Annette in Indien

Erlebnisse aus dem Land der 1000 Farben

Mitten drin

Heute! Nein eher morgen. Hm ok nach Weihnachten? Nach dem Zwischenseminar!
So oder so ähnlich könnt ihr euch meine Planung für diesen Blogeintrag vorstellen, der jetzt doch eher ungeplant/verplant eine kleine „Winterpause“ eingelegt hat. Doch nun habe ich es auch geschafft dem ein Ende zu setzen und schreibe munter aus dem neuen Zimmer.

Ja, richtig gelesen! Wir sind Anfang Januar samt Sack und Pack endlich in unser neues Zimmer umgezogen und können sagen: „Das Warten hat sich gelohnt!“ Die Bilder hängen, die Kleider sind im Schrank und auch die ein oder anderen Besucher aus der Nähklasse (gleich nebenan) schauen immer wieder bei uns vorbei, um unser neues „Königreich“ zu begutachten. Kurzum fühlen wir uns hier pudelwohl und sind froh, dass wir die kommenden sechs Monate den Luxus von Fliesenboden genießen zu dürfen! 🙂

So, diese kleine Info schon mal vorab, aber während mein Blog hier eine kleine Winterpause eingelegt hat, ist natürlich nicht nur der Umzug über die Bühne gegangen, sondern noch viele andere Ereignisse, die uns laut Father Arockiam immer mehr zu „Indian girls“ werden lassen.
Also nehme ich euch mal mit auf eine Reise durch die vergangen zwei bzw. fast drei Monate, begleitet von einer Reise durch meine kleine Stadt Vilathikulam, damit ihr euch mal ein bisschen vorstellen könnt, was ich jeden Tag vor der Haustüre so erlebe.
Und los geht die Fahrt auch schon! Wir befinden uns auf der Hauptstraße nach Vilathikulam, die links und rechts von Feldern eingerahmt ist, die durch den Regen im November immer grüner geworden sind. Der geteerte Weg der mit Schlaglöchern besiedelt ist, lässt außerdem jede Autofahrt zu einem Slalom/Hindernisparcours werden und aus einer Zweispurigen Straße, wird schnell mal eine drei spurige Fahrbahn gestaltet die von Mensch und Tier genutzt wird. Ab und zu rasten auch einfach ein paar Leute auf dem Weg und suchen sich ein Schattenplatz in der Mittagssonne und genau dies machen wir nun auch, denn der erst Halt in meinen vergangenen Monaten ist die Weihnachtszeit.
Ja dieses Weihnachten war tatsächlich komplett anders für Lotti und mich, denn während ich am 23. 12. noch fröhlich zusammen mit den Staff Members einen Tanz auf der Weihnachtsfeier von Vembu aufführte, lagen wir beide am selben Abend auch schon im gemütlichen Krankenhausbett. Was ist passiert? Die Moskitos dachten sich, dass sie uns auch etwas schenken wollen und haben dies mal in Form von Dengue Fieber erledigt. So lagen Lotti und ich die restlichen acht Tage des Jahres im Krankenhaus und haben uns trotz der Krankheit, die schlimmer hätte sein können, bei dem Personal, wie auch den Ordensschwestern, welche das Krankenhaus leiten, sehr wohl gefühlt.

Auch im Krankenhaus wurde Weihnachten gefeiert.

Ein klassischer Spruch, unter dem wir von unseren Fathers nun vorgestellt werden, ist gleich nach Name und unserm Land, die lustige Tatsache, dass wir beide zusammen, zur gleichen Zeit, Dengue Fieber hatten. Es folgt dann meistens ein ungläubiges, albernes Lachen. (Hehehe, ja inzwischen finden es wir auch lustig!) 🙂

Die Reise geht weiter und von den grünen Feldern, den Kühen, die ab und an am Straßenrand laufen, oder den viel zu überladenen Scootys, gelangen wir immer mehr in das hektische, aber zugleich doch ruhige Treiben von Vilathikulam. Dieser Wechsel wird einem dann aber erst bewusst, wenn man schon längst im Zentrum der Stadt ist und so ähnlich war es gefühlt auch mit dem Wechsel in das neue Jahr 2018.
Ganz heimlich, still und leise und schon bleiben wir auch schon beim nächsten Halt am 10. Januar stehen. An diesem Tag wurde bei uns im Projekt, zusammen mit der Jugendgruppe von Vembu, „Pongal“ gefeiert.
Pongal ist eines der größten Feste in Tamil Nadu, welches aufgrund der Ernte gefeiert wird. Namensgleich ist auch das süße Reisgericht, welches auf Kolam (einer Bodenmalerei) und unter Karumbu (Zuckerrohrstangen) zubereitet wird und damit der Mittelpunkt des Festes bildet. Alle Leute warten um die Feuerstelle, bis der Reis fertig gekocht ist und zur Krönung des Ganzen wird diesem etwas Süße zugegeben, was ihn dann schlussendlich zu dem „Pongal“ Gericht macht.
So zeichneten auch wir zusammen mit den Youngsters das Kolam mit farbigem Sand auf den Boden, wobei mich die Mädels ein bisschen kritisch angeschaut haben, was meine Technik anging. Als ich ihnen dann aber sagte, dass ich Kolam zum ersten Mal „male“, hatte ich dann doch einen kleinen Bonuspunkt und sie drückten ein Auge zu, was Genauigkeit anging. Fertig mit dem Meisterwerk auf dem Boden, wurde aber nicht lange darum gelaufen , sondern gleich eine Feuerstelle für das Pongal (den Reis) darauf gebildet, welcher eine Stunde lang vor sich hin köchelt. In dieser Zeit wurde viel gelacht und wir bewunderten die Mädels, die sich für diesen Tag extra schick gemacht haben und ihre kunterbunten und glitzernden Kleider anzogen.

Das fertige Kolam vor dem Eingangstor

Pongal mit den Vembu Mitarbeitern

Pongal

Als das Pongal dann fertig war und das Feuer gelöscht, gab es das dann Mittagessen und im Anschluss daran hielt eine Sozialaktivistin ein Vortrag über Geschlechtergleichheit, was bei dem ein oder anderen Junge in der Runde doch zu erstaunten Gesichtsausdrücken führte. Der Vortrag, der am Ende in einer Diskussion endete, wurde dann am Schluss mit dem Pongal gekrönt, welches in kleinen Schälchen an jeden Verteilt und genüsslich gegessen wurde.

Mir persönlich schmeckte es sehr gut, auch wenn es relativ schnell sättigt. Was die Inder dabei aber angeht, naja diese finden Pongal eher nicht so lecker und versuchten deshalb immer jemand anders den eigenen Pongal so gut es ging anzupreisen, um nicht die ganze Schale essen zu müssen. Eine sehr lustige Erkenntnis, da ein paar Tage davor ziemlich viel davon geschwärmt wurde.
Insgesamt durften wir Pongal dann aber nicht nur einmal feiern, sondern noch zusammen mit den Mitarbeitern von Vembu und der Charles School und nach diesen drei Mal Pongal essen, fing ich dann tatsächlich auch an, mein süßer Reis den anderen anzudrehen.

Neben Pongal gibt es in Indien aber noch unendlich viele Snacks, die man in kleinen Läden kaufen kann und die sich im Hauptzentrum von Vilathikulam gleich neben den Teeläden und dem Markt, bei dem das Obst und Gemüse immer Kunstvoll trappiert wird, zu finden sind. Außerdem begegnen uns auf der Reise immer wieder kleine Ständen die, alles verkaufen, was man zum Überleben braucht, also haptsächlich Snacks  hier befindet sich also der dreh und Angelpunkt des Geschehens und man bekommt ganz schnell das Gefühl, mitten drin zu sein.
Mitten drin sind wir mit der Reise aber nicht nur im Zentrum von Vilathikulam angekommen, sondern auch im Zentrum bzw. auf der Hälfte von meinem Freiwilligendienst hier in Indien.

Krass! Also dat ist ja krass! Genau das denke ich im Moment, als ich diese Zeilen schreibe und kann es selber nicht so recht glauben, dass tatsächlich die Hälfte hinter mir liegt. Einerseits fühlt es sich so an als sei es erst gestern gewesen, das wir unsern ersten Cholida trugen oder im Kino saßen und die Welt für eine kurze Zeit nicht mehr verstanden, doch wenn ich dann mein Tagebuch durchlese und überlege, wie viel ich in diesen Vergangenen sechs Monaten dazu gelernt habe, könnte das der Inhalt von bestimmt einem Jahr sein.

So bin nicht nur ich mit vielen Eindrücken vollgepumpt, sondern auch meine Mitfreiwilligen, welche ich zum Zwischenseminar in Hyderabad, Mitte Februar wieder traf. In diesem Seminar, welches fünf Tagen ging, wurde viel reflektiert, ausgetauscht und Probleme besprochen, die einem im Alltag doch ab und zu über den Weg laufen und so erfuhren wir viel über die Projekte und Erlebnisse der anderen Volos.

die perfekte Erholung in den Pausen 😀

Neben dem theoretischem Teil beim Seminar wurde in den vielen Pausen aber auch immer viel gequatscht, indische Charts ausgetauscht oder Volleyball gespielt und so entstand im Innenhof des Provincial Haus die Stimmung, eines ganz normalen Seminares in Benediktbeuern, welches dadurch noch unterstütz wurde, dass Francesco und Niklas (unsere Koordinatoren des Auslandjahres in Deutschland) das Seminar geleitet haben.
Es wurde also viel auf die vergangen sechs Monate geschaut, aber auch auf das, was jetzt noch kommt, denn es ist ja erst Halbezeit und die anderen sechs Monate warten noch mit voller Ladung auf uns.

Mit dieser vollen Ladung im Rucksack von Reflektion, aber auch neuen Ideen und Motivationen für das kommende halbe Jahr, war das Seminar dann wieder (zu) schnell zu Ende und auch die Reise von meinem Blogeintrag hört hiermit im Zentrum von Vilathikulam auf. Wie es weiter aussieht sowohl in der kleine Stadt als auch die Pläne für die kommende Zeit wird nicht verraten, denn es ist ja (erst) die Halbzeit und nach einer hoffentlich nicht zu langen Werbepause, gibt es einen neuen Eintrag aus dem Zimmer mit dem top gefliesten Boden.

Bis dahin macht es gut und bis bald,
eure Annette.

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  1. Ludo

    dat is einfach der HAMMA!

  2. Reagge

    Dat is ja krass! Also krass is das, ne krass.

    Liebes Schwesterherz,

    ganz toller Eintrag! Uns freut es natürlich immer ein Lebenszeichen von dir zu hören! Wuhuuuu Halbzeit. Einerseits traurig, andererseits aber auch wundervoll, dass die Hälfte geschafft ist und dein Kommen immer näher rückt! Es gibt einige Momente uf em Hardt (oder wo die Klausmanns auch immer sind), wo wir dich gerne bei uns hätten!

    Genug Geschnulze 😀 Hau rein die letzten 6 Monate! Wir hoffen, dass alles so eintrifft, wie du dir es vorstellst.

    Tunakupenda!

  3. Liebe Annette, freue mich sehr das du deine begeisterung so nett rüberbringst und die lebensphase so genießt. ich, Georg, krone Hardt, war über weihnachten, neujahr in Thrissur, Kerala in einer ayurvedischen klinik. bin im august nochmals dort und werde es sehr genießen. stelle schon einen unterschied zwischen Nord- und Südindien fest. ich war schon oft im Himalaya. jedenfalls werde ich wieder genießen und wünsche dir eine weitere wunderschöne Zeit. gruß aus münchen, Georg

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