So viele Weihnachtsfeste in meinem Leben die ich hinter oder vor mir habe. Aber dieser Advent und die Weihnachtszeit ist doch was ganz Anderes und Neues. Dieser sehr verspätete Blogeintrag (was vor allem am mangelnden Internet lag) soll darüber einen Einblick geben.Einige meiner Traditionen habe ich in meiner Heimat dem Erzgebirge gelassen, manche mitgenommen und mit den Traditionen von dem Heim Don Bosco Ashalayam neue Bekanntschaft gemacht. Stress aus der Adventszeit zu Hause bin ich schon gewöhnt. Allerdings hatte ich den Stress hier auch. Die Jungs wurden für das Programm am Heilig Abend in 4 Gruppen aufgeteilt und jede sollte eine bestimmte Szene des Krippenspiels darstellen und einen Tanz oder ein Lied einüben. Die beste Gruppe gewinnt. Meine Gruppe wollte einen Tanz einüben, also habe ich einen Tanz zum Lied „Santa Klaus is coming to town“ eingeübt. Das einzige Lied an dem Abend, was nicht aus Indien kommt. Nach vielen Proben, die auch manchmal bis spät abends gingen (weil das die einzige Zeit war, an dem alle Jungs aus der Gruppe Zeit hatten) konnten also alle die Choreografie und führten stolz den Tanz auf.

Gute Laune bei den Tanz-Proben

Gute Laune bei den Tanz-Proben

Nachdem sich die Jungs ein bisschen gewährt haben die Kostüme für die Krippenspielszene anzuziehen, hat der Engel letztendlich doch ein weißes Bettlaken, gebastelte Flügel und einen Stern auf dem Kopf getragen und Maria habe ich mit einem Sari verhüllt 😀

Ein bisschen weihnachtliche Stimmung kam beim Plätzchen backen auf. Ich hatte Ausstecher aus Deutschland mitgebracht und in unserer Weihnachtsbäckerei haben die Jungs voller Liebe Monde, Sterne, Tannenbäume und Glocken aus dem Teig gestochen. Da die Inder keine Öfen zum Kochen oder Backen verwenden, haben wir uns mit einem kleinen Ofen, den man in die Steckdose steckt, zufrieden gegeben. Da auch keine Schokolade im Supermarkt auffindbar war, die wir hätten schmelzen können, war der Zuckerguss eine süße Alternative. Den Jungs haben die Kekse super geschmeckt und forderten alle mehr.

Die Maschine in der jeden Tag für 150 Jungen

Die Maschine in der jeden Tag für 150 Jungen Chapati (indisches Fladenbrot) gemacht wird

Chapati (jedes Essen wird hier in Zeitungspapier gewickelt)

Chapati (jedes Essen wird hier in Zeitungspapier gewickelt)

Der

Dieser „interessante“ Ofen hat uns so einige Brandblasen eingehandelt

Am Vormittag des Heilig Abend schmückten alle zusammen das Gebäude. Zusammen mit einem Jungen klebte ich aus Lametta zwei Weihnachtsbäume und eine Glocke an die Wand. Diese Fake-Variante von Weihnachtsbaum kostete mich ein bisschen Überwindung, denn erstens ist das für eine traditionelle Erzgebirglerin keine gute Alternative zum richtigen Weihnachtsbaum und zweitens war es auch nicht ungefährlich, denn die Leiter fiel halb auseinander und die Jungs machten sich auch einen Spaß daraus die Leiter noch mehr zum Schwanken zu bringen.

Der alternative Weihnachtsbaum aus Lametta

Der alternative Weihnachtsbaum aus Lametta

Diese Leiter würde einen Stabilitätstest nicht bestehen

Diese Leiter würde einen Stabilitätstest nicht bestehen

Der Innenhof wird geschmückt

Der Innenhof wird geschmückt

Nicht nur Räume wurden geschmückt..

Seit 4 Wochen wurde von den älteren Jungs eine riesige Krippe, ein wahres Wunderwerk, aufgebaut. Diese steht jetzt vor dem Gebäude auf einer Bühne. In Mitten von Bergen, einem Wasserfall und einem See, blinkenden Lichten und umhüllt von bunten Stoffen (die die Bühne abgrenzen) liegt jetzt das Jesus-Kind.

Deepak  (Der Verantwortliche für die Krippe) ist stolz auf seine Arbeit

Deepak (Der Verantwortliche für die Krippe) ist stolz auf seine Arbeit

Am Ende waren alle sehr zufrieden mit der Deko und das Programm konnte starten. Viele schöne Tänze und Lieder wurden dargeboten und die älteren Jungs hatten „Funny Gifts“, die der Weihnachtsmann dann verteilte, der mit Trommelwirbel begrüßt wurde. Das bedeutet, dass die Beschenkten ein auf ihre Persönlichkeit zugeschnittenes Geschenk erhalten und das ohne Geld auszugeben. So erhielt der Leiter in Schild, auf das „Time“ geschrieben war; ein Junge packte einen Kuhfladen aus, denn er liebt es Schokolade zu essen; ein anderer bekam einen Knochen geschenkt, weil man denken könnte, dass er keine davon hat, so wie er tanzen kann; total zerstörte Fußballschuhe bekam ein Junge, der leidenschaftlich Fußball spielt und dessen Schuhe dann dementsprechend aussehen usw. Wir sammelten mit einer Aktion auf Facebook Spenden für Spiele. Denn nur die Jungs, die schon länger hier wohnen oder zur Schule gehen, dürfen das Projekt verlassen. Die Jungs, die versuchen von der Schule wegzulaufen , zurück auf die Straße, dürfen auch nicht mehr raus. Es sind also viele Jungs hier, die nicht wissen, was sie mit der ganzen Zeit anfangen können und kommen dann öfters mal auf dumme Gedanken. Spiele haben sie nicht wirklich und auch keinen Platz um draußen zu spielen, denn der Innenhof ist sehr klein. Nachdem das Halli-Galli-Spiel, das ich aus Deutschland mitgebracht habe zum absoluten Lieblingsspiel geworden ist, kauften wir von den Spenden noch mehr Spiele. Die Jungs konnten also Uno, Schach, Memory, Mensch ärgere dich nicht und andere Spiele auspacken und freuten sich riesig darüber. Wir werden im Januar noch mehr Spiele bestellen und vielleicht im Februar einen Tischkicker kaufen, wenn Platz dafür geschaffen wurde. Nochmal ein riesiges Dankeschön an alle Sponsoren!

Viele Grüße aus Delhi

Alinde