Charlotte in Uganda

12 Monate in der "Perle Afrikas"

How’s life? Life’s good!

Die Frage aller Fragen.
Schon kurz nach unserer Ankunft wurde Klara und mir klar, dass ein Smalltalk aus mindestens zwei Fragen besteht. „Hows life?“ und „how are you?“. Dieser geschieht jedoch meist nur im aneinander vorbeigehen. Die eigentliche Antwort hört man dadurch oft gar nicht mehr und meistes ist es eh die gleiche Antwort: I’m fine.
An die Stelle eines flüchtigen deutschen „Hallos“ in einer Begegnung ist also eine kurze Unterhaltung getreten. Aber anstatt, dass ich denke „was für eine Zeitverschwendung“, freue ich mich darüber, denn dadurch entstehen manchmal längere Unterhaltungen- selbst mit Menschen die man noch gar nicht kennt und wodurch man die Gelegenheit bekommt, sie kennenzulernen.
Auch die deutsche Umarmung unter Freunden wurde ausgetauscht. Treffe ich Schüler oder sogar Lehrer in diesem Projekt, die ich schon kenne, so machen wir einen Handschlag, der sich aber nach Lust und Laune ändert. Mal gibt man sich ein High-5, mal schlägt man die Fäuste zusammen, mal zwickt man sich die Finger oder man schnipst während dem Hände reichen. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Gefühlt mit jedem macht man etwas anderes und das macht die kurzen doch oft gleichen Unterhaltungen zu etwas besonderem.

Ein kleines Dancebattle unter Freunden

Ebenso anders ist das Verhalten bei Musik. Der Ruf sich gut zu bewegen eilt den Schwarzen schon voraus, wird ihnen aber nicht gerecht. In der Freizeit werden Lieder laut aufgedreht und es wird dazu getanzt. Vor allem die Jungs zeigen dann wie es richtig geht. Die Mädchen halten sich hier eher zurück. In Deutschland wäre das eher undenkbar. So eine zahlreiche männliche Beteiligung beim Tanzen habe ich in Deutschland nämlich eher weniger gesehen.

Als Tanzfläche nutzen wir die Veranda vor einem Klassensaal.

Dies betrifft auch meinen Steppunterricht. Hier habe ich bis auf ein paar Ausnahmen bis jetzt nur Jungs unterrichtet. Schon nach der ersten Stunde wurde mir wieder gezeigt, welche Bewegungstalente hier zu finden sind. Durch schnelles Lernen, gutes Zuhören und mit einem gewissen Ehrgeiz konnten wir schon nach 2 Wochen an der Talentshow im Projekt am Independence Day teilnehmen.

Unser Accapella Auftritt mit leider nur 4 Leuten.

Der Independence Day! Auf diesen Tag wurde sich schon lange vorher vorbereitet, denn es findet kein Unterricht statt. Stattdessen gab es am Vormittag Turniere im Fußball, Volleyball und Basketball. Am Nachmittag gab es dann die schon eben erwähnte Talentshow. Hier gab es Auftritte von Kindern aus der Primary bis zu Schülern aus dem Abschlussjahrgang. Es wurde gesungen, getanzt und die ein oder andere akrobatische Einlage war zu sehen. Einen Salto zu können scheint hier nämlich nicht als ein Meisterwerk zu gelten…

4 Jungs und 4 Mädchen aus der Secondary zeigen hier, wie man sich richtig in Szene setzt.

Generell wird sich hier viel mehr bewegt. Hier sieht man jemanden Skateboard fahren, dort übt jemand Körbe werfen und da wird sich ein Ball zugekickt. Sehr beliebt ist es auch joggen zu gehen. Deswegen war es für Klara auch nicht schwer einen Laufpartner zu finden, der mit ihr bei dieser Hitze durch Bombo rennt. Mich dazu zu überreden ist nämlich nicht ganz so einfach. Trotzdem bin ich neulich für eine Runde mit und ich sage nur: Einmal und nie wieder. Ungeübt in der prallen Sonne bergauf zu joggen war meiner Meinung nach nicht gerade eine gute Idee.

Klara und ich bei einem Spaziergang zu einem der umliegenden Hügel.

 

Sowie ich am darauffolgenden Tag Muskelkater hatte, so gab es auch im Parish einen Kater, den wir liebevoll Peeta Screamy genannt haben und eine Katze namens Brudi Kittycat. Diese haben ein paar Tage vor unserer Ankunft 5 Junge geworfen. Nach ca. 3 Wochen sind die beiden großen Katzen jedoch verschwunden und Klara und ich sind dann stolze Eltern von Malu, Juno, Primary, Secondary und VTC geworden. Zwischenzeitlich hatte sich auch noch ein Welpe ins Projekt verlaufen, doch nach ein paar Tagen war leider auch Emil wieder verschwunden. Mittlerweile gibt es jetzt zwei Gräber im Parish und nur noch drei Katzen machen uns das Leben schwer. Hier eine amüsante Geschichte: Es ist ein Donnerstagmorgen. Charlotte und Klara sagen ihren Katzen kurz „Guten Morgen“ und gehen nichtsahnend in die Morgenmesse. Plötzlich sieht Charlotte ein kleines Wesen namens Juno in der Kirche an ihr vorbeihuschen und zwischen den Kirchenbänken verschwinden. Kurze Zeit später ist auch schon ein lautes Miauen in der Messe zu hören und Klara und Charlotte müssen das kleine Kätzchen erstmal suchen und dann zurück zum Parish tragen. Naja, christliche Erziehung beginnt halt schon in der Kinderwiege… Deswegen läuft dieses Kätzchen freiwillig jetzt auch jeden Abend  beim Rosenkranz mit und leistet uns, zur Belustigung der Fathers, stillschweigend Gesellschaft.

 

Wie die Katzen lernen uns zu folgen, so lerne ich zu unterrichten. Es ist nicht gerade leicht mehr als 60 Kinder zu unterrichten, wenn man keine Erfahrung als Lehrer und dann auch noch eine Sprachbarriere hat, aber so langsam komme ich rein. Ich entwickle meine Methoden die Kinder ruhig zu halten und lerne zu improvisieren. Als Dächer in den Klassenräumen dienen lediglich nur Wellbleche und wenn dann bedingt durch die Regenzeit ein Schauer kommt wird es so laut, dass man kaum sein eigenes Wort versteht. In meiner letzten Stunde hatte ich eigentlich den Plan den Kindern ein neues Lied beizubringen. Dies stellte sich Dank des Regens dann als große Herausforderung dar und ich musste umstrukturieren. Daraufhin haben wir uns einen kleinen Tanz zu einem Lied ausgedacht, welches die Schüler bereits kennen und somit aus vollem Halse schreien konnten, um gegen die Lautstärke anzukommen.
Mit der gleichen Überzeugung kann ich jetzt also sagen:
My life’s good!

Ich hoffe eures auch.

Nach dem Malen mit Wasserfarben im Oratorium…

Alles Liebe,
Charlotte

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    Markus Post

    Liebe Charlotte,

    vielen Dank für Deinen Bericht – echt spannend, was Du in der kurzen Zeit in Afrika schon alles erlebt hast.

    Die ersten Berichte Deinerseits habe ich kommentiert mit „da geht einem das Herz auf“. Es ist schon berührend, wie glücklich die Menschen in Zentralafrika sind, wenn jemand wie Du mit Ihnen spricht, etwas unternimmt, etwas beibringt und welche positiven Emotionen hier entstehen.

    Menschen, die ja kaum das Nötigste haben, und etwas erfahren, was das Leben lebenswert macht – soziale Kontakte. Das ganze Materielle, das uns manchmal in Europa umtreibt, tritt in den Hintergrund zurück.

    Wie der dt. Philosoph Humboldt so treffend sagte „sind es doch die menschlichen Kontakte, die dem Menschen seinen Sinn geben“. Aus Deinen Schilderungen wird dies so deutlich.

    Es muss toll sein, ein neues Land und deren Bewohner, deren Kultur, Mentalitäten usw. kennen zu lernen. Offensichtlich gibt es – trotz anfänglicher Verständigungsprobleme – keine echten Kontaktschwierigkeiten. Man geht offen und interessiert miteinander um.

    Dank Deiner musikalischen Fähigkeiten und Interessen ist die Arbeit mit diesen Menschen scheinends eine echte Bereicherung. Die tänzerischen Fähigkeiten waren mir dem Grund nach bewusst, Deine Schilderungen und Bilder unterstreichen dies nochmals in besonderer Art. Da kommt Lebensfreue auf, Menschen drücken sich über die Musik und den Tanz aus – ganz anders als in dem häufig so steifen und reservierten Menschen in Europa und Deutschland.

    Wir freuen uns mit Dir und Klara, dass Ihr offensichtlich total Freude habt und das der Schritt nach Afrika – bei allem Heimweh, was es sicher auch mal geben dürfte – das Richtige für Euch war.

    Die Erlebnisse, die Ihr bisher schon hattet, wären schon fast Wert ein Buch zu schreiben – wofür gerade keine Zeit ist.

    Wir wünschen Euch weiterhin viel Freude, Erfolg und Glück in Eurer Zeit in Uganda – mit Menschen, die einem so viel geben und die wohl Begeisterung daran haben, dass man sich für sie interessiert und etwas mit ihnen unternimmt.

    Bleibt gesund und Euch allen in Eurer Gemeinschaft Gottes reichen Segen für Eure Arbeit und Euer Miteinander.

    Herzlichst
    Deine Markus mit Elisabeth, Janet und Dominik

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    Simone Schliermann

    Liebe Charlote
    Großmutter, Papa und viele Freunde sowie Deine Mama verfolgen Deinen Blog und Deine super texte und Bilder sehr, wie freuen uns über jedes Lebenszeichen.
    Hier beginnt die Weihnachtszeit und es hat schon etwas geschneit.
    Alles Liebe Umarmung und Grüße
    an Klara den Fraters und die kleinen Katzen.
    Grüße von Großmama an Ihr Kätzchen

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