Eine Idee entstand in meinem Kopf, als ich den Reiseführer „Indien“ durchblätterte. Ich las wie beeindruckend das Himalaya sein muss und sah auf der Karte, wie nah die Berge doch an meinem Standort sind. Ich wusste, dass es in 5 Tagen nach Delhi zurückgeht und dachte mir, dass ich es noch ausnutzen muss, so weit nördlich zu sein. Ich schwärmte meiner Mitvolontärin vor, wie schön es auch noch um diese Jahreszeit sein muss…Am Donnerstag hatten wir einen freien Tag und planten die Reise. Wir fragten die Fathers, ob wir 4 Tage wegfahren können und sie buchten ein Ticket nach Shimla für Samstag morgen. Es blieb nicht viel Zeit für Vorbereitungen und so brachen wir Samstag Nacht um 2 Uhr auf. Die kleine Stadt, in der der Bahnhof liegt, glich einer Geisterstadt, als wir um 3 Uhr mit den Fathers ankamen. Obwohl die Tickets gebucht waren, hieß es, dass wir auf der Warteliste stehen und es nicht sicher sei, ob wir überhaupt mit dem Zug mitkommen. Die Abteile waren überfüllt und vor allem voller Männer, die uns anstarrten. Was machen auch zwei weiße Mädchen mitten in der Nacht auf dem Gleis eines solchen klapprigen Zuges? Schließlich wurden wir von Frauen in ein reines Frauenabteil herein gewunken, wo wir uns auch gleich sehr wohl fühlten. Eine hochschwangere Frau lag mit ihrem ganzen Hab und Gut auf dem kalten Boden und schlief während ihr Mann im Männerabteil saß und sie nach 2 Stunden wieder abholen kam. Allerdings waren ihre Schuhe verschwunden und so musste sie in der nächtlichen Kälte ohne Schuhe und mit ihrem Mann, der den ganzen Hausrat über den Schultern trug, weiter. Wir haben im Zug auch gefroren, aber während wir schliefen, haben uns die Frauen mit ihren mitgebrachten Decken zugedeckt. Auch wenn die Zugfahrt viel länger dauerte als der Bus, den wir nehmen hätten können und auch nicht ganz so bequem war, hat es sich gelohnt. Wir fuhren immer höher in die Berge, auf einer Seite ging es immer steil hinunter und wir hatten einen super Ausblick in die Täler und auf die schneebedeckten Berge. Als die Sonne zwischen den Bergen aufging, konnte der Tag eigentlich nicht mehr besser starten.

Angekommen in Shimla (Bergstation, in der die Briten während die heißen Sommer oftmals verbrachten) ging es einen steilen Marsch bergauf. Nach einem europäischen Frühstück mit Crepes, nahmen wir den Aufstieg zum „Affentempel“ auf uns. Allerdings war uns nicht bewusst, dass es auch einen richtigen Weg dahin gibt, deshalb kletterten wir durch den Wald. Dort wurden wir immer von vielen Affen begleitet, allerdings auch einmal fast angegriffen. Auch vor einem Hund mussten wir flüchten, denn wir wollten nicht unsere Beine seinem Maul zur Verfügung stellen. Nach dieser Aktion erreichten wir- mit Herzklopfen, mit Stöcken und Pffeferspray bewaffnet- den Tempel.

alte Kolonialgebäude der Briten

Unser "etwas andere" Weg zum Tempel

Unser „etwas andere“ Weg zum Tempel

 

Die Affen noch ganz friedlich

Die Affen noch ganz friedlich

Der Affe kommt auf die Idee mich anzugreifen

Der Affe kommt auf die Idee mich anzugreifen

Wir mussten unsere Schuhe im Tempel ausziehen, hatten aber Angst, dass sie von den Affen geklaut werden

Wir mussten unsere Schuhe im Tempel ausziehen, hatten aber Angst, dass sie von den Affen geklaut werden

Da keine Autos fahren dürfen, muss alles auf dem Rücken transportiert werden (was teilweise auch unmenschlich ist)

Da keine Autos fahren dürfen, muss alles auf dem Rücken transportiert werden (was teilweise auch unmenschlich ist)

Danach legten wir eine Shoppingtour in den Basaren, die hoch oben in den Bergen angelegt sind, ein. Dort kauften wir uns einen Wollschal, die für diese Gegend sehr bekannt sind. Dieser sollte uns noch zu einem großen Segen werden. Abends nahmen wir den Nachtbus nach Kullu. Aber im Dunkeln den Busbahnhof zu finden, war eine kleine Herausforderung. Denn zunächst mussten wir die Busstation des örtlichen Busses finden, der uns zum Busbahnhof bringen sollte. Doch jeder erzählte uns etwas anderes und die Zeit lief langsam davon. Nachdem wir dann endlich in diesem Bus saßen, war die nächste Frage, wie man bezahlt. Als dann der Mann kam, der das Geld einsammelt, sagte er uns, dass bereits für uns bezahlt wurde. Wir trafen auf unserer Reise viele solche Engel. Am Busbahnhof angekommen, erwarteten wir eigentlich den Luxus Bus, den wir gebucht hatten. Aber der fiel aus und so wurden wir 8 Stunden lang in einem semi-komfortablen Bus durchgeschüttelt, der im Affenzahn sich die Berge hinauf schlängelte. Schlafen konnten wir also nicht wirklich und kamen um 4 Uhr morgens in Kullu an. Doch wir konnten uns vor Sonnenaufgang nicht vom Busbahnhof weg bewegen und so verbrachten wir 2 Stunden bei einer Temperatur um den Gefrierpunkt, auf einer Bank. Obdachlose standen ums Feuer, die Polizisten schauten uns immer komischer an und ich legte mich komplett verhüllt (sodass nur noch die Augen rausschaute) zum Schlafen. Trotzdem erkannten uns die Leute noch als Weiße. Als es hell wurde, suchten wir einen Ort zum Frühstücken.

Es war wirklich kalt

Es war wirklich kalt

In dem Hotel schienen wir die ersten ausländischen Touristen zu sein, die sie je gesehen hatten. Hergekommen waren wir wegen dem Festival, zu dem tausende von Hindus pilgern. Eine Zeltstadt, in der die Pilger für diese Woche leben und ein Jahrmarkt erwarteten uns. Jeder hatte in seinem Zelt eine Art eigenen Tempel, der dann ständig von anderen Pilgern besucht wurde.

Ein Slum am Fluss im Bergdorf Kullu

Ein Slum am Fluss im Bergdorf Kullu

Mittags ging es dann weiter in ein sehr idyllisches Bergdorf mit schönen Häusern und Tempel, die aus Holz und Steinen gebaut werden. Nachmittags machten wir uns noch weiter in den Norden auf.

 

Die wunderschöne Architektur aus Holz und Stein

Die wunderschöne Architektur aus Holz und Stein

Und so werden die Häuser gebaut

Und so werden die Häuser gebaut

Auch hier muss viel auf dem Rücken (besonders von Frauen) getragen werden

Auch hier muss viel auf dem Rücken (besonders von Frauen) getragen werden

Manali liegt direkt zwischen den schneebedeckten Gipfeln und es war extrem kalt. Vor allem, weil es keine Heizungen gibt, auch wenn Minusgrade die Luft eisig machen. Diese Stadt ist ein touristisches Paradies für Outdoor-Aktivitäten. Also buchten wir eine Tageswanderung für Montag und machten uns auf, unser Hostel zu suchen. Doch der Rikschafahrer wusste nicht genau, wo sich das Hostel befindet. Wie sollte er auch? Denn von der Hauptstraße liegt es 150 Meter abgelegen. Ein Mann war so freundlich uns zu bringen. Doch der Weg war komplett unbeleuchtet und wir hatten keine Ahnung, wohin und wie lange wir laufen mussten. Ich schickte also ein Stoßgebet nach dem anderen zum Himmel und hoffte, dass nichts passierte. Im Hostel angekommen, wollten wir gern noch was essen. An der Rezeption erwarteten uns 3 junge Männer, die aber anscheinend nicht wirklich dort arbeiten. Die fragten wir, ob sie uns zur Straße zurück begleiten können, um etwas zu essen. Wir saßen dann also mit 2 von ihnen in einem Lokal. Und wie es nicht anders zu erwarten war: dealten sie mit Charas (Eine Art Haschisch). Die Region ist bekannt für den Rauschgiftanbau und die Dörfer sind überlaufen von Hippies, die sich hier in den Drogenrausch stürzen. Uns boten sie es auch an, aber natürlich lehnten wir ab und hofften, dass sie noch fähig sind, uns den Weg zurück zu führen. Mit einem mulmigen Gefühl gingen wir durch die Dunkelheit zurück und kuschelten uns hundemüde unter viele Decken. Am nächsten Morgen hat es so geregnet, dass unser Guide die gebuchte Wanderung absagte.

Das ist unser Hostel gewesen

Das ist unser Hostel gewesen, bei Tageslicht sieht doch alles schon ganz anders aus

Der Ausblick vom Hostel

Mal ein ganz anderes Outfit in Indien. Bereit zu wandern!

Mal ein ganz anderes Outfit in Indien. Bereit zu wandern!

Die Männer vom Abend vorher, boten uns an, mit ihnen wandern zu gehen und da sie uns bei Tageslicht schon viel vertrauenswürdiger vorkamen, sagten wir zu. Wir verbrachten einen wunderschönen Tag und wanderten am Fluss entlang, zwischen Apfelplantagen und traditionellen Bergdörfern. Zwischendurch fanden wir uns unter einem Wasserfall mit heiligem Wasser für Hindus wieder (weshalb wir trotz der Kälte unsere Schuhe ausziehen mussten) Wir hatten zwei super Begleiter, die sogar unsere Sachen trugen.

Am Dienstag morgen um 5 brachen wir zurück nach Chandigarh auf und holten in den 10 Stunden Busfahrt unseren Schlaf nach. Es war wahrscheinlich auch besser die Augen zu schließen und nicht zu sehen, wie sich alle Autos, Busse und LKWs auf den schmalen Serpentinen aneinander vorbei schlängelten.

Das klingt bestimmt jetzt alles sehr abenteuerlich, war es auch. Und wir haben wiedereinmal mehr gelernt, dass man Menschen vertrauen kann, auch wenn es nicht so aussieht. Man ist auf andere Leute angewiesen , wenn man selbst keine Ahnung hat und auch wenn wir sehr skeptisch und vorsichtig sind, sind wir immer von unglaublich netten Menschen umgeben.

Mittlerweile sind wir schon wieder 2 Wochen in Delhi. Bald folgt wieder ein Bericht aus dem Children´s Home hier.

Bis Bald, Alinde