Puh! Ganz schön viel passiert in letzter Zeit!
Nachdem wir vier Wochen in dem kleinen Dorf Anyron waren, wo das Leben ohne eine Aufgabe ehrlich gesagt nicht so arg spannend ist, und noch eine weitere Woche Schulferien hatten, haben Cara und ich uns letzte Woche gedacht, wir könnten die Zeit nutzen um uns über Togo einen groben Überblick zu verschaffen!
Dank eines Paters aus Kevé hatten wir ein Auto plus „Chauffeur“ Paul (der Bruder des Paters) und konnten vorletzten Freitag gleich mit ihm und unserem Gastbruder Abel nach Lomé durchstarten. Nach ewigem Hin und Her wegen Übernachtungen (weil wir nebenbei wie eine Selbstverständlichkeit erfahren haben, dass wir zu zweit für vier Leute zahlen sollten, in einem Hotel mit europäischen Preisen), stellte sich heraus, dass Pauls Familie in Lomé wohnt und wir dort übernachten können und er auch in Kara eine Übernachtungsmöglichkeit hat. Genial! D.h. es kommen „nur“ die Benzinkosten (die aber auch schon das 15-fache teurer als eine Busfahrt sind) auf uns (also Cara und mich) zu. Aber immerhin sind wir dann unabhängig was Taxis usw. angeht…
Da wir schon ein bisschen Urlaubsfeeling haben wollten, wünschten wir uns im Stillen, dass Pauls Familie und die Bekannte in Kara fließendes Wasser haben. Den Abenteuer-„Urlaub“, ohne die gewohnten Dinge leben zu müssen, haben wir ja täglich in unserem Dorf Anyron.
Wir haben uns also ein paar Dinge in Lomé angesehen, sind auch an den Villen der Regierungsgebäuden vorbeigefahren, von denen man ja keine Fotos machen darf, und die hinter dicken Mauern und von ein paar Soldaten gesichert, groß aufprangen.
Man sieht schon auf den ersten Blick, dass zwischen Stadt und Dorf Welten liegen! Auch was das Leben im Gesamten angeht. Weggehmöglichkeiten, Einkaufsmöglichkeiten, und so weiter, und so weiter.
Nach einem relativ langen Tag sind wir dann zu der Familie von Paul gefahren: weg von den Luxushotels am Strand, weg von Regierungsgebäuden. Nach einer längeren Fahrt, auch wieder weg von den geteerten Straßen, bogen wir überraschenderweise in eine Straße mit Häusern ein, die man hier durchaus Villen nennen kann. Cara und ich meinten nur spaßhalber, wie krass das wäre, wenn wir jetzt bei einem solchen Haus anhalten würden… das erste Haus vorbei, die erste Garage von dem zweiten vorbei… bei der zweiten Garage hielten wir an! Das kann doch nicht wahr sein! Hohe Mauer, Säulen, Dachterrasse mit Blick auf viele Palmen, und alles, bei was sich ein Europäer (denke ich zumindest) recht wohlfühlen würde: Strom, Internet, Bad mit fließendem Wasser, Ventilatoren, und eine super nette Familie!
Abends weggehen ist bei uns auf dem Dorf nicht möglich, deshalb war es für uns auch das erste Mal das Nachtleben in Togo miterleben zu können.
Nach einem recht ausgefüllten Wochenende in Lomé machten wir uns auf die Reise nach Kara in den Norden.
Dort durften wir bei einer Bekannten von Paul wohnen. Tagsüber haben wir uns (zumindest wenn es uns erlaubt wurde, denn es war gar nicht so einfach, bei unseren beiden männlichen Mitfahrern unsere Vorstellungen durchzusetzen) mit Dominic getroffen, der in einem Salesianer-Projekt ist und in Bonn vorbereitet wurde. Wir haben uns die Projekte, sowohl der Brüder als auch der Schwestern, angesehen und wurden auch einmal zum Abendessen bei den Brüdern eingeladen. Cara und ich haben uns bei ihnen sofort wohlgefühlt und auch in der Stadt, die nicht zu groß und nicht zu klein ist! Es gibt auch einen schönen Fluss und das Marktleben haben wir auch ein bisschen erlebt. An einem Tag waren wir in einem Nationalpark in der Nähe. Wir sind zwar nicht in den gegangen, in den wir ursprünglich wollten, haben also keine Elefanten und Giraffen gesehen, aber mit Zebras, Antilopen und Riesenschildkröten haben wir uns schließlich auch ein bisschen zufrieden gegeben 😉 Anscheinend gab es sogar Krokodile, aber blicken haben sie sich nicht lassen… und ins Wasser springen wollten wir dann als Lockmittel wohl doch nicht. 😉

Nach einer Woche sind wir schließlich wieder in unser „gewohntes“ Leben im Dorf zurückgekehrt und mittlerweile hat auch die Schule angefangen.
Ein Schultag fängt damit an, dass erst einmal ab 7:00 für eine halbe Stunde der Schulhof gefegt wird – natürlich von den Schülern. Um 7:30 gibt es so eine Art Appell, bei dem die Schüler klassenweise auf dem Schulhof stehen, erst einmal beten und anschließend, während die Flagge von Togo gehisst wird, die Nationalhymne singen. Danach wird zum Trommelspiel im Gleichschritt zu den Zimmern marschiert.
Am ersten Tag waren Cara und ich im Kindergarten, in dem die Kinder eher wie in einer Klasse in der Schule sitzen und, zumindest was den ersten Tag betrifft, eigentlich auch nichts spielen oder machen. Bei Kindern im Alter von knappen zwei Jahren frage ich mich, ob es schon sinnvoll ist, sie von zuhause „wegzuschicken“, weil sie halt dann doch am laufenden Band weinen und nach Mama schreien. Die kleinen Kinder sprechen nur Ewe, kein Französisch. Deshalb fiel es uns schon leichter am nächsten Tag den Unterricht bei den ca.12 bis 17-Jährigen (zusammen in einer Klasse) anzuschauen. Als wir mitbekamen, dass diese „Kinder“ erst die 6-stelligen Zahlen lernen und auch lernen, dass ein grammatikalisch richtiger Satz ein Verb braucht und nach einem Punkt groß weiter geschrieben wird, waren wir etwas geschockt. Viele wussten auch nicht, was sie in der Schule eigentlich für eine Sprache sprechen, nämlich Französisch…
In den nächsten Wochen sollen wir uns den Unterricht in den verschiedenen Klassen einmal anschauen um dann zu entscheiden, welche Klasse und welche Fächer wir unterrichten wollen.
Wenn ich bedenke, dass Jugendliche teilweise mit 17 / 18 Jahren in dieser Grundschule sitzen, kann ich mir kaum vorstellen als Lehrerin vor ihnen zu stehen. Aber man wird sehen 🙂 Wie die Menschen in Togo so schön sagen: „ça va aller!“

Bis bald! Eure Anna