Delhi ist die größte salesianische Provinz in Indien und umfasst viele Projekte. Bisher war aber von Don Bosco Volunteers noch kein Freiwilliger in dieser Provinz. Wir wurden also auserkoren, den Weg hierhin zu bereiten. Da lastet doch schon ein bisschen Verantwortung an uns. Gerade als Frau ist es in Indien erst einmal vorrangig, uns den Gegebenheiten anzupassen. Das typisch indische „No problem“ oder Don´t worry“ bekommen wir oft zu hören, wenn man Probleme anspricht. Aber uns war es immer wieder wichtig das Gespräch zu suchen und zu erklären, was Freiwilligendienst für uns heißt. Denn sowohl die Kinder müssen sich an Volontäre – die längere Zeit da sind -gewöhnen, als auch die Fathers, die ihre Zeit brauchen, um uns Verantwortung zu übertragen. Daher prägten nicht immer nur schöne Momente unsere Arbeit, aber es gab doch auch einige Sonnenstrahlen.

Um 25 Jahre Deutsche Einheit zu feiern, wurden wir von der deutschen Botschaft in Delhi zu einem Empfang in die Residenz des deutschen Botschafters eingeladen. Zusammen mit 700 anderen Leuten, die alle in irgendeiner Weise eine Verbindung zu Deutschland haben, verbracten wir also den Abend. Zwischen Bänkern und Geschäftsmännern-und Frauen genossen wir das riesige Buffet (indisches und deutsches Essen), die Lifemusik der Jazzband und gute Begegnungen.

Das Areal der Residenz

Das Areal der Residenz

Gefuellt mit Gaesten

Gefuellt mit Gaesten

Eine Geburtstagsparty wurde in Don Bosco Ashalayam für die kleine Tochter eines indischen Sponsors des Projektes gefeiert. So hatte nicht nur die Familie des Mädchens einen schönen Abend, sondern auch alle Jungs und wir. Der Innenhof wurde mit hunderten von Luftballons geschmückt, auch hier gab es ein Buffet und es wurde viel getanzt (auch wenn Mädchen getrennt von Jungs tanzen mussten und wir irritiert angeschaut wurden, als wir mit den Jungs aus dem Projekt getanzt haben)

 

Der Zug nach Chandigarh

Der Zug nach Chandigarh

auf dem Boden warteten wir auf den Zug

auf dem Boden warteten wir auf den Zug

Es hieß, dass unser Projekt, in dem wir das Jahr arbeiten, in Chandigarh sei. Eine Stadt 250 km von Delhi entfernt. Wir waren bereits Anfang September hier, um unser Visa zu registrieren. Vor 2 Wochen hieß es, dass wir nach der Eingewöhnungsphase in Delhi nun in unser „Zielprojekt“ in Chandigarh kommen. Nach 5 Wochen in Delhi haben wir die Jungs genauso lieb gewonnen, wie sie uns. Und so viel der Abschied auf beiden Seiten schwer, denn wir wussten ja nicht, wann wir das nächste Mal nach Delhi kommen. Wir bekamen gemalte Bilder und (auf Hindi geschriebene Karten) geschenkt und von allen Seiten hieß es: „We will miss you!“ Mit all unserem Gepäck zogen wir also nach Chandigarh um. Es ist eine sehr saubere, grüne und verkehrstechnisch gute Stadt. Also das Gegenteil von den anderen indischen Städten, die man so kennt. Bevor es in die Schule für uns gehen sollte, wo wir zum Unterrichten eingeplant wurden, haben wir jetzt 2 Wochen Jugendliche, die älter als 20 Jahre sind, in Englisch unterrichtet. Aber hier heißt unterrichten eher, dass man immer über ein bestimmtes Thema im Stuhlkreis redet, um die Sprache auch zu sprechen. Fürs Grammatik und Vokabeln pauken waren wir also nicht verantwortlich. Fragen wie „Can I enter Mam?“ oder „Can I sit Mam?“ klangen für uns am Anfang sehr befremdlich. Doch die Höflichkeit täuscht, denn auch hier wird im Unterricht gequatscht, es klingeln Handys und man wird bem Sprechen des Öfteren unterbrochen. Aber ich denke, dass unsere Schüler einiges über Deutschland erfahren haben und wir einiges über Indien. Auch wenn uns die Meinungen der Schüler über „arranged marriages“ ein bisschen geschockt haben. Zwangshochzeiten innerhalb der Katen sind hier immer noch Gang und Gebe. Meistens widersetzen sich die Söhne und Töchter aber nicht und akzeptieren die Partnerwahl ihrer Eltern. Nur eine Minderheit der Jugendlichen ziehen es in Erwägung später aus freier Entscheidung zu heiraten. Einen Tag verbrachten wir mit erwachsenen Behinderten, die ebenfalls unterrichtet werden.

 

mmh..Kartoffelpuffer!!

mmh..Kartoffelpuffer!!

In der Freizeit kochten wir deutsches Essen (mit den Lebensmitteln, die auffindbar waren). Daraus entstanden dann Kartoffelpuffer mit selbstgemachtem Apfelmuß und an einem anderen Tag Nudeln und Tomatensauce. Jeden Abend gehen wir in den Park spazieren, der eigentlich direkt neben unserem Haus liegt. Dort treffen wir immer auf Kinder von den umliegenden Häusern. Bei einem Mädchen waren wir eines Abends zum Abendessen eingeladen und da konnten wir wieder einmal mehr die Gastfreundlichkeit der Inder spüren.

Einen Tag Sightseeing in Chandigarh war auch dabei. Die Gebäude der Regierung sind Plattenbauten und erinnern stark an den Baustil der DDR. Um in diesen Distrikt vorgelassen zu werden, mussten wir uns erstmal eine Erlaubnis der Polizei holen. Dort konnten wir auch das Wahrzeichen der Stadt sehen: Die „Open Hand“. Einen Spaziergang konnten wir am künstlich angelegten See tätigen und außerdem im „Rose Garden“, wo im Februar mehr als 1500 verschiedene Rosenarten blühen. Als uns dort ein Junge um Geld für Essen anbettelte, kauften wir ihm ein Eis, mussten ihm aber erklären, dass das Papier in den Mülleimer gehört.

Im Park kauften wir dem Strassenjungen ein Eis

Im Park kauften wir dem Strassenjungen ein Eis

Schoener Ausblick auf den See und die Berge (Vorlaeufer des Himalaya)

Schoener Ausblick auf den See und die Berge (Vorlaeufer des Himalaya)

Der See muss natuerlich vom Militaer bewacht werden

Der See muss natuerlich vom Militaer bewacht werden

Die "Open Hand": Open to give and open to receive

Die „Open Hand“: Open to give and open to receive

Der High Court (wir haben uns wie in der DDR gefuehlt)

Der High Court (wir haben uns wie in der DDR gefuehlt)

Den Sonnenuntergang konnten wir zwischen den Plattenbauten erleben

Den Sonnenuntergang konnten wir zwischen den Plattenbauten erleben

Gestern war ein Feiertag der Hindu-Religion (Ich glaube ein Gott besiegte eine sehr böse Gestalt). Auf einem Platz kämpften 2 verschiedene Gruppen im Schauspiel gegeneinander. Das war vor allem wegen der Kostüme sehr lustig anzusehen. Während hunderte von Leuten hinter dem Zaun stehen mussten, der das Gelände abgrenzte, wurden wir direkt aufgefordert, uns in die erste Reihe zu setzen. Wir wurden um unzählige Fotos gebeten und das kann ganz schön nervend sein, wenn man eigentlich einfach nur das Fest genießen will und dann auch noch begründen muss, warum man die Bitte abschlägt. In der Mitte des Platzes standen 3 riesige Figuren, die einen der Hindu-Götter darstellen sollten und mit Knallern gefüllt waren. Als Symbol des Siegs über diesen Gott gingen die Statuen in Flammen auf, als es dunkel wurde und  die Knaller waren ohrenbetäubend, weshalb auch alle urplötzlich aus den ersten Reihen flüchteten.

Nach vielen Gesprächen und Berücksichtigung unserer eigenen Wünsche, wurde nun beschlossen, dass wir ab nächster Woche zurück nach Delhi in das Jungsheim gehen und dort das restliche Jahr arbeiten werden.
Zuvor machen wir aber noch eine 4-tägige Reise ins Himalaya. Davon könnt ihr dann im nächsten Bericht lesen.

Bis dahin,
Alinde