich, wenn es heißt, dass das Ganze um 18 Uhr anfängt und ich um 19 Uhr da bin, nicht davon aus, dass ich noch ganze fünf Stunden (!) warten muss, bis die erste Künstlerin die Bühne betritt. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon so müde, dass ich von den Auftritten kaum etwas mitbekam, ich hatte einfach den Kopf auf den Tisch gelegt und geschlafen.

Ich kann inzwischen so ziemlich immer und überall schlafen, wenn es sein muss. Schlaglöcher auf der Busfahrt oder viel zu laute Musik bei einem Festival stellen kein Problem mehr dar. Ich lege den Kopf ab, mach die Augen zu und bin weg. Den Muezzin, der um kurz vor fünf mit dem wohl quäkensten Lautsprecher dieser Welt direkt gegenüber zum Morgengebet ruft, habe ich während meines ersten Monats in Kara allmorgendlich verflucht. Inzwischen wache ich davon nicht einmal mehr auf. Insgesamt hat sich mein Schlafrhythmus ziemlich an den togoischen Rhythmus angepasst. Es fällt mir nur noch mittelmäßig schwer, um halb sechs aufzustehen, um zur Messe zu gehen. Dafür werde ich spätestens gegen 15 Uhr wieder richtig müde und brauche meinen Mittagsschlaf. Kein Wunder, dadurch, dass wir erst nach 22 Uhr aus dem Foyer kommen, bin ich fast nie vor 23:30 Uhr im Bett.

Gruppenabende

Wenn wir mit Gladys F, Victor, Dany und Guénolé in die Bar gehen, was wir in letzter Zeit mehr machen, wird es selbstverständlich noch deutlich später. Das ist es mir aber wert, denn die Abende mit der Gruppe sind richtig cool. Besonders der Abend in der Bar „Renaissance“ war super, dort ist die Musik nicht so laut, dass man sich gegenseitig anschreien muss, um sich zu verstehen und wir haben tatsächlich mal ein Kartenspiel gespielt. Das hatte ich wirklich vermisst. Klar, mit den Kindern spielen wir auch, aber das ist anstrengend und absolut nicht das Gleiche!

Emmas Geburtstag

Ein weiterer sehr schöner Tag war Emmas Geburtstag.

Emma war zu Beginn unseres Freiwilligendienstes noch im Foyer gewesen, wurde dann jedoch schwanger und musste das Foyer verlassen. Jetzt wohnt sie mit ihrem Mann (die beiden sind zwar nicht offiziell verheiratet, aber sie nennt ihn „mon mari“, daher tue ich das jetzt auch) ganz in der Nähe vom Centre, wo wir wohnen. Inzwischen ist sie eine wirklich gute Freundin von uns geworden und wir sind recht oft bei ihr. Ich bin auch schon total gespannt, wir groß ihr Bauch bei unserem nächsten Treffen sein wird, schließlich haben wir sie aufgrund des Urlaubs jetzt mehrere Wochen nicht mehr gesehen und Ende dieses Monats soll das Baby kommen.

Jedenfalls haben wir ihren Geburtstag mit von uns mitgebrachtem Kuchen, selbstgekochtem „haricot avec huile onion, sauce tomate et gari“ (Bohnen mit Zwiebelöl, Tomatensoße und Manjokmehl) und selbstgemachtem Tamarindsaft gefeiert. Dann sind wir zum Fluss Kara gelaufen, haben im Schatten eines Baumes einen Stoff ausgebreitet, die Aussicht genießend Musik gehört und uns stundenlang unterhalten. Irgendwann konnten wir alle nicht mehr sitzen. Also haben wir kurzerhand angefangen im ausgetrockneten Flussbett herumzuklettern und zu -albern.

Auf dem Rückweg waren wir uns alle einig: Die Zeit war wie im Flug vergangen und es war ein wunder-, wunderschöner Tag gewesen!

Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an

Am 27. April 1960 wurde die Republik Togo unabhängig. Der Unabhängigkeitstag wurde ziemlich groß gefeiert. Am Vorabend fand vor dem Palais du Congrès ein großes Konzert statt, Eintritt frei. Gefühlt ganz Kara war dort, wir natürlich auch. Deshalb sind wir auch nicht zur Parade am nächsten Morgen gegangen. Wir waren schlicht und einfach zu müde.

27. April 1960. Das ist jetzt 66 Jahre her. Wenn Udo Jürgens recht hat, dann geht fängt Togo jetzt erst so richtig an, aufzublühen. Ich wünsche es den Togoern jedenfalls von ganzem Herzen und bin schon gespannt, wie sich das Land in den nächsten Jahren so entwickeln wird.

Tag der Arbeit

Übrigens hätten wir theoretisch sogar ein zweites Mal die Möglichkeit gehabt, zu einer Parade zu gehen und zwar am 1. Mai. Stattdessen waren wir den ganzen Vormittag im Foyer und haben dort geholfen, das Essen für unseren Ausflug mit den Mitarbeitenden am Nachmittag vorzubereiten.

Der Ausflug selbst war total lustig! Wir waren einfach nur in einer Art Restaurant (Essen haben wir allerdings selbst mitgebracht, nur Getränke haben dort bestellt), haben gemütlich zusammen gegessen und getrunken und dann natürlich getanzt. Frère Armand, der jüngste unserer Salesianer, hat richtig Moves ausgepackt und auch Père Cyrille, der Direktor, brauchte sich nicht zu verstecken!

Gruppenfoto bei der Ankunft

Konsequenzen müssen sein

Diesen ausgelassenen Abend mit den Erziehern habe ich auch echt gebraucht, denn leider lief es die Wochen davor auf der Arbeit nicht so gut. Insbesondere die Mädchen wurden immer respektloser – nicht nur zu uns, sondern auch zur Maman und zum Père. Wir Volos waren, genau wie Maman, der festen Überzeugung, dass dies in erster Linie daran läge, dass auf schlechtes Verhalten bisher kaum Konsequenzen gefolgt waren.

Daher haben wir an einem Vormittag – um es in Politikersprache auszudrücken – mit dem Père eine Krisensitzung abgehalten und ein Maßnahmenpaket beschlossen. Will heißen, die Mädchen haben als Konsequenz für ihr schlechtes Benehmen alle Spiele weggenommen bekommen und mussten in ihrer Freizeit stattdessen Feuerholz sammeln. Außerdem ist es ihnen verboten, ins Jungsfoyer zu kommen. Und wir Volos waren eine Woche lang alle drei bei den Jungs, die Mädchen gingen leer aus. Das war für beide Seiten hart, hat aber gewirkt. Seit wir nach dieser einen Woche zurückgekommen sind, habe ich das Gefühl, dass die Mädchen auch untereinander wieder freundlicher sind, zu uns sowieso. Manchmal braucht es eben doch Konsequenzen, auch wenn es einem selbst auch wehtut.

Danke und bis hoffentlich bald

Diese Schmerzen waren jedoch schnell vergessen, denn wir bekamen Besuch… Dazu aber mehr in meinem nächsten Blog. Auf den müsst ihr allerdings wahrscheinlich noch länger warten als auf diesen hier, denn gerade bin ich im Unibewerbungsstress und habe weder die Zeit noch die Lust zum Schreiben. Falls ihr keine Lust aufs lange Warten habt, dann lest schonmal Marlenes Blog. Aber Vorsicht Spoiler!

Doch bevor ich mich fürs Erste von euch verabschiede, noch ein ganz großes Dankeschön, dass ihr mich bei meinem Jahr in Togo begleitet und unterstützt. Ich freue mich total über euer Interesse, ich hätte wirklich niemals gedacht, dass über 2000 Personen (!!!) sich meinen Blog anschauen würden!

Insbesondere eure lieben Nachrichten motivieren mich, weiterhin zu schreiben und machen mir Mut, wenn mal nicht alles so gut läuft. Vielen, vielen Dank dafür!

  1. Diesen Absatz habe ich vor über drei Wochen geschrieben. Hilfe, wie die Zeit rennt! ↩

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Mit Vollgas in die zweite Halbzeit https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/2026/05/12/mit-vollgas-in-die-zweite-halbzeit/ https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/2026/05/12/mit-vollgas-in-die-zweite-halbzeit/#respond Tue, 12 May 2026 08:06:14 +0000 https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/?p=446 Es ist schon wieder so viel passiert in den letzten zwei Monaten! Nicht so viele große Dinge, aber viele kleine Aktionen. Pélerinage des enfants Über das Zwischenseminar und unseren anschließenden Urlaub hatte ich komplett vergessen, dass die Fastenzeit bereits begonnen hatte. Das wurde mir jedoch schmerzlich bewusst, als ich bei unserer Rückkehr nach dem Salat […]

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Es ist schon wieder so viel passiert in den letzten zwei Monaten! Nicht so viele große Dinge, aber viele kleine Aktionen.

Pélerinage des enfants

Über das Zwischenseminar und unseren anschließenden Urlaub hatte ich komplett vergessen, dass die Fastenzeit bereits begonnen hatte. Das wurde mir jedoch schmerzlich bewusst, als ich bei unserer Rückkehr nach dem Salat fragte und Père Jonathan uns eröffnete, dass die ganze Communauté im Rahmen der Fastenzeit auf die Vorspeise verzichten würde. Ich war empört: Einen ganzen Monat sollte ich ohne meinen heißgeliebten Salat klarkommen?! Frechheit!

Andere Fastenaktionen haben mir wesentlich besser gefallen. So haben wir freitags nicht wie sonst den Rosenkranz, sondern den Kreuzweg mit den Kindern gebetet. Das war weniger monoton und mit etwas Bewegung verbunden, sodass es sowohl den Kindern als auch mir leichter fiel, bei der Sache zu bleiben.

Eine weitere sehr interessante Fastenaktion war das „Kinderpilgern“. Am Samstag nach unserer Rückkehr, also dem 7. März, trafen wir uns morgens mit knapp 200 Kindern und Jugendlichen zum Pilgern. Auch unsere Foyer-Kinder waren zum Teil mit von der Partie. Ziel war die Kirche von Abouda, einem Dorf etwa 4 Kilometer von Kara entfernt. Es war nicht das, was ich mir unter Pilgern vorstelle (zwischendurch spielten wir Kreisspiele und beim Laufen herrschte der Betreuer die Kinder immer wieder an, sie sollten Loblieder singen, nur um sie nach zwei Takten zu unterbrechen und ein neues Lied anzustimmen, das jedoch keiner kannte) und trotz der kurzen Distanz war es wahnsinnig anstrengend, aber es war trotzdem eine tolle Erfahrung. Vor allem die Messe in Abouda, die den Höhepunkt der Veranstaltung darstellte. Die Stimmung bei einer Messe mit so vielen jungen Menschen ist immer wieder etwas ganz Besonderes!

Gegen 16 Uhr (nach dem Essen und Tanzen) war die Veranstaltung vorbei und ich dankbar, abends nicht noch ins Foyer zu müssen, sondern in mein Bett fallen zu dürfen.

Doppelgängerin

Am nächsten Tag, dem Sonntag, war der Internationale Tag der Frauenrechte. Gefeiert haben wir ihn jedoch erst am Samstag darauf mit den Lehrerinnen vom Ausbildungszentrum. Leider waren die meisten Frauen zu schüchtern zum Tanzen… Aber Gladys und ich hatten trotzdem unseren Spaß. Und wir haben von Fr. Théodore eine Sammlung von Kabyè-Märchen und Sagen geschenkt bekommen. Danke nochmal!

Apropos starke Frauen: Unser Team hat sich kurz nach unserer Rückkehr um eine weitere Volontärin erweitert. Gladys kommt aus der Nähe von Lille, ist 23 Jahre alt und eine richtig coole Socke. Ja, ihr habt richtig gelesen: Gladys hat eine Doppelgängerin. Jetzt habe ich natürlich das gleiche Problem, wie wir es im Foyer haben: Wie unterscheiden, von wem ich spreche? Ein Kind hat vorgeschlagen, die neue Gladys „Glagla“ zu nennen, aber da weigere ich mich. Da kann ich sie ja gleich „Lady Gaga“ rufen… Ein anderes Kind hat angefangen, von Gladys 1 und Gladys 2 zu reden. Wieder ein anderes spricht von Gladys A und Gladys F, wobei A für „Allemande“ und F für „Française“ steht. So werde auch ich es in diesem Blog ab jetzt handhaben.

Gladys und Gladys

Jedenfalls sind wir total dankbar für Gladys F’s Ankunft. Sie bringt neue Ideen und neue Energie mit und insgesamt entlastet uns ihre Präsenz. Jetzt sind wir immer zu zweit bei den Jungs, während eine bei den Mädchen ist. Das heißt auch, dass wir jeweils zwei Wochen bei den Jungs sind und eine bei den Mädchen.Viel wichtiger noch: Gladys F ist einfach ein superlieber Mensch! ❤

Joyeux anniversaire

Ein Beispiel dafür ist Gladys A’s Geburtstagsfeier. Am 25. März wurde Gladys ganze 20 Jahre alt, also regelrecht zur Greisin! Ihr eigentlicher Geburtstag war an einem Mittwoch, doch richtig gefeiert haben wir erst am Wochenende, dafür aber drei Tage lang.

Am Freitagabend feierten wir mit Gladys F’s Freundesgruppe. Ihr Freund, Victor, hatte nämlich am Montag Geburtstag gehabt und so feierten wir die beiden zusammen. Erst gab es bei Dany, Victors bestem Freund, ein richtig gutes Fufu mit einer noch besseren Erdnusssoße, dann gingen wir in eine Bar. Wobei man sich von dem Wort Bar nicht in Irre führen lassen sollte, ich würde es als Mischung aus Irish Pub und Biergarten bezeichnen, was mir sowieso lieber ist.

Es war eine gemütliche Runde und ich genoss es sehr, einfach mal abends mit chilligen Leuten draußen zu sein. Außerdem gab es die mit Abstand beste Torte, die ich hier in Togo probiert hatte! Ein anderer französischer Volontär, ein Konditor, hatte sie selbst gemacht. Eigentlich viel zu schade für eine Kuchenschlacht, aber wir mussten trotzdem alle lachen, als Victor und Gladys A jeweils eine Handvoll ins Gesicht geschmiert bekamen. Tja, was soll ich sagen, so richtig schlau bin ich aus den hiesigen Traditionen und Ritualen noch nicht geworden…

Noch einmal Geburtstag

Am nächsten Tag, also am Samstag, feierten wir mit den Kindern. Als wir (Gladys A und ich) morgens ins Foyer kamen, wurden uns von zwei Jungs die Flasche abgenommen. Und bevor wir überhaupt richtig realisierten, was gerade passierte, hatten sie Gladys bereits fast unser gesamtes Trinkwasser übergeschüttet. Sie war klitschnass! (Auch so ein komisches Genburtstagsritual.)

Die Jungs können jedenfalls froh sein, dass Gladys nur lachte und Père Jonathan nicht dabei gewesen war, denn er hatte ihnen ausdrücklich verboten, für so einen Blödsinn Wasser zu verschwenden. Nun brauchte Gladys also was Neues zum Anziehen. Wechselklamotten hatten wir jedoch nicht dabei. Abhilfe schafften die Säcke mit Kleiderspenden, die Frère Samuel (einer der Erzieher), Gladys und ich nach etwas Passendem durchsuchten. Wir fanden schließlich ein Kleid. Gladys mochte das Outfit so sehr, dass sie Père Jonathan später fragte, ob sie es behalten dürfe. Es war sowieso viel zu groß für unsere Mädchen, also willigte er ein.

Abends feierten wir dann im Foyer mit Kuchen und Limo, für die wir unsere letzten beiden Mittagspausen geopfert hatten. Bevor jedoch gegessen wurde, sangen wir „Zum Geburtstag viel Glück“ auf Französisch, Englisch, Deutsch und Kabyè, Gladys (A natürlich) und Père Jonathan hielten jeweils eine Rede, ein Junge überreichte Gladys ein selbstgezeichnetes Bild und es gab diverse Tanzaufführungen.

Ein drittes Mal Geburtstag

Am Sonntagmittag feierten wir dann mit den Salesianern. Es gab das übliche Geburtstagsritual: Nach dem Mittagessen eine Torte (und diesmal sogar Eis!) und das Geschenk, die tanzend und singend gebracht werden, danach wird die Torte vom Geburtstagskind angeschnitten und schließlich beim Kuchenessen eine Rede von Frère Armand, dem jüngsten der Salesianergemeinschaft hier.

Ein besonderes Highlight dieser Feier: Die Pères hatten extra Kidibul, also Kindersekt, für uns besorgt! Diese Geste hat mich wirklich sehr berührt, machen sie sich doch meist darüber lustig, dass wir beide keinen Alkohol trinken. Inzwischen finde ich es witzig, wenn sie mir sagen, ich solle auch Bier statt Youki (hiesige Süßgetränkmarke) nehmen, denn dann nehme ich ganz einfach die Flasche in die Hand und stelle sie woanders ab. Danach wird eine Runde gelacht und fertig. Anfangs jedoch ging es mir gehörig auf die Nerven, dass es so oft Thema war. Umso schöner die Geste mit dem Kidibul, ganz abgesehen davon, dass es mich an so manche Geburtstagsfeier aus meiner Kindheit erinnerte.

Freuen und ärgern

Ermutigt durch Gladys F und unseren Vorsatz vom Zwischenseminar, mehr außerhalb der Arbeit zu machen, zogen Gladys A und ich am nächsten Tag los in die Stadt. Gladys F hatte Gladys A nämlich einen Friseursalon empfohlen und sie ließ sich die Haare flechten. Na ja, eigentlich sind es Twists, aber „twisten“ klingt komplett bescheuert. Jedenfalls ließ sie sich eine neue Frisur verpassen. Ich telefonierte währenddessen mit Michi, einem unserer Nachvolos. Jungs, das wird richtig cool, wir sind echt glücklich, dass nach uns wieder Volos nach Kara kommen! Allein schon, weil wir dann über euch noch zwischendurch Updates aus Kara kriegen und dadurch hoffentlich der Abschied nicht ganz so hart wird. Abschied… darüber will ich noch gar nicht nachdenken. Nur noch vier Monate. Nur noch ein Viertel des Freiwilligendienstes. Und noch so viel zu tun und so viel vor… Gerade vergeht die Zeit viel zu schnell!

Jetzt bin ich aber schon wieder vom Thema abgekommen, denn eigentlich wollte ich ja vom 30. März erzählen. Nachdem Gladys neue Frisur dann also nach etwa drei Stunden fertig war, gingen wir zum Supermarkt und wollten dann nur noch schnell Geld auf meine SIM-Karte laden, als mir mein Handy aus der Hülle rutschte (ich weiß selber nicht, wie das passiert ist) und genau mit der Ecke auf einen Felsen fiel. Die Folge: Das Display war komplett geschrottet. Und das am Geburtstag meiner besten Freundin und ich hatte ihr versprochen, dass ich sie noch anrufen würde! Scheiße!

Zum Trost gab es dann erstmal marinierten Tofu, ein Togo-Trikot (was mir inzwischen wieder von der Wäscheleine geklaut wurde) und einen neuen Stoff für mich.

Glücklicherweise konnte das Handy repariert werden, ich bekam es am Mittwoch, dem 1. April, zurück. Kein Aprilscherz.

Fest der Priester

Aber nochmal einen Schritt zurück, diese ganze Geschichte spielte sich nämlich am Montag der Karwoche ab, die bekanntlich aber ja schon mit Palmsonntag beginnt. Der war allerdings nicht so spektakulär, außer dass es halt echte Palmwedel gab.

Am Gründonnerstag war mittags von Karwoche nichts zu spüren, es wurde gefeiert. Scheinbar ist es hier Tradition, dass am Gründonnerstag die Priester gefeiert werden und da wir ja gleich vier davon in der Communauté haben, machte das natürlich auch vor uns nicht Halt. Was ich übrigens nicht schlimm finde, Fidèle hat nämlich wieder richtig gut gekocht.

Abends ging ich mit den Foyer-Mädchen zur Messe in die Kathedrale. Auch da merkte man, dass es die Feier der Priester war, denn elf von ihnen zelebrierten diese Messe – inklusive Bischof. Die Kathedrale Karas, ein Zentralbau, ist kleiner als die Gemeinde Saint Jean Bosco, meiner Meinung nach aber dafür auch schöner und irgendwie stimmungsvoller. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass wir hier im zweisprachigen Gottesdienst (Kabyè und Französisch) waren, wo mehr Lieder auf Kabyè gesungen werden, die einfach besser für dieses gewisse Etwas sorgen als die französischen Lieder, auch wenn ich kaum etwas verstehe. Während des Gottesdienstes legte der Bischof sein Messgewand ab, band sich ein Handtuch um die Hüften und wusch den Täuflingen aus der ersten Reihe die Füße. Das war wirklich ein ganz besonderer Moment!

Ein Karfreitag der besonderen Art

Karfreitag war sehr schön und sehr anstrengend zugleich. Nachdem wir morgens im Foyer waren, kamen wir bereits deutlich früher als sonst zurück (ca. 11:30 statt 13 Uhr), um uns vor der Prozession auszuruhen. Die ging nämlich um 13 Uhr los, etwas hinter dem Uni-Campus. Genauer gesagt ging das Passionsspiel los. Eine Stunde standen wir in der Sonne herum, bevor die eigentliche Prozession losging, die weiterhin vom Passionsspiel begleitet wurde, immer wieder hielten wir an, die Stationen der Passion wurden nachgespielt und dann gab es bei jeder Station Gebete und Impulse zum Nachdenken. Das Passionsspiel war wirklich sehr beeindruckend, der Jesus und die beiden Verbrecher wurden tatsächlich an Kreuze gebunden, die dann aufgestellt wurden. Die ganze Gemeinde war ergriffen.

In der Kirche angekommen, wurde ein Gottesdienst (wohlgemerkt keine Messe) mit Kreuzverehrung gefeiert, wobei alle noch das eben Gesehene im Kopf hatten, was für eine ganz besondere, sehr andächtige Stimmungsorgte. Weitere 2 Stunden. Also 5 Stunden insgesamt, ein neuer Rekord für mich. Es war aber ein sehr schöner Nachmittag, ich habe gar nicht gemerkt, wie lange das ging.

New Challenge

Anders bei dem Finale von New Challenge, einem (hauptsächlich Tanz-)Wettbewerb zwischen den Schulen Togos, den wir mit einem Salesianer im Anschluss uns noch im Palais du Congrès anschauten. Warum diese Veranstaltung ausgerechnet Karfreitag stattfand, ist mir bis heute ein Rätsel.

Wir kamen extra schon zu spät, weil wir letztes Mal richtig lange hatten warten müssen, bis es endlich losging. Auch diesmal mussten wir warten, allerdings nur eine halbe und nicht eineinhalb Stunden. Die erste Kategorie waren die traditionellen Tänze. Vieles davon kannten wir schon, aber bei der Gruppe aus Tchévié (ganz im Süden des Landes) fiel mir die Kinnlade herunter.

Danach war allen Ernstes ein Buchstabierwettbewerb dran. Langweilig! Anschließend gab es eine Runde Poetry Slam zum Thema „Schwangerschaften in der Schulzeit“, was wieder etwas spannender war. Als dann jedoch anschließend noch ein Quiz folgte, war meine Laune endgültig im Keller. Ich war müde und auf der Bühne passierte rein gar nichts. Jetzt schon zu gehen war allerdings auch keine Option, denn es sollten ja noch zwei Tanzkategorien folgen und die wollte ich unbedingt sehen. Es war die richtige Entscheidung, die Tänze waren wirklich toll!

Gewonnen hat übrigens Don Bosco und nicht mein Favorit Tchévié. Auch wenn ich an dem Abend wütend war, freue ich mich jetzt darüber, dass die 500 000 Francs CFA Preisgeld in einen guten Zweck fließen.

Dankenswerterweise gab Père Jonathan uns am nächsten Morgen frei, um den fehlenden Schlaf nachzuholen. Anders wäre es wohl auch nicht gegangen, denn wir waren erst gegen 5 Uhr im Bett und sollten am nächsten Abend die Osternacht durchstehen.

Freudige Aufregung

Die war nicht nur wegen Ostern ein wichtiges Ereignis für uns, sondern vor allem wegen Gabrielles1 Taufe. Als ich am Samstagabend im Mädchenfoyer ankam, waren alle schon ganz aufgeregt. Nur ein kleines Mädchen, das sonst ein richtiger Wirbelwind ist, wirkte etwas traurig. Als ich sie also fragte, was los sei, antwortete sie mir: „Ich hab nichts Schönes zum Anziehen, alle meine Sachen sind dreckig.“ Ein Problem, das sich zum Glück relativ leicht beheben ließ: Gemeinsam überredeten wir ein anderes Mädchen, ihr einen Rock und ein Oberteil zu leihen. Überglücklich hob die erste die zweite hoch, was diese wiederum sorgenvoll zu mir blicken ließ. Ihre Angst war jedoch unbegründet, denn sie wurde vergleichsweise sanft wieder abgesetzt.

Taufe à la Togo

Jetzt waren also alle fein herausgeputzt – allen voran natürlich Gabrielle – und nach einer Fotosession gingen wir zur Kathedrale. Der Gottesdienst selbst begann um kurz nach neun und dauerte etwa vier Stunden. Gar nicht so lang, wenn man bedenkt, dass die Osternacht sowieso immer lang ist, ein normaler Gottesdienst hier mindestens zwei Stunden dauert und 88 Taufen und zusätzlich noch 79 Erstkommunionen stattfanden. Also 167 Jugendliche und junge Erwachsene, die Teil der christlichen Gemeinschaft werden wollen. Und das, obwohl hier die Vorbereitung auf die Sakramente sehr viel strenger gesehen wird:

Die zukünftigen Täuflinge müssen erstmal erstmal drei Jahre zur Katechese, bevor das Sakrament gespendet wird. Wer als Baby getauft wurde, macht die gleiche Katechese, um die Erstkommunion zu empfangen. Für die Firmung sind es dann weitere zwei Jahre Katechese. Von der Idee her gleicht es also unserer Erstkommunions- und Firmvorbereitung, aber 

1. dauert es sehr viel länger, 

2. ist es sehr viel strenger: man darf bei der Katechese, die jede Woche stattfindet, nicht unentschuldigt fehlen, muss jeden Sonntag und natürlich zusätzlich an den Feiertagen zum Gottesdienst erscheinen (es gibt so ein kleines Heftchen, in die sie den Katechisten immer nach er Messe unterschreiben lassen müssen), sie müssen zu zusätzlichen Aktivitäten in der Gemeinde kommen und kurz vor der Taufe gibt es an der Sonntagen eine Befragung, ob sie wirklich getauft werden wollen + eine Exorzismus-Zeremonie (nichts Schlimmes, nur ein Gebet),

und 3. ist es sehr viel verschulter, also mit Hefteinträgen und Abfragen und so.

Die Taufe selbst spendete der Bischof höchstpersönlich Gabrielle, worauf vor allem die „Maman“ des Foyers, die zugleich ihre Taufpatin ist, sehr stolz ist.

Osterfeier

Auch am Ostersonntag gingen wir natürlich in die Messe, diesmal wurden einige Babys und Kleinkinder getauft und außerdem fand eine Trauung statt.

Abends feierten wir mit den Kindern Ostern. Wie sich das für ein richtiges Fest gehört, tanzten wir ganz viel zusammen (was mir während der Fastenzeit echt gefehlt hatte) und es gab ein Festmahl, sogar mit einem Stück Fleisch für jedes Kind. Außerdem wurde Gabrielle noch einmal besonders geehrt, sie durfte als einziges Foyer-Kind am Kopfende der Tafel sitzen, zwischen uns Volos.

Im Foyer sind auf eine Wand Osterhasen bei der Arbeit gemalt. Richtige Ostereier oder gar eine Ostereiersuche gab es jedoch nicht. Aber immerhin hatte Gladys F kleine Schoko-Kokos-Bonbons (grenzt eigentlich an ein Verbrechen, aber war ja zum Glück nicht für mich und den Kindern hat es geschmeckt), Lollies und Kekse für die Kinder besorgt.

Mal raus aus dem Alltag

Am Ostermontag machten wir mit unseren Salesianern einen Ausflug nach Défalé. Eigentlich hatten wir sie einladen wollen, aber unsere Einladung wurde geflissentlich übergangen. Mehr noch, sie wurde einfach umgedreht. Und so kam es, dass wir an diesem Morgen uns alle mit Badesachen ausgestattet vorm Eingang versammelten. Das Gepäck kam in den Kofferraum, die Stimmung war bestens und ich wurde das Gefühl nicht los, dass ich womöglich in ein Kinderbuch katapultiert worden war. Ein Buch über einen Familienausflug von zwei Schwestern mit ihren Onkels.

Nach einer knappen Stunde Fahrt waren wir in Défalé angekommen, wo Gladys und ich sehr zielstrebig auf den Pool (das Ausflugsziel war nämlich ein Hotel mit Pool und Restaurant) zuliefen. Das letzte Mal waren wir im Oktober mit unseren Mädchen hier gewesen. Wie viel dazwischen passiert war!

Ich habe es total genossen, unsere Salesianer mal außerhalb ihres Arbeitskontextes zu sehen. Denn selbst in der Communauté, zum Beispiel beim Mittagessen, kann es leicht passieren, dass jemand klopft und etwas von den Pères will, so richtig abschalten können sie da auch nicht. Anders in Défalé, wo sie hemmungslos albern waren, ein Wettschwimmen mit uns veranstalteten (ich wurde zweite, Madame Ich-schwimm-mal-eben-über-eine-Stunde-meine-Bahnen-auch-wenn-ich-wegen-des-Chlors-hinterher-Zombieaugen-habe gewann natürlich), sich über unsere Evala2-Versuche im Wasser amüsierten und bei einem Zusammenstoß von zwei Pères „Accident ! Accident !“ riefen.

Am meisten zum Lachen brachte uns jedoch Père Samuel, wenn er, auf den Rettungsring gestützt, von A nach B schwomm und dabei laut verkündete: „Platz da! Das Nilpferd kommt!“

Nachträgliches Geburtstagsgeschenk

Als nachträgliches Geburtstagsgeschenk würden Gladys und ich uns sehr über Spenden für ihren Freiwilligendienst freuen! Ich habe meine 3000 € nämlich bereits voll, ihr hingegen fehlen noch knapp 1000 €. Spenden könnt ihr ganz einfach über diesen Link! Vielen, vielen Dank an alle, die uns unterstützen!!!

Außerdem freue ich mich sehr über Kommentare von euch. Rückmeldungen, Fragen, Anregungen oder einfach eine liebe Nachricht… Ich freue mich, wenn ihr euch meldet!

  1. Name zum Schutz des Kindes geändert ↩
  2. Initiationsritus der Kabyè-Männer, eine Art Ringkampf, findet im Juli statt ↩

Der Beitrag Mit Vollgas in die zweite Halbzeit erschien zuerst auf Du (é) au koué.

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Zwischenseminar 2.0 – Unser erster Urlaub https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/2026/04/17/zwischenseminar-2-0-unser-erster-urlaub/ https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/2026/04/17/zwischenseminar-2-0-unser-erster-urlaub/#respond Fri, 17 Apr 2026 08:11:13 +0000 https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/?p=338 Endlich mal so richtig Urlaub Nun war also das Zwischenseminar vorbei. Zumindest offiziell, denn da wir fast alle sowieso noch Urlaub in Ghana machen wollten, beschlossen die anderen kurzerhand, sich bei Quirin, Katja, Gladys und mir dranzuhängen. Also fuhren wir nach dem eigentlichen Abschluss des Seminars und einem Abstecher in die China Mall, der angesichts […]

Der Beitrag Zwischenseminar 2.0 – Unser erster Urlaub erschien zuerst auf Du (é) au koué.

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Endlich mal so richtig Urlaub

Nun war also das Zwischenseminar vorbei. Zumindest offiziell, denn da wir fast alle sowieso noch Urlaub in Ghana machen wollten, beschlossen die anderen kurzerhand, sich bei Quirin, Katja, Gladys und mir dranzuhängen.

Also fuhren wir nach dem eigentlichen Abschluss des Seminars und einem Abstecher in die China Mall, der angesichts des schier unendlichen Sortiments deutlich länger dauerte als geplant (wir kauften alle Mitbringsel für unsere Kinder), mit dem Uber (!) zum African Vibrations Hostel, unserer Unterkunft in Accra.

Schon bei der Ankunft im Hostel machte sich bei mir der Hunger bemerkbar – umso glücklicher war ich dann, als wir uns kurze Zeit später zu einer Pizzeria aufmachten. Ihr hättet mal unsere Gesichter sehen sollen, als die ersten Pizzen gebracht wurde – wir waren im siebten Himmel! Echte Pizza (wir hatten das Lokal sogar von einem Italiener empfohlen bekommen)!

Nach der Pizza in dem viel zu sehr heruntergekühlten Restaurant (10 °C) konnten wir uns bei der Outdoor-Karaoke-Bar, zu der wir anschließend gingen, wieder aufwärmen. Wobei man korrekterweise „Bar mit Live-Musik“ sagen müsste, denn das Karaoke-Niveau war unglaublich gut. So gut, dass wir uns zunächst gar nicht trauten, selbst zu singen. Als wir uns schließlich aufgerafft und auf ein Lied geeinigt hatten, war die Liste leider bereits geschlossen, sodass die restlichen Besucher von unserer Gesangseinlage verschont blieben. Der Abend war trotzdem wunderschön: Wir spielten gemütlich Karten, unterhielten uns, genossen die gute Stimmung und mein Bissap (Hibiskussaft) schmeckte außerordentlich gut.

Der einzige Negativpunkt dieses Abends war der Abschied von Henry, der am nächsten Tag zurück in den Senegal fliegen würde. Schade, dass du nicht beim restlichen Urlaub dabei sein konntest!

Nach Europa gebeamt

Am nächsten Morgen ließen wir es gemütlich angehen. Während die Jungs noch schliefen, gingen wir Mädchen brunchen. Für mich gab es eine Art Flammkuchen. Es war nicht ganz das, was ich mir vorgestellt hatte, aber definitiv sehr lecker.

Nach dem Essen schauten wir nach Souvenirs und ich kaufte mir ein richtig hübsches Armband. Dann fuhren wir mit dem Uber weiter zur Accra Mall. Es hätte jedoch genauso gut das Woluwé Shopping Centre oder das City2 in Brüssel sein können. Gleicher Aufbau, gleiche Läden. Zusammen mit Marlene sprang ich im Decathlon auf dem Mini-Trampolin, mit Leonie stand ich vor Lovisa herum und wartete, bis die anderen sich endlich entschieden hatten.

Ich fühlte mich nach Europa katapultiert und das war nicht nur ein befremdliches, sondern sogar ein richtig unheimliches Gefühl. In diesem Moment hatte ich richtig Angst vor meiner Rückkehr nach Europa. Bei meiner Ankunft in Togo war der Kulturschock irgendwie ausgeblieben. Klar, es sah anders aus und zwischendurch denke ich mir immer wieder „wo bin ich hier eigentlich gelandet?“, aber ich hatte schon erwartet, dass es ungewohnt sein würde und mich darauf eingestellt. Anders in Accra. Zum ersten Mal verstand ich, was mit Kulturschock überhaupt gemeint ist. Die Autobahnkreuze, das Hochhaus gegenüber von unserem Hostel und jetzt das Einkaufszentrum – irgendwie war es alles zu viel. Ich war echt froh, als wir wieder draußen waren!

Agbogbloshie

Es war auch höchste Zeit, denn wir waren mit Ulla und Gregor zu einer Führung durch Agbogbloshie verabredet und eh schon spät dran. Dass es dann auch noch Stau gab und wir obendrein von Google Maps an den falschen Ort gelotst wurden, machte das Chaos komplett. Letzteres bemerkten wir jedoch erst, als das eine unserer beiden Taxis bereits wieder weggefahren war, sodass wir uns zu acht in den Fünfsitzer quetschen mussten – plus Fahrer. Der war jedoch sehr nett und verständnisvoll und verlangte nicht einmal etwas für die Extrafahrt.

Agbogbloshie oder auch Old Fadama ist ein Slum im Nordwesten Accras, in dem mehr als 40 000 Menschen leben. Weltweit bekannt wurde Agbogbloshie als weltweit größte Elektroschrott-Müllkippe und damit als einer der giftigsten Orte der Welt. Offiziell wurde die Müllkippe 2021 plattgemacht, aber das hat nicht wirklich etwas an der Situation vor Ort verändert. Jetzt findet die Suche nach verwertbaren Rohstoffen halt dezentral ein bisschen überall im Viertel statt, es sind aber dennoch unglaublich viele Leute damit beschäftigt, den giftigen Müll auseinanderzunehmen.

„Den Müll“, schreibe ich hier so unbeteiligt. Dabei müsste ich richtiger „unseren Müll“ sagen, denn der Großteil des Elektroschrotts kommt aus Amerika und Europa. Was bei uns wegen Giftstoffen nicht normal entsorgt werden darf, stellt die Lebensgrundlage etlicher Familien hier dar. Überall im Viertel wird damit gearbeitet, dazwischen wird gekocht, gespielt, gelacht und geweint – kurz gesagt: gelebt. Die Ausfuhr von giftigem Müll in Länder, in der die korrekte Entsorgung nicht gewährleistet werden kann, ist übrigens durch das von 191 Ländern (USA bisher nicht) und der Europäischen Union ratifizierte Basler Übereinkommen seit 1989 verboten.

Die Kleider des toten weißen Mannes

Bevor wir jedoch den Elektroschrott sahen, führten uns Grace, eine Sozialarbeiterin, die selbst in Old Fadama aufgewachsen ist, und ihre Schwester Blessing über den Textilmarkt. Es ist der größte Markt für Secondhand-Kleidung in ganz Westafrika. Hier kommen die Container mit den „Kleidern des toten weißen Mannes“, wie die Übersetzung des Namens dieses Marktes heißt, an. Wobei es sich natürlich nicht wirklich um die Kleider von Toten handelt, sondern vielmehr um Sachen, die zurückgeschickt oder bis Ende der Saison nicht verkauft wurden oder auch um den Inhalt von Altkleidercontainern. Die Kleidung kommt in riesigen in Plastik (wieder Müll!) eingewickelten Paketen an. Diese werden dann von Händlern auf gut Glück gekauft (man sieht ja nicht, was drin ist) und nach Brauchbarkeit sortiert. Etwa vierzig Prozent der Kleidung wird weiterverkauft, der Rest landet auf der Müllkippe, wie Grace mir erklärte.

Eine Szene hat sich besonders in mein Gehirn eingebrannt: Zwischen all dem geschäftigen Treiben war ein großes Loch im Boden. Die Kanalisation, die meist unter den Bürgersteigen aus Beton verläuft, war geöffnet worden. In diesem Loch stand ein Mann und hievte den Unrat aus der Kanalisation. Dieser türmte sich bereits zu einem kleinen schwarzen Hügel auf, der furchtbar stank. Der Großteil des Abfalls war nicht mehr zu erkennen, aber ganz unten ragte der Ärmel eines Kinder-T-Shirts hervor – es war wohl einmal rosa gewesen.

Der Arbeiter, der zum Schutz lediglich bedeckende Kleidung und ein Tuch vor dem Mund trug, war selbst von oben bis unten von dem schwarzen Schlamm getränkt und ich fragte mich, wie er den Gestank wohl abends loswerden würde. Wahrscheinlich gar nicht. Ob er wohl den Gestank genauso schlimm fand wie ich? Oder bemerkte er ihn gar nicht mehr? Ich weiß gar nicht, was ich schlimmer finde.

Leben von und im Müll

Vom Textilmarkt ging es weiter in den eigentlichen Slum. Bevor wir weitergingen, bekamen wir noch folgende Anweisung: „Berührt die Dächer nicht, die meisten stehen unter Strom.“ In diesem Moment war ich ziemlich froh, klein zu sein!

Wir überquerten einen Fluss, der jedoch längst nicht mehr als solcher zu erkennen war, weil seine Oberfläche komplett von Müll bedeckt war. Dazu liefen wir über eine Hängebrücke. Auf der anderen Seite angekommen, blieben wir kurz stehen und ich konnte mich wieder genauer umschauen. Um uns herum waren richtige Müllberge. Und auf dem Müll hatten Menschen ihre Häuser gebaut. Der Müll ist im wahrsten Sinne des Wortes ihre Lebensgrundlage. Grace meinte bei einem Berg, er sei seit ihrer Kindheit auf das Sechsfache gewachsen und auf die Frage, ob ihr das keine Angst mache, antwortete sie: „Nein, warum?“

Während wir so dastanden und auf was auch immer warteten, freundete Quirin sich direkt mit einer Gruppe kleiner Kinder an, was wir alle total niedlich fanden. (Du wirst mal ein toller Papa, mein Lieber!) Einerseits war es voll schön, Quirin mit den Kindern zu sehen, andererseits tut es mir im Herzen weh, dass sie unter diesen Umständen aufwachsen müssen. Diese Familien haben es wirklich schwer!

Hoffnungsträger

Dennoch habe ich den Slum nicht als schwermütig empfunden. Ja, hier gibt es wahnsinnig viel Leid, aber auch viel Freude. Es ist nicht trostlos, auch hier gibt es Orte und Menschen, die Hoffnungsträger sind. Zu einem dieser Hoffnungsträger, einer Computerschule, ging es dann weiter. Der Weg dorthin war das reinste Labyrinth, bereits nach den ersten Metern gab ich jeglichen Versuch der Orientierung auf.

In der Computerschule können die Schüler in Abendkurs den Umgang mit Computern, sowie die Basics des Programmierens lernen, um später ein Studium oder eine Ausbildung in dem Bereich absolvieren zu können.

Dort verabschiedeten wir uns von Ulla und wurden dann zurück an unseren Ausgangspunkt gebracht.

Schnipp schnapp, Haare ab

Nach einem kleinen Abstecher zu einem Kunstmarkt, fuhren wir wieder zurück ins Hostel. Dort wurden wir bereits von Katja und Lotte, einer Via-Freiwilligen aus Benin, erwartet.

Marias begrüßte Lotte etwa so: „Hi, wie schön, dich zu sein sehen! Wir schneiden jetzt Christines Haare ab.“ Ihr hättet mal Lottes Gesicht sehen sollen!

Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt und an diesem Abend sollte es also geschehen! Maria und Lotte flochten mir kleine Zöpfchen (ich glaube, die beiden waren noch aufgeregter als ich selbst) und alle durften einen Zopf abschneiden. Dann kam Quirin mit seiner Haarschneidemaschine und rasierte mir einen Avatar-The-Last-Airbender-Strich. Er wollte gerade anfangen, mir die restlichen Haare auch abzurasieren, da gab das blöde Teil plötzlich den Geist auf. Da saß ich nun also mit unregelmäßig kurzen Haaren und einem umgekehrten Iro. Auf gar keinen Fall würde ich so vor die Tür gehen! Also versuchten Leonie, Maria, Marlene und Lotte mit Matildes Haarschneideschere und mit Nagelscheren (!) zu retten, was zu retten war. Sie taten ihr bestes und das Ergebnis war auch den Umständen entsprechend gut, doch zu unserem anschließenden Salsa-Abend zog ich trotzdem lieber ein Käppi über.

Der Salsa-Abend selbst war super! Wir trafen uns mit weiteren Freiwilligen aus Benin (wie viele seid ihr bitte?!) und tanzten und tanzten und tanzten. Ganz viel Salsa und zwischendurch Line-Dances, die allerdings sehr viel anspruchsvoller als „Cotton-Eye Joe“ waren.

Abschied von Accra

Am nächsten Tag trafen wir zufällig Elia und seine Familie beim Brunch. Nach dem Essen verabschiedeten wir uns sowohl von ihm als auch Marlene, die zurück nach Benin musste und von Maria, Leonie und Lotte, die weiter nach Cape Coast fuhren, während es für uns in die Volta-Region nahe der togoischen Grenze ging.

Die Fahrt war… abenteuerlich. Letztlich kamen wir aber heil in unserem Hostel in Wli an (danke nochmal fürs Krisenmanagement, Quirin) und wurden dort von *Überraschung* Gregor in Empfang genommen. Er hatte sich nämlich dazu überreden lassen, auch noch einen Teil seines Urlaubs mit uns zu verbringen.

Irgendwie hatte das Hostel einen Fehler bei der Buchung der Beniner gemacht, weshalb kurzerhand zusätzliche Matrazen in unsere Zimmer gelegt wurden und Gladys und Edwin draußen in den Hängematten unter dem Mangobaum schliefen.

Endlich wieder wandern!

Den Morgen darauf ließen wir es ganz gemütlich angehen und frühstückten erst in Ruhe, bevor wir zu einer Wanderung aufbrachen. Begleitet wurden wir von Malike, einer ehemaligen Volontärin, die ebenfalls durch Ghana reiste.

Wohin die Wanderung gehen sollte? Rauf auf den Mount Afadjato, der mit seinen 587 m der höchste Berg Ghanas ist. Der Aufstieg dauerte zwar nur knapp eine Stunde, war aber dafür sehr, sehr steil. Am Gipfel angekommen waren wir uns jedoch einig: Das war es wert gewesen! Man hatte einen wirklich tollen Blick!

Dementsprechend dauerte die Fotosession etwas länger als geplant, weshalb wir auch nicht mehr wie eigentlich geplant zum Wasserfall konnten. Das hoben wir uns also für den nächsten Tag auf.

Nach der Wanderung gingen einige von uns Fufu essen. Dort probierte ich auch zum ersten Mal Antilopenfleisch. Ich fand’s sehr lecker! Das Fufu war auch gut, ich muss jedoch sagen, dass mir togoisches Fufu besser schmeckt. Bei uns wird Fufu nur aus Yams zubereitet, in Ghana mischen sie oftmals auch Manjok oder Kochbananen hinein.

Die Nacht verbrachte ich zusammen mit Gladys in der Hängematte. Zwischendurch muss es geregnet haben (das Gras war am nächsten Morgen nass), ich habe allerdings nichts davon mitbekommen. Das Blätterdach des Mangobaums, unter dem wir schliefen, war so dicht, dass wir trocken blieben.

Bergauf

Am nächsten Morgen ging es für uns früher los, die Wanderung, die wir vorhatten, war nämlich deutlich länger als die des Vortages.

Diesmal wollten wir zu den Wli Waterfalls, den höchsten Wasserfällen Westafrikas. Wasserfälle!!! Gladys hatte mir schon mindestens einem Monat damit in den Ohren gelegen und jetzt war es endlich soweit! Wir machten den Togo-Loop, der oben über die togoische Grenze führte. Geplante Dauer der Tour: 7 Stunden.

Nach einem deutlich längeren, aber weitaus weniger steilen Aufstieg als am Vortag kamen wir an den höchsten Punkt unserer Tour. Die Aussicht war wunderschön, so viel Grün! Danach ging es weiter bis zu einer Weggabelung. Ratet mal, was an dem Wegweiser klebte. Genau, ein „Nett hier“-Sticker. Da muss ich die Baden-Württemberger unter euch jedoch enttäuschen: Mit Wli kann es der Schwarzwald an Schönheit dann doch nicht aufnehmen, zumindest meiner Meinung nach.

Ein Stück vom Paradies

Anschließend mussten wir einen Bach überqueren. Bevor wir jedoch ans andere Ufer gingen, wateten wir ein ganzes Stück flussaufwärts. Während wir Dora The Explorer spielten, erntete unser Guide irgendwo eine Ananas und servierte uns diese auf einem Bananenblatt. Wirklich wie im Film!

Danach ging es zu einer Höhle, in der eine riesige Flughundkolonie hauste und dann schließlich zu den Upper Waterfalls! In Null Komma nix waren wir im kühlen Nass. Diesmal war das Wasser tatsächlich kalt. Wir duschten unter dem Wasserfall, kletterten die Felsen hoch, spritzten uns gegenseitig nass… Kurzum, wir kosteten die Zeit in diesem Paradies in vollen Zügen aus.

Zuckersüß

Beim Abstieg kosteten wir außerdem noch etwas Anderes, nämlich eine Frucht. Ihren Namen habe ich leider wieder vergessen, aber ihre Schale war rot und ziemlich hart. Die Form war ein bisschen wie bei einer Sternfrucht, allerdings nur mit drei Kanten und außerdem kleiner. Innen war ein Kern, der mich an den einer Litschi erinnerte und nur oben war ein klein wenig Fruchtfleisch. Das macht jedoch nichts, man nibbelt nämlich sowiewo nur ein winziges Stückchen ab, denn diese Frucht ist unglaublich süß!!!

Unser Guide hatte uns zwar schon vorgewarnt, dass sie süßer sei als alles, was wir in unserem Leben zuvor gegessen hatten, aber ich dachte, ehrlich gesagt, er übertreibe. Hat er aber nicht. Ich hab nur einmal daran geknabbert und meine Geschmacksknospen waren total überfordert. Ich wollte die Süße also mit etwas Wasser herunterspülen, was die Sache jedoch nur schlimmer machte. Jetzt hatte ich Wasser, das süßer als purer Sirup schmeckte, im Mund. Glücklicherweise hatten wir Sour Cane dabei (wie Zuckerrohr nur kleiner und halt sauer statt süß). Darauf zu kauen brachte etwas Ausgleich. Dennoch schmeckte ich die Süße auch zwei Stunden später noch. Keine Übertreibung!

Abschluss und Abschied

Zum Abschluss trafen wir diejenigen, die nicht mitgekommen waren an den Lower Falls und gingen nochmal ins Wasser.

Da es unser letzter gemeinsamer Abend war, erinnerte ich Oscar daran, dass er noch sein Versprechen einlösen und mir die Haare komplett abrasieren musste. Es war wie schon bei der letzten Haar-Aktion ein Gruppenereignis, bei dem alle mitmachen wollten und sehr, sehr viel lachten. Das Endergebnis war ungewohnt, aber ich fand es voll cool. Und das Letzte, was ich noch mitbekam, bevor ich in meiner Hängematte einschlief (die anderen dachten, ich sei bereits eingeschlafen, weil ich die Augen geschlossen hatte), war, wie Quirin zu den anderen sagte: „Respekt an Christine, die Frau hat echt Eier!“

Oscar an der Arbeit

Am nächsten Morgen stand leider schon die Abreise an. Bis nach Hohoe fuhren wir bis auf Mira, die bereits früher aufgebrochen war, alle zusammen, dort verabschiedeten wir uns von Quirin, Gregor und Malike. Für die drei ging es zurück nach Accra, während der Rest nach Lomé musste.

Papierkram und dann ab nach Hause

Die Rückreise nach Togo kann so zusammengefasst werden: Trotro nach Ho, dort was zu essen kaufen und in ein Trotro nach Aflao. In Aflao über die Grenze nach Lomé. Diesmal im Vergleich zur Hinreise unkompliziert. In Lomé gleich Taxi gefunden, zu Katja gefahren. Alle dort übernachtet.

Am nächsten Tag fuhren die vier Beniner wieder zurück, Katja musste zur Arbeit und Gladys und ich? Wir durften in Ruhe ausschlafen und unterhielten uns dann bei einem leckeren Frühstück mit Laura, Katjas Mitbewohnerin.

Nach dem Essen ging es für uns zum Passport Service, Visum verlängern. Von dort aus fuhren wir zur Maison Don Bosco, wo wir uns einen gemütlichen Nachmittag machten und wo auch Katja netterweise übernachten durfte.

Als wir am nächsten Tag unser Visum und Katja endlich ihre Carte de séjour in der Hand hielten, war die Freude groß! Gefeiert wurde, indem Katja uns noch einmal zu sich nach Hause und anschließend auf ihre Arbeit mitnahm. Es war sehr interessant, ihr Projekt kennenzulernen und die Kinder waren (fast) genauso süß wie unsere.

Die vermissten wir auch schon, weshalb es am Tag darauf wieder nach Kara ging. Nach Hause. Ich freute mich auf die Communauté und Fidèles Essen, auf funktionierendes Wlan und eine Waschmaschine, aber am meisten natürlich auf die Kinder! Ich hatte den Kopf voller neuer Projektideen…

Apropos Projektideen: Wenn ihr uns bei unserer Arbeit unterstützen wollt, könnt ihr gerne für Gladys spenden. Ich habe meine 3000 € bereits beisammen, aber bei ihr fehlen noch etwa 1000 €. Spenden könnt ihr hier und ihren Blog findet ihr hier.

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Seminar, das: Lehrveranstaltung [an einer Hochschule], bei der die Teilnehmer[innen] unter [wissenschaftlicher] Anleitung bestimmte Themen erarbeiten

Duden

In der Schule haben wir gelernt, dass man, bevor man in einem Aufsatz über Dinge schreibt, diese erst definieren muss. Aber die Definition des Dudens beschreibt nicht einmal ansatzweise, was dieses Seminar für mich war. Daher hier noch einmal meine eigene:

Seminar, das: Intensive Zeit der Reflexion und des Austauschs mit anderen Freiwilligen. Zeit für Albernheiten und für Deep Talks zugleich. Gibt Kraft, Mut und macht einfach Spaß. Möglichkeit, neue Freundschaften zu schließen. Safe Space.

Tag 0: Ankunft

Unsere Anreise nach Ashaiman habe ich ja in meinem letzten Blogeintrag bereits erzählt. Viel gemacht haben wir an diesem Abend nicht mehr. Wir stellten uns kurz vor, dann das Good Night, fertig. Es waren sowieso noch nicht alle da (die Leute aus Benin kamen aufgrund von diversen Schwierigkeiten erst spätabends an), es war also wenig sinnvoll, schon irgendetwas Inhaltliches zu machen.

Good Morning und Good Night

Das Good Morning und das Good Night haben in der Don-Bosco-Welt eine lange Tradition und sind auch fester Bestandteil aller unserer Seminare. Es handelt sich dabei um einen kurzen Morgen- bzw. Abendimpuls. Zurückzuführen ist diese Tradition auf Don Bosco Mutter Margareta, die an einem Abend einem Jungen, den sie bei sich in der Küche übernachten ließ, eine kleine Ansprache hielt. Auf Französisch heißt das Good Night „mot du soir“, das Good Morning heißt „mot du matin“. Bei uns im Foyer gibt es jeden Abend ein mot du soir, das Mot du matin findet nur in den Ferien statt. Dafür gehört es fest zum Schulalltag im Collège et Lycée und im Centre de formation professionelle et technique.

Lange geredet wurde nach dem Good Night auch nicht mehr, alle waren erschöpft von der Anreise und gingen früh schlafen. Nur Gladys und ich nicht, wir hatten uns schließlich schon am Nachmittag hinlegen können und quatschten noch viel zu lange über alles Mögliche, vor allem aber über unsere Vorfreude aufs Seminar.

Tag 1: Ich, du, wir

Am nächsten Morgen starteten wir nach dem Frühstück mit einem Good Morning von Gregor in den Tag. Alle außer die Beniner, die holten mit Ulla das Good Night vom letzten Abend nach.

„Das ist Christine, eine unserer beiden Freiwilligen.“

Wie immer, wenn man sich in einer neuen Gruppe zusammenfindet, stellten wir uns dann in der großen Gruppe der Reihe nach vor. Aber nicht nur „Name, Alter, Hobby“, sondern gleich etwas tiefer. Zuerst aus der Perspektive eines Kindes oder Mitarbeitenden aus unserem Projekt, dann mithilfe von Fotos und einem Gegenstand, den wir zu diesem Zweck mitbringen sollten.

Außerdem bekamen wir eine Führung über den Campus, auf dem sich, abgesehen vom Provincial House (dem Verwaltungssitz der Provinz) und dem Guest House, wo wir Mädchen untergebracht waren, noch ein Ausbildungszentrum befindet. Hier wird unter anderem eine Weiterbildung für Elektriker im Bereich Solarenergie angeboten. Dorthin wurden auch Deutsche schon zur Weiterbildung geschickt, weil Ghana in der Batterietechnik für die Speicherung von Solarenergie Deutschland voraus ist.

Gruppenfoto vorm Ausbildungszentrum

Nach der Mittagspause ging es weiter mit einem absoluten Klassiker des Teambuildings, nämlich dem Eisschollenspiel. Dass die Eisschollen in der ghanaischen Hitze schmelzen, wundert mich ja mal überhaupt nicht. Dank Teamarbeit haben es trotzdem alle Pinguine in Sicherheit geschafft.

„Ein Widerspruch in sich“ – ein Abenteuer-Coming-of-age-Roman

Danach setzten wir uns intensiv mit uns selbst und unserem Freiwilligendienst auseinander. Die Einheit hieß „Mein Freiwilligendienst als Buch“ und genau darum ging es. Wie hieße dieses Buch? Welche Kapitel gäbe es? Zu welchem Genre würde es gehören? Welche Figuren (außer natürlich mir selbst) spielen eine tragende Rolle? Was sind zentrale Themen?

Genaues dazu werdet ihr hier nicht erfahren, das ist privat. Nur so viel: Ich habe mein Buch „Ein Widerspruch in sich“ genannt und dazugeschrieben: „Wahrscheinlich eine Mischung aus Abenteuer- und Coming-of-age-Roman, aber wer weiß das schon genau.“ Die wichtigste Nebenfigur ist natürlich Gladys.

Nach einer Zeit der Einzelarbeit fanden wir uns Kleingruppen zusammen und stellten uns gegenseitig die Ergebnisse vor. Ich fand es beeindruckend, wie offen und ehrlich alle erzählten, obwohl wir uns zum Teil noch nicht einmal 24 Stunden kannten. Und es tat so unfassbar gut zu merken, dass ich mit meinen Themen und Problemen nicht alleine bin. Dass da andere junge Menschen sind, die zumindest ähnliche Schwierigkeiten haben und die mich verstehen.

Brainstorming Reisen

Anschließend durften wir für eine Austauschrunde zu einem Thema aus unserem „Themenspeicher“ nutzen. Dort durften wir Themen notieren, die uns besonders am Herzen lagen. Die Austauschrunden waren immer freiwillig, es waren aber tatsächlich alle bei allen dabei. Das erste Thema: Reisen. Es ging um allgemeine Tipps und Tricks, Sehenswertes in den verschiedenen Ländern, zu empfehlende Unterkünfte, die Transportmöglichkeiten. Eine ganz konkrete, praktische Sammlung, die unsere Künstlerin Marlene gekonnt auf einem einzigen Plakat festhielt.

Lach-Flashs und Deep Talks

Nach dem Abendessen und dem Good Night wurde „Psychatrie“ gespielt und dabei sehr, sehr viel gelacht! Insgesamt war die Stimmung abends oft heiter und ausgelassen, wir konnten nach Herzenslust albern sein! Allerdings waren die Abende nicht nur mit Spiel und Spaß gefüllt, ich habe mit allen Teilnehmenden mindestens ein tiefgründiges Gespräch während dieser paar Tage geführt. Also mit zwölf Leuten, von denen ich zuvor fünf überhaupt nicht und sechs nur sehr oberflächlich kannte. Und auch mit Ulla und Gregor habe ich mich richtig gut unterhalten. Seminare sind wirklich etwas ganz Besonderes: Nirgendwo sonst habe ich so schnell so viele Leute so gut kennengelernt wie auf Seminar. Dabei sticht dieses Seminar besonders hervor. Wir sind in der kurzen Zeit eine richtige Gemeinschaft geworden und ich habe mich mit ausnahmslos allen gut verstanden. Was für ein Geschenk!

Tag 2: Erwartungen, Enttäuschungen, Dampf ablassen

Erwartungen: erfüllt oder enttäuscht?

Nach dem richtig coolen Kanon „Tower of Strength“ als Good Morning blickten wir bei einer Traumreise noch einmal auf die Zeit kurz vor unserem Freiwilligendienst. Welche (vielleicht auch unrealistischen) Erwartungen hatten wir da an dieses Jahr? Wie so oft bekamen wir erst eine Zeit für Einzelarbeit, dann kamen wir wieder in der Gruppe zusammen. Jetzt bekamen wir Aussagen, zu denen wir uns im Raum positionieren sollten. Am einen Ende war „trifft total zu“, am anderen „trifft gar nicht zu“ und alles dazwischen eben Abstufungen. Die erste Positionierung war jeweils zu unserer Erwartungshaltung (War das überhaupt meine Erwartung?), die zweite zur tatsächlichen Situation. Man merkte schnell: Oft gingen Erwartung und Realität weit auseinander, positiv wie negativ. Und: Wir hatten alle ganz unterschiedliche Erwartungen und auch die Erfahrungen sind von Person zu Person sehr unterschiedlich gewesen – logisch.

Danach tauschten wir uns in wechselnden Zweier-Gruppen noch zu verschiedenen Erwartungen aus. Wir überlegten unter anderem, an welchen Erwartungen wir festhalten und welche wir loslassen wollen und wie das mit dem Loslassen überhaupt gelingen kann.

How to find friends

Kein Witz: Wir haben eine Brainstorming-Runde zum Thema „Freunde finden“ gemacht. Das ist nämlich gar nicht so einfach in einer völlig anderen Kultur. Als Ticket nach Europa gesehen zu werden, macht die Sache nicht unbedingt einfacher, wenn man auf der Suche nach echten Freunden und nicht nach nur Bekanntschaften ist.

Hier brodelt’s

Am Nachmittag durften wir mal so richtig Dampf ablassen und uns auskotzen. Eine halbe Stunde lang alles zu Papier bringen, was uns nervt. Was uns so richtig wütend macht. Jeder für sich auf ein Blatt Papier, ohne Rücksicht auf guten Sprachgebrauch oder die Gefühle anderer. Das tat vielleicht gut! Einfach mal alles rauslassen, ohne sich dabei überlegen zu müssen, was für ein Bild man damit anderen Leuten von sich, von anderen, von Afrika vermittelt.

Im nächsten Schritt wurden dieser Aufreger dann nach Themen sortiert und wir überlegten uns, wie man damit umgehen kann. Wir fertigten also metaphorische Kochhandschuhe für unsere metaphorischen brodelnden Kochtöpfe an.

Man(n) muss kein Macho sein

Ein großes Thema: Männer. Ich habe längst aufgehört zu zählen, wie viele Heiratsanträge ich bekommen habe, wie oft mir von Typen (allen Alters) hinterhergezischt oder -gerufen wurde und sogar, wie oft sie mir körperlich zu nahe kamen, sodass ich mich unwohl fühlte. Diese Erfahrung wünsche ich wirklich niemandem, doch leider gehört sie hier aufgrund der sehr patriarchalen Strukturen zum Alltag einer jungen Frau dazu. Ich finde es schlimm, dass auch die anderen Volontärinnen diese Erfahrung machen mussten und doch tat es mir gut, gespiegelt zu bekommen, dass ich damit nicht allein bin. Und damit, dass es nicht meine Schuld ist, dass ich nichts falsch gemacht habe. Das wusste ich zwar in Theorie schon davor, aber es zu spüren ist etwas ganz Anderes.

Und ich bin dankbar für das Verständnis der Jungs. Dass sie anerkannt haben, dass es Probleme gibt, die sie nur aufgrund ihres Geschlechts nicht haben, aber dass es auch sie etwas angeht und sie uns unterstützen können. Das habt ihr und werdet es auch weiterhin, deswegen ein großes Danke an euch!

Billard und Karaoke

Als Abendaktivität sind wir als Gruppe ausgegangen. In der Bar gab es Billardtische, die wir sofort in Beschlag nahmen. Außerdem gaben wir übertrieben theatralisch Karaoke-Lieder zum Besten. Kurz: Wir hatten einfach zusammen Spaß.

Zurück im Provincial House ging es weiter, es war noch ein sehr schöner Abend voller Lacher und interessanter Gespräche.

Tag 3: Blick nach vorne

Messe

Tag 3 war ein Sonntag und damit war morgens Messe. Die fand ich jedoch eher enttäuschend, denn die Stimmung war nicht wie gewohnt fröhlich-ausgelassen, sondern ziemlich gedrückt. Das lag jedoch nicht an Ghana, sondern an der Fastenzeit, wie mir versichert wurde. Und es stimmt: Auch hier in Kara macht der Gottesdienst während der Fastenzeit weniger Spaß.

Land und Leute

Den Rest des Vormittages verbrachten wir in zwei Gruppen: Die eine bereitete Plakate vor, um die Kultur (Essen, Religionen und Feste, Tanz und Musik und Sprachen) ihres Einsatzlandes vorzustellen, die andere erarbeitete ganz praktische Tipps für die Arbeit in unseren jeweiligen Projekte, z.B. Spielideen. Unsere Ergebnisse präsentierten wir uns hinterher gegenseitig. (Wer sich für die Kultur Togos interessiert, kann bei meinem vorletzten Blogeintrag etwas dazu lesen. Hier der Link.)

Rettungsschirm für stürmische Zeiten

Am Nachmittag war wieder intensive Reflexion angesagt, diesmal ging es um mentale Gesundheit. Wieder arbeiteten wir mit einer Metapher, nämlich dem Rettungsschirm. Was (welche Routinen, welche Orte, welche Aktivitäten) und wer schirmen uns vor Regen ab? Was ist die Stange/Stütze, die das Ganze trägt, welche Werte und Glaubenssätze helfen mir? Und was bildet den Griff, was habe ich selbst in der Hand? Was kann ich konkret tun, wenn es mir schlecht geht?

In weiter Ferne

Außerdem warfen wir einen Blick auf unseren Abschied und wie wir diesen gut gestalten können. Das kam mir noch soooo weit weg vor. Gleichzeitig verging das erste halbe Jahr so schnell, warum sollte es bei der zweiten Halbzeit anders sein? Es ist vielleicht gar nicht so doof, sich schon frühzeitig damit auseinanderzusetzen, damit man ihn schön gestalten und das Jahr somit gut abschließen kann.

Dann wurde noch kurz ein Thema angerissen, das bei mir so gar kein Problem darstellt: Mitvolos. Was soll ich sagen: Ich habe die coolste, lustigste, aufmunterndste und liebste Mitvolontärin der Welt und wenn das euch zu kitschig ist, dann ist das euer Problem, es ist die Wahrheit. Ich bin so unfassbar dankbar für dich, Glagla!

Hab keine Angst, kleiner Löwe

Kennt ihr das Bilderbuch „Hab keine Angst, kleiner Löwe“? Es war mein absolutes Lieblingsbuch als kleines Kind und unser Good Night am Sonntag. Das hatten Leonie und ich zusammen vorbereitet und es war total schön, diese Geschichte und ein paar Gedanken dazu mit den anderen teilen zu können.

Natürlich bin ich an diesem Tag ebenso wenig früh schlafen gegangen wie an all den anderen Seminar, obwohl wir am nächsten Tag früh rausmussten.

Tag 4: Ein Tag im Paradies

Eine echte und eine Traumreise

„6:30 Uhr ist Abfahrt“ hat Ulla am Vortag gesagt und scheinbar haben wir alle unsere deutsche Pünktlichkeit beibehalten, denn um 6:45 Uhr saßen wir tatsächlich alle im Bus und es ging los. Ausflug! Vom Gefühl her wie Klassenfahrt, nur besser. Gefrühstückt wurde auf dem Weg und das Good Morning fand ebenfalls im Bus statt. Es war eine Traumreise, angeleitet von Marlene und Gladys. Wunderschön erzählt und von Insidern gespickt, was mal wieder beweist, was für eine tolle Gruppe wir sind!

Leinen los

An unserem Ziel warteten bereits zwei Boote auf uns, denn wir machten eine Bootstour am Delta des Voltas, Ghanas wichtigstem Fluss. Eine Bootstour!!!

Schwimmwesten an, auf die Boote aufgeteilt und los! Eine Fahrt durch eine paradiesische Landschaft. Ich konnte mich gar nicht sattsehen an dem glitzerndem Wasser, über das wir glitten, dem üppigen Grün der Wasserpflanzen und den malerischen Inseln, an denen wir vorbeifuhren.

Schni-Schna-Schnappi

Die erste Insel, bei der wir an Land gingen, war Crocodile Island. Der Name war Programm: Auf Crocodile Island gab es tatsächlich Krokodile, zudem noch verschiedene Schildkrötenarten, Pythons und Affen. Ich hatte gemischte Gefühle bei dieser Insel, denn einerseits war es natürlich total cool, ein junges Krokodil in der Hand halten und sich eine junge Python um die Schultern legen zu dürfen, andererseits war die Haltung alles andere als artgerecht. Besonders die der Affen. Ich war also nicht unbedingt traurig, als wir die Insel dann wieder verließen und weiterfuhren.

Verlobungsfeier

Unser zweiter Halt war Rum Island. Als wir dort an Land gingen, fand Gladys einen Ring am Ufer. „Gehört der jemandem?“, fragte sie. Alle verneinten. Gladys beschloss, dass das ja wohl nicht sein könne und machte kurzerhand Quirin damit einen Heiratsantrag. Quirin sagte ganz verzückt „ja!“ und so hatte nicht nur der Ring einen neuen Besitzer, sondern unsere Gruppe auch zwei Verlobte. Darauf wurde gleich mit dem uns angebotenen Rum angestoßen, wobei ich – genau wie die zukünftige Braut – dankend ablehnte.

Käppi über Bord

Auf dem Weg zur dritten Insel fiel ein Käppi ins Wasser. Bei dem Rettungsmanöver hatte ich kurz Angst, selbst über Bord zu gehen, weil das Boot so sehr in die Kurve ging, aber zum Glück ist nichts weiter passiert, ich wurde nur ein wenig nass. Sehr erfrischend!

Strandtag deluxe

Den Namen der dritten und letzten Insel, die wir ansteuerten, habe ich vergessen. Jedenfalls kamen wir dort an, luden unsere Sachen aus und bestellten was zu essen, denn so langsam meldete sich der Hunger und man hatte uns gesagt, dass es dauern würde, bis das Essen fertig sein würde.

Das war mir herzlich egal, ich wollte sowieso erst ins Wasser. Wir schwammen, wir machten eine Wasserschlacht, wir spielten Wasser- und Volleyball… Es war herrlich!

Als dann schließlich unser Essen kam, setzten wir uns mit strahlenden Gesichtern an den Tisch und hauten ordentlich rein. Viel zu schnell verging die Zeit und nach dem Essen mussten wir bereits aufbrechen. Allerdings nicht, ohne vorher eine frische Kokosnuss zu kaufen, deren Wasser ganz hervorragend schmeckte.

Warme Dusche

Wieder in Ashaiman angekommen machten wir noch eine „Warme Dusche“. Manche wörtlich, alle metaphorisch. Wir schrieben uns gegenseitig liebe Dinge auf einen Zettel als Trost und Ermutigung für schlechte Zeiten. Ich hatte nicht ansatzweise genug Zeit, alles aufzuschreiben, was mir zu den Leuten einfiel!

Nach dem Wasser nun das Feuer

„Weil es ja unser letzter Abend ist…“, begann Ulla das Good Night an diesem Tag und ich dachte nur: „Waaaas?! Schon? Wir sind doch gerade erst angekommen!“

„… wollen wir heute unsere Bad Box verbrennen“, beendete sie ihren Satz. Das muss ich vielleicht kurz erklären: Die ganze Woche über durften wir Dinge, die wie gerne auf dem Seminar zurücklassen wollten, aufschreiben und den Zettel in die sogenannte Bad Box werfen. Diese Box sollte dann am letzten – also an diesem – Abend verbrannt werden. Zwar wusste ich bei den meisten Dingen gar nicht mehr so genau, was ich aufgeschrieben hatte, aber der Blick in die Flammen war dennoch sehr befreiend und erinnerte mich sehr an den letzten Abend in Jünkerath, wo wir unsere völlig übertriebenen Erwartungen an uns im Freiwilligendienst verbrannt hatten.

Wie auch in Jünkerath war der letzte Abend ganz besonders schön und sehr, sehr unterhaltsam!

Tag 5: Schon vorbei?

Der letzte Vormittag war unserem „Masterplan“ für die nächsten sechs Monate gewidmet. Was nach der Idee eines Bösewichts aus einem Marvel-Film klingt, ist eigentlich ganz harmlos. Wir sollten uns damit auseinandersetzen, was für das Gelingen unseres Freiwilligendienstes notwendig ist. Was wären Highlights? Was wäre nett, ist aber nicht entscheidend? Was möchte ich aktiv gestalten oder verändern?

Nach dem Mittagessen hieß es Abschiednehmen. Allerdings nicht für lange…

Cliffhanger! Den Rest erfahrt ihr im nächsten Blogeintrag, wo es dann um unseren Urlaub geht. Unseren allerersten Urlaub! Also seid gespannt!

Bis dahin: Kommentiert gerne, besonders die neuen Volos! Wie war euer Seminar?

Noch mehr als über Kommentare freue ich mich über Spenden. Das geht ganz einfach über diesen Link. Ich freue mich weiterhin riesig über eure Unterstützung!!!

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Nadeln gegen Schmerzen

Wer von euch hat schon einmal Akupunktur ausprobiert? Ich nicht. Und Gladys bis vor Kurzem auch noch nicht. Das änderte sich am 14. Februar, also am berühmt-berüchtigten Valentinstag. Der wird hier auch gefeiert und machte auch vorm Foyer nicht halt. Die ganzen letzten Wochen schon war „Love“ ein großes Thema und wurde auf diverse Liebesbriefe gemalt. Briefe, die alle gleich klangen und von dessen kitschigen Inhalten ich Brechreiz bekam. Ich war insgesamt auf das Thema Romantik und Sexualität gerade gar nicht gut zu sprechen, denn für Gladys und mich waren die letzten Wochen alles andere als romantisch verlaufen. Ich war an einem Tiefpunkt angekommen.

Aber zurück zur Akupunktur: Am Morgen des 14. Februars kam ein chinesisches Gesundheitsteam ins Foyer und führte eine allgemeine medizinische Untersuchung der Kinder durch. Die lief ungefähr so ab wie die „Visite médicale“ bei uns an der Schule. Messen und Wiegen, Atem und Herzschlag abhören, Sehtest. Außerdem noch eine Speichelprobe. Was allerdings fehlte, war der Hörtest. Sehr schade, denn bei einigen Kindern hege ich den Verdacht, dass sie schwerhörig sind, was sich natürlich unter anderem auf ihre schulischen Leistungen auswirkt.

Diejenigen, die über Schmerzen klagten, wurden mit Akupunktur behandelt. So auch Gladys, denn sie hat schon seit Längerem immer wieder Knieschmerzen, wenn sie Sport macht. Auch Père Jonathan und die Sekretärin Roberta bekamen Nadeln in die Haut gesteckt. Bei letzterer fand es ihre Tochter schlimmer als sie selbst, das arme Kind hatte richtig Angst um seine Mutter. Ich für meinen Teil war ebenfalls ganz froh, keinen Grund zum Gepikstwerden aufzuweisen.

Tut’s weh?

Nach der Untersuchung und schätzungsweise tausend Fotos verabschiedete sich das chinesische Team und wir begannen mit unserem Valentinsprogramm.

Von Geburt an wertvoll

Vormittags war eine „Causerie éducative“, also eine Art Workshop zu einem Thema, für die Mädchen geplant, nachmittags für die Jungs.

Die Causerie der Mädchen hatte Roberta geplant, es ging um die Geschichte des heiligen Valentins und seine Bedeutung heute. Besonders schön fand ich, dass Roberta immer wieder betonte, dass ein Mädchen nicht erst durch eine Beziehung zu einem Jungen einen Wert bekommt, sondern von Geburt an wertvoll ist. Das war die zentrale Botschaft: Ich muss keinen Freund haben, um eine wertvolle, liebenswürdige und geliebte Person zu sein. Eine Botschaft, die angesichts der vielen Liebesbriefe und dem vielen Wetteifern um die Gunst von Jungs bei den Mädchen aus dem Foyer mehr als notwendig war.

Das Gegenteil von romantisch

Anders als die Causerie der Mädchen wurde die der Jungs nicht von Roberta, sondern von Gladys und mir vorbereitet und durchgeführt. Außerdem unterstützte uns Frère (wie die Erzieher genannt werden) Matthias.

Das Thema war alles andere als rosig, denn es ging um geschlechterbasierte und sexuelle Gewalt. Grund dafür war ein aktueller Anlass: In der Woche zuvor hatte auf der Straße vor dem Foyer ein sexueller Übergriff stattgefunden, was die ganze Woche über Thema gewesen war. Leider hatten viele Jungs nicht gut reagiert, sie hatten Witze darüber gemacht und insgesamt das Thema banalisiert. Deswegen war es Gladys und mir ein zentrales Anliegen gewesen, mit den Jungs darüber zu sprechen. An dieser Stelle ist es mir wichtig zu betonen, dass keiner der Foyer-Jungen an dem Übergriff beteiligt war und wir auch nicht glauben, dass sie es in Zukunft sein werden. Wir wollen lediglich, dass sie, sollten sie erneut Zeugen sexueller Gewalt werden, sensibler reagieren und sich aktiv für das Opfer einsetzen.

Den ersten Teil, zum Thema geschlechterbasierte Gewalt, machten wir mit allen Jungs. Dieser Teil war eher allgemein und leicht verständlich formuliert, damit auch die Kleinen mitkamen. Für den zweiten Teil, den zum Thema sexuelle Gewalt, schickten wir die Grundschüler raus. Jetzt ging es ans Eingemachte: Was ist sexuelle Belästigung, was ein sexueller Übergriff, was Vergewaltigung? Was sagt das togoische Gesetz dazu, welche Strafen sind wofür vorgesehen? Was bedeutet „einvernehmlich“? Wer kann seine Zustimmung zu sexuellen Handlungen überhaupt geben, wer nicht? Was tun, wenn in der Freundesgruppe Witze über sexuelle Gewalt gemacht werden? Macht es einen Unterschied, wenn das Mädchen nur einen Mini-Rock trägt?

Über all diese Fragen und noch viele weitere redeten wir mit den Jungs. Ich muss sagen, dass die Causerie besser lief als erwartet. Frère Matthias gab uns Rückendeckung, die Jungs waren offen und setzten sich ernsthaft mit dem Thema auseinander. Ich bin total dankbar für diese Möglichkeit und davon überzeugt, dass beide Seiten von dieser Einheit profitiert haben – die Jungs, aber auch Gladys und ich.

Noch mehr schwere Kost

Am Dienstagvormittag (es waren Ferien) ging es weiter mit den schweren Themen, denn es gab eine Causerie zu Kinderhandel. Leider ein Thema, das in ganz Westafrika und damit auch in Togo präsent ist. Die gezeigten Videos gingen mir sehr nahe, vor allem eine kurze Reportage der BBC, wo es um den Handel und die Ausbeutung behinderter Kinder ging. Gladys hatte ebenfalls Tränen in den Augen. Was ist diese Welt doch ungerecht und grausam!

Im Anschluss an den Input-Teil sollten die Kinder in Gruppen kleine Theaterstücke zum Thema vorbereiten und aufführen und ich sollte eine Gruppe betreuen und anleiten. Ich war überfordert: Meine Gedanken waren noch bei der Doku und jetzt sollte ich eine Gruppe zappeliger Kinder bei der Ausarbeitung eines kleinen Theaterstücks anleiten? Und das zu so einem Thema! Wie stellt man diese Grausamkeiten überhaupt angemessen dar? Wir haben dann schon etwas aufgeführt, aber richtig zufrieden war ich mit dem Ergebnis nicht. Man kann, glaube ich, diesem Thema unmöglich in so kurzer Zeit (wir hatten nur eine knappe halbe Stunde Vorbereitungszeit) gerecht werden.

Wenigstens konnten wir zum Ausgleich nachmittags wieder eine ganze Reihe Handballspiele veranstalten. Ich war Schiedsrichterin, Gladys schaute auf die Zeit und die Kinder lieferten sich ein Spiel nach dem anderen. Diesmal sogar mit einem echten Handball, denn Père Jonathan hatte, nachdem die kleinen Fußbälle bereits Risse bekamen, einen richtigen Handball organisiert. Merci beaucoup, mon père!

Anstrengende Anreise

Jetzt wisst ihr also in etwa, welche Themen mich kurz vorm Zwischenseminar beschäftigten und könnt euch sicher denken, dass ich mit dem Kopf ganz woanders war. Aber vielleicht war gerade deshalb eine Auszeit genau das Richtige.

Als wir am Mittwoch (Aschermittwoch!) frühmorgens aufbrachen, war ich vor allem eines: müde. Die emotionale Erschöpfung zeigte sich auch körperlich. Es half auch nicht, dass wir gleich zu Beginn über eine Stunde bei praller Hitze im Stau standen. Dank sei Gott für die Klimaanlage!

Jedenfalls kamen wir nach etwa zehn Stunden Fahrt in der Maison Don Bosco in Lomé an. Der erste Teil unserer Anreise war geschafft.

Am Donnerstag folgte dann Teil 2. Ein Salesianer fuhr uns zur ghanaischen Grenze, wir stiegen aus, holten unsere Rucksäcke aus dem Kofferraum und machten uns auf den Weg. Zunächst mussten wir auf togoischer Seite unser Visum vorzeigen und ein Dokument ausfüllen, um ausreisen zu dürfen. Dann mussten wir auf der ghanaischen Seite ein Visum beantragen. Das ging erstaunlich schnell, kostete aber dafür eine halbe Niere und hinterher diskutierten wir noch eine ganze Weile mit den Grenzbeamten, weil sie nicht den kompletten Betrag, den wir gezahlt hatten, auf die Rechnung geschrieben hatten.

Dementsprechend wütend waren wir und als dann auch noch meine Kreditkarte Faxen machte (Ghana hat nicht Francs CFA, sondern Cedi als Währung, weshalb wir uns erstmal neu mit Geld ausstatten mussten), war meine Laune endgültig im Keller. Zum Glück fanden wir recht schnell ein Trotro nach Ashaiman, wo das Zwischenseminar stattfinden würde. Es war sogar ein ziemliches Luxus-Trotro, recht geräumig, mit bequemen Sitzen und Klimaanlage.

Trotro

Kleinbus und Sammeltaxi für Langstrecken. Fährt immer erst los, wenn er voll ist. In Ghana viel genutztes Transportmittel, in Togo hingegen kaum.

Um kurz vor drei kamen wir dann in Ashaiman an und wurden von Robert, der uns auch das Einladungsschreiben ausgestellt hatte, abgeholt. Thank you!

Angekommen

Bei der Ankunft im Provincial House, in dem unser Seminar stattfinden würde, konnte ich zum ersten Mal so richtig den Kopf ausschalten und durchatmen.

Angekommen. Hier kann ich loslassen, abgeben. Hier bin ich nicht „Tata“, „Tanti“ oder „Soeur“, hier bin ich einfach nur Christine. Hier brauche ich mich nicht verbiegen oder verstecken. Hier bin ich nicht nur eine Rolle, hier bin ich komplett ich.

Als ich Ulla und Gregor entdeckte, kickte die Vorfreude aufs Seminar erst so richtig. Ulla und Gregor waren unsere Teamenden. Während Ulla bei Don Bosco arbeitet und unter anderem für Krisensituationen bei uns Freiwilligen zuständig, ist Gregor ein ehemaliger Don Bosco Volunteer, der 2014/15 seinen Freiwilligendienst in Kara (!) gemacht hat. Vielleicht könnt ihr euch an den Namen noch erinnern, er war derjenige, der uns so wahnsinnig viel mit dem Visum geholfen hatte. Mehr dazu findet ihr hier. An dieser Stelle nochmal ein riesiges Dankeschön!!!

Jetzt trafen wir den Typen, mit dem wir wegen dem Visum bereits stundenlang telefoniert hatten, also zum ersten Mal live. Ich hatte ungefähr tausend Fragen an ihn. Doch erstmal kümmerten wir uns um die praktischen Dinge: Unsere Sachen in unserem Zimmer abstellen, etwas essen…

Wir waren die Ersten und konnten uns so den Nachmittag nehmen, um uns auszuruhen.

Kurz vor dem Abendessen kamen die nächsten Volos an. Die Wiedersehensfreude war riesig! Das Abendessen selbst war ebenfalls lecker. Und nach dem Essen ging es dann offiziell los mit dem Seminar. Doch zum Seminar selbst komme ich im nächsten Blogeintrag. Ich habe mich nämlich schon wieder verquatscht. Eigentlich wollte ich alles nach den Weihnachtsferien bis jetzt in zwei Einträgen erzählt haben. Nun sind es jedoch schon drei Einträge und ich bin noch nicht einmal ansatzweise fertig…

Eure Aufgabe

Na ja, ich muss es ja nicht lesen. Das ist eure Aufgabe. Ich freue mich total über euer Interesse und erst recht über Kommentare. Fragen, Anmerkungen, was bei euch so los ist. Schreibt es mir!

Ihr kennt es schon, jetzt kommt wieder der Spendenaufruf. Ja, das ist wichtig, ihr Lieben! Ich freue mich weiterhin riesig über eure Unterstützung!!! Spenden könnt ihr ganz einfach über diesen Link. Ganz, ganz großes Dankeschön an alle, die bereits gespendet haben und an alle, die es noch tun werden! Euer Beitrag zu meinem Freiwilligendienst bedeutet mir unglaublich viel!

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Drei Hochs auf Don Bosco https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/2026/03/14/drei-hochs-auf-don-bosco/ https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/2026/03/14/drei-hochs-auf-don-bosco/#respond Sat, 14 Mar 2026 14:24:50 +0000 https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/?p=287 Karas Kulturen Wir kamen also am Mittwoch, dem 28. Januar, ziemlich fertig wieder in Kara an. Eine Verschnaufpause bekamen wir jedoch nicht, denn gleich am nächsten Tag waren wir im Collège zur Journée culturelle (also zum Kulturtag) eingeladen. Ich muss zugeben, anfangs absolut keine Lust verspürt zu haben, dorthin zu gehen. Ich war müde und […]

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Karas Kulturen

Wir kamen also am Mittwoch, dem 28. Januar, ziemlich fertig wieder in Kara an. Eine Verschnaufpause bekamen wir jedoch nicht, denn gleich am nächsten Tag waren wir im Collège zur Journée culturelle (also zum Kulturtag) eingeladen. Ich muss zugeben, anfangs absolut keine Lust verspürt zu haben, dorthin zu gehen. Ich war müde und hatte noch einiges zu tun und erschien nur Gladys und den Foyer-Kindern zuliebe. Rückblickend bin ich jedoch total dankbar, es miterlebt zu haben, denn der Tag hat mir gute Einblicke in einige Traditionen verschiedener an der Schule vertretenen Ethnien geliefert. Natürlich gibt es noch viel, viel mehr Traditionen zu entdecken (in Togo leben schließlich über 40 verschiedene Ethnien), aber ich beschränke mich hier auf das, was ich gesehen und erklärt bekommen habe. Vieles habe ich übrigens selbst nicht so recht verstanden, habt also Nachsicht, wenn die Informationen nur sehr lückenhaft sind.

La lutte pour la culture (Der Kampf für die Kultur)

Mit den Vorführungen begonnen haben die Kabyè, in Kara die größte Ethnie. Schon seit Beginn unserer Zeit hier versuchen wir die Sprache zu lernen, das erweist sich aber als deutlich schwerer als zu Anfang gedacht, denn dadurch, dass die Kinder Kabyè nicht von klein auf in der Schule lernen, sondern nur sprechen, können sie uns die Grammatik nicht wirklich erklären und bringen uns nur einzelne Wörter oder Sätze bei. Das aber nur nebenbei, eigentlich wollte ich euch ja von den Vorführungen erzählen.

Wie alle westafrikanischen Kulturen haben die Kabyè Initiationsriten für Männer und Frauen. Der Initiationsritus der Männer heißt Evala und die Vorbereitung dauert vier Jahre. Zumindest offiziell. Inoffiziell fangen die Jungs schon in der Grundschule an, sich darauf vorzubereiten. Auch zu uns sagen die Kleinen aus dem Foyer oft: „Luttons, je vais te gagner!“ („Lass uns kämpfen, ich werde gegen dich gewinnen!“) Die Evala sind nämlich Ringkämpfe, bei denen die jungen Männer ihre Kraft, ihre Flinkheit und ihre Ausdauer unter Beweis stellen. Es gibt mehrere Runden: Der Gewinner des Dorfes kämpft gegen die Gewinner der umliegenden Dörfer, der Gewinner der Region gegen die Gewinner der anderen Regionen und so weiter.

Die Evala finden im Juli statt. Dann ist hier in Kara richtig was los! Ich bin schon richtig gespannt darauf. Einen kleinen Vorgeschmack bekamen wir bei der Journée culturelle, aber seht selbst:

Mit der Unterstützung der Ahnen fliegen wie die Vögel

Nach den Kabyè kam die Vorführung der Ewe. Die Ewe sind im Süden Togos mit Abstand die größte Ethnie, hier in Kara jedoch eine Minderheit.

Bevor die Mädchen uns ihren Tanz, der Vögel im Flug imitiert, zeigten, beschwor ein Junge die Ahnen, um ihren Segen für diesen Tag und besonders den bevorstehenden Tanz zu erbitten. Dazu nahm er eine Schale, in die er etwas hochprozentigen Alkohol goss, hielt sie hoch, schwenkte sie leicht und sagte etwas auf Ewe. (Leider hat mir keiner übersetzt, was genau er sagte, alle waren viel zu sehr auf das Geschehen konzentriert.) Dann goss er den Großteil des Schnapps auf den Boden und trank selbst einen kleinen Schluck. Erst nach dieser Zeremonie durften die Mädchen tanzen.

Die Ahnen spielen übrigens nicht nur bei den Ewe, sondern in so ziemlich allen westafrikanischen Kulturen eine große Rolle. So gießen beispielsweise auch viele Kabyè, wenn sie von jemandem eingeladen werden und zum Empfang Wasser bekommen, erst ein wenig Wasser für die Ahnen auf den Boden, bevor sie selbst einen Schluck nehmen.

Messer und Mystik

Die Bassar, die Naoda und die Moba führten uns ebenfalls ihre Tänze vor.

Tanz der Moba

Am meisten beeindruckt haben mich jedoch die Kotokoli: Auch bei ihrer Vorführung wurden zunächst die Ahnen beschwört, dann nahm der Ahnenbeschwörer ein Stück Papier aus seiner Tasche, zeigte es allen und goss Wasser darüber. Dann steckte er das Papier in den Mund, tat so, als würde er darauf herumkauen und zog mit großem Spektakel statt dem Papier einen Geldschein aus dem Mund. Der Teil war allerdings noch nicht sonderlich beeindruckend, es wirkte eher wie ein Trick von einem Zauberer auf dem Jahrmarkt.

Richtig krass waren die Tänze: Bei dem einen kreisten die Jungen umeinander und jedes Mal, wenn sie auf einen anderen trafen, schlugen sie die Stöcke, die sie in den Händen hielten, aneinander. Im Takt, wohlgemerkt. Den passenden Gesang lieferten die Mädchen, die sich an der Seite zu einem Chor versammelt hatten.

Bei dem anderen rutschte mir im ersten Moment das Herz in die Hose: Ein Junge zeigte ein großes Messer herum, schmierte sich eine durchsichtige Flüssigkeit auf den Bauch und began dann, mit dem Messer über seinen Bauch zu fahren, als wolle er sich selbst aufschneiden.

Die Klinge konnte seiner Haut jedoch nichts anhaben. Die Flüssigkeit schütze ihn, wurde mir erklärt. Woraus sie bestand, konnte mir keiner sagen, nur, dass sie von einem äußerst mächtigen „Charlatan“ hergestellt wurde. (Ja, Scharlatan, aber nicht im Sinne von Betrüger, sondern einer, der mit der Geisterwelt in Kontakt steht und mystische Kräfte aufweist, wahrscheinlich würde man im Deutschen Schamane dazu sagen.) Seine mystischen Kräfte bewahren den Messertänzer vor Verletzungen.

Frohes Probieren und guten Appetit!

Last, but not least: Das Essen. Zum Abschluss wurde uns von allen lauter leckeres Essen zum Probieren serviert. Gladys hatte es die Krabbe besonders angetan (als einziges von allem überhaupt nicht mein Fall), beide entdeckten wir „Djenkoumé“ für uns. „Djenkoumé“ ist eine Art herzhafter fester Maisbrei, unter den eine Tomatensoße-Palmöl-Mischung gerührt wird und auch bekannt als „Pâte rouge“. Von welchem Volk welche Speise stammt, weiß ich leider nicht mehr. Die Krabbe kam auf jeden Fall vom Meer, also aus dem Süden und damit vermutlich den Ewe. Bei den anderen Gerichten kann ich es euch beim besten Willen nicht mehr sagen.

Don-Bosco-Fest Nr. 1: Große Feier im Centre Don Bosco

Am Freitag ging’s dann erst so richtig los mit dem Feiern: Das Collège et Lycée, das Ausbildungszentrum und das Ausbildungszentrum der Don-Bosco-Schwestern feierten alle zusammen bei uns auf dem Campus ihr Don-Bosco-Fest. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass der 31. Januar der Tag des Heiligen Giovanni Boscos ist, weshalb alle Don-Bosco-Einrichtungen der Welt um diesen Tag herum das Don-Bosco-Fest feiern. Wie genau die Gestaltung dieses Festtages aussieht, ist natürlich von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich.

Im Falle des Centre Don Boscos wurde zunächst mit den knapp 3000 (oder 2000 ? -> nachfragen) versammelten Schüler*innen und den ganzen Mitarbeitenden eine Messe gefeiert. Hauptzelebrant der Messe war Père Cyrille, der Direktor, aber natürlich waren alle Salesianer und auch die Schwestergemeinschaft anwesend. Es war mal wieder eine richtig schöne Messe mit Partystimmung und einer tollen Predigt darüber, was die Don-Bosco-Pädagogik ausmacht.

Auf die Messe folgten alle möglichen Vorführungen: Rap, Poetry Slam, Musik… Die Vorführungen gingen bis zum Mittagessen. Gegessen wurde im Klassenverband ein von den Schülerinnen oder den Lehrerinnen zuvor vorbereitetes Festmahl. Das scheint hier bei jedem Fest so gehandhabt zu werden, jedenfalls war es bisher bei allen Feiern in der Schule so. Gladys und ich wurden erst ins Lehrerzimmer und dann von allen Foyer-Kindern in ihre Klassen eingeladen. Ich hatte bereits seit dem Frühstück einen flauen Magen und musste schon nach dem ersten Klassenzimmer ablehnen, was mir total unangenehm war, weil es hier echt unhöflich ist, Essen abzulehnen. Aber meine Gesundheit war mir dann doch wichtiger als Höflichkeit.

Essen im neuen Lehrerzimmer

Vorbereitung für den großen Tag

Nachmittags wurde dann noch getanzt. Leider konnten Gladys und ich nicht mehr dabei sein, denn wir hatten Roberta, der Sekretärin des Foyers, versprochen, eine Stunde früher zu kommen, um eine Schnitzeljagd als Aktion für das Don-Bosco-Fest im Foyer vorzubereiten. Für die Schnitzeljagd funktionierten wir kurzerhand die Hausrallye von meinem letzten Vorbereitungsseminar um. Dann halfen wir beim Dekorieren des Foyers für das Fest am nächsten Tag. Der restliche Nachmittag unterschied sich nicht wesentlich von anderen Freitagnachmittagen.

Don-Bosco-Fest Nr. 2: Don-Bosco-Tag im Foyer

Der eigentliche Don-Bosco-Tag, der 31. Januar, fiel dieses Jahr praktischerweise auf einen Samstag, sodass wir im Foyer am Tag selbst unser Don-Bosco-Fest feiern konnten. Auch diesmal sollten die Feierlichkeiten mit einer Messe beginnen und zwar um 8:30 Uhr. Den Kindern hatte Père Jonathan jedoch „huit heures zéró zéro“ (also Punkt 8 Uhr) gesagt, weil sie ja immer trödeln und zu spät kommen würden. Zu spät waren dann jedoch nicht die Kinder, sondern wir. Soviel also dazu. Zum Glück hatten Roberta und Celestine (mit Abstand die beste Sängerin unter den Erziehenden) die Wartezeit mit dem Proben der Lieder für die Messe überbrückt.

Véronique 1 übernimmt eine Lesung

Spiel und Spaß – Feiern ganz im Sinne Don Boscos

Anschließend an die Messe gab es für die Kinder „Génie en herbe“, eine Art Quiz-Spiel mit lächerlich einfachen Fragen. Ich hätte gerne gewusst, wie die Erzieher reagiert hätten, wenn ein Kind auf die Frage „Soll man seine Eltern respektieren?“ mit „Nein!“ geantwortet hätte. Aber gut. Gladys und ich waren sowieso nicht involviert, wir mussten nämlich noch letzte Vorbereitungen für unsere Hausrallye treffen, die gleich im Anschluss an das Quizspiel stattfand.

Am Anfang hatte so manches Kind die Spielregeln nicht verstanden, aber nach einer Zeit lief es dann. Im ganzen Foyer rannten Kinder herum und suchten nach den von uns versteckten Zetteln. Hatten sie den Zettel mit der richtigen Nummer gefunden, mussten sie schauen, welches Symbol darauf abgebildet war und es uns sagen. War die Antwort richtig, bekamen sie eine Aufgabenstellung von uns, z.B. „Singt uns ein Don-Bosco-Lied vor“ oder „Stellt das Don-Bosco-Symbol als Akrobatikfigur dar“. War die Aufgabe erfüllt, durften sie würfeln und ihre Spielfigur auf unserem selbstgebastelten Spielbrett vorbewegen und nach der neuen Zahl, auf der sie gelandet waren, suchen. Ziel war es, einmal das ganze Spielbrett zu umrunden und wieder an seine Startposition zurückzukommen.

Manche Teams gaben relativ schnell auf, aber andere ließen nicht locker und nach gut drei Stunden Spielzeit hatte eine Gruppe tatsächlich gewonnen. Wir beendeten also das Spiel und gingen zur Siegerehrung über. Alle Kinder bekamen als Mitmach-Preis bzw. als Geschenk zur Feier des Tages eine kleine Packung Kekse und ein Süßgetränk. Die Sieger bekamen dazu noch ein kuchenartiges Gebäck in Donutform. Sie strahlten über das ganze Gesicht und waren sich einig: Die Mühe hatte sich gelohnt.

Mangeons! („Lasst uns essen!“)

Dann gab es endlich Mittagessen! Wobei „Mittagessen“ das falsche Wort war, denn es war bereits nach 15 Uhr. Erstaunlich, wie gut gelaunt die Kinder dafür noch waren! Das Gericht selbst entschädigte jedoch die Verspätung, denn es gab „Pâte de riz“ (eine Art riesiger Reiskloß) mit Erdnuss-Ingwer-Soße und Hühnchen. Für die Kinder, die nur zu besonderen Anlässen Fleisch bekommen, ein absolutes Highlight!

Nach dem Essen wurde, wie es sich für eine ordentliche Feier gehört, die Musik auf maximale Lautstärke aufgedreht und getanzt.

Don-Bosco-Fest Nr. 3: Gemeindefest

Am Sonntag war das Gemeindefest, denn Don Bosco ist ihr Namenspatron. Die Kirche komplett überfüllt (deutlich voller als zur Christmette!) und als Père Cyrille während der Predigt alle unter 30 bat, aufzustehen, erhoben sich ca. 80 % der über 3000 Anwesenden. 80% das muss man sich mal vorstellen! In Europa ist man ja schon froh, wenn die Gemeinde nicht mehrheitlich aus Rentnern bzw. aus Rentnerinnen besteht. Aber hier wächst die Kirche tatsächlich, sie ist jung und lebendig, was wirklich wunderschön ist!

Nach dem anschließenden Essen und einigen Vorführungen tanzten wir gute zwei Stunden Kamou, einen traditionellen Ernte-Dank-Tanz, der den ganzen Januar über getanzt wird. Es war ein „Ball poussière“ („Staubball“) erster Klasse, der von den Tanzenden aufgewirbelte Staub hing wie Nebel in der Luft.

„Après la fête, c’est la défaite“ („Nach der Feier kommt die Niederlage“)

Abends fiel ich nach der zwingend notwendigen Dusche wie ein Stein ins Bett und war einfach nur froh, dass der nächste Tag ein Montag und damit für uns frei war. Ich Dummkopf habe den Montag dann jedoch gar nicht so sehr zum Schlafen genutzt (Gladys war da schlauer), sondern lieber den Großputz meines Zimmers zu Ende gebracht. Es ist wirklich unglaublich, welche Mengen an Staub sich hier in kürzester Zeit ansammeln! Und mit Staub meine ich nicht Hausstaub, sondern ganz fein pulverisierte trockene Erde. Wie Sand, nur halt nochmal deutlich feiner. Und dieses Zeug ist wirklich noch viel hartnäckiger als Hausstaub und legt sich wie ein bräunlicher Film über alles, was auch nur ansatzweise eine gerade Fläche darstellt. Man kommt mit Kehren und Wischen einfach nicht hinterher!

Jedenfalls hat mir die Putzaktion wohl die letzte Kraft genommen, am nächsten Tag war ich nämlich prompt krank. Nichts Schlimmes, nur Schnupfen und Kopfschmerzen, aber ich bin dennoch nicht ins Foyer mitgekommen. Mein erster Krankheitstag hier in Togo und auch das erste Mal, dass ich hier Langeweile verspürt habe. Ich konnte nachmittags nämlich nicht einschlafen, aber selbst zum Musikhören war ich zu fertig bzw. dann meldeten sich meine Kopfschmerzen zu Wort. Nun ja, erst verreisen, dann vier Tage am Stück feiern und dann noch Großputz war vielleicht doch etwas zu viel für meinen Körper. Vor allem, weil ich durch diese ganzen Aktivitäten mehr als eine Woche keinen Mittagsschlaf gemacht hatte und damit unter massivem Schlafmangel litt. Zum Glück war ich schon am nächsten Tag wieder halbwegs fit.

Spenden-Challenge

Ich hoffe, auch euch geht’s gut und ihr vergesst nicht, mal Pausen einzulegen. Sonst ergeht es euch wie mir nach den Don-Bosco-Festen. Was ist denn bei euch gerade so los? Erzählt es gerne in den Kommentaren!

Und wie immer freue ich mich über Spenden!!! Den Link dazu findet ihr hier. Übrigens kann man auch regelmäßig spenden. Wer also sagt: „Viel habe ich nicht, aber fünf Euro im Monat, das kriege ich hin.“ Fünf Euro im Monat ist super! Das macht über die sechs Monate, die mir noch bleiben, 30 Euro! Und selbst, wenn es nur einmalig fünf Euro sind: Fünf Euro sind immer noch mehr als nichts. Es müssen wirklich keine großen Beträge sein, ich freue mich über jede Unterstützung! Und: Die Summe macht’s. Wenn ganz viele von euch ein kleines bisschen spenden, dann kommt am Ende trotzdem viel dabei heraus.

Ich habe eine Challenge an mich selbst gestellt: Ich möchte mindestens 5000 Euro Spenden sammeln. Dafür brauche ich eure Motivation und Unterstützung! Ich bin mir sicher, dass wir das gemeinsam schaffen werden!!!

  1. Name zum Schutz des Kindes geändert ↩

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Ganz viel Freude und ein wenig Frust https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/2026/03/13/ganz-viel-freude-und-ein-wenig-frust/ https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/2026/03/13/ganz-viel-freude-und-ein-wenig-frust/#respond Fri, 13 Mar 2026 11:12:56 +0000 https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/?p=254 On se débrouille Vierzig Jahre ist es her, dass das Foyer Immaculée Conception von spanischen Salesianern gegründet wurde. Damit hat es angefangen. Im Laufe der Jahre wurde das hiesige Don-Bosco-Werk immer größer: Das Foyer Jean Paul II, das Collège et Lycée Don Bosco, das Centre de Formation Professionnelle et Technique Don Bosco, das Internat und […]

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On se débrouille

Vierzig Jahre ist es her, dass das Foyer Immaculée Conception von spanischen Salesianern gegründet wurde. Damit hat es angefangen. Im Laufe der Jahre wurde das hiesige Don-Bosco-Werk immer größer: Das Foyer Jean Paul II, das Collège et Lycée Don Bosco, das Centre de Formation Professionnelle et Technique Don Bosco, das Internat und zwischenzeitlich auch das Foyer Ignace.

Das Foyer Ignace war die erste Anlaufstelle für die Straßenjungen. Dort blieben sie so lange, bis sie sich genug an einen strukturierten Alltag gewöhnt hatten, um im Foyer Immaculée zu wohnen und zur Schule zu gehen. Aus verschiedenen Gründen (u.a. Schäden an den Gebäuden und mangelnde Mittel, um genügend Personal für die Betreuung des Foyer Ignace einzustellen) ist das Foyer Ignace momentan nicht in Betrieb. Das stellt ein großes Problem dar, denn so kommen die Jungs, die noch nicht gut eingegliedert sind und oft wieder abhauen direkt zu denjenigen, die sich bereits gut eingelebt haben und haben einen schlechten Einfluss auf diese. So haut beispielsweise ein Zehnjähriger, der bisher stabil war, seit ein paar Wochen immer wieder mit seinen Freunden auf die Straße ab. Zum Glück wird bereits daran gearbeitet, das Foyer Ignace wieder nutzbar zu machen. Bis dahin heißt es: „On se débrouille.“

Spezialkommission

Vierzig Jahre, das ist schon eine lange Zeit! Dementsprechend muss dieses Jubiläum auch gebührend gefeiert werden. Es gibt extra eine „Spezialkommission“, die sich darum kümmert, übers Jahr verschiedene Aktionen zu diesem Anlass zu planen. Gladys und ich sind auch Teil dieser Kommission, der sowieso fast alle Erziehende außer Père Jonathan angehören, was meiner Meinung nach nicht besonders durchdacht ist, weil er am Ende alles absegnen muss und damit sowieso involviert wird, nur halt hinterher. Und das bedeutet insgesamt mehr Arbeit für alle im Falle von Anmerkungen seinerseits. Allgemein gilt: Sich Aktivitäten zu überlegen ist cool, aber bei den Diskussionen um Budgetfragen steigt mein Gehirn aus und ich muss mich schwer zusammenreißen, um halbwegs still sitzen zu bleiben.

Joyeux anniversaire, cher Foyer Immaculée

Zum Auftakt wurde im Foyer eine Messe mit allen Kindern, einigen Ehemaligen und einigen Unterstützern des Foyers gehalten. Und zwar nicht von irgendwem, sondern vom Provinzial höchstpersönlich. (Die salesianische Welt ist in Provinzen unterteilt, eine Provinz besteht meist aus 150 bis 250 Salesianern und der Provinzial ist eben der Chef einer Provinz und damit ziemlich wichtig. Einmal im Jahr stattet er den Gemeinschaften einen offiziellen Besuch ab und in diesem Rahmen hat er auch die Messe gehalten.)

Alle waren ganz aufgeregt und hatten sich fein rausgeputzt. Der Provinzial wurde in beiden Foyers wie ein König empfangen, mit Tänzen und Reden und allem drum und dran. Auch Père Cyrille war ziemlich nervös, er hatte extra ein Empfangsplakat drucken lassen. Für mich war das alles etwas befremdlich. Als in Trier der Provinzial zu Besuch kam, war das kein großes Ding. Zumindest nicht für die Kinder und die Mitarbeitenden. Insgesamt sind diese sehr hierarchischen Strukturen für mich noch immer ungewohnt und oftmals auch unangenehm. Ich finde es nach wie vor komisch, wenn die Kinder sich vor mir verbeugen, auch wenn ich es grundsätzlich gut finde, dass ihnen Respekt und höfliches Grüßen als zentrale Werte vermittelt werden.

Jedenfalls war die Messe sehr schön. Besonders der anschließende Erfahrungsbericht eines Ehemaligen hat mich sehr berührt. Ich frage mich, wie wohl das 50jährige Jubiläum aussehen wird. Werden dann auch einige von „unseren“ Jungs als Vorbild zurückkehren und von ihrer Zeit im Foyer erzählen? Und wie wird ihr Leben dann aussehen? Welchen Beruf werden sie ausüben? Werden sie eine Familie gründen? Werden sie weiterhin untereinander Kontakt haben? Und mit welchen Gefühlen werden sie auf ihre Zeit im Foyer zurückblicken? Welche Erinnerungen werden hochkommen? Und besonders: Welche Erinnerungen an uns?

Von Schülern für Schüler

Der Besuch des Provinzial wurde nicht nur zum Anlass genommen, den Auftakt der 40 Jahre Foyer Immaculée zu feiern, sondern auch, um ein neues Schulgebäude des Ausbildungszentrums zu segnen und einzuweihen. Ebenfalls ein ganz besonderes Ereignis!

Bisher umfasst das Gebäude drei Klassenzimmer und ein Lehrerzimmer, es soll aber noch aufgestockt und damit um drei Klassenzimmer erweitert werden. Das Besondere an dem Gebäude: Gebaut wurde es unter Anleitung eines Unternehmens von den Schülern des Ausbildungszentrums. Alle haben mitgeholfen: Die Elektriker haben die Kabel verlegt, die Schweißer haben Türen und Angeln geliefert, die Schreiner waren für die Innenausstattung zuständig und die Maurer haben am meisten geschuftet, dank ihnen steht das Gebäude überhaupt. Das nenne ich praxisorientierten Unterricht!!!

Wieder mal nach Lomé

So langsam kam das Zwischenseminar in Sicht. Darauf freute ich mich schon total. Es gab nur einen klitzekleinen (besser gesagt: sehr großen) Haken an der ganzen Sache: Das Visum für Ghana. Wir hatten extra bei der Botschaft angerufen und uns wurde gesagt, wir müssten es persönlich bei der ghanaischen Botschaft in Lomé beantragen. Also kauften wir kurzerhand Bustickets und fuhren am Sonntag, dem 25. Januar nach Lomé, um unseren Termin am Montag, dem 26. Januar, wahrzunehmen.

Schwanger?

Nach der Fahrt war Gladys etwas schlecht. Als ich das den Salesianern der Maison Don Bosco sagte, um zu erklären, warum sie nicht zum Essen erschienen war, schoben diese gleich ziemlich Panik und brachten sie nach dem Abendessen noch ins Krankenhaus. Dort wurde sie nach ihren Beschwerden befragt und es wurden ihr vorsorglich gefühlt tausend Medikamente verschrieben, unter anderem ein Entwurmungsmittel – und das, obwohl sie doch gar keine Bauchschmerzen hatte, sondern nur eine allgemeine Übelkeit empfand. Außerdem wurde ihr Blut abgenommen und ein Ultraschall gemacht. Es hinterher wurde uns klar: Die dachten wohl, sie sei schwanger. Das erklärt auch, warum die Salesianer so Panik hatten. Kleiner Spoiler: Sie ist nicht schwanger, sie hat nur einfach Eisen- und Elektrolytmangel, wie uns die Ergebnisse der Bluttests verrieten. Gladys Kommentar zum Ultraschall:

Selbst wenn ich schwanger gewesen wäre, jetzt wäre ich es garantiert nicht mehr, so fest, wie die das Ding reingedrückt hat.

Nachdem wir aus dem Krankenhaus entlassen wurden, fuhren wir noch zur Apotheke und kauften dort die tausend Medikamente. Dann ging es wieder zurück zur Maison Don Bosco und Gladys nahm äußerst widerwillig die Medikamente ein (zumindest zum Teil, bei manchen Sachen haben wir entschieden, dass es unnötig ist, z.B. bei dem Zeug gegen Bauchschmerzen, die hatte sie schließlich nicht). Manche von den Pillen sahen echt gruselig aus, eine war knallrosa und so groß wie eine Fingerkuppe…

Die Tafel des Grauens

Viel zu spät gingen wir danach endlich ins Bett. Am nächsten Morgen waren wir uns einig: Nie wieder erzählen wir, wenn es uns schlecht geht, nur wenn es echt schlimm ist oder wir erhöhte Temperatur haben, das ist nämlich eines der Symptome von Malaria.

20 Stunden Fahrt völlig umsonst

Bei dem Termin bei der Botschaft am nächsten Tag stellte sich dann nach langem Warten und einigem Hin und Her heraus, dass wir eine falsche Information bekommen hatten und das Visum gar nicht bei der Botschaft beantragen konnten, sondern es an der Grenze am Tag selbst machen sollten. Ich war stinksauer: Zehn Stunden einfache Fahrt (also 20 Stunden Fahrt insgesamt!) für nix und wieder nix und das so kurz vorm Don-Bosco-Fest! Die Lust auf Ghana war mir gehörig vergangen.

Am nächsten Tag holten wir morgens die Ergebnisse des Bluttests vom Krankenhaus ab und trafen dort Katja (wer nicht weiß, wer Katja ist, kann hier nachlesen). Zusammen fuhren wir zur Grenze und informierten uns dort, ob es möglich sei, das Visum dort zu beantragen. Die Antwort: Ja, aber der ganze Spaß kostet 250 US-Dollar. Ich musste schlucken. Wie gut, dass wir das erstattet bekommen!

Vielleicht doch nicht völlig umsonst

Nach dem Mittagessen in der Maison Don Bosco, zu dem wir Katja kurzerhand mitnahmen, zogen wir drei nochmal los. Unser Ziel: Der Strand. Einen Teil liefen wir zu Fuß, den Rest fuhren wir mit einem Taxi. Allerdings nicht „à louer“ (zu mieten, also exklusiv und damit teuer), sondern mit einem, das auf dem Weg immer wieder Leute aufgabelt und rauslässt, sodass es oft fünf oder sechs Beifahrer sind – in einem ganz normalen Fünfsitzer. Darüber beschwerten wir uns allerdings nicht, wir waren ja schon dankbar, dass der Fahrer uns mit unseren Dreckslatschen überhaupt mitnahm. Wir waren nämlich alle drei gleich zu Anfang unserer Fußstrecke unaufmerksam gewesen und mitten durch den Matsch gelaufen. Dementsprechend sahen wir aus. Wie gut, dass wir sowieso auf dem Weg zum Wasser waren.

Kaum waren wir am Strand angekommen, lief Gladys übermütig ins kühle Nass. (Keine Sorge, sie hatte sich zuvor ihre Klamotten ausgezogen und hatte ihren Bikini drunter.) Katja folgte ihr, ich blieb am Ufer und passte auf unsere Sachen auf. Es war wirklich ein wunderschöner Anblick: Die Palmen, der Sand, der strahlend blaue Himmel und das blaue Meer. Vor allem aber Gladys und Katja, wie sie im Wasser tollten. Ich habe Gladys selten so gelöst gesehen wie in diesem Augenblick.

Wir wechselten uns ab mit Aufpassen, sodass auch ich auf meine Kosten kam. Das Wasser war erstaunlich sauber und ich merkte, wie die Wellen meine Sorgen fortspülten. Der ganze Visum-Stress fiel von mir ab und ich hatte einfach nur Spaß!

Als wir bei Sonnenuntergang vom Strand aufbrachen, war meine gute Laune endgültig wiederhergestellt.

Wieder zu Hause

Am nächsten Morgen, also dem Mittwoch, ging es für uns wieder nach Kara. Als wir in Kara ankamen, dachte ich:

Endlich wieder zu Hause.

Da habe ich gemerkt: Jetzt bin ich wirklich hier angekommen.

Zu unserem Glück fuhr, gerade als wir zum Centre laufen wollten, Père François vorbei und nahm uns mit. Wir erzählten ihm von unserem Aufenthalt in Lomé und er erzählte uns, was alles in den nächsten anstehen würde. Schließlich war genau in dieser Woche Don-Bosco-Woche. Davon erzähle ich euch aber in einem neuen Blogeintrag, sonst wird dieser hier entschieden zu lang. Ich komme mit dem Erzählen echt nicht mehr hinterher, es gibt noch so viel: Die ganzen Don-Bosco-Feste, das Zwischenseminar, der Ghana-Urlaub mit den anderen Freiwilligen… Aber alles der Reihe nach, das kommt noch.

Jetzt seid ihr dran

An dieser Stelle möchte ich euch noch einmal ermutigen, zu kommentieren und mit Fragen einfach auf mich zuzukommen. Das gilt insbesondere für die neuen Volos und ganz besonders für diejenigen, die sich für Kara als Einsatzstelle interessieren. Nur keine Scheu, ich freue mich über euer Interesse!

Zu guter Letzt noch der übliche Spendenaufruf. Wer spenden möchte, kann das hier tun. Ich freue mich über eure Unterstützung, egal, wie klein oder groß!!! Und als neue Motivation: Wir bekommen alle, wenn wir mindestens 2000 Euro Spenden gesammelt haben, 300 Euro Projektgeld von Don Bosco. Mit diesem Geld können wir Projekte mit den Kindern aus unseren Einrichtungen finanzieren, z.B. Ausflüge, Bastelaktionen oder einen Schwimmkurs. Was unser Projekt sein soll, müssen Gladys und ich noch mit Père Jonathan absprechen, aber sobald wir genaueres wissen, sage ich euch Bescheid. Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte: Ein anderer Volontär hat fast 6000 Euro Spenden gesammelt und nun versucht unsere Verantwortliche zu erreichen, dass er aufgrund dieser beträchtlichen Summe mehr Projektgeld erhält. Gladys und ich würden mega gerne eine Ferienfreizeit für die Foyer-Kinder veranstalten, 600 Euro (300 pro Volontärin) reichen dafür jedoch bei weitem nicht. Daher der Aufruf an euch: Schaffen wir es, mich von 4000 Euro Spenden auf 6000 Euro hoch zu katapultieren und mir so mehr Projektgeld zu verschaffen? Ich bin fest davon überzeugt, dass wir das zusammen hinkriegen, aber dafür bin ich auf eure Hilfe angewiesen!

Ein ganz, ganz großes Dankeschön schon jetzt an alle, die sich an der Aktion beteiligen!!!

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Mehr als ein Traum wird wahr https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/2026/02/10/__trashed-2/ https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/2026/02/10/__trashed-2/#respond Tue, 10 Feb 2026 07:50:46 +0000 https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/?p=230 Ich hatte ja gesagt, dass es diesmal nicht so lange dauern soll, bis der nächste Blog veröffentlicht wird und außerdem habe ich die Weihnachtsferien noch gar nicht fertig erzählt. Deshalb geht’s jetzt weiter. Wir spielen Handball Etwa fünf Minuten Fußweg vom Jungsfoyer entfernt gibt es einen Sportplatz. Aber nicht irgendeinen Sportplatz, sondern einen ganz besonderen. […]

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Ich hatte ja gesagt, dass es diesmal nicht so lange dauern soll, bis der nächste Blog veröffentlicht wird und außerdem habe ich die Weihnachtsferien noch gar nicht fertig erzählt. Deshalb geht’s jetzt weiter.

Wir spielen Handball

Etwa fünf Minuten Fußweg vom Jungsfoyer entfernt gibt es einen Sportplatz. Aber nicht irgendeinen Sportplatz, sondern einen ganz besonderen. Einen, der unter anderem die Markierungen eines Handballfeldes hat. Schon als wir im Oktober zum ersten Mal daran vorbeifuhren, erwähnte ich Père Jonathan gegenüber, dass ich große Lust hätte, den Kindern diesen Sport näherzubringen.

Er hatte es nicht vergessen: Kurz vor Weihnachten kaufte er vier kleine Fußbälle, die wir als Handbälle nutzen konnten (richtige Handbälle findet man hier nicht, dafür ist dieser Sport hier nicht bekannt genug). Und am zweiten Weihnachtstag (hier ein ganz normaler Tag) durfte ich das erste Handballtraining im Foyer anleiten.

Da das Feld mit den Markierungen besetzt war, improvisierten wir und hielten das Training im Hof des Jungsfoyers selbst ab. Wir stellten die beiden kleinen Fußballtore (tatsächlich haben sie eine gute Größe für Handballtore) auf, malten den Sechs-Meter-Kreis und die Sieben-Meter-Linie mit Kreide auf den Boden und Père Jonathan gab mir eine Trillerpfeife, die er einem der Jungs am Vortag abgenommen hatte. So war das dumme Ding wenigstens zu etwas nütze, statt uns nur das Trommelfell zu zerstören.

Beim ersten Training ging es nur um die Basics: passen, dribbeln, Torwurf. Katja half mir dankenswerterweise beim Anleiten der Kinder und auch Gladys gab sich Mühe (springen üben wir noch ;)). Spaß! Beide haben mich als Co-Trainerinnen tatkräftig unterstützt.

Am nächsten Tag war ich zunächst überhaupt nicht erbaut von der Idee, wieder Training zu geben. Das lag aber nicht am Training selbst, sondern an den Umständen. Es war nämlich Kinderweihnachten (dazu hier mehr) und aufgrund des Trainings sollte unsere Mittagspause ausfallen. Und das, obwohl wir doch sowieso schon unter massivem Schlafmangel litten!

Anpfiff

Etwas grummelig fuhren wir also ins Foyer. Dort wurden wir bereits erwartet und nach ein paar Aufwärmübungen ging es direkt los. Meine schlechte Laune war wie verflogen, ich war voll in meinem Element. Wir übten wir passen, dribbeln und Torwurf, doch diesmal fügten wir noch richtiges Angriff- und Abwehrtraining hinzu.

Und zum krönenden Abschluss spielten wir ein richtiges Spiel. Die Teams wurden eingeteilt, ich wiederholte noch einmal die Regeln und dann – Anpfiff! Es war ein wirklich schönes Spiel!!! Nicht nur vom Können (die älteren Jungs hatten bereits eine beeindruckende Ballkontrolle), sondern vor allem vom Miteinander her. Wenn ich als Schiedsrichterin pfiff, akzeptierten sie es ohne Beschwerden, beide Teams spielten auch als solche und die Großen achteten darauf, dass auch die Kleinen zum Zug kamen. Ich war wirklich stolz! Gladys und Katja waren es auch und nahmen ihre Doppelrolle als Fans und Kommentatorinnen sehr ernst.

Die restlichen Ferien haben wir noch so manches Handballspiel gespielt. Nur leider nie auf dem richtigen Feld, das war immer besetzt. Aber: Was nicht ist, kann ja noch werden und es findet sich bestimmt noch ein Zeitpunkt dafür.

Übrigens wurde während der Ferien nicht nur Handball gespielt: Fußball spielen die Jungs sowieso, wann immer es geht, und Père Jonathan bot auch mehrmals Basketballtraining an. Außerdem erfreut sich „Schweinchen in der Mitte“ besonderer Beliebtheit.

Basketballtraining

Rausfeiern statt reinfeiern

Von Silvester und Neujahr werde ich nicht weiter berichten, das hat Gladys bereits ausführlich getan. Dazu hier mehr.

An dieser Stelle sei nur gesagt, dass Reinfeiern ein hier unbekanntes Konzept ist. „Rausfeiern“ kommt schon eher vor. Will heißen: Neujahr wird nicht etwa am 31. Dezember bis in den 1. Januar hinein gefeiert, sondern am Abend des 1. Januars und dann feiert man so lange, wie man eben feiert. Das kann leicht auch bis nach Mitternacht gehen. Gleiches gilt für andere Feste, zum Beispiel Geburtstage.

An dieses Prinzip hielten Katja, Gladys und ich uns übrigens ebenfalls, als wir am 28. Dezember Katjas Geburtstag feierten. Denn abgesehen von einem kleinen Geburtstagstanz der Mädchen haben wir an ihrem Geburtstag selbst nicht wirklich gefeiert. Erst abends machten wir es uns gemütlich, bestaunten die Sterne und quatschten noch bis tief in die Nacht hinein.

Am nächsten Tag (ein Montag und damit unser freier Tag) konnten wir ausschlafen und vor der Glotze zu Mittag essen (Frühstück fiel aus, dafür waren wir zu lange liegengeblieben). Wir hatten nämlich sturmfrei: Unsere Pères und Frères waren in Cinkassé ganz im Norden Togos bei einem Treffen aller Salesianer Togos.

Während sie also irgendwelche wichtigen Dinge besprachen, ließen wir uns von Fidèle mit Kinder-Essen (Pommes, Würstchen und Kochbananen) verwöhnen.

Ich finde ja, dass wir uns das verdient hatten. Immerhin hatten wir die Tage davor massiv Überstunden gemacht. Klar, mit den Kindern zu feiern macht total viel Spaß, aber es ist auch einfach anstrengend. Besonders für die Ohren, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass hier feiern ohne laute Musik und Tanz ein Ding der Unmöglichkeit ist. Grundsätzlich liebe ich die ausgelassene Stimmung, es ist so wunderbar lebendig! Doch hinterher bin ich froh um kleine Momente der Stille.

Auch den Kindern tat nach den vielen Festen die Rückkehr in den Alltag mit mehr Struktur gut.

Die Welt ist elefantastisch

Unser erster freier Tag des neuen Jahres hingegen war alles andere als alltäglich. Während die Kinder am 5. Januar wieder zur Schule gingen, machte Père Jonathan mit uns einen Ausflug in den Nationalpark von Tchamdè. „Damit Katja auch was von Karas Umgebung sieht.“

Vom Eingang des Parks wurden wir acht Kilometer mit einem Safari-Auto zu einem kleinen Gebäudekomplex gefahren. Dort wurden wir bereits von einigen Rangern erwartet. Diese erzählten uns ein bisschen über die Geschichte des Nationalparks und – viel wichtiger – über ihre beiden Elefanten. Wir erfuhren, dass es sich um zwei Elefantenkühe handelt, beide 22 Jahre alt und aus Burkina Faso stammend. Um ihren Nahrungsbedarf von täglich mindestens 150 kg pflanzlicher Materie zu decken, legen sie durchschnittlich 20 km am Tag zurück.

Endlich durften wir uns den majestätischen Tieren nähern. Genauer gesagt näherten sich die Elefanten uns. Neugierig lief die eine Elefantendame auf uns zu. Die andere inspizierte währenddessen das Auto, mit dem wir gekommen waren. Ich hatte ja gewusst, dass Elefanten ein unglaubliches Gedächtnis haben, aber dass sie sich auch Dinge über Automechanik merken, war mir neu.

Die neue Auszubildende des Automechanikers

Die andere Elefantenkuh war inzwischen bei uns angekommen. Dadurch, dass ich etwas erhöht stand, waren unsere Augen auf gleicher Höhe und keine zwanzig Zentimeter von einander entfernt. In dem Moment musste ich an meine Mama denken, denn Elefanten sind ihre absoluten Lieblingstiere. Ich wünschte, du wärst dabei gewesen, liebe Mama!

Ich bin verliebt 😍

Während wir mit dem einen Tier Fotos machten, schlich sich das andere von hinten an und erschreckte Gladys. Gladys ist zwar allgemein schreckhaft, doch die Elefantendamen liefen tatsächlich auch sehr leise – obwohl sie beide ca. 3 Tonnen (!) wiegen.

Der König der Savanne im Gefängnis

Nachdem wir eine Stunde bei den Elefanten gewesen waren, fuhren wir weiter zu den Löwen. Die taten mir allerdings ziemlich leid, denn sie waren in einem Gehege eingesperrt. Irgendwie hatte ich es mir safari-mäßiger vorgestellt und nicht so wie im Zoo.

Auf dem Rückweg waren wir uns einig: Die Löwen hätten wir uns sparen können, aber die Elefanten waren ein unvergessliches Erlebnis!

Einkaufen wie zu Hause

Am nächsten Tag machten wir uns morgens auf den Weg, um Katjas Busticket für die Rückfahrt nach Lomé zu kaufen. Außerdem wollten wir zum Supermarkt. Mein erstes Mal in einem richtigen Supermarkt in Togo (die China Mall in Lomé mit Père Jonathan, um Sachen für die Kinder zu kaufen, zählt nicht)!

Katja war etwas enttäuscht von unserem Champion (mit Abstand am meisten verbreitete Supermarktkette in Togo und der einzige Supermarkt Karas), ihr war das Angebotregal zu klein. Gladys und ich hingegen waren einfach dankbar, dass es überhaupt einen Supermarkt hier gibt. Mit Preisschildern!

Und ich musste lachen, als ich eine Aufschrift auf Niederländisch sah: „Vuilniszakken“. Da waren doch tatsächlich Müllsäcke der Colruyt-Eigenmarke. Genau die Dinger, die bei uns zu Hause unter der Spüle liegen! Ob mein Bruder die wohl bei diesem Wocheneinkauf auch auf der Liste stehen hatte?

Christus mansionem benedicat

„Stern über Bethlehem…“ summte ich den ganzen 6. Januar leise vor mich hin. Ansonsten war alles wie immer: Keine Sternsinger, keine Galette des rois… – irgendwie schade. Nicht einmal in der morgendlichen Messe wurde es angesprochen, schließlich wurde ja am Sonntag vorgefeiert, weil es hier kein Feiertag ist.

Abends hatte ich, als mich die Mädchen beim Lernen um Kreide baten, eine Idee: Sternsingen geht hier zwar nicht, aber wenigstens den Segen könnten wir doch an die Tür schreiben. Also erzählte ich nach dem Abendessen den Mädchen von unseren Traditionen für den 6. Januar und fragte sie, ob sie Lust hätten, das Haus zu segnen. „Ja!“, hieß es von ihnen. Also sprachen wir ein Gebet – wir beteten, dass die Mädchen sich nicht mehr um Nichtigkeiten streiten. Direkt nach dem Gebet gab es Streit, weil sie sich nicht entscheiden konnten, wer den Segen an die Tür schreiben sollte. So viel zu dem Thema. Wie gut, dass es genug Türen für alle gab…

Gladys und ich haben nach dem Abendessen auch noch unsere Zimmer gesegnet und damit ein Stück Heimat hierher gebracht.

Damit genug für heute und euch eine gesegnete nächste Zeit! Erzählt gerne in den Kommentaren, was bei euch gerade so los ist. Und auch über eure Spenden freue ich mich total! Spenden könnt ihr einfach über diesen Link.

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Joyeux Noël – Weihnachten mal anders https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/2026/01/30/joyeux-noel-weihnachten-mal-anders/ https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/2026/01/30/joyeux-noel-weihnachten-mal-anders/#comments Fri, 30 Jan 2026 17:26:03 +0000 https://blogs.donboscovolunteers.de/dueaukoue/?p=136 Erstmal Frohes Neues! Bisschen spät vielleicht, aber besser spät als nie und außerdem wurde uns erklärt, dass man sich ruhig den ganzen Januar noch ein gutes neues Jahr wünschen darf… Ich hoffe, ihr habt alle schöne und besinnliche Feiertage verbracht im kalten Europa! Dass es ausgerechnet in dem Jahr, in dem ich nicht da bin, […]

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Erstmal Frohes Neues! Bisschen spät vielleicht, aber besser spät als nie und außerdem wurde uns erklärt, dass man sich ruhig den ganzen Januar noch ein gutes neues Jahr wünschen darf…

Ich hoffe, ihr habt alle schöne und besinnliche Feiertage verbracht im kalten Europa! Dass es ausgerechnet in dem Jahr, in dem ich nicht da bin, in den Weihnachtsferien in Brüssel geschneit hat, finde ich ja schon unfair. Aber gut. Ihr werdet wahrscheinlich auch etwas neidisch sein, wenn ich euch erzähle, dass ich echte afrikanische Elefanten gestreichelt habe (kleiner Teaser, im nächsten Blogeintrag mehr). So hat jeder Ort so seine Vorteile… Und Weihnachten war auch ohne Schnee sehr, sehr schön!!!

Stromausfall in Bethlehem

Ich hatte ja schon letztes Mal erzählt, dass wir den Kindern einen Adventskalender gebastelt hatten und auch die Deko bereits Mitte Dezember hing (warum könnt ihr bei Gladys nachlesen). Was noch fehlte, war das Krippenspiel.

Sobald die letzten Prüfungen am 19. Dezember hinter uns lagen, machten wir uns an die Arbeit. Den Text hatten Gladys und ich bereits mithilfe von ChatGPT verfasst, nun ging es also an die Rollenverteilung und ans Proben. Das war eine ziemliche Herausforderung, denn bei Proben mit über zwanzig Kindern und Jugendlichen, die Theaterspielen nicht gewöhnt sind, ist das Chaos vorprogrammiert… Aber am Ende wussten alle (mehr oder weniger), was sie zu tun hatten und die Aufführung am Weihnachtsabend war ein voller Erfolg!

Das Publikum hatte großen Spaß an unserer Version der Weihnachtsgeschichte: Engel Gabriel kam zu spät, weil sein Motorradtaxi ihn an der falschen Kreuzung abgesetzt hatte, Josefs Reisetasche wurde von einem Achtjährigen gespielt, den Josef sich über die Schulter warf, Maria nahm aus reiner Verzweiflung sogar den Stall ohne Mosquitonetz, der Hirte fragte sich, ob das grelle Licht der Engel nun wohl ein Zeichen sei oder doch nur das Ende des Stromausfalls bedeute, Herodes trug eine Sonnenbrille (nach Sonnenuntergang) und der Stern sagte „bling bling“, während er Weisen voraus auf die Krippe zutanzte…

Spulen wir aber nochmal zurück zum 22. Dezember, denn vor Weihnachten haben wir noch einiges gemacht. Und zwar:

Endgegner Dusche

(Wer noch mehr Spaß beim Lesen haben möchte, macht für den nächsten Teil folgende Musik an: https://open.spotify.com/track/2JJNV1Kwrcj28NhYX69b46?si=KQgPtrQUTky1ta_CwcEbSw)

Am 22. Dezember, dem Montag vor Weihnachten, zogen Gladys und ich mit Schrubber, Lappen und fragwürdig riechendem Putzmittel in den Kampf. Unser Gegner: Dreck und Staub. Den ganzen Vormittag über kehrten und wischten wir jede Ecke unserer Zimmer. Wir entstaubten unsere Fenster und polierten die Schreibtischoberfläche, wir wischten unterm Bett (dringend nötig!) und befreiten die Nachttischschublade von den omnipräsenten Kreideresten.

Wir hatten ein Ziel, eine Mission, nichts konnte uns aufhalten – doch dann kam: die Dusche. Gegen die Dreckspritzer auf ihren ehemals weißen Wandkacheln versagten all unsere Waffen. Wir schlugen uns tapfer, doch es sah alles nach einer Niederlage aus. Ich stöhnte vor Frust, als Gladys die rettende Idee hatte: sie nahm sich ihre alte Zahnbürste, tauchte sie in das, dem Geruch nach zu urteilen, giftigen Putzmittel und stürzte sich erneut ins Gefecht. Als ich sah, wie viel effektiver sie nun war, fasste ich neuen Mut und tat es ihr gleich. Beim Schrubben fiel mein Blick auf die Seife. Ob es damit wohl auch funktionieren würde? Ja, tatsächlich, auf einmal ging der Schmutz viel leichter ab! Ich jubelte: Nun würden wir es schaffen! Und tatsächlich: Am Ende erstrahlte die Dusche wieder in glänzendem Weiß (oder zumindest fast ;)).

In der Weihnachtsbäckerei

Am 23. Dezember haben wir unseren Koch Fidèle überfallen und die Küche unsicher gemacht. Über 500 Plätzchen haben wir als Geschenk für die Kinder und die Salesianer gebacken! Dafür standen wir 5 Stunden in der Küche und haben so manche Kleckerei gemacht. Hier unsere Anleitung zum Nachmachen:

  • Fidèle bitten zwei Schüsseln Mehl, eine halbe Schüssel Zucker (ja, auf dem Markt wird die Maßeinheit „Schüssel“ verwendet, wobei eine große Schüssel einer Schüssel entspricht und eine kleine Schüssel einer halben Schüssel) und eine Flasche Öl miteinzukaufen, Backpulver noch vorrätig haben
  • Sobald Fidèle zurück ist, Mehl und Backpulver in eine Rührschüssel geben und vermengen
  • In der größten Rührschüssel, die man auftreiben kann, Wasser, ca. eine halbe Flasche Öl und die Hälfte des Zuckers verrühren
  • Langsam das Mehl unter die Flüssigkeit rühren, bis ein fester Teig entsteht
  • Schrittweise so viel Mehl und Wasser hinzufügen, wie Mehl vorhanden ist, gegebenenfalls nachsüßen
  • Teig gut durchkneten und für eine Stunde in den Kühlschrank geben
  • Baseballgroßes Stück Teig nehmen und mit einem mehrere Kilo schweren Riesen-Nudelholz auf der Plastiktischdecke des Esstisches ausrollen, dabei „In der Weihnachtsbäckerei“ und andere Weihnachtslieder hören
  • Mit einem hohen, dünnen Glas den Teig noch feiner ausrollen und das Glas als Ausstecher verwenden
  • ausgestochene Kreise auf das vorgefettete Backblech, Servierplatten, Teller u.ä. legen
  • Gasofen anmachen und mit einem Streichholz Flamme entzünden, dabei möglichst nicht verbrennen
  • Backblech und metallene Servierplatten in den Ofen schieben und Plätzchen (fast) goldbraun werden lassen
  • den letzten Schritt wiederholen bis alle Plätzchen gebacken wurden

Sobald wir mit dem Backen fertig waren, mussten wir auch schon los. Erst fuhren wir mit Père Jonathan zum Markt, denn er musste noch ein paar Dinge für die Feier besorgen. Wir nutzten die Gelegenheit, um Schuhe mit Absätzen zu kaufen. Warum das so wichtig war, erfahrt ihr später.

Jedenfalls fuhren wir anschließend zum Busbahnhof, denn wir erwarteten Besuch!!! Katja, Gladys beste Freundin, macht nämlich auch gerade einen Freiwilligendienst in Togo (allerdings nicht mit Don Bosco und auch nicht hier in Kara, sondern in Lomé) und hat die Feiertage bei uns verbracht. So wurde aus den „Zwillingen“ „die drei Musketiere“.

Barca-Freundin

Und plötzlich war Heiligabend.

Am Mittwochvormittag stellten wir Katja den Kindern vor. Diese empfingen sie mit offenen Armen. Weil Gladys ihnen bereits erzählt hatte, dass Katja Fußball spielt, wollten die Jungs gleich von der neuen Tata, wie die Kinder uns nennen, wissen, wer besser ist: Ronaldo oder Messi? Und noch viel wichtiger: FC Barcelona oder Real Madrid? Als sie mit „Barca“ antwortete, deklarierte einer der Kleinen: „Cool, du kannst bleiben, meine Barca-Freundin!“

Vor-Weihnachtsgeschenk

Auf dem Weg von den Jungs zu den Mädchen schauten wir bei der Schneiderin vorbei. Ich muss schon wieder ausholen:

Am 15. Dezember haben Gladys und ich uns einen Traum erfüllt: Wir waren mit der Maman von den Mädchen Stoffe kaufen. Sie zeigte uns einige Läden und wir hatten die Qual der Wahl. Ein Stoff schöner als der andere! Nach viel hin und her und Stoffe-über-die-Schulter-legen hatten wir uns endlich entschieden.

Mit den Stoffen gingen wir direkt zur Schneiderin, deren Atelier praktischerweise genau zwischen den beiden Foyers liegt. Dort brauchte Gladys für den Entscheidungsprozess, welche Schnitte es nun werden sollten, mindestens genauso lange wie in den Stoffläden. Ich hingegen hatte ziemlich genaue Vorstellungen, nur das Beschreiben fand ich schwierig. Letztendlich habe ich es einfach aufgezeichnet.

Dann wurden noch unsere Maße genommen und wir fragten, ob die Kleider wohl vor Weihnachten fertig sein würden. Die Antwort: „Das eleganteste schaffen wir bis zum Fest, die anderen kommen dann nach.“ Damit waren wir zufrieden.

Soweit die Vorgeschichte. Nun also zurück zum 24. Dezember: Gladys, Katja und ich gingen also zur Schneiderin, um unsere fertigen Outfits abzuholen. Tatsächlich waren alle Outfits schon fertig. Überraschung! Wir haben uns riesig gefreut!!!

Anprobieren, letzte Anpassungen, bezahlen und ganz, ganz herzlich bedanken. Gladys und ich kamen gar nicht mehr aus dem Strahlen, die Vorfreude auf Weihnachten war kaum mehr auszuhalten.

Für diese Outfits hatten wir auch am Vortag die Schuhe mit Absatz gekauft.

Nicht ganz so stille Heilige Nacht

Bereit für die Christmette

Die neuen Kleider wurden gleich am selben Abend bei der Christmette eingeweiht. Wir hatten uns richtig schick gemacht, mit schöner Frisur, Mascara und allem. Umso enttäuschter waren wir, als wir sahen, dass die Gottesdienstbesucher und insbesondere -besucherinnen viel weniger herausgeputzt waren als an ganz normalen Sonntagen. Auch die Länge bzw. Kürze hat mich überrascht. Nicht einmal ganz zwei Stunden, da waren normale Sonntagsgottesdienste schon länger…

Die Enttäuschung wurde jedoch nach dem Gottesdienst vom Posaunenchor im wahrsten Sinne des Wortes weggeblasen, denn auf dem Parkplatz der Kirche spielten sie noch so manches flotte Loblied. Trotz der Absätze ließen wir uns in die tanzende Menge ziehen und drehten richtig auf. Solche Momente werde ich, wenn ich wieder zurück bin, definitiv vermissen! Wo gibt es das schon in Europa, dass nach Mitternacht vor der Kirche noch spontan ein „Ball poussière“ (wörtlich übersetzt „Staubball“, also eine Tanzveranstaltung im Freien, wo alle frei tanzen) zu Lobliedern veranstaltet wird?

Herbei, oh ihr Gläub’gen

Die Heilige Nacht war vor allem eines: kurz. Am nächsten Morgen fuhren wir drei mit Père Jonathan zum Gottesdienst nach Atéda. Atéda ist eines der umliegenden Dörfer, für die die Salesianer ebenfalls als Pfarrer zuständig sind. Das war das komplette Gegenteil der Messe des Vortages: Alle trugen ihre besten Kleider, der Kinderchor steckte alle mit seiner guten Laune an, die Kirche war brechend voll… Während der Messe wurden sieben kleine Kinder getauft, was für Ateda einen neuen Rekord darstellt. Die Gemeinde dort wächst stetig und ist äußerst engagiert. Das merkt man auch, deshalb sind die Gottesdienste dort meine liebsten, auch wenn das Kirchengebäude bisher nur rudimentär ausgestattet ist. Es fehlen beispielsweise noch Bänke, die Gläubigen bringen jedes Mal ihre eigenen Stühle mit.

Fête en famille – Familienfeier

Kein Fest ohne Festmahl. Das weiß auch unser wunderbarer Koch Fidèle und zauberte eine Tafel, die ich mir nicht einmal hätte erträumen können.

Zur Feier des Tages trugen alle viel zu kleine Weihnachtsmützen mit einer blinkenden 2026. Wir sahen total lächerlich aus, aber irgendwie hatte es seinen eigenen Charme.

Nach dem Essen gab es Bescherung. Einer nach dem anderen durfte jeder zum Plastikweihnachtsbaum gehen und sich jeweils eine Tafel Schokolade und einen Kalender von seinen Zweigen nehmen. Unter dem Baum lagen außerdem noch drei schön verpackte Geschenke. Die waren für uns Mädchen, wie uns erklärt wurde. Wir waren total gerührt und auch überfordert. Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet! Wir haben übrigens jeweils einen Stoff bekommen. (Diesmal lasse ich mir einen Hosenanzug schneidern. ☺)

Anschließend wurden noch Fotos gemacht, dann gingen wir vollgefressen und mit vor Rührung feuchten Augen ins Zimmer. Es war eine richtige Familienfeier! Ja, ich hätte natürlich gerne meine Brüder und meine Eltern bei mir gehabt, aber ich war viel zu glücklich, um etwas zu vermissen!

Familienfoto

Fest der Freude, Fest des Fufus

Als wir im Foyer ankamen, waren die Vorbereitungen fürs Festessen bereits in vollem Gange. Wir hatten auch noch einiges zu tun: Während Gladys und Katja die Geschenke für die Kinder einpackten, machte ich mit den entsprechenden Kindern die Generalprobe fürs Krippenspiel. Die lief, wie es sich für echte eine Generalprobe gehört, absolut furchtbar ab.

Eigentlich sollte es um 18:30 Uhr Abendessen geben, letztlich wurde es dann aber 21:10 Uhr. Solange tanzten wir.

Zu essen gab es, wie bereits erwähnt, Fufu mit Fisch und Soße. Das ist etwas ganz Besonderes, denn Fufu ist aufwendig und damit nicht Teil des üblichen Speiseplans der Kinder. Dazu hatte das Foyer von den Don-Bosco-Schwestern zwei Biskuitrollen geschenkt bekommen. Diese teilten wir während des Essens (!) auf die Kinder auf. Persönlich finde ich ja, dass Fisch und süße Schlagsahne jetzt nicht die perfekte Kombi sind, aber die Kinder waren überglücklich und das ist schließlich die Hauptsache.

Nachdem der Hunger gestillt war, folgte das Krippenspiel. Ein echtes Highlight für alle Beteiligten! Anschließend zogen Katja, Gladys und ich uns zurück, um uns für unseren großen Auftritt vorzubereiten.

Mamans Noël

„Santa Claus is coming to town…“ Zu diesem Lied tauchten wir als Mamans Noël (also als Weihnachtsfrauen) verkleidet wieder auf. Mit Geschenkesack auf dem Rücken tanzten wir auf die Bühne. Nach einer kurzen Ihr-wart-hoffentlich-alle-brav-Ansprache verteilten wir die Geschenke. Wir riefen die Kinder einzeln auf. Jeder bekam ein Stofftaschentuch, auf das wir mit einem den jeweiligen Namen geschrieben hatten (es gibt also keine Ausrede mehr für Rotznasen). Die Kleinen bekamen außerdem ein kleines Spielzeug, beispielsweise ein Aufziehauto. Unsere Geschenke an die Kinder waren Gemeinschaftsgeschenke: Drei Springseile und ein Puzzle für die Mädchen, sieben Springseile und drei Puzzle für die Jungs. Und unsere selbstgemachten Plätzchen durften natürlich auch nicht fehlen.

Kurz nach Mitternacht fuhren wir bei den Kindern mit unglaublich vielen neuen Eindrücken ab. Was für ein wunderschönes Weihnachtsfest!

Jesus feiert Kindergeburtstag

Am 27. Dezember haben wir im Centre „Kinderweihnachten“ gefeiert. Dazu kamen ganz viele Kinder der Gemeinde und aus dem Viertel und auch die Grundschüler aus dem Foyer waren dabei.

Die Messe zum Auftakt wurde vom Kinderchor und von der Jugendblaskapelle begleitet. Wir sangen und tanzten, die Stimmung war toll! Ich bin immer wieder begeistert, wie lebendig die Messen hier sind!

Nach der Messe gab es eine „Kirmes“. Für die Sankt-Paulaner unter euch: Ihr könnt euch das wie eine Sola-Olympiade oder das Kinderprogramm vom Gemeindefest vorstellen. Es gab also verschiedene Stationen, an denen die Kinder kleine Gewinnspiele machen konnten. Für die Gewinner gab es jeweils ein Ticket. Diese Tickets konnten dann gegen kleine Geschenke eingetauscht werden.

An dieser Station musste Wasser in einer Schüssel von A nach B gebracht werden. Wer das Gefäß hinten schneller füllte, gewann.

Torschuss, Korbwerfen, Sackhüpfen… „Ein riesiger Kindergeburtstag“, so beschrieb Gladys es ihrer Familie bei einem Telefonat. Nur eine Station war richtig doof, denn das Ziel war, mit einem Streichholz acht Kerzen anzuzünden. Prompt verbrannten sich zwei unserer Mädchen am Daumen und konnten nicht mehr spielen.

Zum Glück gab es bald Mittagessen für die Kinder, das verbesserte die Stimmung erheblich. Es war ein Picknick, wobei „Picknick“ hier nicht das Gleiche bedeutet wie in Europa. Hier versteht man unter Picknick ein gekochtes Essen, das von zu Hause mitgebracht und daher meist kalt gegessen wird. Sonst wird nämlich quasi immer warm gegessen, Brotzeit gibt es nicht.

Nach dem Mittagessen endete dann für unsere Kinder die Veranstaltung und sie fuhren auf der Ladefläche des Pick-Ups wieder ins Foyer.

Ein riesengroßes Dankeschön

Zum Abschluss dieses Blogeintrags möchte ich ein ganz herzliches Dankeschön aussprechen.

Danke an alle, die diesen Blog lesen und mich so auf meinem Abenteuer begleiten. Ich habe neulich geguckt, wie viele Aufrufe mein Blog eigentlich so hat und es sind wesentlich mehr, als ich erwartet hatte. Es freut mich, dass ihr euch für meine Erfahrungen interessiert. Bei Fragen gilt: Einfach kommentieren oder mir privat schreiben. Und wer informiert werden möchte, wenn ein neuer Blogeintrag online ist, kann mir gerne eine E-Mail an christine.gnan2006@gmail.com schreiben, dann lege ich einen Verteiler an, das ist dann wie ein Abo. (Die Idee habe ich übrigens von Alena geklaut, schaut gerne auch bei ihrem Blog vorbei.)

Danke an alle, die während der Feiertage an mich gedacht und mir liebe Nachrichten geschrieben haben. Ich freue mich immer über Updates von euch! Ganz besonders freue ich mich über Anrufe. Grundsätzlich ist montags für mich am besten, da habe ich frei.

Ein riesiges Danke an alle, die meinem Spendenaufruf gefolgt sind!!! Dank euch ist dieses Jahr überhaupt möglich! Wie die letzte Spendenübersicht gezeigt hat, habe ich weit mehr als nur einen Stoff geschenkt bekommen. Eure Großzügigkeit hat dafür gesorgt, dass ich die 3000 Euro zusammenhabe!!! Was für ein Weihnachtsgeschenk! (Dennoch freue ich mich über weitere Spenden, denn wir zahlen alle in einen Topf und andere Freiwillige haben beim Spendensammeln mehr Schwierigkeiten als ich, weil ihr Umfeld finanziell weniger gut aufgestellt ist. Wenn ihr spenden wollt, könnt ihr das über diesen Link tun. Wir alle wissen eure Großzügigkeit und Solidarität sehr zu schätzen. Schonmal großes Danke im Voraus! )

Und last but not least danke, danke, danke an meine Togo-Familie! Ich hatte etwas Angst vor meinem ersten Weihnachten ohne meine Familie, aber dank euch war es eine wunderschöne Zeit und eine ganz besondere Erfahrung. Von Einsamkeit keine Spur! Wie auch, wenn ich doch von einer Reihe lieber Onkel (denn so fühlt sich unser Verhältnis zu den Salesianern für mich an), lauter strahlenden Foyer-Frechdächsen, einer megalieben neuen Freundin und meiner Fast-schon-Schwester umgeben war? Ich hab euch alle lieb und will gar nicht darüber nachdenken, dass fast schon die Hälfte unserer Zeit zusammen vorbei ist… (Ja, Gladissa, ich hör schon wieder auf! Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass einem die Leute hier ans Herz gewachsen sind.)

Euch allen einen wunderschönen Tag, wo und wann auch immer ihr das hier lest! Bis zum nächsten Mal! Ich geb mir Mühe, dass es diesmal nicht wieder so lange dauert!

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