{"id":156,"date":"2020-03-29T22:35:34","date_gmt":"2020-03-29T20:35:34","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/annalusjahrinmumbai\/?p=156"},"modified":"2020-03-29T23:05:57","modified_gmt":"2020-03-29T21:05:57","slug":"didi-no-go-germany","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.donboscovolunteers.de\/annalusjahrinmumbai\/2020\/03\/29\/didi-no-go-germany\/","title":{"rendered":"Didi no go Germany"},"content":{"rendered":"<p>Entsetzen. Entt\u00e4uschung. Angst. Verzweiflung. Trauer. Viele dieser Gef\u00fchle begleiten mich die letzten Tage. Emotionen \u00fcbersch\u00fctten sich. Warum m\u00fcssen wir zur\u00fcck nach Deutschland? Bin ich nicht in <a href=\"https:\/\/strassenkinder.de\/laender\/asien\/inden\/\">Indien<\/a> viel sicherer? Warum so kurzfristig? Wie konnte diese Krise in nur 3 Tagen so ausarten?<\/p>\n\n\n\n<p>Fragen \u00fcber Fragen, die ich mir immer wieder stelle, aber mir selber nie beantworten k\u00f6nnen werde. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, es waren drei Tage, die mein Leben in Mumbai komplett ver\u00e4ndert haben. Erst die Ansage, dass wir vom BMZ aufgefordert sind zur\u00fcckzukehren auf Grund der Coronakrise, dann ein Flug f\u00fcr den 26.3. Ein Tag sp\u00e4ter die \u00c4nderung: Wir m\u00fcssen schon am 21.3. fliegen, da ab dem 22.3. keine internationalen Fl\u00fcge mehr von Indien ausgehen. Und somit hatten wir dann doch nur noch einen Tag in Mumbai. Einen Tag, an dem wir packen mussten. Einen Tag f\u00fcr Verabschiedung. Einen Tag, in dem alles aus den Wogen geraten zu sein schien. Einen Tag, in dem Mumbai mit dem Lockdown begann. &nbsp;Einen Tag in einem Leben, das ich mir sechs Monate aufgebaut hatte. Man kann die Emotionen dieses Tages gar nicht in Worte fassen. <\/p>\n\n\n\n<p>Es war einer meiner sch\u00f6nsten Sheltertage \u00fcberhaupt. Alle\nJungs waren um uns herum. Unsere Fathers k\u00fcmmerte sich um unsere Abreise und\njegliche Dokumente. Die Jungs hegten Pl\u00e4ne aus, dass wir doch in Indien bleiben\nk\u00f6nnen (We will fight against the Chief Minister! We\nwill stop the airplane! We will come to Germany and fight with you against Corona!\nYou can hide in Shelter!). Leider ging keiner dieser Pl\u00e4ne in Erf\u00fcllung.\nEin letztes Mal Studytime, ein letztes Mal Essen mit den Fathers. Nachmittags\ngab es ein Abschiedsprogramm f\u00fcr uns. Mit Reden, Gedichten, vielen Liedern und\nGesang und viele Abschiedsgeschenke f\u00fcr uns. Nat\u00fcrlich durften Bilder nicht\nfehlen, diese Momente m\u00f6chte ich f\u00fcr immer in Erinnerung behalten. Ein letztes\nMal Cricket, Ein letztes Mal Murmeln. Ein letztes Abendessen mit den Jungs und\ndann die gro\u00dfe Verabschiedung, in der jegliche Emotionen ausgestellt wurden.\nEin letztes Mal aus dem Tor gegangen und die winkenden Jungs verlassen. Wir\nmussten sie verlassen, ohne ihnen ein Abschiedsgeschenk zu geben. Wir hatten\nnichts f\u00fcr sie, wir hatten nichts f\u00fcr die Fathers oder sonst irgendjemanden.&nbsp; Alle L\u00e4den hatten zu, alle Menschen liefen\nmit Mundschutz herum. Wir hatten keine Chance mehr, uns w\u00fcrdig bei unserer\nFamilie zu bedanken, die uns die letzten sechs Monate so herzlich aufgenommen\nhat.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0Es ist immer noch surreal f\u00fcr mich, nicht mehr morgens vom Watchman begr\u00fc\u00dft zu werden, keine Witze der Father zu h\u00f6ren, \u00a0kein Gehupe um mich herum, kein \u201eGod bless you\u201c bei einer Verabschiedung, keine freudenstrahlenden Gesichter wenn ich sage, dass heute Klavier stattfindet. Kein Watchman, der uns das Sheltertor \u00f6ffnet, kein Thunder(Hund), der mir auf mein Bein sabbert weil er sich so freut mich zu sehen. Keine Obdachlosen, die einem vom Gehweg aus zuwinken, keine Slumkinder, die einen durch ihre Freudenschreie fast taub machen. Keine indischen Lieder, die laut gebr\u00fcllt werden, kein Double-Chai. Keine K\u00f6chin, die einem von ihren privaten Problemen erz\u00e4hlt und kein Ex-Shelter-Junge, der einem Abends zur Begr\u00fc\u00dfung mit \u201eHello my Dear, what are you doing here?!\u201c freudestrahlend entgegenkommt. Und nat\u00fcrlich keine 54 Shelterjungs, die einem alles bedeuten..<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ein Abschied innerhalb von 24 Stunden von ganz\nIndien, Mumbai, <a href=\"https:\/\/www.donboscomission.de\/don-bosco\/\">Don Bosco<\/a> und dem Shelter gewesen. Aber auch ein schmerzvoller\nAbschied von meiner Mitvolunt\u00e4rin Lotta, die mittlerweile eine Schwester f\u00fcr\nmich geworden ist. Zusammen haben wir wundervolle sechs Monate gehabt, sind\ndurch dick und d\u00fcnn gegangen, haben gemeinsam gelacht und geweint und die\ntollsten Erfahrungen geteilt. Vielen Dank f\u00fcr diese wundersch\u00f6ne Zeit, die ich\nimmer in Erinnerung behalten werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun sitze ich im kalten, verschneiten Bischofswerda in einem\nZimmer, dass gr\u00f6\u00dfer ist als eine Slumh\u00fctte in der eine 8-k\u00f6pfige Familie wohnt.\nIch kann niemanden treffen, Quarant\u00e4ne ist angesagt. Ich habe viel Kontakt zu\nmeinen indischen Freunden, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Und nat\u00fcrlich\nbin ich in Gedanken die ganze Zeit bei ihnen. Denn auch ihnen geht es nicht\ngut. Ein Lockdown mit kompletter Ausgangssperre ist nicht gerade einfach, vor\nallem nicht in einem Land mit 1,3 Milliarden Einwohnern. Viele konnten sich\nnicht leisten Essen f\u00fcr drei Wochen zu kaufen, dies betrifft auch meine\npers\u00f6nlich gewonnenen Freunde. Sie hoffen nun auf Hilfe der Regierung, denn\nviele haben jetzt schon kein Essen mehr zu Hause.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sind viele Dinge, die einen momentan besch\u00e4ftigen und\ndurch den Kopf schwirren. &nbsp;Gerade in\nsolchen Tagen sind viele Menschen auf Hilfe angewiesen. Ich habe immer noch\nmein Spendenkonto, auf dieses gerne Geld eingezahlt werden darf. Dieses Geld\nwird vor allem mein Projekt in Mumbai weiterhelfen und den 54 Jungs, die f\u00fcr 21\nTage in einem Haus festsitzen und nicht mehr raus d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielen Dank an alle Spender!!!!!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche Euch allen, besonders in diesen Tagen, Gesundheit und eine sch\u00f6ne Zeit mit Euern Liebsten. Allen Volus w\u00fcnsche ich eine gute Heimkehr und ein gutes Einleben in Deutschland. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Meinen Blogeintrag m\u00f6chte ich mit einem Gebet beenden, welches uns ein Father zum Abschied gegeben hat und es mir seitdem immer wieder durch den Kopf schwirrt. Irgendwie wird alles gut werden&#8230;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>God grant me the serenity<\/em><br><em>to accept the things I cannot change;&nbsp;<\/em><br><em>courage to change the things I can;&nbsp;<\/em><br><em>and wisdom to know the difference.<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>Living one day at a time;&nbsp;<\/em><br><em>enjoying one moment at a time;&nbsp;<\/em><br><em>accepting hardships as the pathway to peace;&nbsp;<\/em><br><em>taking, as He did, this sinful world<\/em><br><em>as it is, not as I would have it;&nbsp;<\/em><br><em>trusting that He will make all things right<\/em><br><em>if I surrender to His Will;&nbsp;<\/em><br><em>that I may be reasonably happy in this life<\/em><br><em>and supremely happy with Him<\/em><br><em>forever in the next.&nbsp;<\/em><br><em>Amen<\/em><\/p><\/blockquote>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entsetzen. 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