{"id":433,"date":"2018-02-20T21:47:58","date_gmt":"2018-02-20T20:47:58","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/?p=433"},"modified":"2018-02-20T21:47:58","modified_gmt":"2018-02-20T20:47:58","slug":"meine-zeit-im-maison-de-lesperance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/2018\/02\/20\/meine-zeit-im-maison-de-lesperance\/","title":{"rendered":"Meine Zeit im Maison de l&#8217;Esperance"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Blogleser,<\/p>\n<p>Im letzten Beitrag habe ich ja schon kurz erw\u00e4hnt, dass ich und meine Mitvolos unsere ersten Einsatzpl\u00e4tze Mitte Januar verlassen haben und seitdem in f\u00fcr uns neue Projekte der Schwestern reinschnuppern d\u00fcrfen. Jetzt soll es aber nochmal um mein erstes Projekt gehen, meine Zeit im Ausbildungszentrum. Die ersten vier Monate, die ich in <a href=\"https:\/\/strassenkinder.de\/laender\/afrika\/benin\/\">Benin<\/a> verbrachte, durfte ich die Jugendlichen im Maison de l\u2018Esperance begleiten, und das war eine Zeit, die mir sehr viel gebracht hat! Dass ich so viel Zeit mit Leuten in meinem Alter verbringen durfte, hat mir erstmal geholfen, das akzentvolle Franz\u00f6sisch gut zu verstehen und zu sprechen. Dann habe ich durch die vielen Gespr\u00e4che nat\u00fcrlich richtig viel \u00fcber das Leben und die Kultur hier gelernt-dadurch konnte ich richtig in Benin ankommen, dieses Gef\u00fchl kam bei mir, als ich schon f\u00fcr gut drei Monate hier gelebt habe. Ankommen braucht n\u00e4mlich echt seine Zeit, denn einerseits musste man sich erst an das fremde Land gew\u00f6hnen, andererseits war es auch gar nicht so einfach, herauszufinden, welche Aufgabe man jetzt genau als Volont\u00e4r in den verschiedenen Projekten hat.<\/p>\n<p>Mit der Zeit konnte ich also verstehen, wie es im Maison de l\u2019Esperance l\u00e4uft, den \u201enormalen\u201c Tagesablauf kannte ich recht schnell (dazu gab\u2018s im Herbst einen Blogeintrag: <a href=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/2017\/10\/11\/seife-muffins-und-baguette-das-maison-de-lesperance\/\">Seife, Muffins und Baguette: Das Maison de l&#8217;Esperance<\/a>), aber es gab auch immer wieder Tage, die etwas anders abliefen: Da gab es zum Beispiel den Tagesausflug, als wir in eine andere Stadt fuhren, um dort eine gro\u00dfe B\u00e4ckerei zu besichtigen und danach den Nachmittag am Strand zu verbringen. Das Highlight war f\u00fcr mich aber die Busfahrt! Mit zwei Trommeln und einer Bombenstimmung ausger\u00fcstet wurde die ganze Fahrt aus vollem Herzen gesungen und so gut es ging im Sitzen getanzt und mitgeklatscht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-446\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/DSC06135.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"719\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/DSC06135.jpg 1280w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/DSC06135-300x169.jpg 300w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/DSC06135-768x431.jpg 768w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/DSC06135-1024x575.jpg 1024w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/DSC06135-900x506.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/p>\n<p>Die Babys der minderj\u00e4hrigen M\u00fctter waren nat\u00fcrlich auch mit dabei, und ich fand das einfach so sch\u00f6n, wie sich alle Jugendlichen echt lieb um die Kleinen gek\u00fcmmert haben. So konnten die jungen Mamas den Tag auch richtig genie\u00dfen, ohne ihr Baby immer auf dem R\u00fccken tragen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-434\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/20170929_162611.jpg\" alt=\"\" width=\"508\" height=\"675\" \/><\/p>\n<p>Auch eine Diplom\u00fcbergabe durfte ich im Ausbildungszentrum miterleben. An die neunmonatige Ausbildung schlie\u00dft sich ja das dreimonatige Praktikum in verschiedenen B\u00e4ckereien, Konditoreien und Restaurants Cotonous an, danach bekommen die Jugendlichen ein staatlich anerkanntes Diplom. Vor der \u00dcbergabe wurde Gottesdienst mit den Eltern gefeiert, danach ging es weiter mit Tanzvorf\u00fchrungen und Sketchen. Die Jugendlichen, die ihr Diplom bekamen, haben sich richtig schick gemacht, die M\u00e4dels waren geschminkt und hatten sich Kunsthaar eingeflochten. Kleine Kuchen und leckerer Saft aus Hibiskusbl\u00fcten wurden in der Konditorei und in der K\u00fcche vorbereitet und an die Jugendlichen verteilt, die Stimmung war echt gut!<\/p>\n<p>Wir bekamen auch immer wieder mal hohen Besuch, wie zum Beispiel von UNICEF Benin, deren Vertreter sich das Ausbildungszentrum anschauten. Auch ein spanisches Fernsehteam verbrachte einen Vormittag bei uns und in anderen Projekten der Schwestern, um eine Reportage zu drehen. Ganz herzlich wurden auch Mitarbeiter der italienischen Organisation San Zeno, die das Maison de l\u2019Esperance finanziert, empfangen. F\u00fcr diesen Tag wurde das Ausbildungszentrum dekoriert, zum Teil mit sch\u00f6nen Zeichnungen von zwei k\u00fcnstlerisch begabten Jungs aus der Konditorei. Au\u00dferdem wurden ein kleiner Sketch und Geschenke aus der Seifenherstellung vorbereitet, Tanz, Trommelrhythmus und Gesang durfte nat\u00fcrlich auch nicht fehlen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-439\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/IMG-20171124-WA0012.jpg\" alt=\"\" width=\"1080\" height=\"607\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/IMG-20171124-WA0012.jpg 1080w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/IMG-20171124-WA0012-300x169.jpg 300w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/IMG-20171124-WA0012-768x432.jpg 768w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/IMG-20171124-WA0012-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/IMG-20171124-WA0012-900x506.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 1080px) 100vw, 1080px\" \/><\/p>\n<p>Da das aber alles Ausnahme sind, m\u00f6chte ich euch noch ein bisschen genauer erz\u00e4hlen, wie es in den verschiedenen Ateliers gelaufen ist und dabei auch kurz auf einzelne Jugendliche und ihre Geschichten eingehen.<\/p>\n<p>Die Seifenherstellung war ein Atelier, das ich als sehr ruhig empfunden habe. Hier wurden ungef\u00e4hr zehn M\u00e4dchen ausgebildet, die meisten davon waren M\u00fctter aus dem Maison du Soleil. Der Vorteil an der Seifenmanufaktur ist n\u00e4mlich, dass die M\u00e4dels danach unabh\u00e4ngig zu Hause Seife herstellen und danach auf dem Markt verkaufen k\u00f6nnen. Das ist f\u00fcr die jungen Mamas, die sich zus\u00e4tzlich noch um ihr Baby k\u00fcmmern m\u00fcssen, echt praktisch. Oft waren die M\u00e4dchen m\u00fcde oder haben den Stoff nicht gscheid gelernt, weil sie in der Nacht wegen ihrem Kind wenig geschlafen hatten. Die 14-j\u00e4hrige Micheline* war eine davon:<\/p>\n<p><em>\u201eSeit einem Jahr bin ich schon im Maison du Soleil, das hat mir eine Freundin meiner Schwester empfohlen. Am Anfang wollte ich das Baby gar nicht, aber mir blieb nichts anderes \u00fcbrig-meine Familie hat finanzielle Probleme, und Abtreiben w\u00e4re deshalb nicht in Frage gekommen. Im Maison du Soleil war es zu Beginn auch nicht immer einfach, oft gab es kleine Konflikte zwischen den M\u00e4dchen. Mit meinem Sohn bin ich inzwischen aber so gl\u00fccklich! Manchmal ist er wie ein Psychologe f\u00fcr mich, er merkt, wenn es mir nicht gut geht, und dann versucht er, mich aufzumuntern und f\u00e4ngt an zu weinen, wenn er das nicht schafft. Aber auch den richtigen Psychologen vom Maison du Soleil mag ich echt gern! Wenn ich mit ihm rede, vergesse ich f\u00fcr einen Moment all meine Sorgen. Sobald ich mein Diplom habe, kann ich zum Gl\u00fcck in meine Familie zur\u00fcck, das ist ja auch nicht bei allen M\u00e4dchen aus dem Maison du Soleil so. Vom Ausbildungzentrum bekomme ich ein paar Materialien, damit ich meine eigene Seife zuhause herstellen und dann verkaufen kann.\u201c<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-441\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/Screenshot_74.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"765\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/Screenshot_74.jpg 430w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/Screenshot_74-169x300.jpg 169w\" sizes=\"auto, (max-width: 430px) 100vw, 430px\" \/><\/p>\n<p>Selbstbeherrschung war in der Konditorei gefragt! Denn wie zu Hause w\u00e4hrend der Zubereitung vom Teig zu naschen, das ging nat\u00fcrlich nicht :). Zusammen haben wir Rezepte aufgeschrieben, Methoden gelernt und viele Kuchen, Bl\u00e4tterteigtaschen und Kekse gebacken, und ganz so einfach wie in Deutschland war das nicht: Um Eischnee mit dem Schneebesen oder Puderzucker mit dem Nudelholz gut hinzubekommen, braucht man schon einige Kraft. Aber im Team funktioniert das gut!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-436\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/20171110_115358.jpg\" alt=\"\" width=\"544\" height=\"723\" \/><\/p>\n<p>Anstrengend war es auch, den ganzen Tag zu stehen. Meine Sch\u00fclerbeine, die das viele Sitzen gew\u00f6hnt sind, waren das einfach noch nicht gew\u00f6hnt. Manchmal durften wir die Geb\u00e4cke auch probieren, das lief dann so ab, dass Tata P\u00e2tisserie Fragen zum Unterricht stellte, und wer die richtige Antwort wusste, bekam eine kleine Keksbelohnung.<\/p>\n<p>Cyrille* hat eine Geschichte, die die meisten Jugendlichen im Ausbildungszentrum in \u00e4hnlicher Form mitbringen: Er kommt aus einer Familie aus armen Verh\u00e4ltnissen, die sein Schulgeld nicht mehr bezahlen konnte. Die Familie ist gro\u00df, stolz hat er mir einmal seine vielen Geschwister, Neffen und Nichten vorgestellt. Cyrilles Mutter arbeitet als Fris\u00f6rin, sein Vater ist Mototaxifahrer. Auf dem Gymnasium h\u00e4tte es f\u00fcr ihn nicht mehr lange zum Abitur gedauert, doch Cyrilles Mutter wurde krank. Um die Behandlung zahlen zu k\u00f6nnen, brach er die Schule ab und machte die Ausbildung im Maison de l\u2019Esperance, das er \u00fcber einen Freund kennenlernte. Er war immer motiviert dabei und einer der Besten in seinem Kurs. Wenn er genug Geld zusammenbekommt, m\u00f6chte er wieder zur\u00fcck in die Schule, um sein Abitur zu beenden und danach studieren zu k\u00f6nnen. \u201eDieu fera\u201c, also \u201eGott wird\u2019s schon machen\/ Gott wird mir helfen\u201c ist ein Spruch, den ich hier in Benin schon \u00f6fters von Menschen in einer schwierigen Situation und von Cyrille besonders oft geh\u00f6rt habe.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-295\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2017\/08\/20171110_112440.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"960\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2017\/08\/20171110_112440.jpg 1280w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2017\/08\/20171110_112440-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2017\/08\/20171110_112440-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2017\/08\/20171110_112440-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2017\/08\/20171110_112440-900x675.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/p>\n<p>Die K\u00fcche war ein Atelier, das ich manchmal fast schon als wuselig beschrieben h\u00e4tte. Das lag zum einen daran, dass das Essen f\u00fcr alle 60 Jugendliche und die Tatas und Fofos mittags p\u00fcnktlich fertig sein musste, zum anderen, dass hier die meisten Jugendlichen waren und das oft leichte Platzprobleme machte. Um sich hier einen Weg zu verschaffen, wurde laut \u201eChaud!\u201c, also \u201eHei\u00df!\u201c, gerufen. St\u00e4ndig wechselte man zwischen den zwei R\u00e4umen, die zur Verf\u00fcgung standen, hin und her. In dem einen wurde viel vorbereitet, Bohnen aussortiert, Zwiebeln und Gelber\u00fcben geschnitten. In dem kleineren Raum wurde dann richtig gekocht, in gro\u00dfen T\u00f6pfen \u00fcber Kohlegrills. Neben beninischen Spezialit\u00e4ten wie Maisbrei oder Rote Bohnen mit Reis wurde auch europ\u00e4isch gekocht, ich hab mich immer sehr \u00fcber die leckeren Salate und Spaghetti Bolognese gefreut. Dazu gab es immer Fisch oder H\u00fchnchen und viel Chili.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-301\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2017\/08\/20171116_113654.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"1280\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2017\/08\/20171116_113654.jpg 960w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2017\/08\/20171116_113654-225x300.jpg 225w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2017\/08\/20171116_113654-768x1024.jpg 768w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2017\/08\/20171116_113654-900x1200.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/p>\n<p>Nicht alle Jugendlichen beenden die Ausbildung im Maison de l\u2019Esperance. In der K\u00fcche gab es gleich zwei M\u00e4dchen, die nicht regelm\u00e4\u00dfig gekommen sind und beim Unterricht unaufmerksam waren. Nach einigen Gespr\u00e4chen und Verwarnungen mit den Sozialarbeitern und Psychologen aus dem Team wurde beschlossen, die Ausbildung abzubrechen. Ich fand es schade, dass diese Jugendlichen ihre Chance nicht nutzten, denn alle Auszubildenden kommen aus schwierigen Situationen und ein staatlich anerkanntes Diplom w\u00fcrde ihnen viel weiterhelfen.<\/p>\n<p>In der B\u00e4ckerei waren die meisten Jungs, denn hier ist eher Kraft als Feinmotorik gefragt. In der Fr\u00fch wurden die Baguettes aus dem Teig gemacht, und auch ich durfte mithelfen. Es war gar nicht so einfach, das Brot genauso sch\u00f6n hinzubekommen wie die anderen. Danach setzten wir uns hin und warteten darauf, dass die Baguettes in den Ofen konnten. Wir hatten viel Zeit zum Reden, unterbrochen von kleinen Unterrichtseinheiten von Fofo Boulangerie.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-445\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/DSC00030.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"719\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/DSC00030.jpg 1280w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/DSC00030-300x169.jpg 300w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/DSC00030-768x431.jpg 768w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/DSC00030-1024x575.jpg 1024w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/DSC00030-900x506.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/p>\n<p>Ein kurzer Zeitraum stand uns zur Verf\u00fcgung, um auf der Stra\u00dfe essen zu gehen. An den Stra\u00dfenr\u00e4ndern des breiten Sandwegs findet man n\u00e4mlich immer wieder Frauen, die in kleinen St\u00e4nden Reis oder Maisbrei mit So\u00dfe und frittiertem Fisch anbieten. Gegessen wird mit den H\u00e4nden und die Jungs waren sich einig, dass der kleine Fischkopf das Beste an der ganzen Mahlzeit ist-gut f\u00fcr mich, diesen Teil des Essens durften sie n\u00e4mlich gerne f\u00fcr mich \u00fcbernehmen :). Die Jugendlichen aus der B\u00e4ckerei hatten ihren t\u00e4glichen Unterricht in Franz\u00f6sisch und Verwaltungstechnischem am sp\u00e4ten Vormittag. Drei von ihnen, die nie in die Schule gegangen sind, blieben immer etwas l\u00e4nger im Klassenzimmer. Darunter Jean-Paul*, ein siebzehnj\u00e4hriger Junge, ein echt netter Kerl, der fast kein Wort Franz\u00f6sisch spricht, sondern die Stammessprache Fongbe. Ein ehemaliges Stra\u00dfenkind, das seit einiger Zeit in einem Foyer einer Organisation wohnt, mit dem das Maison de l\u2019Esperance unter anderem zusammenarbeitet. F\u00fcr ihn ist der Unterricht schwierig, das f\u00e4ngt schon in der B\u00e4ckerei an. Dort kann er nicht wie die anderen die Lerneinheiten in sein Heft schreiben. Auch die Konzentration l\u00e4sst schnell nach, das lange Sitzen und Zuh\u00f6ren ist er einfach nicht gew\u00f6hnt. Mit ihm und den zwei anderen macht der Sonderp\u00e4dagoge, den die Jugendlichen richtig gern haben, eine Extraeinheit Unterricht. Inzwischen kann Jean-Paul seinen Namen schreiben, lernt die ersten Buchstaben aufzumalen und die Uhr zu lesen. Er hat sich immer so gefreut, wenn ich noch bei seinem Unterricht dageblieben bin und hat mir als Dankesch\u00f6n stolz ein selbstgefaltetes Papierschiffchen geschenkt.<\/p>\n<p>Ein sch\u00f6ner, abwechslungsreicher Teil meines Freiwilligendienstes liegt also schon hinter mir. Jeden Tag komme ich jetzt mittags von der Vorschule ins Ausbildungszentrum, um mit den anderen Fofos und Tatas zu essen. So sehe ich meine Jugendlichen also noch t\u00e4glich\u2026<\/p>\n<p>\u2026Isabelle*, die am Nachmittag immer 4 gewinnt spielen wollte,<\/p>\n<p>\u2026Luc*, der unbedingt meinen Rucksack haben wollte,<\/p>\n<p>\u2026Antoine*, der oft mit Steinen jongliert hat,<\/p>\n<p>\u2026Ren\u00e9*, der mich dadurch \u00fcberraschte, dass er ganz viel westliche Musik, Filme und B\u00fccher kannte,<\/p>\n<p>\u2026Th\u00e9odore*, der immer Englisch mit mir reden wollte,<\/p>\n<p>\u2026Isidore*, der mich ganz lange so sch\u00fcchtern gesiezt hat,<\/p>\n<p>\u2026Paula*, die immer so herrlich falsch gesungen hat,\u2026<\/p>\n<p>Mit ein paar hat sich eine echt sch\u00f6ne Freundschaft entwickelt, sodass wir auch mal privat etwas unternehmen. Es ist richtig spannend, von ihnen zu sich nach Hause eingeladen zu werden. So lern ich das Leben hier kennen.<\/p>\n<p>Fr\u00f6hlich bunte Farbklekse nach Hause,<\/p>\n<p>Eure Barbara<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-440\" src=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/IMG-20171212-WA0010.jpg\" alt=\"\" width=\"1032\" height=\"581\" srcset=\"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/IMG-20171212-WA0010.jpg 1032w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/IMG-20171212-WA0010-300x169.jpg 300w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/IMG-20171212-WA0010-768x432.jpg 768w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/IMG-20171212-WA0010-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/barbarainbenin\/wp-content\/uploads\/sites\/21494\/2018\/02\/IMG-20171212-WA0010-900x507.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 1032px) 100vw, 1032px\" \/><\/p>\n<p><em>Die Tatas und Fofos vom Maison de l&#8217;Esperance<\/em><\/p>\n<p>*Alle Namen aus Datenschutzgr\u00fcnden ge\u00e4ndert<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Blogleser, Im letzten Beitrag habe ich ja schon kurz erw\u00e4hnt, dass ich und meine Mitvolos unsere ersten Einsatzpl\u00e4tze Mitte Januar verlassen haben und seitdem in f\u00fcr uns neue Projekte der Schwestern reinschnuppern d\u00fcrfen. 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