Vannakam und ein hearty welcome zu meinem ersten Blogeintrag!
Ich weiß, dass Zeitgefühl nicht zu meinen Stärken gehört, aber dass ich erst zwei Wochen hier im Care Home bin ist crazy. Mein Alltag in Deutschland fühlt sich schon so weit weg an und außerdem habe ich schon einige Eindrücke und Erfahrungen gewonnen, so dass ich mich frage wie das alles in zwei Wochen passt.
Ich hatte bzw. habe nicht viel Vorwissen über Indien, als ich angefangen hab mich für einen Freiwilligendienst im Ausland zu interessieren war Indien kein Land das ich auf dem Schirm hatte, erst bei den Vorbereitungsseminaren wurde es langsam zu einer Option. Ich bin mittlerweile sehr froh, dass ich die Chance habe dieses bunte, große Land hautnah zu erleben und zu erkunden, vor allem weil ich nicht weiß ob ich mich jemals selbst dazu entschieden hätte, einfach weil ich noch keine großartigen Berührungspunkte mit Indien und der Kultur hatte.
Mein Umfeld reagierte größtenteils auch überrascht und ich hörte immer wieder die gleichen Einwände/ Bedenken: „Mit dem Verkehr musst du ganz arg aufpassen; Verstehst du überhaupt indisches Englisch; Indien ist ein lautes, volles, dreckiges Land; Da wird’s deinem Magen am Anfang auf jeden Fall nicht gut gehen…“
Natürlich haben die Fragen und Aussagen auch viel Bedenken in mir ausgelös weshalb ich sehr froh bin, euch jetzt von meinen ersten Erfahrungen berichten zu können, die zwar einiges bewahrheiten aber auf die bestmögliche Weise.
Schon der beginn meiner Reise verlief anders als geplant. Unser Flug wurde um fünf Tage verschoben, da Svea ihr Visum nicht rechtzeitig erhalten hatte. Ich habe mir das Flugticket in der Hektik der Vorbereitung nur so halb angeschaut und dachte wir fliegen wieder an einem Montag (genau eine Woche später) nicht am Samstag – zum Glück habe ich meinen Fehler aber 2 Tage vorher noch bemerkt.
Zwölfter September 2026, Stuttgarter Hauptbahnhof: der Anfang meiner Reise; von dort aus ging es los an den Frankfurter Flughafen, von dem wir dann ungefähr zehn Stunden nach Delhi geflogen sind. Von Delhi aus ging es dann weiter nach Coimbatore. Von dort wurden wir von einem der Fathers und dem Fahrer abgeholt, wir haben ungefähr dreieinhalb Stunden zum Care Home gebraucht. Es war ein sehr schönes Gefühl mit der indischen Musik im Hintergrund die bunten Lichter und Gebäude aus dem Fenster zu sehen. Generell habe ich den Eindruck hier ist alles viel bunter, die Häuser, die Kleidung, die Autos… einige LKWs haben auch Lichterketten oder große Quasten unten hängen.
Der Verkehr war und ist immer noch sehr spannend zu beobachten, erstmal ist hier ja Linksverkehr und der Fahrer sitzt auf der rechten Seite, außerdem wirken die Regeln meist sehr inoffiziell, es sind zwar oft spuren eingezeichnet, aber ich habe eher den Eindruck man fährt halt da wo Platz ist. Auch sowas wie „rechts vor links“ oder „rote Ampeln“ konnte ich bisher nicht beobachten, eher viel (licht-) Hupen um sich anzukündigen zum Beispiel vor Kurven oder wenn man jemanden überholen möchte.
Bevor wir ihm Care Home angekommen sind, haben wir einen Stopp zum Essen gemacht, wir haben Dosa gegessen, das ist ein Teigling mit crepeartiger Konsistenz und verschiedenen soßen die zum Glück nicht so scharf waren und Parotta (eine Art Fladenbrot) gegessen.

Indische Cuisine
Am Anfang haben wir auch im Care Home noch spezielles Essen wie Pommes oder Toast mit Nutella bekommen, danach dann das gleiche wie die Fathers nur ohne die scharfen Gewürze. Mittlerweile essen wir das gleiche wie die Fathers, nur in kleineren Mengen. Ich muss mich trotzdem noch an die schärfe gewöhnen, da mir oft die Nase läuft.
Tatsächlich ist das Essen mit den Händen eine kleinere Herausforderung als gedacht. Nur in den ersten Tagen habe ich ab und zu mal vergessen, dass man seine linke Hand nicht benutzt, aber jetzt ist mein einziges Problem, dass mir manchmal Reis runterfällt.
Was mir aufgefallen ist, ist dass das Essen hier entweder scharf ist oder extrem süß. Das Essen wird hier im Care Home von einer Köchin zubereitet und ist echt lecker, trotzdem vermisse ich schon jetzt unsere europäische und vor Allem schwäbische Küche: Nudeln und Kässpätzle. Von Deutschland bin ich es nicht gewohnt nur eine kulinarische Richtung zu essen, ich vermisse die Vielfalt.
Die Hitze
Was ich auch nicht gewohnt bin, ist das hiesige Klima, es hat momentan tagsüber oft ungefähr 36 Grad- und es wird noch heißer, da momentan Regenzeit ist. Ich habe es mir aber noch schlimmer vorgestellt. Tatsächlich ist es erträglicher, als ich dachte – wahrscheinlich, weil dieser Sommer in Deutschland auch extrem heiß war. Auf was ich jedoch nicht vorbereitet war und was ich beim Packen hätte mehr bedenken sollen, ist, wie oft sich die Inder am Tag umziehen. Ich habe das Gefühl, es gibt ein Outfit für morgens, eins für mittags und eins für abends. Das ergibt, auch viel Sinn, denn natürlich will man nicht in verschwitzen Klamotten bleiben, wenn man beispielsweise vom Fußball oder Volleyball spielen nach der Gamestime kommt und danach etwas ruhiges machen möchte. Ich bin sehr froh, dass ehemalige Freiwillige ein paar indische Oberteile dagelassen haben, aber ich wünschte ich hätte mehr Hosen eingepackt.
Wir haben versucht in der Mall in Salem ein paar Hosen zu kaufen, haben aber zu viel Zeit im Supermarkt verbracht und hatten dann leider keine Zeit mehr richtig nach Klamotten zu schauen. Positiv an diesem Ausflug war definitiv die Rikscha fahrt, unser Fahrer hat uns etwas süßes mitgebracht und an einem Aussichtspunkt gehalten, von dem man über Salem sieht.

Spannende Natur
Ich finde die Vegetation hier ist wunderschön, insbesondere die grünen Berge!

Ich genieße es auch aus dem Fenster zu schauen, wenn wir morgens mit den Jungs zur Schule fahren oder auch weiter weg. Wir durften mit nach Thennur zum 25-jährigen Jubiläum der Ordination Direktors. Der Gottesdienst war schön, aber ich habe leider nicht viel verstanden, weil alles in Tamil war. Trotzdem spannend fand ich das am ende ganz viele Tücher umgelegt wurden – entweder ihm oder er hat sie anderen Personen umgelegt. An dem Tag wurden wir auch zu zwei Ordensleuten nach Hause eingeladen, einmal auf eine Farm und einmal in ein Wohnhaus. Es war sehr spannend zu sehen wie die Menschen hier außerhalb des heims leben. Alle sind extrem gastfreundlich, wir haben immer Essen angeboten bekommen und auch nach dem Gottesdienst hat jeder eine Art Gastgeschenk erhalten.
Warmes Willkommen
Ich fühle mich von den Menschen um mich herum willkommen. An unserem ersten Tag wurden wir im Speisesaal von den Jungs mit Musik, Blumenketten und frischen Blumen in einem Palmenblatt begrüßt, das fand ich sehr süß. Auch die Fathers sind sehr führsorglich und aufmerksam, obwohl ich noch ziemlich schüchtern bin, habe ich das Gefühl sie nehmen meine Bedürfnisse wahr.
Am gleichen Tag waren wir auch bei einem alten Tempel aus dem Chola-Reich die Architektur mit den ganzen kleinen Details hat mich sehr beeindruckt.

Die heimische Tierwelt
Jeder der mich kennt weiß – Ich liebe Ziegen. Deshalb sollte es auch keinen überraschen, dass diese noch ein größeres Highlight für mich sind. Wenn man durch die Stadt fährt sieht man ungefähr alle fünf Minuten eine Ziege oder sogar eine Ziegenherde.
Auch einige der Nachbarn besitzen Ziegen, auf dem Gelände des Heims sind Gänse, Hühner, Pfauen sowie Schweine und inoffiziell auch Katzen, Hunde und Affen (welche ich besonders süß finde).
Welche Tiere ich allerdings gar nicht süß finde woran ich mich aber leider gewöhnen muss, sind Ameisen. Sie sind riesig und überall, also auch in unserem Zimmer, noch schlimmer war aber ein Abend an dem wir unser Fenster offen und den Vorhang anscheinend nicht richtig geschlossen hatten. Aus dem nichts kamen mindestens 50 kleine Käfer auf mein Bett zum Glück hat Svea die weggemacht. An dem Tag konnten mich nicht mal die süßen Geckos an unseren Wänden aufmuntern.
Kulturelle Unterschiede
Außer den Tieren gibt es natürlich auch ganz andere Dinge, an die ich mich noch gewöhnen muss. Zum Beispiel dass wir unseren Müll auf dem Gelände in eine große Grube schmeißen und dieser dann verbrannt wird, oder das Duschen aus einem Eimer, was überraschenderweise eine kleinere Herausforderung ist als gedacht, aber man muss schon Glück haben, dass das Wasser in dem Moment funktioniert, wenn man es braucht, weil es relativ normal ist, dass das Wasser mal nicht läuft, eine oder mehrere Lampen ausgehen oder sowas.
Aber damit komme ich eigentlich ganz gut zurecht. Womit ich jetzt schon Schwierigkeiten hatte, ist jedoch das Essen zu speziellen Anlässen, da dieses um einiges schärfer ist als sonst.
Sowohl bei dem Jubiläum als auch bei dem Ehemaligen treffen war das der Fall.
Ansonsten war das Ehemaligen treffen sehr schön, es war toll zu erfahren wie es Jungs geht die vor einigen Jahren im Care Home gewohnt haben. Einer von ihnen war mit seiner Frau und seinen Kindern da. Die ehemaligen waren auch sehr aufgeschlossen und höflich.
Ich bin sehr froh, dass hier, so mein Eindruck, fast jeder Englisch spricht, ich muss aber meinen Wortschatz noch etwas anpassen.
Irgendwie ist es hier auch wohl so, dass man ganz oft nach der Begrüßung gefragt wird, ob man schon gegessen hat (es gibt gefühlt auch den ganzen Tag Essen). Essen nimmt also einen sehr hohen Stellenwert im Leben ein. Die Jungs nennen uns immer Sister, was ich auch sehr süß finde und wodurch alles so familiär wirkt.
Wir versuchen gerade Tamil zu lernen, um uns noch besser verständigen zu können und einer der Fathers gibt uns jeden Tag eine kleine Untterichtsstunde. Ich gebe mein Bestes aber ich bin leider nicht so sprachbegabt und die Buchsstaben unterscheiden sich sehr stark von unseren.

Persönliche Erfahrungen
Es fällt mir leider auch noch schwer mir die Namen von den Jungs zu merken, weil es meistens auch keine Namen sind die ich schonmal gehört habe. Wir werden aber in nächster Zeit auch mehr Zeit mit ihnen verbringen und ich hoffe, dass ich mir dann mehr Namen merken kann.
Neben den kulturellen und sprachlichen Herausforderungen ist es eine weitere Herausforderung sich wieder ein Zimmer zu teilen – und diesmal bin ich nicht acht Jahre alt. Wir haben unser Zimmer aber schon dekoriert und personalisiert wodurch es sich mehr nach einem Zuhause anfühlt.

Die Suche nach etwas Privatsphäre verläuft gerade noch etwas holprig, entweder trifft man auf dem Gelände andere Personen oder man wird eventuell auf der Dachterrasse ausgesperrt, ohne es zu merken. (Natürlich ausversehen und es war lustig)
Gerade haben wir noch relativ viel Freizeit. Das ist einerseits so, weil der Englisch Unterricht noch nicht gestartet hat und andererseits, weil die jüngeren Jungs gerade Ferien haben und bei ihren Familien sind. Diese Freizeit habe ich meist im Zimmer oder auf der Dachterrasse verbracht um alles zu verarbeiten oder einen Mittagsschlaf zu machen, weil mir die (auch wenn es nur dreieinhalb Stunden sind) Zeitverschiebung am Anfang etwas zu schaffen gemacht hat, vermutlich auch weil ich es nichtmehr gewohnt bin früh aufzustehen. Die letzten Tage komme ich aber immer mehr in einen Alltag hinein und verbringe weniger zeit im Zimmer.
Ich freue mich darauf, wie es weiter geht und werde euch auf dem Laufenden halten!
Ps. Falls ihr Mich, Das Projekt und die Organisation unterstützen wollt, fühlt euch frei zu spenden.

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