Nach 7 Monaten in Indien kann ich nun sagen, dass ich mehr vom Land kenne als Delhi. Der letzte Blogeintrag ist schon so lang her, weil ich in letzter Zeit unterwegs war und einige Teile in Indien bereist habe. Das Zwischenseminar in Hyderabad (was im zentralen Süden Indiens liegt) war Anfang Februar und danach bin ich noch mit meiner Mitvolontärin (Janina) und einem dritten Volontär (Gero aus Lucknow) gereist. Und wir sind endlich der Kälte in Delhi entflohen. An der Ostküste sind wir im südlichen Bundesstaat bis zum südlichsten Punkt Indiens gereist. Dieser Staat, Tamil Nadu, wir auch als Tempelstaat bezeichnet, denn hier gibt es unglaublich viele wunderschöne Tempel, von denen wir einige gesehen haben. An einem komplett verlassenen Strand sind wir einige Kilometer gelaufen und dabei Sri Lankaimmer näher gekommen. Wir haben von Bananenblättern gegessen, wurden häufig von Leuten eingeladen, auf Motorrädern mitgenommen, uns wurden Fahrräder ausgeliehen, auf eine Hochzeit mitgenommen, tolle Busfahrten durch Palmenlandschaften gehabt, uns vom Tempelelefanten segnen lassen, im größten indischen Kleidungsladen uns nicht mehr losreißen können und viele nette und hilfsbereite Menschen getroffen. Besonders gut hat mir die traditionelle Kleidung der Menchen gefallen. Die Frauen tragen dort auch im Alltag Sari und die Männer Lungi. Das ist ein bodenlanges Tuch, dass sie sich als Wickelrock umbinden oder bis zum Knie hochschlagen.

Auf eine Hochzeit wurden wir spontan in den Tempel eingeladen

Auf eine Hochzeit wurden wir spontan in den Tempel eingeladen

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An der Spitze Indiens, wo drei Meere aufeinandertreffen, habe ich den schönsten Sonnenaufgang meines Lebens gesehen und von da aus ging es in den womöglich touristischsten Bundesstaat Indiens, Kerala. Dort sind wir an der Westküste wieder gen Norden gereist und Strandurlaub gemacht, weiterhin das südindische Essen genossen (doch nochmal ganz anders ist) eine Bootstour in den Backwaters und die Teeplanta gen in den Bergen besucht bevor es zurück nach Delhi ging.

in den Backwaters sind wir vom Boot zum baden gesprungen

in den Backwaters sind wir vom Boot zum baden gesprungen

Des öfteren war der Zug so voll, dass wir auf den Gepäckablagen saßen

Des öfteren war der Zug so voll, dass wir auf den Gepäckablagen saßen

Und endlich konnten wir wieder Hinsi sprechen, denn in Tamil Nadu spricht jeder Tamil, was angeblich die älteste Sprache der Welt sein soll und enge Verknüpfungen zu Sri Lanka aufweist, in Kerala wird Malayalam gesprochen, was in etwa so klingt, als würden die Laute nur aus „LA“ bestehen und in Andra Pradesh wird Telugu gesprochen. Alle Sprachen haben auch noch andere Schriftzeichen. Wir waren also in 3 unterschiedlichen Bundesstaaten, die alle komplett unterschiedlich waren.

Es ist noch gar nicht so lang her, als Besuch aus Deutschland kam. Mit meiner Mutter und meiner Patentante habe ich ein Stück Heimat nach Indien bekommen. Mein Süßigkeitenvorrat wurde mit deutschen Köstlichkeiten, Nutella und Marmelade aufgefrischt und die Fathers haben Salami und Weißwürste am Ostersonntag probieren können. Ich habe ein paar Impulse von außen übr das Heim von meinem Besuch bekommen und das war auch nochmal sehr hilfreich. Nach der Zeit, die wir gemeinsam im Projekt verbracht haben, ging es mit dem Auto (dass man bei den Straßenverhältnissen natürlich nicht selbst fahren kann) durch den Bundesstaat Rajasthan. Einer der größten Bundesstaaten Indiens ist mit unzähligen tollen Gebäuden, Festungen und Palästen übersäht, die aus alten Zeiten noch erhalten sind. Man kann sich gut einfühlen in die Zeit der Mahrajas und deren Königreiche und deren Festungen erheben sich wie eine Fata Morgana aus der Wüste. Der Bundesstaat besteht zu großen Teilen aus Wüste und man fährt durch trockene Landschaften ohne Dörfer oder Städte und als wäre man am Ende der Welt. Doch wenn man dann in den Städten ist fühlt man sich wie in „Tausend und eine Nacht“. Erst mit dem Jeep (wo ich meine Fahrkünste im Sand für kurze Zeit unter Beweis stellen musste) und dann mit dem Kamel ginng es weit in die einsame Wüste hinaus, wo wir dann am Feuer bekocht wurden. Unter freiem Sternhimmel, der sich als unendliche Kuppel über uns ausbreitete schliefen wir mit nur Bettlaken in den Sanddünen, was durch den Wind aber ziemlich kalt wurde.

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Eines der berühmtesten Bauwerke der Welt - Taj Mahal

Eines der berühmtesten Bauwerke der Welt – Taj Mahal

Schließlich zurück in Delhi ging es mit dem Flugzeug in den östlichen Bundesstaat Orissa, wo die Familie des Direktors unseres Heims zu Hause ist. Dieser hat uns eingeladen und so haben wir ein paar Tage in seiner Familie gewohnt. Orissa ist der Bundesstaat mit der höchsten Anzahl an Stammesvölkern. Es war sehr berührend das „pure Indien“ zu sehen. In den Bergen zwischen Reisfeldern leben die Menschen in kleinen Dörfern, die weit voneinander entfernt sind und verkaufen ihr Angebautes auf den Stammesmärkten, die wir auch besuchten.

Ein kleines abgelegenes Stammesdorf, die wahrscheinlich nicht so oft weiße Menschen sehen

Ein kleines abgelegenes Stammesdorf, die wahrscheinlich nicht so oft weiße Menschen sehen

Auf einem Stammesmarkt haben wir eingekauft

Auf einem Stammesmarkt haben wir eingekauft

Mit dem Nachtzug ging es dann in die Hauptstadt und von da aus auf die Andamanen. Diese Trauminseln gehören geografisch eigentlich mehr zu Südostasien, aber offiziell zu Indien. Die Einheimischen sind also Inder, die Sprache ist Hindi und die Währung sind ebenfalls Rupien. Allerdings erinnert die Landschaft und das touristische Treiben wenig an das sonst so untouristische Indien. Hinter den paradisischen weißen Stränden mit kristallklarem Wasser geht es tief in den Dschungel mit toller Vegetation.

 

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Rundum hat Indien also alles zu bieten: landschaftlich, kulturell, kulinarisch und vor allem menschlich. Ich habe noch nie so eine Gastfreundschaft erfahren und ich möchte betonen, dass ich mich immer sicher gefühlt habe, auch wenn kein Mann dabei war. Dies hebe ich hervor, weil Indien in vielen Köpfen der Europäer gerade für Frauen als gefährlich gilt.