Die Spuren des Konflikts mit Serbien

Die Republik Kosovo feiert zwar seit 2008 jährlich am 17. Februar seine Unabhängigkeit, aber so klar ist die Situation noch nicht. Serbien sieht den Kosovo als Autonome Provinz Kosovo und Metochien, also als zu Serbien gehörig. 79 der 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen stimmen Serbien zu, jedenfalls haben sie die Republik Kosovo im Gegensatz zu den 114 restlichen Mitgliedsstaaten noch nicht als unabhängig anerkannt.

Warum gibt es überhaupt einen Konflikt?

Ich kann das Ganze nur grob aus der Sicht eines Laien beantworten, denn dahinter steckt wahnsinnig viel Geschichte, die weit über die Zeit Jugoslawiens hinaus geht. Aber ein Problem, dass ich persönlich ausgemacht habe, ist, dass die meisten Kosovaren der albanischen Ethnie angehören und sich als Albaner identifizieren, nicht als Serben. Die Serben gelten ihnen auf Grund der vorangegangenen Kriege (die natürlich auch einen Ursprung haben müssen) als Feinde.

Neue Zollauflagen für Serbien

Seit Ende November 2018 sind alle in Serbien und Bosnien-Herzegowina hergestellten Produkte mit einem Zoll von 100 Prozent belegt. Seit 2019 sind ausnahmslos alle Produkte, die aus diesen Ländern nach Kosovo importiert werden, mit eben diesem Steuersatz belegt. Darunter fallen also auch Produkte die aus Deutschland, Österreich oder Schweiz über Serbien in den Kosovo importiert werden. Dabei kommen sehr viele der im Kosovo erhältlichen Produkte aus Serbien.

Im Alltag habe ich das schnell gespürt. Etliche Produkte, die wir im Schulkiosk verkauft haben, waren nicht mehr zu kriegen oder sehr teuer. Wir mussten Alternativen suchen. Dabei hilft es nicht, dass die meisten kosovarischen Produkte nicht einmal von der eigenen Bevölkerung gerne gemocht und gekauft werden.

Auch in den ganz normalen Läden ist mir etwas für mich Außergewöhnliches aufgefallen: Neben den Preisschildern ist die Flagge des Herkunftslandes befestigt. In Deutschland fände ich das gar nicht schlecht, so muss man nicht ewig im Kleingeschriebenen auf der Packung nach dem Herkunftsland suchen. Dann kann man schneller das Produkt mit dem kürzeren Transportweg und damit hoffentlich geringerer Umweltbelastung wählen. Aber hier geht es um etwas anderes: Man muss sich plötzlich bewusst entscheiden, welches Land man wirtschaftlich unterstützen möchte. Oder anders gesehen: Nun kann man bestimmte Länder mit nur einem Blick diskriminieren.

Was – du gehst nach Serbien?!

Nicht nur, dass sich jemand gegen ein Produkt entscheidet, weil es aus Serbien kommt, habe ich gehört. Ganz oft hieß es: „Was – du gehst nach Serbien?! Was hast du denn da zu tun?“ Der Unterton sagte dabei meist so etwas wie: „Was willst du denn im Land unserer Feinde?“ Dass ich nun mal zum Zwischenseminar dort hin musste und nicht einfach nur Urlaub machte, beruhigte die Fragenden. Es kam auch mal: „Warum müssen die Organisatoren das Seminar ausgerechnet in Serbien abhalten?“

Insgesamt gab es viele Kommentare die halb scherzhaft gemeint waren, aber wegen ihrer Häufigkeit eine sehr ernste Seite haben. Die Abneigung gegen die Serben scheint tief verwurzelt zu sein.

Hass macht vor Nichts halt

Ein zerbrochener Grabstein. Die dort begrabene Person lebte von 1978 bis 1997 – sie wurde nicht einmal 20 Jahre alt.

Das ist mir auch letztens an einem Ort aufgefallen, an dem man hoffen würde, nicht auf Feindlichkeit zu stoßen: Auf dem Friedhof. Das ist ein Ort, an dem man die Toten in Frieden ruhen lassen und trauen können möchte. Doch die Feindlichkeit der Ethnien macht auch vor diesem Ort keinen Halt.

Vor wenigen Tagen hatte ich die Chance den Friedhof von Gjilan zu besuchen. Glücklicherweise konnte ich auch den Bereich der alten Gräber ansehen. Es gab nicht nur verwitterte Grabsteine und Gräber von vor dem Krieg – der ja noch nicht einmal 20 Jahre her ist. Auch auf Gräber, die wohl absichtlich beschädigt wurden, bin ich gestoßen. Etliche Grabsteine, die man durch die kyrillische Schrift der serbischen Sprache als serbisch identifizieren kann, wurden umgeschmissen oder zerschmettert.

Auf dem neueren Teil des Friedhofs habe ich zum Glück nichts derartiges gesehen, aber ich habe auch nur einen kleinen Teil des Friedhofs angeschaut.

Der Nationalstolz der Kosovo-Albaner

Allgemein ist es für mich immer wieder erstaunlich, wie stolz die meisten Kosovo-Albaner auf „Shqiperia“ sind. Der Begriff steht eigentlich nur für Albanien, wird aber unter den (Kosovo-)Albanern oft für das gesamte albanisch-sprachige Gebiet verwendet. Schließlich nennen sie sich selbst auch „Shqiptar“, also Albaner und sprechen „Shqipe“, also Albanisch. Das größte Paradox ist für mich, dass sie andererseits ihr Land schlecht reden und quasi jeder versucht, irgendwo anders hinzukommen, sei es nun Deutschland, Schweiz, Großbrittanien oder USA.

Zusätzlich bin ich solchen Stolz gar nicht gewöhnt. Man hisst die deutsche Flagge fast nur zu Fußballmeisterschaften (oder auf PEGIDA-Demos). Für mich persönlich ist „ich bin Deutsche“ vor allem eine geographische und sprachliche Zuordnung. Viele Leute in Deutschland geben nicht besonders viel auf ihr Deutsch-Sein. Eher hält man etwas auf die deutsche Wirtschaft, das deutsche Staatssystem. Die Gründe dafür liegen vor allem im heutigen Blick auf die Geschichte Deutschlands, genauer gesagt auf die Zeit des Nationalsozialismus.

Hierzulande ist es ganz anders. Man ist stolz darauf, albanisch zu sein. Vom eigenen Staat und wie die Dinge im Land so laufen hält man hingegen nicht gerade viel – das oben bereits erwähnte Paradox. Natürlich ist die Geschichte des Kosovos eine ganz andere als die Deutschlands. Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts wurde die Region zwischen verschiedenen Herrschern und Regierungen hin und her gerissen, so auch unter der Existenz Jugoslawiens. Zu dem Zeitpunkt haben sich erste Forderungen nach einer eigenen Republik Kosovo geregt. Und heute steht der Kosovo immerhin mit einer Unabhängigkeitserklärung da, auch wenn diese umstritten ist.

Vielen Dank, dass ihr bis hier hin durchgehalten habt. (Und denkt bitte daran – das ist nur mein Blick, meine Erfahrungen, mein Gehörtes.)

Liebe Grüße, eure Bettina, die mit reichlich Denkanstößen überschüttet wird

Das Zwischenseminar

Während eines Spaziergangs habe ich diese Ruine – nur eine von vielen – gesehen.

Unser Zwischenseminar fand im Norden Serbiens in Mali Iđoš, in Deutsch Hedjesch genannt, statt. Laut Wikipedia ist es eine Kleinstadt, aber meiner Empfindung nach würde ich es als größeres Dorf einordnen. In einem wunderschön rustikalen Gasthof warteten unsere Seminarleiterinnen und ein paar bereits angekommene Freiwillige auf uns. Nun ging das große Kennenlernen los. Wir haben uns das gesamte Zwischenseminar über – vor allem aber in den ersten zwei bis drei Tagen – unglaublich viel unterhalten. Nicht nur in den Seminarsitzungen gab es dahingehende Aufgabenstellungen, wir hatten auch so genug Zeit, um uns auszutauschen. Es hat sehr geholfen, die Erfahrungen, Probleme und Vorgehensweisen vergleichen und so neue Gedanken mitnehmen zu können. Spiele waren natürlich auch an der Tagesordnung: Von herrlich verrückten Bewegungsspielen über schräge Theaterszenen bis hin zum „Psychiater“, der die Krankheit der Gruppe herausfinden muss, war alles dabei.

… aber auch dieses offenbar verlassene Haus.
Im Dorf befanden sich dieses schöne Haus …

Ausflug nach Subotica

Tatsächlich gab es nicht nur Seminarsitzungen, sondern auch eine Führung durch die nahegelegene Stadt Subotica. Die Stadt ist sehr sehenswert mit vielen interessanten Gebäuden und Geschichten dazu. Da war zum Beispiel eine Kirche dabei, die leider am Auseinanderbrechen ist. Mehrere große Risse ziehen sich durch die Fassade, weil sich der Boden unter der Kirche ungleich bewegt hat.

Hier sieht man die Risse deutlich.
Die Kirche mit den Rissen.

 

Und drinnen diese Marienstatue.
Noch eine Kirche.

 

… und dieser freundliche Kanalarbeiter grüßt uns auf dem Gehweg.
Dieser Dauergeiger begegnete uns in einem wunderschönen Hinterhof mit Restaurant …

 

In einem ganz unauffälligen Haus fand sich im Treppenhaus dieses erstaunliche Deckengemälde.
Eine reich verzierte Tür.

 

 

Diese Häuserreihe erinnert mich tatsächlich etwas an Fassaden, wie man sie in älteren deutschen Stadtzentren finden kann.
Ein Haus mit orientalischem Touch.

 

 

Die Synagoge.

Besonders beeindruckt hat mich die Synagoge im Jugendstil. Bereits von außen bestaunte ich die Imposanz und Schönheit. Aber da wusste ich noch gar nicht, wie sie von Innen aussieht. Die Synagoge ist heute kaum mehr in Gebrauch, ist es doch ein geschütztes Kulturdenkmal. Unsere Jungs haben natürlich trotzdem alle eine Kippa aufgesetzt, wie es sich in Synagogen gehört. Bereits im Eingangsbereich waren zwei leuchtende Buntglasfenster. Unserer Stadtführer erklärte uns, dass nur noch eines der vielen Fenster die originalen Scheiben hatte. Dieses eine Fenster hat impressive Farben, ich hätte gerne auch die anderen Fenster in ihrer originalen Buntheit gesehen. Die restlichen Original-Fenster sind einst einer Zeit der Vernachlässigung zum Opfer gefallen. Aber auch die nachgebildeten Fenster waren unglaublich beeindruckend, genauso wie die sonstigen Verzierungen im Gebäude.

Dasselbe wie das originale Fenster, aber mit neuen Farben.
Das einzige originale Fenster.

 

Alles bis ins Letzte ausgestaltet: Selbst die Türen und Wände sind ein Hingucker.
Das ist die Front, in der Synagoge.

 

 

Das dürfte das Fenster sein, das im anderen Bild in der Wand hinter der Empore zu sehen ist.
Ein Blick in zur Seitenwand.

 

 

Rund um den Innenraum der Synagoge zieht sich – mit Unterbrechung an der Frontseite – eine Empore entlang, hier von schräg unten gesehen.
Die hohe Kuppel.

 

 

Und noch eins. Weils so schön ist.
Noch ein Buntglasfenster.

Auf Irrwegen

Später hatten wir noch Freizeit in der Stadt. Gemeinsam mit zwei anderen Voluntärinnen beschloss ich, zu einer Mall zu gehen. Der Stadtführer hatte uns den Weg gewiesen. Dummerweise haben wir vergessen, wie der Weg war. Also suchten und fanden wir in Google Maps ein Einkaufszentrum. Der Weg dorthin führte mitten in ein Wohnviertel. Leicht verdutzt standen wir schließlich an einer Kreuzung, keine Mall weit und breit. Nach etwas herumschauen fanden wir heraus, dass es da wohl einen oder mehrere größere Lebensmittelläden hat.

Also kehrten wir wieder um und machten uns auf den Weg zurück – viel Zeit war sowieso nicht mehr übrig. Die Mall fanden wir also nicht mehr. Aber das machte nichts, ein Spaziergang durch ein Wohnviertel ist ja auch nicht schlecht, vor allem wenn man sich derweil gut unterhalten kann. Danach gab es noch ein leckeres Eis. Schließlich ging es zur Busstation zurück. Dort stellten wir fest, dass der Bus doch nicht so fährt, wie wir dachten. Also mussten wir nochmal ein Weilchen warten, aber wie gesagt, in der Gesellschaft konnte man sich wunderbar unterhalten, also war das kein Problem!

Mein Fazit

Innerhalb dieser Woche habe ich wundervolle Personen kennengelernt und neue Freunde gewonnen. Da war zum Beispiel so eine schräg-schöne Aktion wie barfuß auf einem Inselchen im Teich des Guts Rock’n’Roll, Walzer und Samba tanzen. Oder sportlich auf Bäumen herumzuklettern und am Boden unsere Turnfähigkeiten austesten (immerhin Brücke, Handstand und Ratschlag waren dabei). Oder gemütlich Abends am Pizzaofen mit Ukulele und Stimmbändern Musik machen. Ich möchte dieses Seminar keinesfalls missen. Sehr gerne hätte ich noch mehr Zeit mit all den Leuten verbracht, denn um alle wirklich gut kennenzulernen, hat es doch nicht gereicht. Zugleich war ich auch echt glücklich, wieder ins Projekt zurückzukehren, das habe ich doch ein bisschen vermisst.

Zurück ins Projekt

Die Rückfahrt war zum Glück ganz unspektakulär. In Belgrad bin ich in einen Bus gestiegen, der nach Prishtina gefahren ist – dieses Mal ohne Umwege über andere Länder und kaum Zwischenstops. Von Prishtina aus bin ich mit einem ziemlich vollen Bus nach Gjilan gekurvt. Dort habe ich mir ein Taxi genommen, das mich zu Don Bosko brachte. Endlich angekommen wurde ich mit einer herzlichen Umarmung von unserem Projektleiter begrüßt. Es fand gerade eine kleine Faschingsfeier für unsere Animatoren statt, die haben mich auch gleich freudig begrüßt. Allerdings bin ich nicht lange geblieben, denn die Rückfahrt war anstrengend, obwohl ich doch nur herumgesessen bin.

Liebe Grüße, eure Bettina, die längst zurück im Arbeitsrhythmus ist

PS: Noch nicht genug Fotos gesehen? Hier kommen noch mehr!

 

Häuser in diesem Stil gab es etliche.
Eines der vielen schönen Häuser.

 

Etwas abseits vom Zentrum findet man aber auch Fassaden wie diese.
Da hat man in der Antike gespickt.

 

Ein Denkmal.
Ein Plätzchen zum Ausruhen.

 

Hoppla! Saß da nicht eben noch Michelle? Na gut, dann knipste ich eben Andreas!
Michelle genießt die Sonne.

 

Michèl, Michelle und Andreas mit unserem „Meisterdieb“ Aaron – das Stirnband noch auf dem Kopf.
Hilfe! Stirnbanddiebstahl! – Ach so, doch bloß spontane Dreharbeiten für einen spontanen Kurzfilm.

 

Flora und Dorea verstehen sich gut!
Dorea, „die Bestohlene“.

Zwei Tage in Belgrad

Kleine Empfehlung im Voraus: Wenn ihr meinen letzten Beitrag noch nicht kennt, lest den zuerst. Denn hier geht es mit dem ersten Morgen in Belgrad weiter.

Erster Tag

Nach einer nicht allzu langen Nacht wollten wir am nächsten Morgen in einem Café frühstücken. Allerdings stellte es sich als ganz schön schwierig heraus, eines mit passendem Menü zu finden. Als wir doch eines gefunden hatten, war das Ambiente wirklich schön. Nur dass es den einzigen vegetarischen Sandwich auf der Karte doch nicht gab. Und bei den anderen Sandwiches einfach die Wurst weglassen, geht auch nicht, weil nicht im Café selbst blegt werden, sondern fertig eingepackt kommen. Die meiste Kundschaft scheint dort ihr Essen mitzunehmen. Also musste ich auf Kuchen umsteigen – etwas ungewöhnlich zum Frühstück, aber defenitiv lecker!

Nach dem Café-Besuch ging es dann zur Festung von Belgrad, die seit Anfang des 15. Jahrhunderts existiert. Von dort aus kann man den Fluss Save entlanggucken sowie zwei serbisch-orthodoxe Kirchen besuchen.

Eine Mauer sowie ein Turm der Belgrader Festung.
Die Belgrader Festung.

 

Die Aussicht von der Burg auf zwei Gebäude.
Ein Turm der Festung.

 

Die Kirche der Heiligen Petka hat eine sehr eigene Atmosphäre. Man kommt durch eine kleine Tür hinein und steht in einem schummrigen Raum, der von oben bis untern verziert und bemalt ist. Ein Buntglasfenster leuchtet blau, weiß und gelb. Von der Decke der Kuppel schaut ein Jesus-Bildnis herunter. Es riecht nach Weihrauch und jede Menge in Fläschen abgefülltes, geweihtes Wasser steht bereit, das wohl verkauft wird. Ein Priester nimmt Beichten ab. Und ich als Tourist habe mich beinahe als Eindringling gefühlt.

Das leuchtende Fenster.
Nur ein kleiner Ausschnitt aus den Verzierungen in der Kirche der Heiligen Petka.

 

 

In der Rosenkirche war die Atmosphäre ganz anders. Sie war heller erleuchtet, es waren keine Priester da und auch kaum Kirchenbesucher. Am Eingang ist ein kleiner Souvenirshop. Daher habe ich mich auch getraut, mehr Fotos zu machen:

Dieses blaue Tuch hat meine Blicke auf sich gezogen, denn der Kontrast zwischen blau und gold ist auffällig und schön.
Die reich verzierte Rosenkirche.

 

 

Diese Malerei ist an der Decke einer Fensternische.
Dieses farbenfrohe Mosaik ist an der Außenwand der Kirche.

Beim anschließenden Restaurantbesuch bestellte ich mir einen Zucchinisalat, was ich nachher ordentlich bereute: Die Hälfte des Salats bestand aus sehr salzigem Käse. Als kleiner Brocken schmeckt der zwar gar nicht schlecht, aber in rauen Mengen definitiv nichts für mich. Zum Glück gab es noch Brot und Gemüse für den ganzen Tisch, satt wurde ich also trotzdem.

Und jetzt zu acht!

Nach dem Essen trafen wir Louisa, eine Voluntärin der Jesuit Volunteers, die sich uns anschließen wollte. Gemeinsam ging es dann zum Dom des Heiligen Sava, wohl eines der größten orthodoxen Gotteshäuser der Welt. Leider konnten wir nur in die Krypta, denn am Inneren der restlichen Kirche wird noch gearbeitet. Aber allein die Krypta ist den Besuch schon wert. Durch einen zur Seite gebundenen, dunklen Vorhang tritt man in einen warmen Goldschimmer: Kronleuchter und sehr viel Gold tauchen den großen Saal in ein sanftes Licht. An den Wänden und an den Decken sind viele großflächige Malereien. Johanna wies mich auf die vielen verschiedenen Stile hin: Die Maler hatten bisweilen ganz unterschiedliche Malweisen, auch wenn es auf den ersten Blick kaum auffällt.

Die Krypta des Doms.
Der Dom des Heiligen Sava.
Der große Kronleuchter, der etwa in der Mitte des Saals hängt, von untern.
Ein Blick in Richtung Front der Krypta.

 

Ein Bildnis von VIPs – leider weiß ich nicht, in welcher Weise.
Die abgebildeten Personen tragen traditionelle Kleidung, der kosovarisch-albanischen sehr ähnlich.
Ein nächtlicher Anblick.

Nach einem Weilchen machten wir uns auf zurück ans Tageslicht – wobei vom Licht nicht mehr so viel übrig war: Schon den ganzen Tag war es regnerisch, aber jetzt gaben sich die Wolken ordentlich Mühe. Deshalb eilten wir zu einem Supermarkt und deckten uns für Abendessen und Frühstück ein. Danach kochten und aßen wir in unserer Küche, was trotz inzwischen acht Personen noch erstaunlich gut hinhaute.

Aber wir hatten noch nicht genug vom Tag, deshalb besuchten wir noch eine Bar, die uns ins Auge fiel, weil wir durch die Fensterfront eine Liveband darin entdeckten. Die Musik war absolut nicht zu verachten, aber leider war sie auch so laut, dass unsere Hälse am Ende des Abends etwas beleidigt waren, weil wir uns trotzdem angeregt unterhalten.

Am nächsten Tag besuchten wir nocheinmal die Festung – Louisa hatte sie schließlich noch nicht gesehen. Danach mussten wir aber unsere Sachen packen, denn mittags ging schon weiter zum Zwischenseminar. Die Fahrt dorthin habe ich größtenteils verdöst, denn erholsam waren die Tage in Belgrad definitiv nicht, aber es hat sehr viel Spaß gemacht, die Stadt und die anderen Voluntäre (besser) kennenzulernen. Und mit Letzterem ging es auf dem Zwischenseminar gleich weiter. Dazu schreibe ich mehr im nächsten Beitrag!

Liebe Grüße, eure Bettina

PS: Noch ein paar Schnappschüsse:

… Abflug!
Und…
Ein Turm der Festung.
Die Aussicht von der Burg auf zwei Gebäude.
Von den Beiden habe ich eine ganze Reihe von Fotos, das ist das Beste.
Oh, dieser Dinosaurier hat sich wohl im Erdzeitalter geirrt!
Hallo Aaron!
Eine coole Straßenverzierung.
Da ist jemand müde vom schönen, aber langen und anstrengenden Tag.
Flora klettert – egal wo! (Gregor auch, aber davon hab ich kein so gutes Bild.)

Odyssee nach Belgrad

Vor unserem Zwischenseminar Mali Iđoš in Serbien haben wir Don Bosco-Europa-Voluntäre beschlossen, uns zwei Tage davor in Belgrad zu treffen. Eigentlich liegen Gjilan und Beograd – das ist die serbische Schreibweise – nur etwa 350 Kilometer Luftlinie auseinander. Trotzdem hat die Anreise fast 15 Stunden gedauert.

Gregor, der Voluntär in Tirana, ist Abends am Mittwoch dn 20.02.2019 zu mir gekommen, damit wir am nächsten Tag früh Morgens weiterfahren konnten. Also ab in den Bus nach Prishtina. Von dort aus dann weiter nach Skopje – jawoll, wir mussten einen Umweg über Nordmazedonien (bis zum 12. Februar „Mazedonien“ genannt) machen.

Die Grenzsitation zwischen Kosovo und Serbien

Der kosovarische Stempel – so klein, aber doch ein Stein des Anstoßes.

Es ist ziemlich kompliziert, herauszufinden, ob es für jemanden individuell wohl möglich sein wird, über die serbisch-kosovarische Grenze zu kommen. Ich war vorher noch nicht in Serbien, halte mich aber in dem Kosovo, einem – aus serbischer Sicht – serbischem Gebiet auf. Das bedeutet, wenn ich direkt von Kosovo nach Serbien fahre, reise ich quasi illegal ein, obwohl ich natürlich an der kosovarisch-serbischen Grenze kontrolliert und registriert werde. Aber eben nicht offiziell, denn das hieße ja, dass Serbien die Grenze anerkennt. Deshalb ist es auch problematisch, mit einem Reisepass nach Serbien einreisen zu wollen, in dem ein kosovarischer Stempel ist. Möglicherweise wird dieser von den serbischen Beamten unkenntlich gemacht. Deshalb hatte ich meinen Reisepass zwar dabei, habe aber meinen Personalausweis gezeigt.

Die Busfahrt zwischen Prishtina und Skopje

In Prishtina stiegen Gregor und ich also in den Bus, der durch einen Teil des Dinarischen Gebirges zwischen Kosovo und Nordmazedonien gekurvt ist. Die Strecke war für mich als Allgäuerin nicht so besonders, jedenfalls bis die Passträßchen so schmal wurden, dass es mit Gegenverkehr eng geworden wäre. Einmal wurde der Asphalt für einen kurzen Abschnitt unterbrochen und wir holperten über Schotter, bis plötzlich die normale Straße wieder anfing.

Vor den Fenstern zogen Wald und Wiesen, kleine Dörfchen und alte Friedhöfe vorbei. Kaum dass wir aus dem gröbsten Gebirge heraus waren, hielt der Bus am Straßenrand bei einem Dorf. Einer der Mitreisenden erklärte uns, dass alle aussteigen müssen.

Aussteigen? Nach Skopje, der Hauptstadt Nordmazedoniens, sah das aber nicht aus!

Draußen warteten zwei Autos. „Skopje!“, rief der Busfahrer und zeigte auf einen Van. Er war fünfsitzig, aber wir waren sieben Reisende, unseren Fahrer noch gar nicht mitgezählt. Da wir die Letzten waren, die ausstiegen und ihr Gepäck aus dem Bauch des Busses holten, wussten wir nicht, wo wir nun mitfahren sollten. Bis man auf den geräumigen Kofferraum deutete.

Da rein? Gregor und ich sahen uns verdutzt an. Nun, es blieb uns ja nichts anderes übrig…

Also saßen wir dort im Kofferraum mit einigen Gepäckstücken und einem weiteren Mitfahrer, der uns nach ein paar Minuten fragte, ob wir auch Englisch sprächen. Es stellte sich heraus, dass er aus Skopje war und diese Strecke schon kannte. Oder genauer genommen: Nicht kannte.

Er erzählte uns, er nehme oft diesen Bus, aber dieses Mal habe der Busfahrer eine ungewöhnliche Strecke gewählt. Dass man nicht in dem Bus weiterfahren konnte, läge vielleicht daran, dass es während der Fahrt anfing, seltsam zu riechen. Aber dass man in einem Kofferraum die Fahrt fortsetze, nein, also das sei ihm noch nie passiert.

In Skopje

Aber nun war es so. Zum Glück waren wir innerhalb von etwa zwanzig Minuten in Skopje angekommen. Unser freundlicher Mitreisender begleitete uns ins Zentrum. Dort blieben wir auf einer Brücke über den Fluss Vardar stehen. Der junge Mann klärte uns ein bisschen über Skopje auf:

Der Fluss trennt die Stadt in eine eher albanische und eine eher mazedonische Hälfte. Skopje ist nämlich sehr multiethnisch: Nur etwa zwei Drittel der Bewohner zählt sich zu der Ethnie der Mazedonier, etwa ein Fünftel zu den Albanern. Daneben gibt es noch Roma, Serben, Türken, Bosniaken und Zugehörige weiterer Ethnien.

Ein Blick den Vardar hinab.

Das Stadtbild hat sich im letzten Jahrzehnt ordentlich verändert. Die Regierung ließ von 2008 bis 2014 das Zentrum aufpolieren: Viele historisch anmutende Gebäude sowie jede Menge Statuen wurden gebaut und aufgestellt. So wirkt die Innenstadt wie eine schöne, ungewöhnlich geräumige und geordnete und top erhaltene Altstadt. In Wahrheit wurde aber das Gros der Gebäude vor nicht allzu langer Zeit gebaut oder ist zum Teil sogar noch im Bau.

 

 

An diesem bald alt herrschaftlich wirkenden Gebäude wird sogar noch gebaut.
Ein historisierendes Gebäude im antiken Stil.

 

… oder auch witzige Statuen wie diese am Fluss Vardar.
In Skopje stehen unglaublich viele Statuen, zum Beispiel Heldenstatuen wie diese …
Alle schöne Kulisse kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch hier ein Problem mit Müll gibt.
Angler am Vardar.

 

 

Der Mann wies uns noch die Richtung zum Bahnhof, dann trennten sich unsere Wege. Wir bestaunten die vielen Brücken links und rechts, die Gebäude, Plätze und Statuen. Zufällig stießen wir auch auf das Mutter Teresa-Gedenkhaus. Nachdem wir da einen Blick reingeworfen hatten, gingen wir noch Pita essen.

Wo ist denn der Busbahnhof?

Eigentlich hatten wir ordentlich Zeitpuffer eingeplant, aber bis ich endlich aufgegessen hatte, mussten wir uns doch sputen. Wie uns von einem Passanten erklärt worden war, liefen wir zurück zum Fluss, nach rechts und dann nach der zweiten Brücke nochmal nach rechts – nur war da kein Busbahnhof. Also fragten wir eine Gruppe Jugendliche, die uns in gebrochenem Englisch grob den Weg erklärten und wir kapierten, dass es doch wesentlich weiter war, als wir dachten. Der Passant hatte wohl Autobrücken gemeint, aber wir hatten an die vielen Fußgängerbrücken gedacht und diese gezählt. Aber wir hatten nur wenig Zeit!

Zum Glück fiel mir bei der Ansicht einer Reihe Taxis ein, dass das doch eine schnelle, sogar einigermaßen billige Möglichkeit war. Also sprangen wir ins nächste Taxi und standen innerhalb weniger Minuten vor dem Busbahnhof. Wir hasteten hinein, zum Ticketschalter. Aber wir hatten nicht genug Mazedonische Dinar – Wechselstube suchen und nach etwas Verwirrung finden, Ticket kaufen, zum Bussteig eilen.

Geschafft! Etwa zwei Minuten vor Abfahrtszeit luden wir unsere Rucksäcke in den Bauch des Busses und suchten uns Sitzplätze.

Auf nach Serbien

An der Grenze nach Serbien lief für uns alles reibungslos, nur zwei junge Männer mussten sowohl bei den serbischen als auch bei den mazedonischen Grenzbeamten für ein paar Minuten in die Hauptgebäude der Grenzstationen. Ansonsten lief alles ruhig.

Bei einem Halt in einer serbischen Stadt hieß es dann plötzlich, dass alle aus- und umsteigen müssen. Schon wieder? Na gut, es blieb uns doch nichts anderes übrig. Allerdings stand dieses mal ein ganz normaler Bus bereit und es ging weiter wie vorher – bis auf eine Sache: Wir hielten so ziemlich in jeder Stadt, die an der Autobahn lag. Daher wurde es immer deutlicher, dass mit einer pünktlichen Ankunft in Belgrad jedenfalls nicht zu rechnen war. Aber Andreas und Aaron, ebenfalls zwei Voluntäre von Don Bosco, wollten uns doch am Busbahnhof abholen, wie konnten wir die nun erreichen?

Zum Glück hatte ich meine deutsche Sim-Karte auch noch im Handy. Über Roaming konnte ich deshalb SMS schreiben. Nach den Kosten habe ich vorsichtshalber noch nicht geschaut. Wichtiger ist, dass wir uns darüber verständigen konnten, wann und wo wir uns treffen würden.

Schließlich sind wir mit etwa zwei Stunden Verspätung angekommen. Nach dieser stundenlangen Fahrt ohne Pinkelpause mussten wir dringendst auf Toilette – aber die kostete und wir hatten natürlich noch keine serbischen Dinar. Auch das Personal anbetteln half nichts, also machte sich Gregor auf die Suche nach der nächsten Wechselstube, während ich mich an den mit Andreas vereinbarten Treffpunkt stellte. Kaum fand Andreas mich, kam auch Gregor mit Geld in Landeswährung zurück. Ich eilte erst mal zur nächsten Toilette. Und danach: Endlich konnten wir wieder etwas trinken! Während der letzten ein bis zwei Stunden mussten wir unseren Blasen zuliebe darauf verzichten.

Endlich angekommen

Nun liefen wir entspannt zu dem Hostel, in das wir uns eingebucht hatten. Also mehr oder weniger entspannt, es ging größtenteils bergauf. Nach einem Zwischenstop in einem kleinen, vollgestopften Laden – für Leute mit goßen Wanderrucksäcken auf dem Rücken sind sie definitiv nicht konzipiert – erreichten wir um etwa 23 Uhr das Hostel. Das Schöne war: Wir hatten ein Apartment bekommen. Und das allercoolste: Es war nicht in dem Wohnhaus, durch dessen Flur wir gehen mussten, um es zu erreichen. In einem der unteren Stöcke ging vom Treppenhaus eine Tür ab, durch die wir gingen. Nun standen wir auf einer kleinen Brücke über einem Mini-Hinterhof. Am Ende der Brücke war eine kleine Glasfront mit Tür. Dahinter ging es ein paar Stufen hoch, auf denen bereits einige Schuhe und Voluntäre standen. Aaron, Flora, Michelle und Johanna empfingen uns herzlich.

Flora ist ebenfalls eine Voluntärin von Don Bosco. Michelle und Johanna nahmen als Voluntärinnen der Franziskanerinnen an demselben Zwischenseminar teil wie wir und hatten sich unseren Belgrad-Plänen angeschlossen.

Nach einem großen Hallo gab es in der kleinen Küche des Apartments zusammengequetscht auf ein paar Stühlen am Küchentisch Nudeln. Natürlich wurde viel gequatscht, sich kennengelernt und ausgetauscht und Pläne für den nächsten Tag geschmiedet.

Davon wird der nächste Beitrag handeln. Vielen Dank, dass ihr mir bis hierhin gefolgt seid!

Liebe Grüße, eure Bettina, die inzwischen wieder im Kosovo ist

PS: Den Aufkleber im Foto ganz oben habe ich an der Brücke gefunden, auf der unser Mitreisender und wir Volos uns getrennt haben. Auch auf einer Mauer in der Nähe war der Schriftzug groß zu lesen. „J’existe“ ist Französisch für „Ich existiere“. Ich habe während dieser Reise auch gemerkt, dass ganz viel in mir existiert – volle Blasen, verspannte Nackenmuskeln… aber auch der Spaß am Neuen und Unerwarteten.