Mittlerweile bin ich schon seit 2 Monaten in Sambia, und die Zeit vergeht unglaublich schnell! Da so viel passiert, hatte ich keine Zeit gehabt, diesen Blog zu schreiben. Aber jetzt wird es Zeit, euch mal zu berichten, was ich alles schon erlebt habe.

Ankommen in Lusaka

Am 1. September sind wir nach einem ziemlich langen Flug endlich in Lusaka gelandet. Dort wurden wir von einem Father (Priester) abgeholt und zum Provincial House gebracht, wo wir die ersten Tage verbrachten. Das Provincial House ist das Verwaltungs- und Ordnungszentrum der Salesianer Don Bosco in Lusaka, das als Wohn- und Verwaltungsort für die Ordensprovinz dient.


Den ersten Tag haben wir erst mal genutzt, um uns auszuruhen und den langen Flug zu verarbeiten. Am nächsten Tag standen dann die ersten Erledigungen an. Wir haben uns SIM-Karten besorgt und ein Father hat uns ein bisschen die Gegend gezeigt. Nur drei Minuten entfernt gab es eine große Mall, die wir natürlich direkt erkundet haben. Am Anfang war es allerdings etwas ungewohnt, alleine (zu dritt) nach draußen zu gehen. Wir wurden viel angeschaut, angesprochen und uns wurde oft „Musungu“ hinterhergerufen. Das bedeutet „weiße Person“. Mit der Zeit haben wir uns aber daran gewöhnt und uns auch ziemlich sicher gefühlt, alleine unterwegs zu sein.

In Lusaka haben wir Noreen und Daniella kennengelernt, zwei Volunteers aus Irland. Die beiden waren super nett und haben uns direkt mitgenommen und uns einiges gezeigt. Wir waren beispielsweise in Cafés, in der Mall oder abends in Bars.


Außerdem haben wir ein paar Locals kennengelernt, die auf dem Gelände des Provincial Houses ein kleines Musikstudio haben und ihre eigene Musik produzieren. Mit ihnen haben wir ebenfalls einiges unternommen und konnten Lusaka noch einmal aus einer anderen Perspektive kennenlernen. Wir waren zum Beispiel schwimmen, spazieren oder haben Karten auf dem Gelände des Provincial Houses gespielt.

Unsere Zimmer waren sehr sauber und ich konnte jede Nacht sehr gut schlafen. Zum Duschen hatten wir entweder kochendheißes oder eiskaltes Wasser. Ich habe mich dann für kalt entschieden … Das Wasser aus unserem Hahn konnten wir nicht trinken, und zum Zähneputzen haben wir auch gekauftes Wasser benutzt, da das Wasser viele Schadstoffe enthält.

Unsere Mahlzeiten haben wir zusammen mit den Fathers gegessen. Es gab meistens „Nshima“, das ist so etwas wie Maisbrei, Gemüse und Fleisch. Leider gibt es hier auch kein Müllentsorgungssystem und deshalb wird nachts der Müll verbrannt.

Die Menschen in Lusaka waren alle super freundlich und man begrüßt sich hier viel.

Was mir in Lusaka besonders aufgefallen ist, sind die unterschiedlichen Lebensrealitäten, die hier aufeinandertreffen. Während es in manchen Teilen der Stadt modern zugeht, wird in anderen Gegenden deutlich, wie schwierig der Alltag für viele Menschen ist. Nicht jeder Haushalt hat selbstverständlichen Zugang zu fließendem Wasser oder Strom. Dinge, die für uns selbstverständlich sind, können hier eine tägliche Herausforderung sein.

Ganz ohne Zwischenfälle ging unsere Zeit dort nicht zu Ende. Am letzten Tag hatte ich eine starke Lebensmittelvergiftung. Generell hatten wir alle ein bisschen mit unserem Magen zu kämpfen. Zum Glück ging es mir relativ schnell wieder besser, sodass wir unsere Reise nach Kazembe antreten konnten.

Kazembe

Von Lusaka sind wir nach Mansa geflogen. Das ist die nächstgrößere Stadt in der Nähe von Kazembe. Dort hat uns Father Jacek abgeholt und wir sind gemeinsam die letzten drei Stunden mit einem Jeep nach Kazembe gefahren. Die Fahrt war ziemlich abenteuerlich, denn die Straßen sind voller Schlaglöcher und teilweise ganz schön holprig. Trotzdem haben wir geschlafen, weil wir alle noch müde waren.


In Kazembe haben wir uns erst einmal anderthalb Wochen Zeit genommen, um anzukommen und alle kennenzulernen.

Wir leben hier in einer WG mit zwei Volunteers aus Polen (Paulina und Ania) und unserem Wachhund Sumo. Wir haben uns mittlerweile gut eingelebt und das Zusammenleben mit Josefine und Juli macht richtig Spaß. Wir sind den ganzen Tag nur am Lachen und genießen die Zeit, die wir hier zu dritt verbringen dürfen. Paulina wird bald zurück nach Polen fliegen, sodass wir dann nur noch zu viert in der WG sein werden.

Direkt am Anfang haben wir das Oratorium kennengelernt. Das ist ein Riesengelände, auf dem die Kinder und Jugendlichen nachmittags ihre Zeit verbringen. Es gibt ein Basketball-, Volleyball- und Fußballfeld sowie Brettspiele und viele andere Beschäftigungsmöglichkeiten. Das Oratorium ist von Montag bis Samstag von 14:30 bis 17:30 Uhr geöffnet. Donnerstags ist Movie-Tag. Das heißt, die Kinder schauen gemeinsam einen Film und anschließend gibt es einen Kindergottesdienst. Es ist schön zu sehen, wie viele Leute auf dem Gelände sind und wie die Kinder die verschiedenen Angebote nutzen. Jeder Tag ist anders und es gibt immer was zu tun.



Außerdem haben wir auch einige Animators kennengelernt. Animators sind Jugendliche im Alter von 16–23 Jahren, die, wie wir, die Kinder betreuen und im Oratorium helfen. Wir haben in der ersten Woche auch schon einiges mit den anderen Volunteers und Father Jacek unternommen. Ein besonderes Erlebnis war zum Beispiel eine gemeinsame Kajaktour auf dem Luapula River an der Grenze zum Kongo oder ein Ausflug zu den Ntumbacushi-Wasserfällen, wo man supergut schwimmen konnte.


Unser Alltag hier

Mittlerweile haben wir uns an unseren Tagesablauf gewöhnt, auch wenn die Tage oft ziemlich voll und manchmal anstrengend sind. Unser Tag beginnt früh. Um 6 Uhr stehen wir auf und um 6:30 Uhr haben wir gemeinsam mit den Fathers, dem Brother und den Volunteers Gottesdienst. Danach haben wir Zeit zum Frühstücken, bevor um 8 Uhr die sogenannten „Morning Jobs“ beginnen. Dabei übernehmen wir ganz verschiedene Aufgaben. Wir streichen Wände an, helfen bei der neuen Secondary School oder erledigen Gartenarbeiten. Die Arbeit macht meistens Spaß, da wir so viele unterschiedliche Dinge tun. Allerdings kann es bei der prallen Sonne und den heißen Temperaturen ganz schön anstrengend sein.

Um 12:30 Uhr essen wir gemeinsam mit den Fathers zu Mittag. Danach haben wir etwas Zeit, um uns auszuruhen, bevor um 14:30 Uhr das Oratorium beginnt. An manchen Tagen geht es anschließend noch weiter. Von Montag bis Freitag findet abends die Study Time statt. Dabei können die älteren Jugendlichen Bücher ausleihen und in Ruhe lernen. Um 20:30 Uhr ist dann Schluss.

Auch in unserer WG haben wir unsere Aufgaben untereinander aufgeteilt. Wir wechseln uns beispielsweise beim Kochen und Abwaschen ab und übernehmen verschiedene Aufgaben. Und natürlich gehört unser Wachhund Sumo zu unserem Alltag. Er ist erst 2 Jahre alt, ein Deutscher Schäferhund und sorgt dafür, dass es bei uns nie langweilig wird. Er hat schon vollstes Vertrauen in uns und liebt es, gekrault zu werden. Allerdings ist er nicht ganz erzogen. Einmal ist er ausgebüxt und hat versucht, eine Ziege zu töten. Die Ziegen, Hühner und Schweine laufen hier im Ort frei rum.

Unter anderem haben wir hier Aufgaben wie auf den Markt zu gehen und einzukaufen oder die Wasserpumpe anzumachen, wenn das Wasser leer ist. Das Wasser kommt aus 70 Metern Tiefe und ist deshalb sehr sauber. Wir trinken es direkt aus dem Hahn und haben keine Probleme. Außerdem haben wir zum Duschen auch warmes Wasser und eine Waschmaschine. Das erleichtert uns einiges.


Besuch vom Bischof

Kurz vor unserer Rückreise nach Lusaka hatten wir noch einen besonderen Besuch. Der Bischof von Mansa ist nach Kazembe gekommen. Zu diesem Anlass wurde ein großes Fest auf dem Gelände des Oratoriums organisiert. Als er ankam, gab es eine Art Parade und anschließend fand ein sehr langer Gottesdienst statt. Ungefähr 3 bis 4 Stunden, mitten in der Sonne.

Wir fanden es ein bisschen befremdlich, dass dem Bischof 3 lebende Ziegen geschenkt wurden. Sie wurden während des Gottesdienstes an den Beinen zu ihm getragen. An einem Abend haben wir gemeinsam mit ihm und den Fathers gegessen und für ihn gekocht. Er war wirklich sympathisch und lustig, und es war schön, ihn persönlich kennenzulernen.



Zurück nach Lusaka und wieder zurück nach Kazembe

Für unser Visum mussten wir noch mal nach Lusaka zurück. Father Jacek brachte uns nach Mansa, wo wir eine Nacht bei anderen Fathers verbracht haben. Dort gab es sehr viele dicke Kakerlaken, weshalb wir, statt jeder in einem einzelnen Zimmer, alle zusammen in einem geschlafen haben, damit wir nicht alleine sein mussten. Am nächsten Morgen ging es dann mit dem Flugzeug zurück nach Lusaka.

Dort konnten wir uns noch ein paar Tage entspannen und die Zeit nutzen, um unsere Freunde wiederzusehen. Gemeinsam mit Noreen und den Jungs waren wir unter anderem in einer Karaokebar. Das war ein wirklich schöner und lustiger Abschluss unserer Zeit in Lusaka.

Nach ungefähr einer Woche ging es für uns dann wieder zurück nach Kazembe. Diesmal sind wir von Mansa aus mit dem Bus gefahren. Schon die Suche nach dem richtigen Bus war ein kleines Abenteuer. Wir haben uns für einen großen Bus entschieden, weil wir uns damit sicherer fühlten. Die Fahrt dauerte ungefähr 3 Stunden und war ziemlich holprig. Da wir ganz hinten saßen, wurden wir bei den vielen Schlaglöchern manchmal regelrecht aus unseren Sitzen gehoben. Aber auch das haben wir geschafft und mittlerweile fühle ich mich in Kazembe schon richtig zu Hause.

Die erste Zeit hier war voll mit neuen Eindrücken, Begegnungen und Abenteuern. Natürlich ist nicht jeder Tag einfach, und manchmal ist alles ganz schön anstrengend. Trotzdem genieße ich die Zeit hier sehr und freue mich, immer mehr in den Alltag hineinzufinden. Ich bin gespannt, was die nächsten Monate noch für uns bereithalten, und freue mich darauf, euch weiterhin davon zu erzählen.