Ich durfte in Indien schon viele Feste erleben, aber es kann immer noch verrückter werden. Dieses Jahr ist das Holi-Festival nach dem Hindu-Kalender auf den 24.3. gefallen. (Erster Vollmond im Hindumonat Phalgun, also Februar/März) Schon Tage vorher haben uns die Jungs angedroht, dass sie uns an diesem Tag so richtig zeigen werden, wie ein Inder feiern kann. Das Fest der Farben geht auf den Gott Krishna zurück, eine Verkörperung des Gottes Vishnu (einer der 3 Hauptgötter der Hindus) Krishna, der als romantischer und erotischer Gott gilt, hatte viele Frauen und Spaß dran mit diesen im Garten mit Farben zu spielen. Das trug sich der Legende nach in einer Stadt zwischen Delhi und Agra (wo das Taj Mahal steht) zu, wo heute das Holi Festival am ausgelassensten gefeiert wird. Eigentlich besteht das Fest traditionell aus zwei Tagen. Am ersten Tag zündet man in der Nacht ein Feuer an und verbrennt eine Figur aus Stro: Holika. Dieser Brauch führt auf eine Legende zurück, dass der kindliche Prinz Prahlada seinem Vater gättliche Ehre erweisen sollte. Aber der Prinz nur Vishnu verehrte und egal was der Vater versuchte, Vishnu beschütze das Kind. Schließlich wollte der König mit einer List das Kind töten. Dazu beauftragte er seine Schwester Holika, die vor dem Feuer immer geschützt war, mit dem Jungen ins Feuer zu steigen. Allerdings wurde das Kind bewahrt und Holika verbrannte zu Asche. Das populärste Festival Indiens machte Delhi an diesem Tag zu einer Geisterstadt und nichts erinnerte mich daran, dass hier 18 Millionen Menschen leben. Wir suchten uns einen Tag vorher also alte Kleidung heraus und los ging es dann im Morgen. Kaum war ich im anderen Gebäude, wo die Jungs wohnen, war ich schon nass und bunt. Das Ziel ist: so vielen Leuten so viel Farbe wie möglich ins Gesicht und in die Haare zu schmieren. Die Farbe ist ein Pulver, das sich Gulal nennt. Ursprünglich wurde es aus Pflanzen hergestellt, heute aber chemisch, auch wenn uns natürlich alle erzählen, dass es ganz pflanzlich ist. Dass es nicht so ist, kann ich an meinen Haaren und meinen Nägeln nachweisen, die nach einer Woche immer noch genau die gleiche Farbe haben, wie am Fest selbst.

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Man kann sich also ungefähr vorstellen wie es ist, wenn man von 150 Jungs (und nicht nur einmal) alle paar Sekunden Farbe ins Gesicht bekommt und ebenfalls in kurzen Zeitabständen mit einem kompletten Wassereimer übergossen wird oder von der Terasse mit Wasserbomben beworfen wird. Die Farbe läuft also von oben nach unten am Körper und die Hände sind so schmutzig, dass man sich die Farbe auch nicht mehr aus den Augen reiben kann. Meine Pupillen waren also zwischendurch nicht mehr blau, sondern gelb-grün und irgendwann pink. Nach einer Stunde konnte ich meine Augen nicht mehr öffnen und meine Hautfarbe war so dunkel, wie die der Inder. Aber trotzdem wurde ausgelassen getanzt und weiter gefeiert, sodass ich sagen kann: Es war das lustigste Fest, was ich je hatte. Happy Holi!.

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Paradox ist, dass dieses absolute verrückte Festival in die Karwoche fällt, die für die Christen doch durchaus von Bedeutung ist. Auf Holi folgte also am nächsten Tag Karfreitag und das erste Mal bin ich zur Kirche gegangen. Bisher war es ja immer praktisch mit Priestern zusammen zu wohnen. So bin ich zum Sonntags-Gottesdienst immer nur aus meinem Zimmer zwei Türen weiter zur Kapelle gegangen. Nach der Karfreitagsmesse auf Englisch haben wir die Hindi Messe zur Osternacht besucht, wo wir allerdings 3 Stunden lang nicht sehr viel verstehen konnten. Mit selbstgebastelten Osterhasenohren haben wir Sonntag Morgen Süßigkeiten versteckt, die schnell und stürmisch gefunden wurden. So schnell wie alle losgelaufen sind, konnten wir gar nicht gucken.

Überall sind die Jungs hochgeklettert um die Schokolade zu suchen

Überall sind die Jungs hochgeklettert um die Schokolade zu suchen

Gefunden!

Gefunden!

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