Wir finden immer mehr unsere Aufgaben und ich erlebe mittlerweile jeden Tag so, dass man es annähernd als Alltag beschreiben kann.

Da kein Platz war, um ordentlich unseren Unterricht zu machen, nahmen wir uns die Zeit und haben zwei Wochen von früh bis spät die Bibliothek des Projektes ausgemistet. Ich weiß nicht, wie viele Kilogramm Bücher wir verkauft und weggeschmissen haben, aber nach zwei Wochen staubiger Arbeit, konnte sich das Ergebnis sehen lassen.

So sah der Raum vor dem Aufräumen aus

So sah der Raum vor dem Aufräumen aus

Wann wurde hier das letzte Mal Ordnung gemacht?

In Reissäcken haben wir die Bücher weggebracht

In Reissäcken haben wir die Bücher weggebracht

Wir haben nun einen gemütlichen Klassenraum mit Tischen, Stühlen und sortiertem Lernmaterial. Wir haben eine Klasse von 12 Jungs, die jeden Tag kommen und ihren eigenen Platz haben. Außerdem können sich alle Jungs Bücher ausleihen. Wir haben ihnen beigebracht, was es heißt sich ein Buch auszuleihen und zurückzubringen, bevor man ein neues bekommt. Und was es heißt still am Lernen zu sitzen. Neuerdings steht uns auch eine Tafel zur Verfügung und der Unterricht klappt immer besser. Wir geben Englisch. Mathe und Geografie- Unterricht. Vor allem an Geografie sind sie sehr interessiert und wissen nun auch was Kontinente sind, dass es ziemlich viel Mehr auf der Welt gibt, dass die Uhrzeit nicht überall gleich ist, wo Deutschland liegt und sind erstaunt, dass so viele Länder so klein sind.

Die Jungs drängen jeden Morgen darauf in den Klassenraum zu kommen

Die Jungs drängen jeden Morgen darauf in den Klassenraum zu kommen

Die Aussicht aus dem Klassenraum

Die Aussicht aus dem Klassenraum

Beim Bücher ausleihen

Beim Bücher ausleihen

2 Brüder haben Spaß an Englisch

2 Brüder haben Spaß an Englisch

In der Pause zwischen den 2 Stunden am Morgen spielen sie Brett-und Kartenspiele und wollen damit auch gar nicht mehr aufhören.

Die Spiele, die wir zu Weihnachten geschenkt haben

Die Spiele, die wir zu Weihnachten geschenkt haben

Sie haben auch verstanden, dass sie sich zwar ein Spiel ausleihen können, es aber vollständig wieder zurückbringen müssen. Nachmittags gebe ich zuerst einzelnen Schülern Nachhilfe und schaue danach ich in der „Bathing Time“, dass jeder sich abtrocknet und niemand nass sein Kleidung anzieht. Außerdem kontrolliere ich die Schränke, wo ich meistens leider noch kein Lob aussprechen kann. Aber ich hoffe, dass sich das bald ändert. Danach spiele ich mit den Jungs oder mache kreative Dinge. Wir haben jetzt angefangen Freundschaftsbänder zu knüpfen, sodass letztendlich jeder irgendwann eins geschenkt bekommt. Dabei können die Jungs sich gut in Geduld üben, aber knüpfen die Bänder wirklich gut. Eines Tages präsentierte mir ein Ameer (11 Jahre) ein viel komplizierteres Muster, als das, welches ich ihm gezeigt hatte. Ich war natürlich von den Socken und er zeigte mir, wie er es sich selbst beigbracht hat. Abends gebe ich den kleineren Jungs „Singing Class“, wo wir momentan kernen, wie man richtige Töne nachsingt. Ich habe zwar potenzielle Sänger vor mir sitzen, die aber ihr Potenzial bisher nicht genutzt haben.

Vor einigen Wochen wurden den meisten Jungen die Haare geschnitten. Dazu gehen sie allerdings nicht zum Friseur, sondern das machen die älteren Jungs:

Das war noch eine wärmere Zeit

Das war noch eine wärmere Zeit

Es kommen permanent Händler auf unserer Straße vorbei, die auf ihren mobilen Ladentischen auf einem Fahrrad Obst, Gemüse und andere brauchbare Dinge verkaufen. Die Jungs erstanden vor einigen Tage ein paar Stangen Zuckerrohr. Ich hab natürlich auch probiert. Mann reißt die Haut mit seinen Zähnen ab und kaut dann auf dem Innenleben des Rohres herum. Der Zucker ist flüssig, weshalb es ein bisschen wie Sirup schmeckt, aber sehr lecker!

Amit führt vor wie man Zuckerrohr isst

Amit führt vor wie man Zuckerrohr isst

Aus dem Feiern kommen wir gar nicht mehr raus. Erst Weinhachten, dann Silvester, dass „Lohry“ am 14.1. (Ein Fest der Sikh-Religion, wo man ums Feuer tanzt und dabei Unmengen an Erdnüssen und Popcorn isst. Und jetzt wird gerade der Nationaltag Indiens (26.1.) vorbereitet

An Silvester wurde eine Statue aus allen alten Klamotten gebaut, Knaller drin versteckt und angezündet

An Silvester wurde eine Statue aus allen alten Klamotten gebaut, Knaller drin versteckt und angezündet

Zu

Zu „Lohry“ haben sich alle ihre Taschen mit Erdnüssen und Popcorn vollgeschlagen oder ihre T-Shirts zu Beuteln umfunktioniert

Jeder wollte seine Nüsse loswerden und hat sie anderen in die Tasche gesteckt. Der Boden war am Ende von Nussschalen bedeckt

Jeder wollte seine Nüsse loswerden und hat sie anderen in die Tasche gesteckt. Der Boden war am Ende von Nussschalen bedeckt

Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt, hinterlasst mir einfach einen Kommentar.

Kalte Grüße aus Delhi
Alinde