Carla in Patagonien https://blogs.donboscovolunteers.de/carlainpatagonien/ Eine weitere Don Bosco Volunteers Blogs Website Sat, 13 Apr 2019 18:52:05 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 Don-Bosco-Familie https://blogs.donboscovolunteers.de/carlainpatagonien/2019/04/13/don-bosco-familie/ https://blogs.donboscovolunteers.de/carlainpatagonien/2019/04/13/don-bosco-familie/#respond Sat, 13 Apr 2019 18:52:05 +0000 https://blogs.donboscovolunteers.de/carlainpatagonien/?p=65 Nicht ohne Grund habe ich mich für die Don Bosco Volunteers statt für eine andere Freiwilligendienst-Organisation entschieden. Mir persönlich war es aufgrund meines Glaubens wichtig, dieses Jahr in einem kirchlichen Rahmen anzutrete n und die starke Volunteers-Gemeinschaft, die sich gleich beim ersten Kennenlernseminar im Dezember des Vorjahres spürbar machte, überzeugte mich vollends von der Organisation. […]

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Nicht ohne Grund habe ich mich für die Don Bosco Volunteers statt für eine andere Freiwilligendienst-Organisation entschieden. Mir persönlich war es aufgrund meines Glaubens wichtig, dieses Jahr in einem kirchlichen Rahmen anzutrete

Don Bosco Volunteers

n und die starke Volunteers-Gemeinschaft, die sich gleich beim ersten Kennenlernseminar im Dezember des Vorjahres spürbar machte, überzeugte mich vollends von der Organisation. Das war mein erster Kontakt mit Don Bosco und vor Allem mein erster Kontakt mit der Don Bosco Familie.

Die erste Don Bosco Familie, der ich begegnete, ist also die der Don Bosco Volunteers, und zwar sowohl unsere kleine interne 24-Personen-Gruppe, als auch die viel größere, die uns mit den Volontären unseres Jahrgangs aus Benediktbeuern oder mit den Ehemaligen, Organisator*innen und Trainer*innen verbindet.

In den bisherigen sechs Monaten konnte ich Teil von vielen weiteren Don Bosco Familien werden, angefangen im Oratorium und in den Hogares.

Familia „Hogar Niño Jesús“ in Las Grutas

Oratoriumsfamilie

Ich habe mich sehr schnell wie ein Mitglied dieser Familien gefühlt. Die Mentalität Don Boscos ist in dem Projekt hier in Villa Regina sehr präsent, die Arme der Kinder, Jugendlichen und Erzieher sind immer geöffnet und bereit, jemand neuen in die Familie aufzunehmen, genau, wie auch sie selbst zu einem früheren Zeitpunkt aufgenommen worden sind.

mit den jüngsten Familienmitgliedern des Niño Jesús (5-6 Jahre) und einem Kater, der für die Kinder auch dazugehört

Ebenso verhält es sich mit der salesianischen Kommunität hier, in der wir auch einen Platz haben. Dreimal in der Woche sind wir bei den Priestern zum Mittagessen ein

Mein Geburtstag in der Salesianerkommunität; es wurde für mich gesungen, ein Kuchen gebacken und auf mich angestoßen… genau wie ich auch in allen anderen Einrichtungen überall gedrückt wurde und wirklich das Gegenteil von alleine war:)

geladen, die sich jedes Mal freuen, uns zu sehen und mit uns zu quatschen. Momentan setzt sich die Kommunität aus drei Argentiniern, einem Spanier, einem Polen und seit einem Monat einem Timoresen zusammen, und dazu kommen dann noch wir, zwei deutsche (bzw. eine deutsche und eine deutsch-argentinierin). Also eine ganz schön durchgemischte Gruppe, in der wir uns superwohl fühlen und auch viel Verständnis für Heimweh oder andere kulturellbedingte Gefühle und Gedanken finden.

Das wohl aber schönste an der Don Bosco Familie ist, dass wir diese nicht nur dort haben, wo unsere Don Bosco Familie ist, also hier in Villa Regina, sondern selbst für den kürzesten Zeitraum Teil anderer Don Bosco Gemeinschaften werden dürfen, so beispielsweise in Buenos Aires, wo wir bereits dreimal von der Salesianerkommunität dort kurzzeitig aufgenommen worden sind, oder in Bahía Blanca, wo ich eine Nacht und anderthalb Tage in der Jungkommunität (dort studieren und wohnen nämlich die angehenden Priester zusammen) verbringen konnte. Diese Erfahrungen sind mit

Bereichernde Begegnungen und Freundschaften dank Don Bosco

unglaublich bereichernden Begegnungen verbunden, genau wie das dreitägige Campamento des MJS (Movimiento Juvenil Salesiano)  in Stefenelli, an dem wir Ende Januar mit einigen Jugendlichen aus dem Oratorium teilgenommen haben und für diese kurze Zeit mit 150 anderen Jugendlichen eine Familie geworden sind, verbunden durch Glauben und Don Bosco Mentalität.

bei einem Treffen vom MJS

Falls du also, lieber Leser, liebe Leserin, diesen Blogeintrag liest, um mehr über die Don Bosco Volunteers zu erfahren, weil du vor der Entscheidung stehst, ob diese Organisation die Richtige für dich ist oder du schon weißt, dass du in diesem Rahmen einen Freiwilligendienst machen wirst, ja vielleicht sogar schon weißt, dass du in dieses Projekt hier kommst, und diesen Blogeintrag deswegen liest, dann lass mich dir eines sagen: Alleine wirst du hier eigentlich nicht sein!

Ich hoffe, euch allen war dieser etwas andere Blogeintrag nicht zu kitschig, aber ich hatte das Gefühl, dieses doch sehr entscheidende Detail meines Freiwilligendienstes auch mal zur Sprache bringen zu müssen.
Bis zum nächsten Mal!

 

Animadora im Oratorium

mit den jüngsten Familienmitgliedern des Niño Jesús (5-6 Jahre) und einem Kater, der für die Kinder auch dazugehört

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Buenos Aires – Unverändert und doch anders https://blogs.donboscovolunteers.de/carlainpatagonien/2019/02/14/buenos-aires-unveraendert-und-doch-anders/ https://blogs.donboscovolunteers.de/carlainpatagonien/2019/02/14/buenos-aires-unveraendert-und-doch-anders/#respond Thu, 14 Feb 2019 12:03:36 +0000 https://blogs.donboscovolunteers.de/carlainpatagonien/?p=55 Mich überkommt gerade ein sehr merkwürdiges Gefühl. Ich bin vor einer halben Stunde in Buenos Aires angekommen und sitze jetzt gerade im Zimmer der Kommunität in Buenos Aires, das uns schon bei unserem letzten Aufenthalt, der über fünf Monate zurückliegt, zugeiteilt wurde. Es fühlt sich komisch an, im selben Zimmer zu sitzen und so ganz […]

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Mich überkommt gerade ein sehr merkwürdiges Gefühl. Ich bin vor einer halben Stunde in Buenos Aires angekommen und sitze jetzt gerade im Zimmer der Kommunität in Buenos Aires, das uns schon bei unserem letzten Aufenthalt, der über fünf Monate zurückliegt, zugeiteilt wurde.

Es fühlt sich komisch an, im selben Zimmer zu sitzen und so ganz andere Empfindungen zu haben, als beim letzten Mal. In meinem ersten Blogeintrag habe ich ja von unseren Kofferverlusten berichtet, von der damit einhergehenden Nervosität und Ungeduld ist nun nichts mehr zu spüren. Anna ist zwar noch nicht hier (wir waren die letzte Woche getrennt unterwegs, sie bei Freunden hier in Buenos Aires und ich mit meinem Onkel und seiner Familie am Strand in Monte Hermoso), aber auch dahingehend hat sich einiges verändert. Ich erinnere mich noch sehr genau an die ersten gemeinsamen Tage, die wir in diesem Zimmer verbracht haben und, wie wir uns aufeinander einstellen und gegenseitig kennenlernen mussten. Mit der jetzigen Vertrautheit und wirklich guten Freundschaft ist unsere damalige Beziehung nicht mehr zu vergleichen.

Und das wichtigste Gefühl damals fehlt: Die Mischung aus Aufregung, Ungeduld und Angst gegenüber dem Freiwilligendienst. Und wie jetzt doch alles ganz anders gekommen ist, als in meiner Vorstellung. Das klingt irgendwie so dramatisch, so ist das auf jeden Fall nicht gemeint. Ich merke nur, wie man sich einfach nie genug auf den Freiwilligendienst vorbereiten kann und ganz gleich, wie viel man vorher über das Projekt hört und liest, kann man sich doch keine Vorstellung machen, wie es wirklich ist. Ich schätze mal, dass mir dieses Gefühl in der nächsten Woche noch öfter begegnen wird.

Anna und ich werden nämlich morgen Argentinien zum ersten Mal seit fünf Monaten verlassen und nach Bolivien fliegen. In Santa Cruz werden wir das einwöchige Zwischenseminar haben, wo wir uns mit den anderen Volontären, die in Südamerika sind, treffen werden. Danach werden Anna und ich noch eine Woche in Bolivien herumreisen. Ich freue mich wirklich auf die kommende Zeit und darauf meine Mitvolontäre wiederzusehen, und auch darauf, wieder Anfang März nach Villa Regina zurückzukehren. Da geht die Schule nämlich wieder los und unser Alltag wird wieder unser Alltag sein.

Bis dahin werde ich mich allerdings vermutlich nicht mehr melden und das liegt einfach daran, dass bei dem vielen Unterwegssein, die Zeit (und die Mittel, ich schreibe nämlich am Laptop) zum Berichten fehlen werden. Also keine Sorge, ich habe wirklich vor meiner Verpflichtung als Bloggerin weiterhin nachzugehen und Euch auf dem Laufenden zu halten, ihr müsst euch die nächsten Wochen nur ein wenig gedulden!

Liebe Grüße aus der Ferne u

13/02/19: Vorfreude auf das Zwischenseminar

nd in die Ferne!
Carla

10/09/18: Erleichterung über aufgetauchtes Gepäck, Nervosität gegenüber dem, was uns erwartete

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Fuimos al la playa! https://blogs.donboscovolunteers.de/carlainpatagonien/2019/02/13/fuimos-al-la-playa/ https://blogs.donboscovolunteers.de/carlainpatagonien/2019/02/13/fuimos-al-la-playa/#respond Wed, 13 Feb 2019 15:04:23 +0000 https://blogs.donboscovolunteers.de/carlainpatagonien/?p=33 Das Highlight des Jahres ist für viele der Kinder die Urlaubswoche bei den Las Grutas. Jedes Jahr fahren sie für eine Woche in diese Stadt an der Atlantikküste, wo OrEsPa eine Art Herberge hat, in der die Kinder wohnen. Die Heime fahren dabei geschlechtergetrennt, also zum einen die beiden Jungs- und zum anderen die beiden […]

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Das Highlight des Jahres ist für viele der Kinder die Urlaubswoche bei den Las Grutas. Jedes Jahr fahren sie für eine Woche in diese Stadt an der Atlantikküste, wo OrEsPa eine Art Herberge hat, in der die Kinder wohnen. Die Heime fahren dabei geschlechtergetrennt, also zum einen die beiden Jungs- und zum anderen die beiden Mädchenheime. Anna und ich begleiteten beide Gruppen und waren so insgesamt zwei Wochen dort.

Es ist ein wirklich sehr schöner Ort, die Atmosphäre dort kommt tatsächlich der der Ostsee im Sommer gleich, was mich sehr erstaunt hat. Aber vermutlich entsteht aus der Mischung Urlaub, Sand und Meer, so verschieden die Kulturen auch sein mögen, an vielen Stränden der Welt eine sehr ähnliche Stimmung. Einige Unterschiede zur Ostsee gibt es natürlich trotzdem. Neben dem hohen Salzgehalt des Ozeans, gibt es bei den Las Grutas sehr starke Gezeiten. Ebbe und Flut sind im ständigen, sehr schnellen Wechsel, ich habe dort sowohl  einen ca. 12m-, als auch einen ca. 70m-breiten Strand erlebt. Außerdem werden die Strandaufenthalte statt von Möwen-, von Papageiengeschrei begleitet.

Der Name „Las Grutas“, der

die wörtlichen „Las Grutas“

übersetzt „Die Grotten“ bedeutet, kommt von Aushöhlungen, die durch die Gezeiten entstanden sind. Sie grenzen den Strand zur Stadt hin ab und spenden so Schatten und kühle Feuchtigkeit.

 

Zwei Wochen, am selben Ort, mit ähnlichem Ablauf, die aber doch sehr unterschiedlich waren. Mit den Mädchen in der ersten Woche hatten wir leider nicht so gutes Wetter, wodurch wir leider weniger baden waren und der Aufenthalt am Strand manchmal ein wenig eintönig wurde, auch dadurch, dass die Mädchen leider nicht besonders begeisterungsfähig für Spielideen waren. Dafür waren die Abende umso schöner. In Kleingruppen haben wir uns abends aufgemacht, durch die Fußgängerzone der Stadt zu laufen, in die Geschäfte hineinzuschnuppern, durch die „Ferias“ (Marktstände auf denen Handwerkskund verkauft wird) zu schlendern und die vielen Straßenkünstler zu bewundern. Die Shows der Straßenkünstler waren wirklich toll gestaltet und sehr unterhaltsam. Ich konnte mich an einigen von ihnen gar nicht satt sehen, obwohl es fast jeden Abend die gleichen waren. Außerdem hatten wir zwei sehr schöne Filmabende, an einem von ihnen konnten wir den Mädchen die tolle deutsch-schweizer Neuverfilmung von Heidi zeigen, der bei Kindern und Erziehern sehr viel Anklang fand. Wer den Film von euch Lesern noch nicht gesehen hat, er ist wirklich sehenswert!
Dadurch, dass ich mit zwei bis drei Mädchen das Zimmer teilte (es gab einen kleinen Wechsel in der Mitte), hatte ich in der ersten Woche leider keinen Rückzugsort, sodass die Woche sehr intensiv und schön, aber auch anstrengend war.

Die Jungs in der zweiten Woche waren doppelt so viele (fast 40 statt 20), was mir im ersten Moment echt Sorgen bereitete. Diese waren allerdings unbegründet, die Jungs zeigten nämlich viel Eigeninitiative und spielten von selbst, worauf sie Lust hatten. Außerdem sind die älteren Jungs für die jüngeren wie große Brüder, sie spielten mit ihnen und alberten herum, wodurch die Kinder nicht so sehr auf uns fokussiert waren, wie die Mädchen in der ersten Woche. Auch

Menschenkicker (ich trage olivgrün, falls ihr mich sucht)

sonst war die zweite Woche mit den Jungs abwechslungsreicher, dafür sorgte die Direktorin, die zwei Ausflüge organisierte.

Zum einen in ein Vogelreservat in der Nähe, zum anderen an einen wunderschönen, menschenleeren Muschelstrand. Derzweite Ausflug war wirklich besonders schön, dort hatten wir im Gegensatz zum anderen Strand viel Platz zum Ausbreiten und Spielen. Außerdem hatte das Meer eine sehr schöne Temperatur und wir konnten beim Sonnenuntergang das Einholen vieler Fischerboote beobachten, was die Jungs sehr begeisterte.

Insgesamt waren es wirklich zwei superschöne, sehr intensive Wochen, die uns den Kindern wirklich sehr nah gebracht hat. Auch zu den Jugendlichen, aus der Casita und der Residencia haben wir in der Zeit mehr Kontakte geknüpft. Mit den Mädchen war dies zwar etwas schwieriger, da ich vor Allem zu den Älteren nach wie vor keinen wirklichen Draht finde, sodass es meistens bei oberflächlichen Uno-Spielrunden blieb, obwohl wir wirklich mehrmals versuchten, sie fürs Wikingerschach zu begeistern. Dennoch glaube ich, dass wir auch ihnen näher gekommen sind, und bei einigen habe ich auch wirklich Lust, in der Schulzeit die Abende mehr gemeinsam zu verbringen. Bei den Jungs fiel es mir wesentlich leichter, Kontakte zu knüpfen und Freundschaften zu schließen. Vielleicht lag das aber auch einfach daran, dass die Jungs wesentlich unternehmungslustiger waren und mehr Motivation fürs Karten-, Fußball-, Volleyball- oder Tejospielen oder zeigten. Tejo ist ein beliebtes argentinisches Strandspiel, das dem Bocha sehr ähnlich kommt. Man spielt es allerdings statt mit Kugeln mit runden Holzscheiben. Auch fürs Wikingerschach ließen sie sich begeistern und  modifizierten es sogar, sodass wir am Ende statt mit den Wurfstäben mit den Tejoscheiben warfen.

Das, was mich den Kindern aus den beiden Heimen der Jüngeren wirklich näher gebracht hat, war das unglaubliche, blinde Vertrauen, dass sie mir in diesen Tagen entgegengebrachten. Das Gefühl, mit Kindern an der Hand die Straße zu überqueren, während diese unbekümmert weiterplappern und sich keine Sorgen darüber machen, ob ich sie sicher über die Straße führe, ist unbeschreiblich. Ebenso schön fühlte es sich an, Kindern, die noch nie zuvor das Meer gesehen hatten, mit Mutmachungen und Spielen die Angst vor den Wellen zu nehmen und sie beispielsweise über die ersten Wellen sicher rüberzuheben. Außerdem bereitete es mir eine unglaubliche Freude, zu sehen, wie die Kinder nicht zögerten, wenn sie mit mir in die für sie tieferen Gewässer schwammen. Sie vertrauten darauf, dass ich sie nicht loslassen und untergehen lassen würde. Ein wenig heldenhaft habe ich mich manchmal dabei schon gefühlt^^.
Vor allem die Mädchen, aber auch die Jungs, haben mir in diesen Tagen oft sehr viel Zuneigung und Liebe entgegengebracht, riefen nach mir, damit ich mich zu ihnen setze, oder kamen zu mir, um mich einfach nur zu umarmen und zu drücken. Mir ist in den Tagen spontan der Ausdruck „abracito enorme“ eingefallen. Für diejenigen unter euch, die kein Spanisch sprechen, ist es leider etwas schwierig, diesen Ausdruck zu übersetzen, am nächsten würde dem vielleicht noch so etwas wie „riesiges Küsschen“ kommen, wenn auch das Wort „abracito“ eine Verniedlichung von Umarmung und nicht von Kuss ist, die ich so im deutschen aber nicht nachbilden kann. Ausdrücken will ich mit diesen zwei Worten eigentlich nur das Gefühl, von zwei zierlichen Ärmchen superfest und liebevoll umarmt zu werden, sodass es letzten Endes trotz des kleinen Menschen etwas Riesiges ist.

2. Woche „Las Grutas“ mit den Jungs

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Die Heime Reginas https://blogs.donboscovolunteers.de/carlainpatagonien/2019/02/05/22/ https://blogs.donboscovolunteers.de/carlainpatagonien/2019/02/05/22/#respond Tue, 05 Feb 2019 18:08:58 +0000 https://blogs.donboscovolunteers.de/carlainpatagonien/?p=22 Im letzten Blogeintrag habe ich euch einen kleinen Überblick über das Projekt hier in Villa Regina verschafft. Die Einrichtungen, in denen Anna und ich arbeiten, sind die Heime, vor allem das Hogar Niño Jesús und das Hogar San José, also die Heime der jüngeren Kinder, und das Oratorio Jesús Buen Pastor im Barrio El Sauce. […]

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Im letzten Blogeintrag habe ich euch einen kleinen Überblick über das Projekt hier in Villa Regina verschafft. Die Einrichtungen, in denen Anna und ich arbeiten, sind die Heime, vor allem das Hogar Niño Jesús und das Hogar San José, also die Heime der jüngeren Kinder, und das Oratorio Jesús Buen Pastor im Barrio El Sauce. Über diese beiden Einrichtungen würde ich gerne, wie versprochen, ein wenig mehr berichten, jetzt also zu den Hogares:

Mir macht die Arbeit in den Heimen unglaublich viel Spaß. Ich muss zugeben, dass das natürlich auch nicht immer so war. Anna und ich arbeiten nämlich in der Schulzeit nur morgens in den Heimen. Von 9 bis ca. 11 Uhr helfen wir den jüngeren Kindern (1.-3. Klasse), die nachmittags zur Schule gehen, bei den Hausaufgaben und bei der Nachhilfe und verbringen dann, wenn noch Zeit bleibt, die Zeit bis zum Mittagessen um 12 Uhr mit Spielen und Armbänderknüpfen. Nach dem Mittagessen nehmen wir uns eine kurze Mittagspause, bevor wir zum Oratorium aufbrechen, das um 14 Uhr beginnt. Bei den Mädchen bleibe ich meistens noch ein wenig länger, helfe ihnen, sich für die Schule fertig zu machen und flechte ihnen die Haare. An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass Anna und ich in den Heimen nicht gemeinsam arbeiten. Um Annas Spanisch zu fördern und auch, weil wir in beiden Heimen aktiv sein wollten, arbeiten wir beide in beiden Heimen abwechselnd. Also ich montags bei den Jungs und Anna bei den Mädchen, ich dienstags bei den Mädchen und Anna bei den Jungs, usw.
In dieser kurzen Zeit, die ich täglich, bzw. nur alle zwei Tage, mit den Kindern verbracht habe, fiel es mir schwer, mich an die Kinder zu gewöhnen und mich in den Heimen wirklich wohl zu fühlen. Das fällt mir so allerdings erst im Nachhinein auf, in der Zeit war das alles aufregend und neu. Aber der Fokus unserer Arbeit lag einfach auf dem Oratorium und ich merke jetzt, dass ich mich in der Schulzeit nie richtig in den Heimen einleben konnte. Es kam mir leider sogar manchmal so vor, als würde ich in den Heimen nur Zeit überbrücken, bis ich nachmittags ins Oratorium konnte.

Zum ersten Mal wurde mir das beim Besuch meiner Familie Ende Oktober/Anfang November bewusst. Die Fragen und das Interesse meiner Mutter für die Heime hat bei mir etwas wachgerüttelt. Ich habe durch bloße Nachfragen meiner Mutter in wenigen Minuten mehr über die Realität der Kinder erfahren, als in den anderthalb Monaten, die ich davor schon hier war.  Seitdem habe ich angefangen, mich Stück für Stück näher mit den Kindern zu beschäftigen und zum Beispiel bei Erziehern oder bei Padre Daniel vorsichtig nachzufragen, wenn mich einzelne Kinder sehr beschäftigten. Ich kann nach wie vor nicht glauben, wieviel einige von ihnen in ihren wenigen Lebensjahren schon durchgemacht haben. Es hat meinen Blickwinkel auf die Kinder sehr verändert, ich versuche, zu verstehen, warum die Kinder so handeln und versuche ihnen so oft wie möglich, das zu zeigen und zu schenken, was sie noch viel zu wenig erfahren haben. Liebe und Vertrauen.

Wirklich näher bin ich den Kindern aber erst in den Ferien gekommen. Die Sommerferien hier begannen Mitte Dezember und seitdem hat das Oratorium geschlossen.

Plätzchenbacken mit den Mädels im San José

Wir arbeiten also den ganzen Tag in den Heimen. Das hat einiges geändert. Zwar sind zu Beginn viele der Kinder über die Feiertage zu ihren Familien gefahren, aber dadurch war die Erfahrung mit den wenigen Kindern, die blieben, umso intensiver. Wirklich zusammengeschweißt haben uns letzten Endes aber die Urlaubstage, die wir gemeinsam mit fast allen Kindern aus den Heimen bei den Las Grutas am Strand verbrachten. Dort hab ich nämlich wirklich den ganzen Tag von morgens bis abends mit den Kindern verbracht. Bei den Mädchen sogar auch die Nacht, weil ich mir mit einigen Mädchen das Zimmer geteilt habe. Es waren zwei superintensive Wochen, und ich habe beschlossen, diesen einen eigenen Blogeintrag zu widmen.

Seitdem fühle ich mich auf jeden Fall den Kindern in den Heimen näher als

Im Sommer wird ein kleiner Pool in den beiden Heimen aufgebaut, um die heißen Nachmittage erträglicher zu machen

je zuvor. Das Gefühl, ins Heim „reinzuplatzen“, das ich manchmal hatte, habe ich auf jeden Fall nicht mehr; ich fühle mich als ein Teil dieser Familie, der dazugehört und willkommen ist. Es sind nach wie vor Ferien und auch das Oratorium hat nach wie vor geschlossen, wodurch der Fokus unserer Arbeit ganz auf den Heimen liegt. Das stört mich allerdings gar nicht mehr, ich habe die Kinder wirklich sehr ins Herz geschlossen und verbringe gerne Zeit mit ihnen. Außerdem hatten Anna und ich Lust, kleinere Projekte zu starten. So basteln wir beispielsweise mit beiden Heimen im Moment eine Art Brett, auf dem die Kinder alle Geburtstage vermerken können.

Vor allem die Jungs machen im Moment viele Ausflüge, beispielsweise ins Schwimmbad oder ins Kino, zu denen wir sie auch begleiten. Außerdem gehen die Jungs fast jeden Abend mit einem der Erzieher in die Sierras, wo sie rumklettern und sich austoben können. Anfangs hat es Anna und mich, die wir an verhältnismäßig strenge deutsche Pädagogik gewöhnt sind, ein wenig erschreckt, wie selbstständig der Erzieher die Jungs dort rumlaufen lässt. „Wer mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, der steht mit einem Bein im Gefängnis.“ So heißt es in Deutschland immer, weshalb die Deutschen in ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen meiner Meinung nach manchmal zu Übervorsichtigkeit neigen. Ganz im Gegenteil zu hier. Die Kinder aus den Heimen rennen in Kleingruppen, teilweise ohne Begleitung, die Sierras rauf- und runter und das im Alter von 6-16 Jahren. Und ganz ungefährlich ist das nicht. Der Erzieher macht sich allerdings keine Sorgen darüber, ob alle Kinder am Ende wieder heil unten ankommen. Dadurch lernen die Kinder auch von klein an, selbständig zu sein und auf sich selbst aufzupassen. Außerdem bekommen sie darüber ein Gefühl für ihren Körper und ihr Gleichgewicht, was in der heutigen Gesellschaft durch den vielen Medienkonsum oft verloren geht.
Mir hat Klettern schon immer sehr viel Spaß gemacht, weshalb ich die Kinder sehr gerne begleite. Außerdem ist die Aussicht, die man von oben über die Stadt hat, wirklich lohnenswert, besonders dann, wenn gerade die Sonne untergeht.

Ich finde ehrlich gesagt gerade kein wirklich gutes Ende für diesen langen Blogeintrag. Also mach ich‘s kurz: Ich fühle mich in den Heimen sehr wohl, habe die Kinder sehr ins Herz geschlossen und freue mich darauf, viele von ihnen, die gerade bei ihren Familien sind, nach den Ferien wiederzusehen! Genauso, wie ich mich darauf freue, euch weiter von meinen Erfahrungen und Erlebnissen hier zu berichten! Hasta la próxima!

 

 

 

 

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Wiederbelebung meines Blogs https://blogs.donboscovolunteers.de/carlainpatagonien/2019/02/03/wiederbelebung-meines-blogs/ https://blogs.donboscovolunteers.de/carlainpatagonien/2019/02/03/wiederbelebung-meines-blogs/#respond Sun, 03 Feb 2019 19:33:29 +0000 https://blogs.donboscovolunteers.de/carlainpatagonien/?p=15 Ich gebe mir gerade eine zweite Chance. Ich weiß, dass ich die erste wirklich völlig vergeigt hab, da ich es ja nicht einmal geschafft habe auch nur einen zweiten Blogeintrag zu schreiben, aber es ist ja nie zu spät. Gestern habe ich meinen ersten Zwischenbericht abgeschickt, den ich für die Don Bosco Volunteers in Bonn […]

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Ich gebe mir gerade eine zweite Chance. Ich weiß, dass ich die erste wirklich völlig vergeigt hab, da ich es ja nicht einmal geschafft habe auch nur einen zweiten Blogeintrag zu schreiben, aber es ist ja nie zu spät. Gestern habe ich meinen ersten Zwischenbericht abgeschickt, den ich für die Don Bosco Volunteers in Bonn schreiben musste, und ich habe gemerkt, wie mir das berichten und schreiben doch echt Spaß gemacht hat und eigentlich sogar leicht gefallen ist. Daher werde ich ab jetzt versuchen regelmäßiger und in kürzeren Texten von meinen Erfahrungen hier in Argentinien zu berichten.

Dort weiterzumachen, wo ich im letzten Blogeintrag aufgehört habe, nämlich bei unserer Ankunft in Villa Regina, wäre, glaube ich, unsinnig. In den letzten fast fünf Monaten ist, wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt, einiges passiert und ich hab sehr viel zu erzählen. Das alles von vorne aufzurollen, würde allerdings viel zu lange dauern und würde, wie meine bisherige Blogaktivität zeigt, nicht funktionieren. Daher werde ich ab jetzt konkreter berichten. Anfangen werde ich mit dem Projekt und den einzelnen Einrichtungen hier in Villa Regina.

In diesem Blogeintrag wollte ich euch erst einmal einen kleinen Überblick geben.
Das Don-Bosco-Projekt in der Kleinstadt Villa Regina, in Argentinien, nennt sich „OrEsPa“. Der Begriff steht für „Organización des Escuelas Parroquiales“, was „Organisation für kirchliche Schulen“ bedeutet. Den Ursprung für den Begriff stellen einige salesianische Schulen in Villa Regina dar, welche vom Padre César Rondini gegründet wurden, der das Projekt in Villa Regina 1960 ins Leben gerufen hat. Mittlerweile wurde das Projekt in verschieden Richtungen erweitert und beinhaltet unter anderem fünf Kinderheime und einige Oratorien für Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Vierteln der Stadt.

Hier ein kleiner Überblick über einige Einrichtungen OrEsPas:

  • Iglesia Nuestra Señora del Rosario (Hauptkirche in Villa Regina)

In dieser Kirche finden sonntags Gottesdienste statt, die von Padre Lluis Maria, einem der fünf Salesianer der Kommunität, gefeiert werden.

  • Schulen:
    • Instituto Niño Jesús (Grundschule)
    • Instituto Antártida (Grundschule)
    • Instituto Don Bosco (Grund- und weiterführende Schule)
    • Instituto Nuestra Señora del Rosario (technische weiterführende Schule)

Diese katholischen Privatschulen vermitteln den Kindern und Jugendlichen die Erziehung  Don Boscos. Alle Kinder und Jugendlichen aus den Heimen OrEsPas besuchen eine dieser Schulen, mit Ausnahme derjenigen, die aufgrund von geistigen Benachteiligungen zu einer Spezialschule gehen.

  • Hogares:
    • Hogar Mini (Kleinkinder und Säuglinge von 0 bis 6)
    • Hogar Niño Jesús (Jungs im Grundschulalter; von 6 bis 13)
    • Hogar San José (Mädchen im Grundschulalter; von 6 bis 13)
    • La Casita del Padre César Rondini (Jungs im Gymnasialalter; von 13 bis 18+)
    • La Residencia Femenina (Mädchen im Gymnasialalter; von 13 bis 18+)

In den Heimen OrEsPas wohnen Kinder und Jugendlichen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr bei ihren Familien leben können oder dürfen. Da Anna und ich hier auch arbeiten, und auch in unserer Freizeit viel Zeit verbringen, habe ich über die Heime sehr viel zu erzählen. Ich werde in diesem Blogeintrag allerdings nicht weiter auf die Heime eingehen, da es den Rahmen meines knappen Blogeintrags sprengen würde. Ich glaube die Heime geben genug zu berichten, um einen Blogeintrag für sich zu füllen.

  • Oratorios:
    • Oratorio Jesús Buen Pastor (Barrio El Sauce)
    • Oratorio San Sebastián (Barrio San Sebastián)

Die Oratorien OrEsPas sind Treffpunkte für Kinder und Jugendliche eines Stadtviertels. Die meisten Oratorien, auch in anderen Don-Bosco-Projekten des Landes, und der Welt (Denn zu jedem Projekt Don Boscos gehört mindestens ein Oratorium.), haben oft nur am Wochenende Aktivitäten. So auch das Oratorio San Sebastian. Das Oratorio Jesús Buen Pastor, in dem Anna und ich neben den Heimen ebenfalls arbeiten, hat auch an den Wochentagen von 14-18 Uhr die Türen geöffnet. Auch das Oratorium ist ein Thema für sich, was ich in einem anderen Blogeintrag näher behandeln werde.

  • Talleres de Mamá Margarita (Workshops für alle Kinder in Einrichtungen OrEsPas)

In diesen Workshops, die sowohl von den Kindern aus den Heimen, aus den Schulen OrEsPas, als auch aus den Oratorien besucht werden, lernen die Kinder und Jugendlichen handwerklich und künstlerisch aktiv zu sein. Die Talleres gehen in die unterschiedlichsten Richtungen, so gibt es beispielsweise eine Bäckerei, eine Art Druckerei und eine Tischlerei. Auf diese Weise lernen die Kinder und Jugendlichen sich in die unterschiedlichsten Gebiete auszuprobieren.

An dieser Stelle werde ich meinen zweiten knappen Blogeintrag beenden. Ich hoffe, ihr freut euch über die Wiederbelebung meines Blogs und ich konnte euch einen kleinen Überblick verschaffen. Ich werde wirklich versuchen, bald wieder zu schreiben und die angeschnittenen Themen in nächsten Blogs näher zu behandeln. Ich gebe mir alle Mühe, also hoffentlich bis bald!

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https://blogs.donboscovolunteers.de/carlainpatagonien/2019/02/03/wiederbelebung-meines-blogs/feed/ 0
Vamos! https://blogs.donboscovolunteers.de/carlainpatagonien/2018/09/16/vamos/ https://blogs.donboscovolunteers.de/carlainpatagonien/2018/09/16/vamos/#comments Sat, 15 Sep 2018 22:18:13 +0000 https://blogs.donboscovolunteers.de/carlainpatagonien/?p=5 Die Aufregung am Freitag, dem 7. September 2018, als ich um 16:50 Uhr von meiner Familie zum Flughafen gebracht wurde, war – gering. Das hing vermutlich damit zusammen, dass ich zu dem Zeitpunkt und eigentlich immer noch, nicht realisieren konnte, um was für einen großen Aufbruch und Abschied es gerade ging. Ein Jahr lang würde […]

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Die Aufregung am Freitag, dem 7. September 2018, als ich um 16:50 Uhr von meiner Familie zum Flughafen gebracht wurde, war – gering. Das hing vermutlich damit zusammen, dass ich zu dem Zeitpunkt und eigentlich immer noch, nicht realisieren konnte, um was für einen großen Aufbruch und Abschied es gerade ging. Ein Jahr lang würde ich in Argentinien, in der Kleinstadt Villa Regina im Norden Patagoniens, als Freiwillige arbeiten und leben. Dennoch fühlte sich der Abschied eher an, als würde ich zu einem Urlaub aufbrechen und in wenigen Wochen eh wieder vor meiner Haustür in Berlin stehen. Meiner Familie ging es da wohl ähnlich, nur meine Mutter vergoss ein Tränchen.

Eine kleine erste Aufregung verspürte ich, als mein erster Flieger in Amsterdam landete, von wo ich aus mit meiner Mitfreiwilligen Anna nach Buenos Aires weiterfliegen würde. Diese Aufregung hing wohl allerdings eher damit zusammen, dass ich nur 55 Minuten Umstiegszeit hatte, in denen einiges schiefgehen könnte. Doch ein Glück verlief alles glatt, ich fand Anna zeitig am Gate und wir stiegen zusammen in den Flieger. Dank wenig Turbulenzen und großer Müdigkeit, verging die Zeit – ja, wie im Flug^^. Hätten Anna und ich allerdings gewusst, dass zwei unserer Koffer nicht mit uns auf dem Weg nach Buenos Aires waren, hätten wir wohl nicht so entspannt schlafen können. So Allerdings mussten wir am Flughafen Ezeiza nach Stillstand der Gepäckbänder feststellen, dass Anna ihr großer Koffer und mir mein großer Wanderrucksack fehlte. Nachdem wir uns an eine wirklich freundliche Dame, die für das Gepäck von KLM zuständig war, gewandt hatten, stellte sich bald heraus, dass mein Rucksack wohl noch in Amsterdam steckte und kein so schnelles Umsteigen wie ich geschafft hatte. Am Montag würde der Rucksack dann mit dem nächsten Flug aus Amsterdam ankommen. Von Annas Koffer jedoch fehlte bislang jede Spur. Wir bekamen jeweils einen Code, mit welchem wir im Internet den Standort unserer Gepäckstücke verfolgen konnten und mussten wohl oder übel ohne unser Gepäck den Flughafen um 7 Uhr Ortszeit verlassen.

Draußen wurden wir von Hermano Pepe in Empfang genommen, der uns in die Hauptstadt Argentiniens fuhr und uns eine kleine Einführung in Land und Leute gab, wobei er sich stets darum bemühte, dass auch Anna, die nur drei Jahre Schulspanisch hatte, ihn verstand.

An dieser Stelle sollte ich wohl für alle Leser, die mich noch nicht kennen, erwähnen, dass meine Mutter Argentinierin ist und ich so von klein auf zweisprachig aufgezogen wurde. Dementsprechend ist dieser Freiwilligendienst, bei dem es mich, wie es der Zufall wollte, ausgerechnet nach Argentinien verschlägt, für mich nicht nur eine Erfahrung im Ausland, sonders in gewisser Hinsicht auch in meinem zweiten Heimatland, das ich in dem kommenden Jahr von einer ganz anderen Seite kennenlernen werde.

Aber zurück nach Buenos Aires. In der Kommunität der Salesianer, die in den oberen Stockwerken einer Don Bosco Schule untergebracht war, angekommen, wurden wir herzlich „Bienvenidas“ (willkommen) geheißen. Hier, so der Plan nun, sollten wir einige Tage bleiben bis unsere verspäteten bzw. verlorenen Gepäckstücke wieder bei uns wären. So verbrachten Anna und ich die nächsten Tage damit unseren Jetlag auszuschlafen, als Touristen durch die Stadt zu streifen und von den Padres ordentlich durchgefüttert zu werden.

Wir besichtigten den Obelisco, die Avenida 9 de Julio, die Bücherei „El Ateneo“, welche in einem alten Theatergebäude untergebracht ist und vieles mehr. Außerdem lernte Anna fleißig spanisch und ich half ihr dabei so gut ich konnte. Dennoch wurden diese ersten Tage in Buenos Aires ein wenig überschattet vom Verbleib unserer Koffer, welcher uns nach wie vor beschäftigte. Besonders frustrierend war dabei, dass der Code, der uns gegeben wurde, keine Neuigkeiten lieferte und alle Anrufe oder andere Kontaktaufnahmemöglichkeiten, mit denen wir versuchten Mitarbeiter von KLM in verschiedenen Ländern zu erreichen, erfolglos waren. Umso erleichterter waren wir am Montagmorgen, als sich nach erneutem Anruf an die Fluggesellschaft herausstellte, dass Annas Koffer, genau wie mein Rucksack in Ezeiza angekommen waren. Nachdem wir am Abend unser Gepäck dann endlich heil im Empfang nehmen konnten und feststellten, dass Annas Koffer derweil in Paris gewesen war, konnten wir auch endlich unsere Fahrkarten für die Busfahrt nach Villa Regina kaufen. Am Mittwochabend sollte es losgehen, sodass uns noch fast zwei ganze Tage in Buenos Aires blieben, welche wir dann auch aus vollen Zügen genossen – wortwörtlich. Die eine „Subte“ (U-Bahn)-Fahrt, welche wir für vier Stationen in Buenos Aires machten, war ein wirklich einzigartiges Erlebnis. Wir schafften es erst beim dritten Versuch, also erst beim dritten „Subte“, einzusteigen, oder wohl eher uns so reinzuquetschen, dass wir feststeckten und nicht wieder rausfielen. Diese Erfahrung werde ich so schnell wohl nicht wieder vergessen.

Auch eine Demonstration, welcher wir auf dem Weg zur Plaza de Mayo über den Weg liefen, wird mir definitiv in Erinnerung bleiben. Eine Gruppe von „Murgas“ setzte sich hier unter mitreißendem Trommelrhythmus, bunten Kostümen und Tanzeinlagen für die Legalisierung ihrer Straßenkunst ein. Dreimal liefen wir an dieser beeindruckenden Stimmungsbombe vorbei, die uns immer wieder stehenbleiben ließ. Murgas, so nennt man die hiesigen Gruppen an Künstlern, welche an Karneval an Wettbewerben teilnehmen und mit ihrer Kunst auftreten und so für die bunte Vielfalt auf den Straßen sorgen.

 

Ebenfalls in unserem Touristenprogramm durfte natürlich das berühmte „Barrio“ (Stadtviertel) La Boca nicht fehlen. Hermano Pepe führte uns durch die bunte Vielfalt an Wellblechhäusern und Statuen berühmter Argentinier am Rand der Straße El Caminito. Zwar hatte ich gedacht, dass das ganze Stadtviertel  so bunt wäre und nicht nur El Caminito, aber dennoch war dieses Sträßchen ein schöner Anblick. Als Dank für das Führen durch das Stadtviertel, luden Anna und ich Hermano Pepe noch auf einen Kaffee in eines der Restaurants entlang des Weges ein, in dem wir ein paar schöne Tango-Tanzeinlagen genießen durften.

Da am Dienstagabend viele Gäste bei der Kommunität zu Besuch waren, halfen wir außerdem beim Kochen und bereiteten „Tulipas“ vor, ein typisch argentinisches Essen, bei dem eine Masse aus unterschiedliche Zutaten in einem Blätterteigkörbchen serviert werden. In unserem Fall war das eine Masse aus Äpfeln, Walnüssen und Gemüse. Peinlicherweise vergaßen Anna und ich ein Blech der Blätterteigkörbchen im Ofen, sodass sie verbrannten und wir diese nochmal neu formen mussten. Das hat mir auf jeden Fall schon mal Mut gemacht fürs selber Kochen in Villa Regina – ups!^^ Gut geschmeckt haben sie den Gästen am Ende immerhin trotzdem.

Am Mittwochabend wurden wir von einem der Padres zum Retiro, dem hiesigen ZOB gefahren, von wo wir auf die 14,5-stündige Busfahrt nach Villa Regina begannen (die am Ende fast 16 Stunden dauerte). Tatsächlich aber klingt diese lange Busfahrt sehr viel schlimmer, als sie tatsächlich ist. In ca. 65-cm-breiten Sitzen mit Fußlehne und einem Neigungswinkel der Rückenlehne bis zu ca. 135° lässt sich nämlich sehr bequem schlafen.

Und bevor ich jetzt in wenigen Stunden in Villa Regina ankomme und der eigentliche Freiwilligendienst dort beginnt, beende ich diesen Blogeintrag aus dem Bus (zumindest die handschriftliche Version davon, das Abtippen musste ich auf später verschieben). Aber dann sage ich an dieser Stelle: „Hasta pronto!“

Der Beitrag Vamos! erschien zuerst auf Carla in Patagonien.

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